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	<title>Fangt uns doch</title>
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	<description>Wie kam es soweit, dass Hans und Sophie Scholl gegen die nationalsozialistische Diktatur aktiv wurden? Weblog gegründet als: Tüfteleien und Motivation zum Theaterstück der KJT 2006/07: „Fangt uns doch“</description>
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		<title>Havels Tod</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Dec 2011 19:55:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8222;Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.&#8220; So zitiert die TAZ den heute morgen verstorbenen Václav Havel: Dramatiker, Dissident und später (etwas weniger glücklich) Präsident der Tschechoslowakei und später nur noch Tschechiens. Georg hatte mir den Dramatiker bereits vorgestellt, vor die Mauer [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=801&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright" src="http://www.faz.net/polopoly_fs/1.1570195.1324216356!/image/1271782825.jpg_gen/derivatives/width610x580/1271782825.jpg" alt="" width="430" height="318" />&#8222;Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.&#8220; So zitiert die TAZ den heute morgen verstorbenen Václav Havel: Dramatiker, Dissident und später (etwas weniger glücklich) Präsident der Tschechoslowakei und später nur noch Tschechiens. Georg hatte mir den Dramatiker bereits vorgestellt, vor die Mauer fiel. <a href="http://www.taz.de/Nachruf-Vclav-Havel/!83968/">Die TAZ </a>fährt fort:</p>
<p style="padding-left:30px;">Dabei war Havel ein stiller, fast schüchterner Mensch. Keiner, der sich unbedingt darum gerissen hatte, sich einem ganzen System zu stellen. &#8222;Havel war eher vorsichtig&#8220;, erinnert sich der tschechische Schriftsteller Jáchym Topol, der in den achtziger Jahren als Teil der jungen Generation des tschechoslowakischen Dissens mit Havel zusammenarbeitete. &#8222;Unsere Demonstrationen fand er nicht so toll, er hatte Angst, dass das Regime mit Gewalt gegen uns vorgehen würde&#8220;, sagt Topol.</p>
<p style="padding-left:30px;">Dabei schien das kommunistische System eigentlich immer mehr Angst vor Havel zu haben als umgekehrt. Kein Wunder, genoss Havel doch das, was den Machthabern in Prag oder auch in Moskau immer versagt geblieben war: Legitimität.</p>
<p><a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-12/vaclav-havel-nachruf">Die Zeit</a> schreibt im Nachruf, wie Havel seine politische Tätigkeit als Versöhnung verstand (ähnlich Robert Scholl als Nachkriegsbürgermeister in Ulm würde ich sagen):</p>
<p style="padding-left:30px;">Sein Präsidentenamt hat Vaclav Havel – zunächst in der Tschechoslowakei und dann, nach der Trennung des Doppelstaates 1993 in Tschechien – nie als Machtpolitiker geführt. Er hat sich selbst als Begleiter verstanden; als jemanden, der dem <a href="http://www.zeit.de/1992/13/die-dinge-nach-vorne-treiben" target="_blank">Volk beim Start in die neue Epoche</a> hilft. Zu einem Modell der moralischen Politik wollte er sein Land formen und setzte sich deshalb von vornherein für die Versöhnung ein: In vielen Behörden und Ämtern blieben die alten Mitarbeiter weiterhin beschäftigt, Havel wollte keinen Graben durch das Land, sondern wünschte sich eine Erneuerung, an der alle mitwirken sollten. In Tschechien war dieser Kurs heftig umstritten, aber Havel war fest davon überzeugt, dass die gemeinsame Perspektive die Vergangenheit überwinden hilft. Er war der Philosoph, der auf einmal seine Gedanken in die Tat umsetzen kann.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/801/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/801/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/801/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/801/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fangtunsdoch.wordpress.com/801/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fangtunsdoch.wordpress.com/801/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fangtunsdoch.wordpress.com/801/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fangtunsdoch.wordpress.com/801/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/801/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/801/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/801/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/801/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/801/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/801/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=801&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Selbstbewusster Löwe</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Oct 2011 15:12:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gehört eine gehörige Portion Selbstbewusstsein dazu, wenn ein Afrikaner aus dem Schimpfbegriff Neger/ Niger eine Ehrenbezeichnung für sich selber macht. Das tun die Dichter der Negritude, darunter Leopold Sédar Senghor (1906-2001), zugleich erster Präsident des freien Senegal (1960-1980). Bei Senghor hat dieses Selbstbewusstsein sogar damit zu tun, dass ein Afrikaner Widerstand gegen die deutsche [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=793&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d7/Bundesarchiv_B_145_Bild-F011981-0002%2C_Frankfurt-Main%2C_Staatspr%C3%A4sident_von_Senegal.jpg/200px-Bundesarchiv_B_145_Bild-F011981-0002%2C_Frankfurt-Main%2C_Staatspr%C3%A4sident_von_Senegal.jpg" alt="" width="200" height="193" />Es gehört eine gehörige Portion Selbstbewusstsein dazu, wenn ein Afrikaner aus dem Schimpfbegriff Neger/ Niger eine Ehrenbezeichnung für sich selber macht. Das tun die Dichter der Negritude, darunter <a href="http://www.encyclopedia.com/topic/Leopold_Sedar_Senghor.aspx">Leopold Sédar Senghor (1906-2001)</a>, zugleich erster Präsident des freien Senegal (1960-1980). Bei Senghor hat dieses Selbstbewusstsein sogar damit zu tun, dass ein Afrikaner Widerstand gegen die deutsche Angriffskriegerei zeigte. General <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%A9lix_%C3%89bou%C3%A9">Felix Éboué</a>, ein Senegalese, war wohl der erste französche General, der vom Vichy-Regime zu De Gaule überlief. Éboué steht für den afrikanischen Menschen und er ist wie ein Löwe. <span id="more-793"></span>Senghors Gedicht (in der Übersetzung von Jahnheinz Jahn):</p>
<p style="padding-left:30px;"><em><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">An Gouverneur Eboué</span></span></em></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;"><img class="alignright" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/bb/Wedge_tailed_eagle_in_flight04.jpg/220px-Wedge_tailed_eagle_in_flight04.jpg" alt="" width="220" height="147" />Der weiße Adler kreischte über dem Meer, über den Inseln wie der weiße Schrei der Sonne vor Mittag.</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Der Löwe gab Antwort, der König der Wildnis welcher die schlaffe Mittagserstarrung aufstört.</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Ébou-é! Du bist der Fels, auf den der Tempel der Hoffnung gebaut wird,</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Dein Name bedeutet „der Fels“, und du bist nicht mehr <em>Felix</em>, ich nenne dich <em>Petrus</em> Éboué.</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"> <img class="alignright" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/c4/Maneless_lion_from_Tsavo_East_National_Park.png/220px-Maneless_lion_from_Tsavo_East_National_Park.png" alt="" width="220" height="129" /></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Die jungen Raubgötter haben sich aufgerichtet, sie schleudern ihre von Blitzen durchzuckten Augen</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Sie habenden Sturm vor sich hergeschleudert und ihre über die Eisenhorden kreisenden Falken</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Und fernhin erzitterte alle Erde unter dem heftigen Angriff des Hochmuts.</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Ébou-é! Du bist der Löwe mit kurzem Schrei, der Löwe der aufrecht bleibt und nein sagt.</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Der schwarze Löwe mit Seheraugen, der schwarze Leu mit der Ehrenmähne</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Gleich einem Askia von Songhai Gouverneur mit dem lächelnden Helmbusch</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Du bist der einfache Stolz meines Afrika, der Stolz einer Erde, entleert ihrer Söhne</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Die man versteigerte, billiger als die Heringe – und es bleibt ihr nur ihre Ehre </span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Und drei Jahrhunderte Schweiß haben nicht dein Rückgrat gebeugt.</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Ébou-é! Fels bist du den reiches Moos bedeckt, denn du bist fest und stehst aufrecht.</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Tausend Völker und tausend Zungen haben Sprache gefunden in deiner roten Treue</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Das Feuer das dich verzehrt, entflammt die Wüsten, den Busch</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Denn Afrika richtet sich auf, das schwarze samt seiner braunen Schwester.</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Afrika ist zum weißen Stahl, zur schwarzen Hostie geworden</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">Auf dass die Hoffnung des Menschen lebe.</span></span></p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT"><span style="font-family:Centennial-Roman,serif;"><span style="font-size:small;">&#8230; Paris 1942</span></span></p>
