Halfpipe Bühne
10. Juni 2009
Ich dachte an die Ringe des Saturn, als ich die Bühne in der Inszenierung von Franz Kafka „Der Prozess“ in den Münchner Kammerspielen sah. Innen drehte sich der unbewohnbare Planet. Vieles spricht dafür, dass es sich um ein Auge handelt bei dieser Bühne. Auf jeden Fall gab es doch da tatsächlich Ähnlichkeiten zur „Fangt uns doch“ Bühne. Was passiert da technisch? Zitiere den Standart (Wien. Ronald Pohl):
Regisseur/Ausstatter Andreas Kriegenburg hat auf die Münchner Bühne ein Gipsauge gestellt. In dessen ovaler Mitte, sozusagen im Durchstichsloch eines Träumers, rotiert ein Hubpodest, das immer wieder gemächlich in die Vertikale kippt, um schließlich als Kletterwand den Schrecken einer hölzernen Eiger-Nordwand zu verbreiten. Read the rest of this entry »
Es weitergeben
8. Juni 2009
Wie Widerstadsfähigkeit weitergeben?
Christian Führer, selbst Sohn eines Pfarrers, hat nach seinem Studium in Leipzig Ende der 60er Jahre seine erste Pfarrstelle in einer Landgemeinde in Sachsen angenommen. Mit ihm kommt seine Frau Monika.
Im Dorf waren wie so richtig angekommen. Die Anteilnahme der Dorfbewohner spürte ich deutlich, als im Jahre 1969 unser erstes Kind geboren wurde. Read the rest of this entry »
Zeitung des Fritz Gerlich
26. Mai 2009
Vor 75 Jahren wurde der Publizist Fritz Gerlich von den Nazis ermordet, anderthalb Jahre war er vorher ohne Prozess im Gefängnis gesessen. Man wusste davon (und von ähnlichen Morden) im Saarland und in Österreich, und doch hat man dem Hitler zugejubelt.
Zu ihm gibt es eine recht gute Website hier mit allen Ausgaben seiner Zeitung zwischen 1931 und 1933 zum Herunterladen.
„Es gibt nur einen, der den geraden Weg zu Gott gegangen ist. “ oder so ähnlich schreibt Sophie Scholl an Fritz Hartnagel mitten im Krieg. Sie meint damit nicht Fritz Gerlich, aber dessen Zeitung hieß tatsächlich „Der gerade Weg“ und warnte vor Hitler. Bis 1930 war Gerlich Chefredakteur der „Münchner Neueste Nachrichten“, der Vorläuferzeitung der Süddeutschen.
Eine Historikerdiskussion gestern offenbarte spannende Dinge. Was für ein Hitzkopf Gerlich war, wie er sich beraten ließ (von Resl von Konnersreuth), wie man als Nichtjournalist gleich Chefredakteur werden kann, dass er keine Angst davor hatte, für das, was er schrieb und herausgab, zu sterben, wie er überlegte, auf die SS-Leute, die sein Büro plünderten, zu schießen, wie einer seiner Artikel jemand in den Selbstmord trieb, wie seine Zeitschrift einen Freund schwer in Zahlungsschwierigkeiten brachte, wie Hitler mit ihm sprach und wie sie seitdem erbitterte Feinde wurden, wie er stundenlang Artikel aus dem Kopf diktieren konnte … das wird eine Fernsehsendung für BR Alpha
Kränkungen
15. Mai 2009
… bin irgendwie gekränkt, dass ich damit rechnen muss, dass ich die nächsten Jahre nicht zum Theatermachen kommen werden. Unangenehm, dass man eine solche Eigenschaft hat und sie an sich selber feststellen muss. (Zum Glück denk ich das nur manchmal.)
Es hilft das doch auch Erfüllende, was ich im Moment tue und vielleicht ein bischen Dialektik. Weiß nicht, ob der Begriff der Menschenwürde, der in der Bundesdeutschen Verfassung, so wichtig ist, auch den Widerständlern so zentral war. (Bin diesbezüglich gerade auch zu weit weg von den Weiße Rose Leuten, dass ich mich erinnerte.)
