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	<title>Fangt uns doch</title>
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	<description>Wie kam es soweit, dass Hans und Sophie Scholl gegen die nationalsozialistische Diktatur aktiv wurden? Weblog gegründet als: Tüfteleien und Motivation zum Theaterstück der KJT 2006/07: „Fangt uns doch“</description>
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		<title>Fangt uns doch</title>
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		<title>Von der politischen Freiheit</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Oct 2009 15:14:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Selber Spielen]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Bin heute sehr dankbar, den Leipzigern, für ihr mutiges Beten und Demonstrieren heute vor 20 Jahren. Werde auch die Nobelpreisträgerin von gestern, Herta Müller, einmal lesen, die angeblich so genau den Diktatoren dieser Welt auf die Finger schaut &#8211; und indirekt das hohe Lied der Freiheit singt.  Dieses Lied sei mit Reiner Kunze (aus einem [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=565&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.faz.net/m/%7BA087830E-5FF7-4DB5-952D-AE142A9A2272%7DPicture.jpg" alt="" width="299" height="445" />Bin heute sehr dankbar, <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2009-10/Ende-DDR?page=3">den Leipzigern</a>, für ihr mutiges Beten und Demonstrieren heute vor 20 Jahren. Werde auch die Nobelpreisträgerin von gestern, Herta Müller, einmal lesen, die angeblich so genau den Diktatoren dieser Welt auf die Finger schaut &#8211; und indirekt das hohe Lied der Freiheit singt.  Dieses Lied sei mit Reiner Kunze (aus einem Interview in Jahr 1991) angestimmt</p>
<p style="padding-left:30px;">[Interviewfrage] Haben Sie den Eindruck, dass die Menschen im Osten Deutschlands von der Freiheit, die jetzt gekommen ist, enttäuscht sind? Von der Freiheit, die sie so stürmisch wollten und nach der sie aus einer so tiefen Überzeugung heraus verlangten?</p>
<p style="padding-left:30px;">[Kunze] Diejenigen, die in diesem politischen System nahezu erstickt sind, werden die Freiheit stets als <em>den</em> Wert empfinden. Aber hat denn die Mehrheit der Menschen tatsächlich die Freiheit gewollt? Die Menschen in der DDR haben nicht wissen können, was das ist, die Freiheit zu wollen.  Sie haben geglaubt &#8211; nicht alle, ich weiß -, Freiheit sei etwas, das man ohne Gegenleistung erhalten kann. Sie haben eine Freiheit ohne Risiko erwartet. Eine Freiheit, die man, wie soll ich sagen, abheben kann bei Bedarf. Eine verwaltete Freiheit. Eine bequeme Freiheit. Da kann ich nur sagen: Nichts ist unbequemer als die Freiheit. Aber auch nichts ist begehrenswerter. <img class="alignright" src="http://www.nikolaikirche-leipzig.de/images/stories/headpics/headpic_108.jpg" alt="" width="267" height="151" /><span id="more-565"></span>Es gibt einiges, das ähnlich oder genauso begehrenswert ist: Gesundheit (was genügend Nahrung, genügend Schutz vor Kälte, genügend Wasser für die Hygiene einschließt). Und Liebe. Aber frei sein heißt, sich entscheiden müssen, und das hat man nicht gesehen, und deshalb kann ich niemandem einen Vorwurf machen. (195-6)</p>
<p>Reiner Kunze hat einen ähnlich genauen Blick für das Kokettieren mit der Diktatur, er kennt die Verführbarkeit gerade der deutschen Schriftsteller, Künstler und Intellektuellen:</p>
<p style="padding-left:30px;">Lassen Sie mich eines vorausschicken &#8211; ich kann dann freier sprechen. Die dem Sozialismus verpflichteten oder im Westen zuweilen auch mit dem Sozialismus kokettierenden Intellektuellen &#8211; ich nenne sie jetzt einmal unerlaubt abgekürzt die &#8222;deutschen&#8220; Intellektuellen, es gibt unter den deutschen selbstverständlich auch andere &#8211; diese Intellektuellen haben viel dazu beigetragen, dass in der DDR der Geist hochgehalten wurde und die Maßstäbe nicht völlig verlorengingen. <img src="http://images.