<p lang="de-DE" align="LEFT">Ich mag die Bilder, oben die weißen Vögel, zum Teil eisern, also Flugzeuge, unten der schwarze Löwe (Leu, Askia). Der kann im Schleichen auf der Erde nicht weniger gewichtige Akzente setzen wie die Vögel der Luft. Vor allem gibt er eine angemessene Antwort in den Kriegswirren, so wie Simon Petrus in Cäsarea Philippi eine angemessene, mutige Antwort gab. So wird ihm, Eboué, der Name Petrus verliehen. Der Löwe, nicht die eisernen Vögel der Luft, sind ein Fels, auf den man sich verlassen kann. Ein solche Löwe ist Grund genug, dass Afrika aufstehen kann, selbstbewusst in der Welt steht, mit dem Stahl der Weißen glänzen kann und mit der Opferbereitschaft der Christen. Dass es Hoffnung für alle ist, so wie es die christliche Messiasgeschichte sein will.</p>
<p lang="de-DE" align="LEFT">Weiße Hostien ist der Titel einer ganzen Gedichtsammlung Senghors:</p>
<p style="padding-left:30px;" lang="de-DE" align="LEFT">His 1948 publication called <em>Hosties noires (Black Sacrifices)</em> contained poems that had been written by Senghor in a German prison camp and had been sneaked out of the camp to George Pompidou by a sympathetic guard. These poems dealt with public themes and historical issues, according to Vaillant. “This collection strikes a militant note,” she wrote. “The very title <em>Hosties noires</em> was carefully chosen for its double meaning. It can be translated into English in two ways, either as ’black victims’ or as ’black hosts’—host in the sense of the sacrificial host of Catholic Communion. (<a href="http://www.encyclopedia.com/topic/Leopold_Sedar_Senghor.aspx">im Netz hier</a>)</p>
<p lang="de-DE" align="LEFT">Was in dem Zitat nicht steht &#8211; Hostie steht auch für Erlösung und Befreiung, gerade in obigem Gedicht &#8230; auch wenn es dann etwas blasphemisch klingt.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/793/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/793/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/793/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/793/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fangtunsdoch.wordpress.com/793/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fangtunsdoch.wordpress.com/793/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fangtunsdoch.wordpress.com/793/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fangtunsdoch.wordpress.com/793/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/793/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/793/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/793/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/793/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/793/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/793/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=793&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Hochmut oder Scharfblick?</title>
		<link>https://fangtunsdoch.wordpress.com/2011/09/23/hochmut-oder-scharfblick/</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Sep 2011 21:40:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Dichter Paul Wühr im Interview mit Germanisten aus Bielefeld (LiLi): LiLi: Woher rührt denn ihr Faible für die Philosophie? Wühr: Das hat ganz einfach damit zu tun, dass ich mich seit meinem zwölften Lebensjahr nicht mehr für diesen wunderbar schönen Mist, diese Welt hier, besonders interessiere. Ich würde nie einen schönen Wald oder Personen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=787&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Dichter <a href="http://www.uni-bielefeld.de/lili/forschung/projekte/archiv/zeitung/6wuehrinterview.htm">Paul Wühr im Interview mit Germanisten aus Bielefeld (LiLi)</a>:</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong><strong>LiLi: </strong></strong>Woher rührt denn ihr Faible für die Philosophie?</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>Wühr: </strong>Das hat ganz einfach damit zu tun, dass ich mich seit meinem zwölften Lebensjahr nicht mehr für diesen wunderbar schönen Mist, diese Welt hier, besonders interessiere. Ich würde nie einen schönen Wald oder Personen von dieser Welt übernehmen oder schildern. Ich hab mich immer, plump gesagt, um das Letzte gekümmert: Um Themen wie Tod, Weiterleben, Solidarität, Politik, Demokratie, um das Zusammenleben der Menschen eben. Leider sehen wir, dass wir irgendwann vernichtet werden. Das ist eine ungeheure Unverschämtheit, an der ich, solange ich lebe, leide. Solche Fragen, an denen bin ich brennend interessiert. Ich halte mich dann immer an der Grenze von Philosophie und Theologie auf und für viele bin ich deswegen unannehmbar. Aber es geht bei mir auch um Lust, um Frauen, um das Geschlecht. Es geht um alle diese Dinge, die uns brennend interessieren und nicht bloß der Tod.<span id="more-787"></span></p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>LiLi: </strong>Ein autobiographisches Zitat von Ihnen lautet wie folgt: „Ich bin schon ein Denker. Aber ein poetischer Denker. In der Schule war ich deswegen nicht gut, weil ich kein schneller Schalter bin. Ein Poet ist kein schneller Schalter. Ein Poet hat auch kein großes Gedächtnis, der hat keinen Mutterwitz. – Das erledigt ja alle Aufgaben sofort. Ich weiß es von meinen Mitschülern. Die haben alles gleich gewußt. Ich nicht. Ich war immer dagesessen mit offenem Mund und hab mir gedacht: Ui! Nichts kapiert. Moment! Das krieg ich noch raus in meinem Leben. Und wenns 50 Jahre dauert, krieg ich das raus!“</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>Wühr: </strong>Ich war lange Zeit Lehrer, von irgendwas musste ich ja leben. Ich habe es gern gemacht und ich habe genau gewusst, wenn da wieder ein Wühr saß. Solche Träumer, die sind wichtig. Die Mädel, die ich natürlich auch sehr gern mochte, die haben immer alles gleich gewußt. Die haben prompt alles ganz klar hingestellt. Und der Träumer sagte nur: „Was ist los?“ Die Schule ist eine Unverschämtheit, wenn sie immer so fragt. Ich konnte nie meinen Gedanken nachgehen, weil ich befürchtete, dass es heißen würde: „Wühr, sag!“. Darauf habe ich nie eine Antwort gewußt. Die sind dann halb wahnsinnig geworden. Gedächtnis kann ich aber als Poet nicht haben. Der Schreibtisch ist für mich der einzige Ort auf der Welt, der zu ertragen ist. Deswegen kann ich auch nicht mehr gehen. Wenn ich dort sitze, dann weiß ich eben nichts. Hätte ich Gedächtnis, dann schriebe ich etwas hin, das ich schon vorher dachte.</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>Wühr: </strong>Ich war lange Zeit Lehrer, von irgendwas musste ich ja leben. Ich habe es gern gemacht und ich habe genau gewusst, wenn da wieder ein Wühr saß. Solche Träumer, die sind wichtig. Die Mädel, die ich natürlich auch sehr gern mochte, die haben immer alles gleich gewußt. Die haben prompt alles ganz klar hingestellt. Und der Träumer sagte nur: &#8222;Was ist los?&#8220; Die Schule ist eine Unverschämtheit, wenn sie immer so fragt.. Ich konnte nie meinen Gedanken nachgehen, weil ich befürchtete, dass es heißen würde: &#8222;Wühr, sag!&#8220;. Darauf habe ich nie eine Antwort gewußt. Die sind dann halb wahnsinnig geworden. Gedächtnis kann ich aber als Poet nicht haben. Der Schreibtisch ist für mich der einzige Ort auf der Welt, der zu ertragen ist. Deswegen kann ich auch nicht mehr gehen. Wenn ich dort sitze, dann weiß ich eben nichts. Hätte ich Gedächtnis, dann schriebe ich etwas hin, das ich schon vorher dachte.</p>
<p>Erstens mag ich das Zitat, sonst hätte ich es nicht gepostet.  Jetzt eine versuchte Kritik. Ich mag ja auch Philosophie und harte Fragen und ich mag Träumen und Inspiration. Warum interessiert ihn der Apfelbaum nicht, nichtmal beim Älterwerden? Warum nicht der Mond und die Sterne? Warum nicht die Amsel?</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong><strong>Wühr: </strong></strong>Die wirkliche, ungeheure Poesie muss mit dem Wenigsten auskommen. Das versteht dieser Konditormeister nicht. Wenn ich ein Gedicht ins Fliegen bringen will, kann ich nicht schreiben: &#8222;Die Amsel breitet ihre Flügel aus&#8220;, weil jeder sofort sagt: &#8222;Amsel, ach ja, die kann ich mir vorstellen.&#8220; Da muss ich sagen: &#8222;Der Vogel breitet seine Flügel aus.&#8220; Ich kann nicht Sperling, nicht Spatz und nicht Schwan sagen. Es gäbe dann jedesmal ein nettes lyrisches Mildern.</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>LiLi: </strong>Wie verhält es sich bei Ihnen mit den Bildern? Die sind oft gar nicht mehr als Metaphern oder Symbole lesbar.</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>Wühr: </strong>Da ist keine Konditorei drin. Das Bild gehört dem Maler. Poesie ist etwas, das man nicht wie ein Bild sehen kann. Man kann es nicht sehen, also auch nicht beschreiben. Poesie ist im höchsten Zustand, wie bei Hölderlin, unsichtbar.</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>LiLi: </strong>Aber es gibt bei Ihnen doch Sinnesmaterialien, wie bei den erotischen Gedichten die Schenkel zum Beispiel.</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>Wühr: </strong>Wenn ich ein an die Pornographie heranreichendes Gedicht schreibe, dann kommt der Schenkel so vor, dass mein Vater dazu sagen würde: &#8222;Komm´ Paul, laß mich doch in Ruh´. Sag es doch gleich richtig. Da kennt sich ja kein Mensch mehr aus.&#8220; Das Bild ist dann verrätselt. Es spielt aber eine Rolle in einem unsichtbaren Bild, in einem Denkbild.</p>