Reich ist man nicht durch das, was man besitzt, sondern mehr noch durch das, was man mit Würde zu entbehren weiß. Es könnte sein, dass die Menschheit reicher wird, indem sie ärmer wird, indem sie gewinnt, indem sie verliert. (Immanuel Kant)
Künstler sein
18. April 2009
Kleiner Ostereintrag, ein Lieblingszitat. Lange war dieses Zitat von Vinzent van Gogh Read the rest of this entry »
Friedensbewegung ost und west
8. April 2009
Was ich so als Jugendlicher und Kind gesagt bekam in den 80-er Jahren: Die Amerikaner haben uns nach dem Krieg geholfen, sie stehen für Freiheit und gegen Kommunismus und Diktatur. Sie wollen nicht die Weltherrschaft wie (jeder im Gesellschaftsspiel Risiko und wie) die Sowjetunion. Sie sehen sich gezwungen, aufzurüsten, weil es die anderen auch tun. Die sogenannte Friedensbewegung sind entweder keine politischen Realisten oder sie sind vom Kommunismus unterwandert. Die Erben der Weißen Rose, allen voran Inge Aicher-Scholl und Fritz Hartnagel, galten als anti-kommunistisches Aushängeschild der Friedensbewegung. Read the rest of this entry »
Nikolaikirche Leipzig Montag 17 Uhr
25. März 2009
Gestern diese Geschichte und ihre Vorgeschichte aus erster Hand von Christian Führer erzählt bekommen. Bin recht dankbar und glücklich. (Am Bild die offene Tür der Nikolaikirche.)
Aktuelles
19. März 2009
Die Weiße Rose – Ein Kriegsmärchen
von Lars Zastrow und Janosch Roloff
… eine wahre Geschichte, die in die Gefahr geraten ist, zur Legende zu werden und dabei ihre tatsächlichen Akteure aus Fleisch und Blut hinter ideologisch reduzierten Ikonen verschwinden zu lassen.
- komme leider die nächsten Tage nicht nach Köln, letzte Aufführung am 2. April.
SchönMalen
17. März 2009
Sonntags bei Gerhard Richter, Abstrakte Malerei, im Haus der Kunst. Der Mann will tatsächlich Schönes schaffen, das sieht man an jedem Bild, man ist nicht in die Nacht des Todes und der Depression getaucht wie bei so viel anderer Kunst der letzten Jahrzehnte. Und Richter will ethische Impulse setzen. Zudem klagt er, wie weit der Weg vom Sehen zum Begreifen ist. Das ist alles der alte Platon, an dem ich auch so hänge (einschließlich dem Bekenntnis, dass er sich als Künstler dem Schein widmet – mit der Besonderheit, dass Richter das Begreifen, also die Schau der Ideen, sehr schätzt.) Wir haben bei „Fangt uns doch“ versucht, das Schöne darzustellen, Read the rest of this entry »
Demenz öffentlich
27. Februar 2009
Inge Jens, Herausgeberin und geniale Kommentatorin der Briefe und Aufzeichnungen der Geschwister Scholl, ist mit einem berühmten Mann verheiratet, Walter Jens. Der ist inzwischen 86 Jahre alt und altersdement. Sein Freund, der Theologe Hans Küng, hat in einem Zeitungsartikel für Sterbehilfe plädiert, weil Jens sagt er würde leiden und wolle sterben. Las das vor ein paar Tagen, heikle Frage, bin aber dagegen so etwas bei Demenz zu erwägen. Finde es ist etwas anderes, wenn jemand sterben will oder wenn jemand sich selbst oder jemand anders tötet. (Jens ging freilich im gesunden Zustand weiter als nur passiv nicht sterben zu wollen.) Ich suchte auch ein positives Argument. Heute dazu die FAZ von seiner Familie, die den Gatten und Vater liebt (auch wenn sie damit Probleme haben, dass er über alles mögliche aber lange nicht über sein NSDAP-Parteibuch sprach – war er doch am Kriegsende erst 22 Jahre):
Die Familie hat sich entschieden, ihm die Sterbehilfe zu verweigern, weil sie nicht weiß, welche Kriterien in der Welt, in der er jetzt eingeschlossen ist, Gültigkeit besitzen. „Im Grunde ist es egal, ob ein Mensch über einen gelungenen Text glücklich ist oder über ein Wurstweckle. Mir das einzugestehen war hart für mich“, sagt Inge Jens. Read the rest of this entry »