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2009-10/leipzig/leipzig-540x304.jpg" alt="" width="540" height="304" />Ich verdanke einigen von ihnen Hilfe und Freundlichkeiten &#8211; Stephan Hermlin, Christa und Gerhard Wolf, den Heyms, Heinz Knobloch und seiner Frau &#8230; Vor allem aber sind es ihre literarischen Werke, die dazu beigetragen haben, dass die Maßstäbe nicht verloren gingen &#8211; trotz der Brüche und Inkonsequenzen in manchem dieser Bücher. Und so haben diese Schriftsteller selbstverständlich auch dazu beigetragen, dass es zu den gesellschaftlichen Veränderungen gekommen ist. &#8211; Und lassen sie mich noch eines vorausschicken: Die bedauerliche Rolle, die diese Kollegen im Augenblick spielen und auch in der Vergangenheit gespielt haben, will nichts für die Zukunft besagen. Spätestens seit Kleist wissen wir, dass sich in einem wirklich überragenden Autor letztlich der Dichter als stärker erweist als der Ideologe, und die Voraussetzungen dafür, dass sich in Deutschland der Dichter vom Ideologen befreit &#8211; zumindest insoweit, dass er sich nicht mehr von diesem in seinen Schaffensprozess hineinreden lässt &#8211; waren seit 1933 nie so günstig wie heute &#8230; (190-1)</p>
<p style="padding-left:30px;">[...] Das Schlimmste, was diese Intellektuellen haben tun können , war ihr Auftreten im Westen. Sie waren Adjutanten einer Diktatur. Sie haben von dieser Diktatur im Westen &#8211; und zwar weltweit &#8211; ein Zeugnis abgelegt, das besagte, dieses politische System habe seine Fehler, aber in ihm vollziehe sich der Fortschritt der Menschheit und dieses Zeugnis entsprach der Heilserwartung der sozialistischen Intellektuellen in der ganzen Welt. Deshalb wurde dieses Zeugnis tradiert, und das Zeugnis derer, die versuchten, die Dinge beim Namen zu nennen, wurde entweder nicht gehört oder der Lüge geziehen. (192)</p>
<p>Zitate aus Reiner Kunze: <em>Wo Freiheit ist&#8230; Gespräche 1977-1993</em>. Aus einem Gespräch mit dem Österreichischen Fernsehen vom 30. September 1991. -</p>
<p>Was war das mit Kleist, wo war er ideologisch verzerrt?</p>
<p>&#8230; Die Dinge beim Namen nennen, das möchte ich auch können.</p>
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		<title>Verführung des Künstlers</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 13:24:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Nochmal aus Nadolnys Münchner Poetikvorlesungen (&#8222;Das Erzählen und die gute Absichten&#8220;), die ich damals in meinem zweiten Semester an der Uni mit viel Spaß und Verwunderung hörte, der Text kommt fast direkt nach dem im letzten Eintrag zitierten:
In Werner Egks Oper Irische Legende überziehen die Dämonen ein Land mit Hunger, um gegen Nahrungsmittel billig Seelen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=558&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.natursteine-blog.de/wp-content/uploads/2007/09/saulenbasalt.jpg" alt="" width="334" height="224" />Nochmal aus Nadolnys Münchner Poetikvorlesungen (&#8222;Das Erzählen und die gute Absichten&#8220;), die ich damals in meinem zweiten Semester an der Uni mit viel Spaß und Verwunderung hörte, der Text kommt fast direkt nach dem im letzten Eintrag zitierten:</p>
<p style="padding-left:30px;">In Werner Egks Oper<a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=54252019&amp;suchbegriff=Egk,%20Werner:%20Irische%20Legende&amp;top=Lexikon"> Irische Legende</a> überziehen die Dämonen ein Land mit Hunger, um gegen Nahrungsmittel billig Seelen einzukaufen. Cathleen, die Fürstin, leistet Widerstand, weil sie kraft aus der Liebe zieh, aus der Liebe zu ihrem Freund, dem Dichter. Die Dämonen wissen: Sobald er das Land verläßt, wird sie zusammenbrechen, und damit aller Widerstand im Lande. Sie öffnen im Schlaf sein Ohr und oktroyieren ihm Bilder und Folgerungen, um ihn zu lenken.<br />
„Was siehst du, Dichter, im Traum?“<br />
„Ein Bündel Stroh.“<br />
„Verfaultes Stroh!“<br />
„Verfaultes Stroh.“<br />
„Was siehst du noch?“<br />
„Einen, der auf dem Stroh liegt.“<span id="more-558"></span><br />
„Einen Aussätzigen!“<br />
„Einen Aussätzigen.“<br />
„Was hält seine Hand, kraftlos?“<br />
„Ein Stück Brot.“<br />
„Schimmlige Rinde!“<br />
„Schimmlige Rinde.“<br />
„Was hörst du?“<br />
„Seltsamen Gesang hör ich, seltsamen Gesang.“<br />
„Gewinsel hörst du, wie von einem Hund vor der Tür!“<br />
„Gewinsel, ja.“<br />
„Wer ist&#8217;s, der mißönt?“<br />
<img src="http://www.natursteine-blog.de/wp-content/uploads/2007/09/saulenbasalt.jpg" alt="" width="334" height="224" />„Der das Brot hält.“<br />
„Was will er?“<br />
„Dank sagen für das Brot.“<br />
„Hörst du ihn noch?“<br />
„Nein, jetzt nicht mehr.“<br />
„Erkennst du ihn?“<br />
„Nein.“<br />
„Du bist&#8217;s doch selber! Du selbst! &#8230; Und in wenig Tagen wirst du sein so wie dies Traumbild, wenn du nicht fliehst aus diesem Pestland!“<br />