<p>Ein Povukateur, wenn schon das Konkrete, dann pornographisch (und blaspemisch) und doch wieder verwirrend, unsichtbar, zum Denken. Alles Metatexte, Postmodernes,  ich mag die wenigsten von den Wühr-Gedichten, die ich kenne. Denkbilder wie Luftballone, die eine kleine Nadel zum Platzen bringt. Gerade in ICH HABE DEN ist die Fortsetzung &#8222;Fehler nicht machen müssen&#8220; tatsächlich logischer (und deshalb Zeuge eines echte Denkgebildes) als die Fortsetzung &#8222;Fehler nicht gemacht&#8220;.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/787/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/787/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/787/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/787/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fangtunsdoch.wordpress.com/787/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fangtunsdoch.wordpress.com/787/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fangtunsdoch.wordpress.com/787/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fangtunsdoch.wordpress.com/787/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/787/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/787/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/787/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/787/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/787/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/787/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=787&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Mensch steh auf</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 13:48:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>

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		<description><![CDATA[Hilde Domins Gedicht „Abel steh auf“ ist ein Plädoyer für die dritte Maxime der Französischen Revolution: Brüderlichkeit. Dafür, dass sich einer für den anderen verantwortlich zeigt, Hüter seiner Geschwister ist. Soweit ein erster Blick. Das hätte man auch ohne Gedicht und Mythos sagen können. Aber natürlich ist es eingängig den Mythos zu bemühen und die [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=778&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright" src="http://t0.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcQwBtxXGv-mL55DzJoD5ZhcJpWSeoek8vm3xpLP8ChRkyOFze2VVw" alt="" width="268" height="188" />Hilde Domins Gedicht „Abel steh auf“ ist ein Plädoyer für die dritte Maxime der Französischen Revolution: Brüderlichkeit. Dafür, dass sich einer für den anderen verantwortlich zeigt, Hüter seiner Geschwister ist. Soweit ein erster Blick. Das hätte man auch ohne Gedicht und Mythos sagen können. Aber natürlich ist es eingängig den Mythos zu bemühen und die Sprache leuchten zu lassen. Bitte <a href="http://www.sk-kultur.de/poetmail/970617.htm">das Gedicht z.B. hier lesen</a>, dann vielleicht noch meine Assoziationen.<span id="more-778"></span></p>
<p><img class="alignright" src="http://www.lavistachurchofchrist.org/Pictures/Treasures%20of%20the%20Bible%20%28Genesis%29/images/scan0005.jpg" alt="" width="380" height="317" />Da ist einer Mörder geworden, Mörder seines eigenen Bruders – weil der Erfolg hatte und Kain das einfach nicht verkraften konnte. Weit gefehlt, dass man von so jemand der Hüter sein soll, wer so erfolgreich ist, braucht keinen Hüter. Kann sein, dass es glücklicher Sieg war: Manchmal gewinnt Bremen, manchmal Dortmund, manchmal wird dein Opfer angenommen, manchmal meines. Vielleicht war es aber auch ein strukturelles Ungleichgewicht: Bayern gewinnt halt die ganze Zeit. Kain hatte vielleicht einfach ein schwierigeres Leben als der Viehzüchter Abel. Andererseits, Kain muss keine Tiere hüten, gar nichts muss er hüten, auch nicht seinen Bruder. Der biblische Schreiber sieht einen Vorzug des Viehhüters und des Ackerbauers vor dem nomadischen Zigeuner, den Vorzug der dauerhaften Verpflichtung vor dem Herumstreunen. Wichtig für die Geschichte ist, dass er sieht, dass wir alle Herumstreuner sind, dass wir alle nur von Gott durch das Kainsmal am Leben Gehaltene sind. Gerade als er auf frischer Tat ertappt wird, kommt dieser Nomade auf die rettende Idee: Egal ob ich Hüter von Tieren, Feldern oder Städten bin, oder ob ich es nicht bin. Hüter des Bruders könnte ich sein. Aber die Idee kommt eben nur ex negativo, und nachdem es soweit gekommen war, dass Kain den Bruder nicht mehr hüten konnte.</p>
<p>Da müsste doch einer von den Toten auferstehen. Das sagt der Reiche, als er den armen Lazarus in Abrahams Schoß sieht. Wenn Lazarus von den Toten wiederkäme, so spricht der Prasser, der in Jesu Rede in der Hölle große Qualen erduldet, dann würden vielleicht meine Brüder nicht so sehr vergessen, dass sie die Hüter dieser armen Lazaruse sind. Abraham erwidert: Wenn sie Mose und den Propheten nicht geglaubt haben, werden sie auch nicht glauben, wenn einer aufersteht. Domin kennt die drei Lösungen: Mose – das Gesetz – und Auferstehung – das Erlebnis einer (Barock-)kirche; sie spricht als Prophetin: Gesetz und Himmelsbilder bräuchte es nicht, wenn Abel aufstünde. Und die Prophetin sagt: „Abel steh auf“, wenn du aufstehst, kann es Versöhnung geben.</p>
<p>Die Dichterin, als Tochter Abels, steht stellvertretend auf. Schon sprachlich ist jeder Satz des Gedichts wie ein Stein, der auf eine Mauerreihe aufgesetzt wird und das Haus höher werden lässt. Domin ist nicht Abel selbst, aber seine Stimme, ein wenig sein Prophet, wenn auch vor allem Prophet der göttlichen Frage: „Wo ist dein Bruder Abel?“ Wenn der Bruder mit ihr neu zu spielen anfängt, ist es nicht wie in der Kindheit. Es braucht ein grundsätzlicheres neues Spiel.</p>
<p><img class="alignright" src="http://static.artbible.info/large/kain_abel.jpg" alt="" width="502" height="384" />Doch selbst, wenn es dieses neue Spiel gäbe, die neue Chance für Kain, wäre die Sache nicht ganz so einfach. Kain könnte nochmal sagen: „Bin ich denn der Hüter meines Bruders?“ In der Antwort liegt manches Positive: Ich lasse meinem Bruder seine Freiheit. Ich will selber nicht überbehütet sein. (Auch wenn das angesichts eines Mordes nicht mehr viel wiegt.) Dreimal wird im Gedicht die antizipierte positive Antwort des Kain zurückgenommen. Wenn der Bruder noch lebt, kann Kain antworten, dass ihm sein Bruder am Herzen liegt und dass er ihn hütet, oder er kann anders antworten. Er braucht ihn nicht wieder umzubringen, um anders zu antworten. Er kann einfach nur weiterleben und Raketen bauen. Vermute, Domin denkt, es gibt nur zwei echte Möglichkeiten der Antwort: Ich bin Hüter – oder ich bin es nicht.</p>
<p style="padding-left:30px;"><span style="font-family:Tms Rmn,Times New Roman,serif;">Ich schreibe dies</span></p>
<p style="padding-left:30px;"><span style="font-family:Tms Rmn,Times New Roman,serif;">ich ein Kind Abels</span></p>
<p style="padding-left:30px;"><span style="font-family:Tms Rmn,Times New Roman,serif;">und fürchte mich täglich</span></p>
<p style="padding-left:30px;"><span style="font-family:Tms Rmn,Times New Roman,serif;">vor der Antwort</span></p>
<p style="padding-left:30px;"><span style="font-family:Tms Rmn,Times New Roman,serif;">die Luft in meiner Lunge wird weniger</span></p>
<p style="padding-left:30px;"><span style="font-family:Tms Rmn,Times New Roman,serif;">wie ich auf die Antwort warte</span></p>
<p>Eine zweite intensive Andeutung ans Evangelium steckt im Text. Das Brandopferbringen des alten Testaments, der Wettbewerb von Kain und Abel, wird so interpretiert, dass Gott das Feuer wirft oder es nicht wirft. Direkt wird das in Geschichte von Elija und den Baalspriestern. Letztere tanzen und ritzen sich die Haut, aber ihr Opfer brennt nicht. Elija schüttet Wasser darüber, spricht ein Gebet und es brennt. Der Gag der Geschichte ist nicht, dass man damit einen großen Sieg feiert, Elija muss sein Siegesgemetzel bitter büßen. Der Gag ist, dass Gott Feuer auf die Erde wirft, überschäumendes Leben, für Abel viel, für Kain (scheinbar?, momentan?) weniger – aber dass dieses Feuer nichts mit Sturm Unwetter, Vernichtung und Mord zu tun hat. (Mir ist unklar, inwiefern es mit Wettbewerb zu tun hat.) Was mit Jesus passiert, ist eine Ausdeutung des Feuers. Er sagt „Feuer warf ich auf die Erde und ich hoffte, es würde schon brennen“. Vielleicht versteht sich mit dieser rätselhaften Aussage Jesus als Sohn Abels, als Schwester Domins. Das Brennen der Feuer Jesu (sein Erfolg, sein Behüten der Kleinen und Kranken) bedeutet, dass er von seinen Brüdern, Judas und den offiziellen Vertretern seiner eigenen Religion, erschlagen wird. Wenn er aufsteht, kann neu gespielt werden.</p>
<p><img class="alignright" src="http://t3.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcRxUwAsNTr5tUq-oRag7g-vUuCJYmtxIO2iNmrss_9lSZnkcO0y" alt="" width="256" height="188" />Es wird neu gespielt, täglich, manchmal ist die Frage offen, manchmal ist man im Kreislauf der Gewalt. Dafür typisch ist der Bau von Raketen. Doch die kann man auch anders benutzen als zum Krieg, es ist etwas Faszinierendes an der Erforschung des Weltraums. Bin nicht sicher, ob das eine Art ist, auf seine Geschwister aufzupassen. Vielleicht ist es aber manchmal der Krieg, man darf ja hoffen, dass die Nato-Raketen auf Libyen wirklich Hüter-Raketen waren. Selbst die Feuer der Raketen sollen die Opferfeuer Abels sein, schreibt Domin.</p>
<p>Was jetzt noch fehlt ist eine letzte Interpretation, in der ich mich nicht als Kain lese, nicht als Kind Abels, sondern selbst als Abel! Guten Morgen, wenn du dich gemordet fühlst, steh auf.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/778/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/778/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/778/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/778/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fangtunsdoch.wordpress.com/778/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fangtunsdoch.wordpress.com/778/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fangtunsdoch.wordpress.com/778/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fangtunsdoch.wordpress.com/778/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/778/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/778/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/778/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/778/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/778/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/778/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=778&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Witz im Widerstand</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Aug 2011 09:18:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelle Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Luises Ossenbach schreibt in der TAZ zum Widerstand in Syrien einen Artikel &#8222;Mein Witz ist meine Waffe&#8220;. Darin z.B.: Nachdem Baschar al-Assad in einer Rede am 20. 6. die Demonstranten indirekt als &#8222;Bakterien&#8220; bezeichnet hat, haben unzählige Syrer ihr Facebook-Profilbild durch cartoonartige Abbildungen von Bakterien ersetzt. Ruck, zuck war die Facebook-Seite &#8222;Wir alle sind Bakterien&#8220; gegründet. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=773&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Luises Ossenbach schreibt in der TAZ zum Widerstand in Syrien einen <a href="http://www.taz.de/Debatte-Syrien/!74839/">Artikel &#8222;Mein Witz ist meine Waffe&#8220;</a>. Darin z.B.:</p>
<p style="padding-left:30px;">Nachdem Baschar al-Assad in einer Rede am 20. 6. die Demonstranten indirekt als &#8222;Bakterien&#8220; bezeichnet hat, haben unzählige Syrer ihr Facebook-Profilbild durch cartoonartige Abbildungen von Bakterien ersetzt. Ruck, zuck war die Facebook-Seite &#8222;Wir alle sind Bakterien&#8220; gegründet.</p>
<p><img class="alignright" src="http://www.buchfreund.de/covers/8701/12312.jpg" alt="" width="270" height="374" />Tut mir sehr gut, dass in Syrien Witze über das System gemacht werden. Auch über das DDR-Spitzelsystem habe man lange insgeheim und am Ende beinahe öffentlich gelacht. Die Szene in Perry Aldon &#8222;Fünf letzte Tage&#8220;, in der Stadelheimhäftlinge Hitler im Kabaratt nachspielen, ist mir sehr eindrücklich in Erinnerung. (Sammelte bereits manchen Widerstand durch Witz in <a title="Permanent-Link zu Kreativer Widerstand im Iran" href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/06/24/kreativer-widerstand-im-iran/" rel="bookmark">Kreativer Widerstand im Iran)</a></p>
<p>Obwohl ich hier nicht viel schreibe, bange und hoffe ich für den Widerstand in Syrien. Und stottere wegen der Hilflosigkeit aller Bemühungen von Außen.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/773/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/773/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/773/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/773/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fangtunsdoch.wordpress.com/773/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fangtunsdoch.wordpress.com/773/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fangtunsdoch.wordpress.com/773/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fangtunsdoch.wordpress.com/773/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/773/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/773/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/773/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/773/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/773/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/773/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=773&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Als Mensch wachsen</title>
		<link>https://fangtunsdoch.wordpress.com/2011/05/30/als-mensch-wachsen/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 May 2011 20:04:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Thomas Bernhards autobiographische Schriften haben etwas außergewöhnlich Anziehendes. Für das Wenige, das man objektiv als Inhalt weitererzählen kann, und für den manchmal sehr desolaten Ton, den ich nicht so mag, sogar etwas unheimlich Anziehendes. Kenne jetzt die (lebensgeschichtlich) ersten drei Bände, jeder hat m.E. einen ganz anderen Flair. Ich erlaube mir die Frechheit, diese Werke, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=763&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="LEFT"><img class="alignright" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/9a/Bernhardhaus094o.JPG/733px-Bernhardhaus094o.JPG" alt="" width="287" height="235" />Thomas Bernhards autobiographische Schriften haben etwas außergewöhnlich Anziehendes. Für das Wenige, das man objektiv als Inhalt weitererzählen kann, und für den manchmal sehr desolaten Ton, den ich nicht so mag, sogar etwas unheimlich Anziehendes. Kenne jetzt die (lebensgeschichtlich) ersten drei Bände, jeder hat m.E. einen ganz anderen Flair. Ich erlaube mir die Frechheit, diese Werke, die so in sich selber zu stehen scheinen, von anderen literarischen Entwürfen her zu lesen.</p>
<p align="LEFT">a) Da ist zunächst die einzige lobend erwähnte Literatur, die Bibel des Großvaters Montaigne</p>
<p style="padding-left:30px;" align="LEFT">„Manchmal geht es mir durch den Kopf, die Geschichte meines Lebens nicht preizugeben. Diese öffentliche Erklärung aber verpflichtet mich, auf dem einmal beschrittenen Weg weiterzugehen, so Montaigne. <span id="more-763"></span>Es dürstet mich danach, mich zu erkennen zu geben; mir ist gleichgültig, wie vielen, wenn es nur wahrheitsgemäß geschieht; oder besser gesagt, ich begehre nichts, aber ich fürchte alles in der Welt, von denen verkannt zu werden, die mich nur dem Namen nach kennen, so Montaigne.“ (Die Ursache 122)</p>
<p style="padding-left:30px;" align="LEFT">„Wieder atme ich diese nur dieser Stadt [Salzburg] entsprechende Luft ein, höre ich die tödlichen Stimmen, wieder gehe ich, so ich nicht mehr gehen dürfte, durch die Kindheit und durch die Jugend. Wieder höre ich, gegen alle Vernunft, die gemeinen Ansichten gemeiner Menschen, bin ich, gegen alle Vernunft, wo ich <em>nicht</em> mehr reden sollte, ein Redender, wo ich <em>nicht</em> schweigen sollte, ein Schweigender. Die Schönheit als Berühmtheit meiner (einer) Heimat ist nur ein Mittel, ihre Gemeinheit und ihre Unzurechungsfähigkeit und Fürchterlichkeit, ihr Enge und ihren Größenwahnsinn mit erbarmungsloser Intensität fühlen zu lassen. Ich studiere mich selbst mehr als alles andere, das ist meine Metaphysik, das ist meine Physik, ich selbst bin der König der Materie, die ich behandle, ich schulde niemandem Rechenschaft, so Montaigne.“ (Die Ursache, 132)</p>
<p style="padding-left:30px;" align="LEFT">„Die Zeit [Nazi- und Nachkriegszeit] war angefüllt mit <em>Unheimlichkeit</em> und <em>Unzurechnungsfähigkeit</em> und mit fortwährender <em>Ungeheuerlichkeit</em> und <em>Unglaublichkeit</em>. Montaigne schreibt, es ist schmerzlich, sich an einem Ort aufhalten zu müssen, wo ales, was unser Blick erreicht, uns angeht und uns betrifft. Und weiter: meine Seele war bewegt, über die Dinge meiner Umgebung bildete ich mir ein eigenes Urteil und verarbeitete sie ohne fremde Hilfe. Eine meiner Überzeugungen war, die Wahrheit könne unter keinen Umständen dem Zwang und der Gewalt erliegen. Und weiter: ich bin begierig darauf, mich erkennen zu lassen, in welchem Maße, ist mir gleichgültig, wenn es nur wirklich geschieht. Und weiter: es gibt nichts Schwierigeres, aber auch nichts Nützlicheres, als die Selbstbeschreibung. Man muss sich prüfen, muss sich selbst befehlen und an den richtigen Platz stellen. Dazu bin ich immer bereit, denn ich beschreibe mich immer und ich beschreibe nicht meine Taten, sondern mein Wesen. Und weiter: manche Angelegenheit, die Schicklichkeit und Vernunft aufzudecken verbieten, habe ich zur Belehrung der Mitwelt bekanntgegeben. Und weiter: ich habe mir zum Gesetz gemacht, alles zu sagen, was ich zu tun wage, und ich enthülle sogar Gedanken, die man eigentlich nicht veröffentlichen kann. Und weiter: wenn ich mich kennenlernen will, so deshalb, damit ich mich kennenlerne, wie ich wirklich bin, ich mache eine Bestandsaufnahme von mir. Diese und andere Sätze habe ich oft, ohne sie zu verstehen, von meinem Großvater, dem Schriftsteller, gehört, wenn ich ihn auf seinen Spaziergängen begleitet habe, Montaigne hat er geliebt, diese Liebe teile ich mit meinem Großvater.“ (Die Ursache, 114-5)</p>
<p align="LEFT">Herausstechende Sätze in einem Werk voll Polemik und Selbstmordgedanken. Wenn man etwas Positives hinter allem lesen will, dann vielleicht Aufklärung im Sinne Kants, sich endlich des eigenen Verstandes gebrauchen, denke auch Montainge, den ich nicht genauer kenne, steht in Kants Tradition. Es gibt entsprechende Stellen am Anfang von „Die Ursache“</p>
<p align="LEFT">b) Bei aller Polemik gegen das österreich-katholische kommt Berhard nicht um die Motive der Bibel herum. Dass er in „Der Keller“ in die entgegengesetzte Richtung geht – statt ins Gymnasium ins Arbeitsamt und schließlich in die Armensiedlung der Stadt, hat einerseits aufklärerisches Pathos. Alle Vernunft sagt, im Gymnasium wird er nichts nützliches Lernen, es ruiniert seine Person. Andererseits ist er selbstkritisch genug, die ganze Irrationalität und das Risiko zu schildern, das mit diesem Schritt des 15- oder 16-jährigen verbunden ist. Und das Buch lebt von der Begeisterung, dass dieser Schritt in die entgegengesetzte Richtung gut ausging. Im „kehrt um und glaubt an die Frohe Botschaft“, Jesu erstem öffentlichen Wort, steckt m.E. diese Doppelbotschaft. Erstens in die entgegengesetzte Richtung gehen, zweitens, es geht am Ende gut aus.</p>
<p align="LEFT">Dass sich das frühe Christentum entsprechend einer solchen Botschaft „der Weg“ nannte, nimmt Bernhard kritisch auf:</p>