Der Dichter sträubt sich noch und sie fragen ihn: „Wozu bist du geschaffen, Dichter?“<br />
„Zu singen.“<br />
„Wann tönte dein letzter Gesang?“<br />
„Vor dem Hunger.“<br />
„Warum singst du nicht mehr?“<br />
„Ich kann nicht, mitten im Untergang.“<br />
Die Dämonen haben die Quelle gefunden, aus der der Dichter schöpft. Der Traum ist seine Inspiration, seine Gewissheit seit je, ihr glaubt er. Um ihn zu manipulieren, brauchen sie nicht einmal mystisch-rätselhafte Sätze. Ein Stakkato von Fragen und – immanent folgerichtigen – Feststellungen genügt. Er wacht auf und ist plötzlich von der Pflicht beseelt, das Land zu verlassen um seiner Berufung nicht untreu zu werden. Egks großartiges, auch sprachlich großes Libretto enthält die zeitlos gültige, grausam genaue Schilderung der Verführbarkeit des Dichters – dort, wo er am stärksten ist.<br />
Gerade die noch unbegriffene, noch nicht mißtrauisch abgeklopfte Inspiration ist Voraussetzung literarischer Erfindung – jedenfalls der überzeugenden. Aber da liegt auch ein Problem. Einerseits: wer nicht verwirrt ist, der hat keine Ahnung. Er wird nichts Neues wittern und erschaffen. Andererseits: wer verwirrt ist, kann nicht handeln und ist nur allzuleicht manipulierbar. Wer können nur hoffen, dass die beiden Übel sich die Waage halten. (34-36)</p>
<p>Egk (1901-1983) war, so wie ich seinen Wiki-Eintrag verstehe, eine Art Hofkomponist der Nazis &#8211; er weiß wohl, was Verführbarkeit ist, später hat er die Sache auch in einer Autobiographie bearbeitet.  (Vielleicht auch so, dass er die Seele verkaufte um irgendetwas zu retten &#8211; so wie es von der Hauptperson der Oper erzählt wird.)</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Logik der Träume</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/09/08/logik-der-traume/</link>
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		<pubDate>Tue, 08 Sep 2009 19:41:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Sophie Scholl]]></category>
		<category><![CDATA[Teufel]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer denkt logisch im Traum? Und doch ist diese Logik Inspirationsquelle, für Israels Sohn Josef im fernen Ägypten, für den blinden Homer. Ein paar bemerkenswerte Traumbeobachtungen stehen bei Sten Nadolny „Das Erzählen und die guten Absichten“ (Münchner Poetik-Vorlesungen von 1990). Eine davon, wie er sie anhand eines Beispieltraumes erzählt:
„Ich träumte kürzlich etwas Merkwürdiges. Rast machend [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=549&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.ondamaris.de/wp-content/uploads/2007/10/barlachengel02.jpg" alt="" width="287" height="381" />Wer denkt logisch im Traum? Und doch ist diese Logik Inspirationsquelle, für Israels Sohn Josef im fernen Ägypten, für den blinden Homer. Ein paar bemerkenswerte Traumbeobachtungen stehen bei Sten Nadolny „Das Erzählen und die guten Absichten“ (Münchner Poetik-Vorlesungen von 1990). Eine davon, wie er sie anhand eines Beispieltraumes erzählt:</p>
<p style="padding-left:30px;">„Ich träumte kürzlich etwas Merkwürdiges. Rast machend auf einer Bergwanderung saß ich am Wege und nahm einen Imbiß zu mir. Da kam Hitler, einen schweren Wagen schiebend, vorbei, hielt bei mir an und sagt: &#8216;Mich hungert, gib mir zu essen.&#8217; <span id="more-549"></span><img class="alignleft" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/74/BETTLER1.jpg/175px-BETTLER1.jpg" alt="" width="175" height="597" />Ich teilte meine Wegzehrung mit ihm. Nachdem er sich gesättigt , stand er auf und sprach: &#8216; Da ich nun mit dir gegessen habe, mußt du mir helfen, den Wagen hinaufzuschieben.&#8217; Ich konnte nicht anders, ich stemmte mich gegen den Wagen, und so stiegen wir langsam bergan, schoben die schwere Last vor uns her. Nach langer Arbeit erreichten wir den Gipfel. Oben aber öffnete sich unversehens ein steiler Abgrund. Es gelang nicht, den plötzlich wie aus sich selber herausrollenden Wagen zu halten, wir stürzten mit der Last in die grundlose, eisige Tiefe.“<br />
So träumte Ernst Barlach im Jahr 1938. Natürlich brauchen wir etwas Vertrauen, um den Sturz in den Abgrund nicht seinem wachen Bewußtsein zuzuschreiben – gerade weil er so gar nicht abwegig ist. Was mir aber sofort als unverkennbar traumhaft einleuchtet, ist der absurde und darum unausweichliche Befehl. Er erinnert an gewisse geheimnisvoll zwingende Argumentationen im Märchen: „Da ich nun mit dir gegessen habe, musst du mir helfen, den Wagen heraufzuschieben.“ Und der Träumende kann nicht anders, er gehorcht. (33-34)</p>