<p style="padding-left:30px;" align="LEFT">„Zwischen Haß und Bewunderung zerstören sich beinahe alle Menschen, und mein Großvater hat sich in seinen achtundsechzig Lebensjahren von diesen beiden Begriffen zermalmen lassen. Jedem anderen, außer mir, wäre er ein Wegbereiter gewesen, aber ich war niemals ein Mensch für einen Weg. Ich bin keinen Weg gegangen im Grunde, wahrscheinlich, weil ich immer Angst gehabt habe davor, einen dieser endlosen und dadurch sinnlosen Wege zu gehen. Wenn ich wollte, habe ich mir immer gesagt, könnte ich. Aber ich bin nicht gegangen. Bis heute nicht. Es ist etwas geschehen, ich bin älter geworden, ich bin nicht stehengeblieben, aber ich bin auch nicht einen Weg gegangen. Ich spreche die Sprache, die nur ich allein verstehe, sonst niemand, wie jeder nur seine eigene Sprache versteht, und die glauben, sie verstünden, sind Dummköpfe, oder Scharlatane. Es ist mir Ernst, ist es ein unverstandener, in jedem Fall immer missverstandener, für den höheren Witz gibt es, scheint es, keine Rezepte. So ist jeder, gleich, was er ist, und ganz gleich, was er tut, immer wieder auf sich zurückgeworfen, ein auf sich selbst angewiesener Alptraum. Ginge es nach den andern, ich existierte nicht mehr [...]“ (Der Keller 133-4)</p>
<p align="LEFT">In &#8222;Der Keller&#8220; geht es um den Weg, die Wahrheit und das Leben. Nach einer schlimmen Kindheit und Gymnasialzeit genießt der junge Thomas Bernhard das, was er tut, und profitiert davon. Er lebt auf, weil er nützlich sein kann. Daran ändert nichts, dass er die Orte seines Lebens Vorhölle (das Armenviertel) und Hölle (das großfamiliäre Heimathaus) nennt. Die Wahrhaftigkeit ist ein Problem der Schriftstellerexistenz, und hier geht Bernhard tiefer als die obigen Montaigne-Zitate. In Bernhards Theaterstücken kommen Figuren vor, die den zeitgenössischen Philosophen Ludwig Wittgenstein zum Vorbild haben. Auf Wittgensteins Privatsprachenargument wurde schon in obigem Zitat angespielt, ich weiß nicht, ob ich jenen Philosophen als Leugner jeder Wahrheit oder als Mystiker klassifizieren soll. Bernhards Worte zum Thema:</p>
<p style="padding-left:30px;" align="LEFT">„Die Wahrheit, denke ich, kennt nur der Betroffene, will er sie mitteilen, wird er automatisch zum Lügner. Alles Mitgeteilte kann nur Fälschung und Verfälschung sein, also sind immer nur Fälschungen und <em>Ver</em>fälschungen mitgeteilt worden. Der Wille zur Wahrheit ist, wie jeder andere, der rascheste Weg zur Fälschung und <em>Ver</em>fälschung eines Sachverhalts. Und eine Zeit, eine Lebens-, eine Existenzperiode aufzuschreiben, gleich, wie lang oder kurz sie gewesen ist, ist eine Ansammlung von Hunderten und von Tausenden und von Millionen von Fälschungen und <em>Ver</em>fälschungen, die dem Beschreibenden und Schreibenden alle als Wahrheiten und als nichts als Wahrheiten vertraut sind. Das Gedächtnis hält sich genau an die Vorkommnisse und hält sich an die genaue Chronologie, aber was herauskommt, ist etwas ganz anderes, als es tatsächlich gewesen ist. Das Beschriebene macht etwas deutlich, das zwar dem <em>Wahrheitswillen</em> des Beschreibenden, aber nicht der Wahrheit entspricht, denn die Wahrheit ist überhaupt nicht mitteilbar. Wir beschreiben einen Gegenstand und glauben, wir haben ihn wahrheits<em>gemäß</em> und wahrheits<em>getreu</em> beschrieben, und wir müssen feststellen, es ist nicht die Wahrheit. Wir machen einen Sachverhalt deutlich, und es ist nicht und niemals der Sachverhalt, den wir deutlich gemacht haben wollen, es ist immer ein anderer. Wir müssen sagen, wir haben nie etwas mitgeteilt, das die Wahrheit gewesen wäre, aber den <em> Versuch</em>, die Wahrheit mitzuteilen, haben wir lebenslänglich nicht aufgegeben. Wir wollen die Wahrheit sagen, aber wir sagen nicht die Wahrheit. Wir beschreiben etwas wahrheitsgetreu, aber das Beschriebene ist etwas anderes als die Wahrheit. Wir müssten die Existenz als den Sachverhalt, den wir beschreiben wollen, sehen, aber wir sehen, so sehr wir uns bemühen, durch das von uns Beschriebene niemals den Sachverhalt. In dieser Erkenntnis hätten wir längst aufgeben müssen, die Wahrheit schreiben zu wollen, und also hätten wir das Schreiben überhaupt aufgeben müssen. Da die Wahrheit mitzuteilen und als zu zeigen, nicht möglich ist, haben wir uns damit zufriedengestellt, die Wahrheit schreiben und beschreiben zu wollen, wie die Wahrheit zu sagen, auch wenn wir wissen, dass die Wahrheit niemals gesagt werden kann. Die Wahrheit, die wir kennen, ist logisch die Lüge, die indem wir um sie nicht herumkommen, die Wahrheit ist. Was hier beschrieben ist, ist die Wahrheit und ist doch nicht Wahrheit, weil es nicht die Wahrheit sein kann. Wir haben in unserer ganzen Leseexistenz noch niemals eine Wahrheit gelesen, auch wenn wir immer wieder Tatsachen gelesen haben. Immer wieder nichts anderes als die Lüge als Wahrheit, die Wahrheit als Lüge et cetera. Es kommt darauf an, <em> ob wir lügen wollen oder die Wahrheit sagen und schreiben, </em>auch wenn es niemals die Wahrheit sein kann, niemals die Wahrheit ist. Ich habe zeitlebens immer die Wahrheit sagen wollen, auch wenn ich jetzt weiß, es war gelogen. Letzten Endes kommt es nur auf den Wahrheitsgehalt der Lüge an. Die Vernunft hat es mir schon lange verboten, die Wahrheit zu sagen und zu schreiben, weil damit doch nur eine Lüge gesagt und geschrieben ist, aber das Schreiben ist mir eine Lebensnotwendigkeit, darum, aus diesem Grunde schreibe ich, auch wenn alles, was ich schreibe, doch nichts als Lüge ist, die sich als Wahrheit durch mich transportiert. Wir können wohl Wahrheit verlangen, aber die Aufrichtigkeit beweist uns, dass es die Wahrheit nicht gibt. Was hier beschrieben ist, ist die Wahrheit, und sie ist es nicht aus dem einfachen Grund, weil die Wahrheit uns nur ein frommer Wunsch ist.“ (Der Keller, 37-39)</p>
<p align="LEFT">Ich bin ein gutmeinender synthetisierender Mensch, deshalb denke ich, dass Bernhard dem Pathos des Johannesevangeliums gar nicht so fern steht. Die Wahrheit ist in dem, was Jesus ist, wie er erlebt wurde &#8211; weniger in dem, was an den Geschichten Filmprotokoll ist. So wie Bernhard die Wahrheit im Umgang mit den Menschen der Armensiedlung von Salzburg und mit seinem Großvater kennenlernt, haben sie die Jünger Jesu kennengelernt – Pilatus und sein Umgang aus einem Machtgefälle heraus hat dazu keinen Zugang.</p>
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		<title>Auferstehung und Privileg</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Apr 2011 21:19:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bergpredigt]]></category>
		<category><![CDATA[Inge Jens]]></category>

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		<description><![CDATA[Mich interessiert das Christentum der Inge Jens, sie konnte es so gut in den Aufzeichnungen der Geschwister Scholl, die sie dokumentierte, herausarbeiten. Habe ihre Autobiographie &#8222;Unvollständige Erinnerungen&#8220; (zum Einlesen hier) gehört, ein Buch, das sehr geprägt ist vom &#8222;bis dass der Tod uns scheidet&#8220;, vom Eheversprechen, das sie ihrem Mann Walter gab, dem sie heute [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=757&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright" src="http://www.rowohlt.de/sixcms/media.php/604/thumbnails/07_09_Jens.jpg.379339.jpg" alt="" width="336" height="196" />Mich interessiert das Christentum der Inge Jens, sie konnte es so gut in den Aufzeichnungen der Geschwister Scholl, die sie dokumentierte, herausarbeiten. Habe ihre Autobiographie &#8222;<a href="http://www.berlinerliteraturkritik.de/detailseite/artikel/bewegende-erinnerungen-von-inge-jens.html">Unvollständige Erinnerungen</a>&#8220; (<a href="http://www.rowohlt.de/magazin_artikel/Inge_Jens_Unvollstaendige_Erinnerungen.2796012.html">zum Einlesen hier</a>) gehört, ein Buch, das sehr geprägt ist vom &#8222;bis dass der Tod uns scheidet&#8220;, vom Eheversprechen, das sie ihrem Mann Walter gab, dem sie heute in seiner Demenz die Treue hält.<br />
Doch wenn sie von ihrem Privileg, ein reiches und gutes Leben zu führen, spricht, spricht sie nicht von der göttlichen Gnade oder der guten Schöpfung. Wenn sie erwägt, ob sie abtreiben solle, spricht sie nicht von der Würde des ungeborenen Lebens. Wenn sie von ihrem Pazifismus spricht, spricht sie nicht von der Irritation der Bergpredigt. Das irritiert mich, kommt mir sehr gewollt vor. <span id="more-757"></span><br />
<img class="alignright" src="http://images.suite101.com/545972_de_coveringej.jpg" alt="" width="140" height="228" />Der Schlüssel ist vielleicht in den Thesen ihres Mannes zu finden. Walter Jens hat bei Heidegger studiert und äußert sich wie folgt:</p>
<p style="padding-left:30px;">„Wäre es denn wirklich ein Gewinn &#8230;, ein Gewinn für den Menschen, wenn er unsterblich wäre, statt — wie bald! — zu vergehen und plötzlich dahinzumüssen? Wäre es ein Gewinn für ihn: nicht in der Zeit zu sein, sondern unvergänglich wie – vielleicht – ein Stein oder ein ferner Stern? Liegt nicht gerade in der Vergänglichkeit, und vor allem, im Wissen darum, seine ihn auszeichnende unvergleichliche Kraft?“<cite> (</cite>Walter Jens, <em>Über die Vergänglichkeit. Der 90. Psalm</em>, in: ders. <em>Einspruch. Reden gegen Vorurteile</em>, 1992, S. 228)</p>
<p>Für mich die typische Aussage eines Privilegierten. Jemand, der genug Gerechtigkeit gefunden hat, dass er Gott und die Auferstehung nicht braucht. Fand das Zitat im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Jens">Wikipedia-Eintrag zu Walter Jens</a>, darin auch einige andere interessante Bemerkungen zur Religiosität des Protestanten Walter Jens.</p>
<p style="padding-left:30px;"><img class="alignright" src="http://www.dw-world.de/image/0,,1685390_1,00.jpg" alt="" width="194" height="143" />In seinem letzten Roman <em>Der Fall Judas</em> behandelte Jens 1975 einen fiktiven Seligsprechungsprozess für Judas Ischariot in der Form einer forensischen Fallstudie: „Ohne Judas kein Kreuz, ohne das Kreuz keine Erfüllung des Heilsplans. Keine Kirche ohne diesen Mann; keine Überlieferung ohne den Überlieferer.“ Er übersetzte Teile des Neuen Testaments: die vier Evangelien, den Brief des Paulus an die Römer und die Offenbarung des Johannes. Mit Hans Küng verbindet ihn eine langjährige Freundschaft. Er engagierte sich ab Anfang der 1980er Jahre im Widerstand der Friedensbewegung gegen den NATO-Doppelbeschluss und die Stationierung von Pershing-Raketen. Gemeinsam mit Heinrich Böll und anderen bundesweit bekannten Schriftstellern und Theologen beteiligte er sich Anfang September 1983 an der „Prominentenblockade“ vor dem Pershing-Depot in Mutlangen. Er versteckte während des zweiten Golfkrieges 1990 in seinem Haus desertierte US-Soldaten. Jens ist Mitglied im Beirat der Humanistischen Union [...]<em><br />
</em></p>
<p>Dass man abtreiben darf, ist ein Grundsatz der Humanistischen Union. Vielleicht auch: der freie Mensch braucht nicht dankbar zu sein, vielleicht: es gibt kein Gericht und keine Gerechtigkeit. Man ist nicht auf Geschenke angewiesen. Inge Jens ist aufmerksam genug, zumindest die letzte These explizit zu leugnen, sie spricht oft von glücklichen Zufällen, die ihrem Leben eine entscheidende Wendung gaben. Der entscheidende Punkt ist vielleicht, ob man auch auf das Geschenk der Vergebung angewiesen ist, ob man es schafft, vor seinen dunklen Seiten keine Angst zu haben &#8211; sondern stattdessen glaubt, dass Gott selbst daraus etwas Gutes machen kann. Ob man ein wenig in die Bergpredigtutopie hineinspringt.<br />
Der älteste Sohn von Inge und Walter Jens, <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E6CE2894D9FE84E309C8A59493E94B08D~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Tilman Jens</a> hat seinem Vater und vielen Altersgenossen vorgeworfen, den dunklen Flecken NS-Vergangenheit zu verstecken, kleinzureden:</p>
<div style="padding-left:30px;">Im Spätherbst 2003 hat ihn sein phänomenales Erinnerungsvermögen zum ersten Mal verlassen. Er sei sich selber ein Rätsel geworden. Da geisterte die Karteikarte mit der Ordnungsnummer 9265911 durch die Medien, die seinen NSDAP-Eintritt im Sommer 1942 dokumentierte. Mein Vater war damals neunzehn Jahre. Warum hat er nie einen Ton gesagt? Hätte er daheim am Mittagstisch nicht wenigstens von der unstrittigen Mitgliedschaft im nationalsozialistischen Studentenbund erzählen können? Siehst du, auch ich. So kann es passieren.<br />
Stattdessen die aufrechten Legenden, fast zwanghaft zelebriert. Wenn mein Vater &#8211; nachzulesen in Marcel Reich-Ranickis Anthologie „Meine Schulzeit im Dritten Reich“ &#8211; über den NS-Staat schrieb, dann gedachte er seines antifaschistischen Deutschlehrers Ernst Fritz, dann erinnerte er sich an seine jüdischen Mitschüler Weinstein und Teitelbaum. Alles im grünen Bereich, alles politisch korrekt.<br />
[...] Erst als er achtzig war, kamen die bitteren Fragen. Ein paar Wochen hat er sich wie ein ertappter Sünder gewunden, hat nach Ausflüchten gesucht, die er, im Vollbesitz seiner Kräfte, anderen gewiss um die Ohren geschlagen hätte: ja, er habe immer gesagt, er sei nicht in der Partei gewesen, aber das könne ein Irrtum sein, vielleicht habe er irgendwann einmal „so einen Wisch unterschrieben“; mit gebotenem Abstand werde er sich vielleicht einmal erinnern &#8211; und äußern. Aber bittschön nicht jetzt. Zum Abschied eine Vertröstung (siehe: <a href="http://www.faz.net/s/RubCC21B04EE95145B3AC877C874FB1B611/Doc%7EE77F9F11662004C879C7714C36949E62F%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html" target="_blank">Walter Jens: Ich wußte von nichts</a>). Ein paar Mal ist er noch aufgetreten. Publikum, Kamera-Rotlicht taten gut, noch immer. Am Neujahrsabend 2005 hat er in Aachen seinen letzten großen Vortrag gehalten &#8211; über die Freude. Von Angst gequält, hat er sich aufs Podium geschleppt. Wer dabei ist, sein Gedächtnis zu zertrümmern, der kennt keine Freude mehr.</div>
<p>Im Artikel, auf den Tilman Jens verweist und in dem sich Walter Jens verteidigt, bekommt man glaubwürdig den Eindruck, dass da nichts Besonderes war. <a href="http://www.zeit.de/2004/04/W_Jens" target="_blank">Die Zeit beispielsweise glaubt Jens, dass es nichts Großes zu erzählen gibt.</a></p>
<p>Aber wer mit seinem Vater aufwuchs, muss es wissen. Vermutlich weiß er es besser &#8211; und er sieht es ja auch an so vielen Parallelgestalten. Hier zum Beispiel ein <a href="http://planet-interview.de/interview-tilman-jens-21072009.html" target="_blank">Interview mit Tilman vom 21. Juli 2009</a>:</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>Sie beschreiben, wie Ihr Vater seine NSDAP-Mitgliedschaft verschweigt &#8211; können Sie sich vorstellen, dass Ihr Vater nicht intentional schwieg, sondern vielmehr unbewusst vergaß?<br />
</strong>Jens: Ich glaube es nicht. Ich habe lang darüber nachgedacht. Das schlagende Argument für mich ist: Mein Vater hat ein gutes Jahr vor dem Bekanntwerden seiner Mitgliedschaft in der NSDAP von der geplanten Veröffentlichung in einem Literaturlexikon gewusst. Er hat, als es auf ihn zukam gesagt: „Ich falle aus allen Wolken, warum hat der Mensch von diesem Lexikon mir das nicht vorher zur Autorisierung vorgelegt? Das ist eine Sauerei, ich habe mich nie damit einverstanden erklärt.“ Da habe ich gesehen, wie er, der ein unglaublich aufrechter, mutiger Mann war oder ist, sich zum ersten Mal in seinem Leben nicht getraut hat. Insofern glaube ich nicht, dass er es verdrängt hat, sonst wäre er anders damit umgegangen. Da hätte er zumindest ein Jahr vorher zu meiner Mutter gesagt: „Pass mal auf Inge, da kommt etwas auf mich zu.“</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>Aber was glauben Sie, ist der Grund für das Verschweigen? Scham?<br />
</strong>Jens: Ja. Man muss sich das so vorstellen: Er fand ja schon zurzeit des Faschismus, am Ende des Dritten Reichs das Hitler-Regime inhuman und schrecklich. Er hat Ende &#8217;44 diesen zur damaligen Zeit sehr mutigen Vortrag für den verfemten Thomas Mann gehalten. Aber eine kurze Zeit als 19Jähriger hat auch er mitgemacht. Eigentlich eine Petitesse. Aber das war ihm später unangenehm. Er war Antifaschist und er hat sich über seinen Antifaschismus definiert. Er hätte so viele Möglichkeiten gehabt, es zu sagen – ein paar benenne ich in meinem Buch. Aber dieser geistige Seitensprung war ihm peinlich.</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>Bedrückt Sie mehr der Umstand, dass Ihr Vater Mitglied der NSDAP war, oder sein Umgang damit?<br />
</strong>Jens: Es ist nur das Verschweigen, das mir wehtut, weil er natürlich auch andere Leute unendlich abgekanzelt hat. Ich denke schon, dass da ein Zusammenhang besteht. Wenn diese ganze Generation – bei Grass ist es viel schlimmer, aber auch bei Hildebrandt und Walser, auch bei Genscher, der es wirklich lange vorher wusste – wenn die einfach gesagt hätten: „Ja, auch wir waren dabei – ein Stück weit.“ Die Diskussion um kleine, mittlere, große Nazis hätte sich ein wenig anders gestaltet. Das intellektuelle Klima wäre ein anderes gewesen.</p>
<p style="padding-left:30px;">[...] <strong>Es gehört Mut dazu, Intimes aus dem eigenen aber auch aus dem Leben eines vertrauten Menschen zu offenbaren. Was bewog Sie im Einzelnen dazu?</strong><br />
Jens: Man muss dazu sagen, dass mein Vater immer ein sehr offenes Verhältnis zu Krankheit immer gehabt hat. Er hat über sein Asthma gesprochen, er hat über seine Depressionen gesprochen, was ja auch eine tabuisierte Sache ist. Er hat über die Psychiatrie geschrieben. Er hat gesagt: „Eine Depression ist in etwa so ehrenrührig wie eine Prostatavergrößerung.“ Er selbst hat dieses Tabu Krankheit nicht gekannt.</p>
<p style="padding-left:30px;">[...] <strong>Wie gehen Sie mit den Anfeindungen im Feuilleton um?<br />
</strong>Jens: Zunehmend mit Wut, weil die zum Teil hasserfüllten Kritiken mit meinem Text nichts zu tun haben. Da wurden zum Teil auch alte Rechnungen beglichen. Man soll mir eine Zeile zeigen, mit der ich meinen Vater demontiere. Ich spotte doch nicht über ihn, ich sage doch nicht: „Gott sei Dank, ist er jetzt klein.“ Ich versuche sein Leid zu beschreiben, auch die eigenen Schmerzen, auch die eigene Unsicherheit in dieser Situation.</p>
<p>Es ist jetzt ein bischen Hochmut zu sagen, dass jemand, der seine eigene Geschichte zudeckt, auch Anlass hat, seine Auferstehungshoffnung zuzudecken, schließlich kommt vor so einem Ereignis alles raus. Bleibe eher dabei, dass jemand vom Leben Privilegierter die Utopie vergisst.</p>
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		<title>Ägyptens CSU</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Feb 2011 14:50:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelle Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Muslimbrüder, zu denen soweit ich es verstehe zwischen 10% und 20% der ägyptischen Bevölkerung gehören, werden unterschiedlich beurteilt. Sowohl im Westen, als auch unter den Kopten als wichtiger religiöser Minderheit in Ägypten. Recht erfrischend ist die untere Einschätzung der Politiologin Ivesa Lübben im Interview mit der TAZ: Bloß ist unklar, wos hingeht. Ich denke, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=750&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5a/Muslim_Brotherhood_Emblem.jpg" alt="Logo der Muslimbruderschaft" width="200" height="200" />Die Muslimbrüder, zu denen soweit ich es verstehe zwischen 10% und 20% der ägyptischen Bevölkerung gehören, werden unterschiedlich beurteilt. Sowohl im Westen, als auch unter den Kopten als wichtiger religiöser Minderheit in Ägypten. Recht erfrischend ist die untere Einschätzung der Politiologin <a href="http://taz.de/1/nord/bremen/artikel/1/wie-eine-aegyptische-csu/">Ivesa Lübben im Interview mit der TAZ:</a></p>
<p style="padding-left:30px;"><strong> Bloß ist unklar, wos hingeht. </strong></p>
<p style="padding-left:30px;">Ich denke, dass kurz- oder mittelfristig eine Demokratisierung eintritt.</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong> Mit der Muslimbrüderschaft, vor der viele Angst haben? </strong></p>
<p style="padding-left:30px;">Diese Ängste werden von Leuten geschürt,  die noch nie einen lebendigen Muslimbruder getroffen haben. Das sind  Ärzte, Rechtsanwälte, Politologen &#8211; das, was man oft als  Modernisierungseliten bezeichnet. Die Muslimbrüder bilden in Ägypten  einen bürgerlichen, konservativen Mittelstand. Die sind so etwas wie eine  ägyptische CSU &#8211; einschließlich der offen geführten Debatten der  Parteiflügel.<span id="more-750"></span></p>
<p style="padding-left:30px;"><strong> Mit dem geeinten Feindbild Israel? </strong></p>
<p style="padding-left:30px;">Es gibt wahrscheinlich derzeit keinen  Araber, der Israels aktueller Politik irgend etwas abgewinnen kann.  Allerdings ist das ein pragmatisch denkendes und handelndes Bürgertum,  das sich zwar daran stört, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird, sobald  Israel im Spiel ist: vom Recht auf Atomwaffen über UN-Sanktionen bis hin  zum  Erdgas, das Israel zu einem Drittel des Weltmarktpreises aus  Ägypten bezieht. Das ist ja eine indirekte Subvention.</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong> Die wird es nicht mehr geben? </strong></p>
<p style="padding-left:30px;">Davon ist auszugehen. Aber ich glaube  nicht, dass von denen irgendjemand bereit wäre, einen Krieg vom Zaun zu  brechen. Das sind Experten, die haben viele Juristen in ihren Reihen &#8211;  und ein ausgeprägtes Bewusstsein, dass Verträge zu halten sind.</p>
<p>Wie gesagt, es gibt auch andere Einschätzungen, ihr Vergleichspunkt ist weniger die CSU, denn vielleicht die NDP, die IRA oder das jetzige Regime im Iran.  Die Zukunft wird zeigen, wer recht hat. Jetzt ist Zeit, sich zu freuen, dass die Menschen ihre Zukunft in die eigene Hand nehmen und die Freiheit schmecken.</p>
<p>Zu Israel-Palästina sei noch bemerkt. Die Situation, dass der Israeli Moshe Zimmermann eine &#8222;Angst vor dem Frieden&#8220; bei seinen Landsleuten diagnostizierte, könnte sich vielleicht durch die neue Sachlage ändern. Vielleicht geben sich die Israelis einen Ruck, jetzt den Krieg mehr zu fürchten und ihre Apartsheitspolitik gegenüber den Palästinensern (wie es auch Zimmermann im Gespräch zugab) aufzugeben. Hier geht es zur <a href="http://www.hfph.mwn.de/einrichtungen/rottendorf/archiv/Kolloquium-2010/index_html">Diskussion des Rottendorf-Projektes</a>, zu der ich einen Artikel schreiben durfte.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/750/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/750/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/750/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/750/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fangtunsdoch.wordpress.com/750/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fangtunsdoch.wordpress.com/750/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fangtunsdoch.wordpress.com/750/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fangtunsdoch.wordpress.com/750/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/750/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/750/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/750/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/750/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/750/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/750/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=750&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Internet in Ägypten</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Feb 2011 18:15:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelle Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Kann denen, die sich für die Volksaufstände im mittleren Osten interessieren, die Internetseiten der TAZ empfehlen. Im Kommentar zu meinem letzten Artikel ging es um das natürliche gemeinsame Interesse der Religionen (unter den Kirchen sind auch Moscheen),  jetzt wird man präzis über die Jagd nach Journalisten aufgeklärt, auch dass die Schlägertrupps aus den ärmsten Bevölkerungsschichten [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=745&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright" src="http://www.travelguide.bookingengines.de/images/aegypten3.jpg" alt="" width="360" height="240" />Kann denen, die sich für die Volksaufstände im mittleren Osten interessieren, die Internetseiten der TAZ empfehlen. Im Kommentar zu meinem letzten Artikel ging es um das natürliche gemeinsame Interesse der Religionen (unter den Kirchen sind auch Moscheen),  jetzt wird man präzis über die Jagd nach Journalisten aufgeklärt, auch dass die Schlägertrupps aus den ärmsten Bevölkerungsschichten rekrutiert werden. Bemerkenswert auch die <a href="http://taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/wir-sind-alle-khaled-said/">Analyse des Internets in Ägypten</a>:</p>
<p style="padding-left:30px;">[...] in  den letzten 20 Jahren hat sich in Ägypten eine vielfältige  Zivilgesellschaft herausgebildet, die jetzt in Erscheinung tritt.</p>
<p style="padding-left:30px;">Ein wesentlicher Anstoß für diese  Entwicklung kam ausgerechnet vom Regime selbst. Schon 1997 forderte  Husni Mubarak jeden Ägypter auf, die neue Möglichkeiten des Internets zu  nutzen. Mubarak wollte Ägypten zum Vorbild einer modernen  Wissensgesellschaft in der Region machen.<span id="more-745"></span></p>
<p style="padding-left:30px;">Eine ägyptische Gesellschaft zur Förderung des Internets wurde  gegründet, im ganzen Land wurden kostenlose Einwahlnummern plakatiert:  unter der Durchwahl 77777 konnte sich jeder Ägypter per Modem  gebührenfrei ins Internet einloggen. Da nur eine kleine reiche Schicht  zu Hause einen eigenen PC stehen hatte, schossen auf dem Land und in den  Städten fortan die Internetcafés aus dem Boden.</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>Internetfreiheit, Pressezensur </strong></p>
<p style="padding-left:30px;">Zwar wurde parallel dazu die Presse  zensiert und die Meinungsfreiheit immer wieder eingeschränkt: Zeitungen  wurden verboten, Journalisten zu Haftstrafen verurteilt. Doch zugleich  betrachtete die Regierung Mubarak die &#8222;ägyptische Informationsautobahn&#8220;  als einen wichtigen Standortvorteil, um ausländische Direktinvestitionen  ins Land zu ziehen. Deshalb wurden Internetseiten in Ägypten nie  zensiert oder blockiert &#8211; kein Vergleich zu den Verhältnissen in  Tunesien, Iran oder Saudi-Arabien.</p>
<p style="padding-left:30px;">Umso größer  der Schock, als das Regime angesichts der Proteste im Januar 2011  plötzlich beschloss, das ganze Land für ein paar Tage flächendeckend vom  Internet zu nehmen &#8211; ein weltweit einmaliger Vorgang, der die  Demokratiebewegung aber nicht mehr aufzuhalten vermochte.</p>
<p style="padding-left:30px;">[...] Und auch  wenn sich der Protest längst verselbstständigt hat, bleibt etwa Facebook  doch ein wichtiger Gradmesser für die weitere Entwicklung. An der  Popularität seines Profils lässt sich ablesen, wie beliebt der  Oppositionspolitiker Mohammed al-Baradei derzeit ist.</p>
<p style="padding-left:30px;">Die  Facebookgruppe &#8222;El Baradei for president&#8220; wuchs von Februar bis  September letzten Jahres von 80.000 Mitgliedern auf 250.000 an. Doch  seit dem Herbst stagniert sie – sie hat sogar 1.000 Mitglieder verloren.  Die Herzen und Köpfe der Ägypter könnte deshalb jetzt Amr Mussa  gewinnen – der Generalsekretär der Arabischen Liga, läuft sich nun für  die Mubarak-Nachfolge warm.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/745/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/745/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/745/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/745/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fangtunsdoch.wordpress.com/745/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fangtunsdoch.wordpress.com/745/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fangtunsdoch.wordpress.com/745/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fangtunsdoch.wordpress.com/745/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/745/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/745/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/745/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/745/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/745/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/745/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=745&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Tunesien im Spiegel der Welt</title>
		<link>https://fangtunsdoch.wordpress.com/2011/01/28/tunesien-im-spiegel-der-welt/</link>
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		<pubDate>Fri, 28 Jan 2011 16:45:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelle Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Wieder mal Hoffnung auf das, was in Tunesien, Ägypten und im Jemen passiert. Zur Blamage des Westens in der Politik gegenüber Tunesien schreibt Andrea Böhm: Seit Wochen marschieren und rebellieren Tausende von TunesierInnen, bauen Barrikaden, stürzen ihren Diktator – und halten jene Werte hoch, die Europa als Fundament seiner politisch-kulturellen Identität reklamiert. Egal, welchen Ausgang [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=735&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wieder mal Hoffnung auf das, was in Tunesien, Ägypten und im Jemen passiert. <a href="http://blog.zeit.de/kongo/?p=807">Zur Blamage des Westens</a> in der Politik gegenüber Tunesien schreibt Andrea Böhm:</p>
<p style="padding-left:30px;">Seit Wochen marschieren und rebellieren Tausende von TunesierInnen,  bauen Barrikaden, stürzen ihren Diktator – und halten jene Werte hoch,  die Europa als Fundament seiner politisch-kulturellen Identität  reklamiert.</p>
<p style="padding-left:30px;">Egal, welchen Ausgang die Jasminrevolution nehmen wird: Zu den  Momentaufnahmen dieser Januartage zählt nicht nur die Euphorie über den  Sturz eines Autokraten, sondern auch die Beschämung Europas. Der Westen –  vulgo: wir – hat beredt geschwiegen, wenn es um den Polizei- und  Spitzelterror des Autokraten Ben Ali ging. Lieber autoritäre Stabilität  mit vollen Gefängnissen und vollen Touristenstränden als politische  Liberalisierung, die sich womöglich „destabilisierend“ auswirkt.</p>
<dl class="wp-caption alignright">
<dt><img src="http://englishtogerman.files.wordpress.com/2011/01/rfe_110128.jpg?w=470&#038;h=352" alt="" width="470" height="352" /></dt>
</dl>
<p style="padding-left:30px;">So  lautet das amerikanische Kalkül (nur kurz unterbrochen durch das  Desaster namens „Operation Iraqi Freedom“). So lautet das europäische  Kalkül. Und es ist wieder einmal nicht aufgegangen.<span id="more-735"></span></p>
<p style="padding-left:30px;">Europa hat es nicht nur unterlassen, vom alten Regime in Tunis  Menschenrechte und bürgerliche Freiheiten einzufordern. Es hat einem  diktatorischen Regime bei der Niederschlagung von Demonstrationen auch  noch Hilfe angeboten. „Das in aller Welt geschätzte Können unserer  Sicherheitskräfte erlaubt es, Situationen dieser Art zu regeln“,  erklärte  die französische Außenministerin Michèle Alliot-Marie, als die  tunesische Polizei Demonstranten zusammenschoss. Hätte Hillary Clinton  einen solchen Satz von sich gegeben, wären Europas Politiker und  Kommentatoren wochenlang im Gestus der moralischen Empörung verharrt. Im  Fall Alliot-Marie lag der Protestpegel der europäischen Amtskollegen  bei Null. Denn Frankreichs Maghreb-Politik wurde bislang von der  gesamten EU mitgetragen. Auch von Deutschland.</p>
<p>Andere Staaten stellen sich jetzt mit auf die Siegerstraße. Russlands Präsident <a href="http://www.welt.de/politik/ausland/article12354179/Medwedjew-Tunesien-als-Lektion-fuer-jede-Autoritaet.html">Medwedjew bei seiner Rede in Davos</a>. Zitiere die Welt:</p>
<p style="padding-left:30px;">&#8222;Die Autoritäten sollten sich im Dialog üben, sonst verlieren sie die  Basis“, sagte der Staatspräsident. Dies sei auch eine Lektion und ein  Test für Afrika und die arabische Welt gewesen.</p>
<p style="padding-left:30px;">Medwedew betonte, die Regierungen müssten &#8222;zuhören, was das Volk zu  sagen hat, denn sonst riskieren sie, den Kontakt mit der Realität zu  verlieren“.</p>
<p>Oder auch <a href="http://englishtogerman.wordpress.com/2011/01/28/wie-werden-die-proteste-in-agyptendie-revolution-in-tunesien-in-iran-wahrgenommen/">die offizielle iranische Presse entsprechend Julias Blog</a>:</p>
<p style="padding-left:30px;">Irans staatliche Medien stellen die jüngsten Erhebungen in arabischen  Ländern als Kampf gegen westliche Marionetten dar und behaupten, die  Bürger, die in Tunesien, Ägypten und anderswo auf die Straßen gehen,  seien von der Islamischen Revolution in Iran inspiriert.</p>
<p style="padding-left:30px;">„Kayhan“  meint, die Teilnehmer am Aufstand in Tunesien, aber auch  die Demonstranten in Jordanien, Algerien, dem Jemen und Ägypten, hätten  sich von der iranischen Revolution 1979 inspirieren lassen, die zum Fall  des US-gestützten Schah-Regimes führte. „Tod den USA, Tod Israel. Islam  ist meine Religion. Wir wollen keine amerikanischen Herrscher. Wir  fürchten uns nicht vor dem Märtyrertod“. Kommen diese Parolen den Augen  und Ohren der Welt nicht bekannt vor? Sind es nicht dieselben, die das  iranische Volk während der Islamischen Revolution rief?“ fragt <em>Kayhan</em>.</p>
<p style="padding-left:30px;">Was der Kommentar nicht erwähnt, sind die Forderungen nach  wirtschaftlichen Reformen und politischer Freiheit, die in den Protesten  [dieser Tage] laut wurden. Ebenfalls nicht erwähnt werden die  Vergleiche zwischen dem Aufstand in Tunesien und den massiven Protesten  gegen die Regierung, die das iranische Establishment im Jahre 2009  erschütterten.</p>
<p style="padding-left:30px;">&nbsp;</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/735/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/735/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/735/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/735/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fangtunsdoch.wordpress.com/735/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fangtunsdoch.wordpress.com/735/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fangtunsdoch.wordpress.com/735/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fangtunsdoch.wordpress.com/735/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/735/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/735/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/735/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/735/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/735/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/735/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=735&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Anton Demmeler</title>
		<link>https://fangtunsdoch.wordpress.com/2010/10/30/anton-demmeler/</link>
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		<pubDate>Sat, 30 Oct 2010 14:06:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere Bühnen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe erst heute mitbekommen, dass Anton Demmeler Ende letzten Jahres mit 71 Jahren verstorben ist. Die Amateurbühne &#8222;Schmiere&#8220; in Babenhausen, für die er zahlreiche Stücke schrieb und inszenierte, spielt deshalb heuer nicht. Schon beim letztjährigen Stück war Toni (Done) nicht bei allen Aufführungen dabei, er muss schon krank gewesen sein. Fand nur weniges zu [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&amp;blog=437543&amp;post=722&amp;subd=fangtunsdoch&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright" src="http://www.schmiere.de/seiten/Done/Images/Done01.jpg" alt="" width="371" height="252" />Ich habe erst heute mitbekommen, dass Anton Demmeler Ende letzten Jahres mit 71 Jahren verstorben ist. Die Amateurbühne &#8222;Schmiere&#8220; in Babenhausen, für die er zahlreiche Stücke schrieb und inszenierte, spielt deshalb heuer nicht. Schon beim letztjährigen Stück war Toni (Done) nicht bei allen Aufführungen dabei, er muss schon krank gewesen sein. Fand nur weniges zu ihm im Netz (<a href="http://www.schmiere.de/">Schmiere-Seite</a>/In Memoriam, von dort auch die Fotos, und <a title="Nachruf Augsburger Allgemeine" href="http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Illertissen/Lokalnachrichten/Artikel,-Theaterszene-verliert-eine-herausragende-Persoenlichkeit-_arid,2033917_regid,8_puid,2_pageid,4498.html">Augsburger Allgemeine</a>), jedenfalls möchte ich ihm mein Danke und Auf Wiedersehen zurufen.</p>
<p>1) Was in Babenhausen gespielt wurde, war &#8222;Bundesliga&#8220; an Amateurtheater. <span id="more-722"></span>Sowohl die Stücke, als auch alles andere: Regie, Schauspieler, Bühne, Maske, Lifemusik. Oft hat es mich mehr mitgerissen als ein geniales Stück in den Kammerspielen.</p>
<p><img class="alignright" src="http://www.schmiere.de/seiten/Done/Images/Done06.jpg" alt="" width="367" height="244" />2) Done hat sich nie herausgestellt. Obwohl Theater das Medium ist, in dem jeder Schauspieler groß herauskommt, kam es dem Stückschreiber und Regisseur darauf nicht an, ich nehme sogar an, dass er das Herausgestelltwerden bewusst vermied. Er ist mir in dieser Haltung ein großes Vorbild, ich lese darin eine große Liebe zum Schmiere-Team und den Zuschauern.</p>
<p>3) Prägend waren natürlich die Themen der Stücke. Oft gab es Momente, in denen der Zuschauer mit Humor, Ästhetik, List und Tücke getäuscht sich am Ende in einem grauenhaften Abgrund fand. Man vergisst in unserer Wohlstandswelt leicht, dass auch in solchen Abgründen gelebt wird und dass man in ihnen zu leben hat.</p>
<p><img class="alignright" src="http://www.schmiere.de/seiten/Done/Images/Done07.jpg" alt="" width="350" height="234" />4) Manchmal hilft in solchen Abgründen jemand, von dem man es gar nicht erwartet, während die Priester und Leviten auf die andere Seite gehen und wegschauen. Manchmal hilft ein wenig Menschlichkeit, für vieles aber hilft sie nicht. Denke jedenfalls, deine Stücke, Done, haben nicht nur mich ermutigt, an der Ungerechtigkeit dran zu bleiben, auch wenn sie im Alltag ganz flach wird, sich nüchtern, technisch, langweilig oder unüberwindbar zeigt. Der Abgrund der Menschen hat eine Präsenz, die nach unserer Anwesenheit ruft. Oft ruft man zu schnell &#8222;Untergang!&#8220; oder &#8222;Erlösung&#8220;. Danke, dass du uns da hineingeführt hast. (Mein fortgesetztes Engagement im Entschuldungsbündnis erlassjahr.de hat mit &#8222;Schindluder&#8220; zu tun!)</p>
<p>5) Theaterarbeit ist Charakterarbeit. So wie das Singen eine aktive Therapie für depressive Tendenzen sein kann, dient Theaterspielen der Formung und Entwicklung dessen, wer man ist. Gerade dadurch, dass man auf der Bühne jemand anderer ist. Gerade dadurch, dass man mit höchster Präzision und Aufmerksamkeit jemand anders ist. Dadurch dass Kostüm und Umgebung stimmen. Dadurch, dass man sich in den Dienst einer Sache und einer Gemeinschaft stellt.</p>
<p>6) Theater wird für ein Publikum gespielt. Daran haben sich die Dialoge zu orientieren, daran hat sich die Stückkonzeption zu orientieren. Das hindert nicht daran, das Seine auszudrücken. Stattdessen kann man es als Chance begreifen, das, was man sagen will, besser zu sagen.</p>
<p>Das Fest des Gottes Dionysios, das war das Theaterspiel im antiken Athen.</p>
<p>Nüchterne Trunkenheit ist das Wirken den kreativen Geistes im mittelalterlichen Hymnus.</p>
<p>Wegen all der Präsenz dürfen die Schmiere Leute, die den Nachruf schreiben, verallgemeinern. &#8222;Nie&#8220; werden wir und die Zuschauer dich und deine Stücke vergessen. Und: Es war schon ein wenig vom &#8222;Licht der Ewigkeit&#8220; da, in die &#8222;wir dir einmal folgen&#8220;.</p>
<p>Dir Done, zu Allerheiligen 2010, wünsch ich &#8222;die göttliche Komödie&#8220;.</p>
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