<p><a href="http://wege-zu-barlach.de/">Barlach</a> (+1870) starb noch im Jahr 1938. Sophie Scholl hat ja kurz vor ihren Tod auch <a href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/05/10/traumerische-bedeutung-von-taufe/">von einem Sturz in den Abgrund geträumt</a>, wobei es natürlich hier bitter böse ist, dass der Künstler erst Hitler gespeist und dann noch seinen Wagen mit hochgeschoben hat.  Nach dem Wiki-Artikel zu Barlach hat er dem System 1934 ein Huldigungsschreiben unterzeichnet, aber als entarteter Künstler recht zu leiden. Andererseits, Barlachs freundliche (evangeliumsgetreue) Gesten haben immerhin zur Folge, dass Hitler schon 1938 zu Tod kommt &#8211; wenn es nur so gewesen wäre. Vielleicht bedeutet der Traum, dass er auf dem Weg der Versöhnung ist, selbst mit dem, der ihn aus der Gesellschaft herauswarf, <a href="http://wege-zu-barlach.de/index.php?id=24">erdrosselte</a>, seine Werke zerstören ließ.</p>
<p>Barlach war übrigens auch Dramatiker (siehe obiger Link)</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/549/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/549/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/549/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/549/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/549/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/549/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/549/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/549/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/549/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/549/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=549&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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	</item>
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		<title>Kriegslogik</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/08/27/kriegslogik/</link>
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		<pubDate>Thu, 27 Aug 2009 15:34:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Otl Aicher]]></category>

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		<description><![CDATA[Es naht der 70. Jahrestag des Begins des zweiten Weltkrieges. Las bei Andrea Böhm einen Artikel über &#8222;Die unaussprechliche Tat: Vergewaltigung von Männern&#8220;, zum Bosnien-Krieg und zum Ostkongo:
Vergewaltigung ist das einzige Verbrechen, bei dem die Scham der Tat am Opfer, nicht am Täter hängen bleibt. Gerade deshalb funktioniert sexuelle Gewalt so gut als Waffe im [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=544&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.chroniknet.de/assets/77768_2.jpg" alt="" width="233" height="169" />Es naht der 70. Jahrestag des Begins des zweiten Weltkrieges. Las bei <a href="http://blog.zeit.de/kongo/?p=280">Andrea Böhm</a> einen Artikel über &#8222;Die unaussprechliche Tat: Vergewaltigung von Männern&#8220;, zum Bosnien-Krieg und zum Ostkongo:</p>
<p style="padding-left:30px;">Vergewaltigung ist das einzige Verbrechen, bei dem die Scham der Tat am Opfer, nicht am Täter hängen bleibt. Gerade deshalb funktioniert sexuelle Gewalt so gut als Waffe im Krieg. <span id="more-544"></span>Frauen werden nach einer Vergewaltigung oftmals von ihren Männern verstoßen, womit nicht nur das Leben des Opfers, sondern das einer ganzen Familie, eines ganzen Dorfes zerstört werden kann. Mit dem sozialen Tod des Frau verschwindet immer auch eine Mutter, eine Bäuerin &#8211; und damit auch die Versorgerin einer ganzen Gruppe.</p>
<p style="padding-left:30px;">Auch Ziwa weiss, dass ihn seine Familie und Nachbarn nun ächten. In ihren Augen ist er zum “Buschweib” geworden. Bei der Vergewaltigung von Frauen besteht die soziale Erniedrigung darin, sie &#8211; und damit die Ehre der Gemeinschaft &#8211; zu “beschmutzen” und zu “schänden”. Bei vergewaltigten Männern besteht sie darin, dass sie zu Frauen “degradiert” werden.</p>
<p>Die ganz andere Logik des Krieges. Habe Otl Aichers Erinnerungen von seiner Umerziehung beim Barras im Kopf. Und kann mir vorstellen, wie anders bei Kriegsbeginn die Assoziationen waren: derer, die sich noch vom ersten Weltkrieg verraten fühlten, und die vielleicht die Kriegszeit verklärten &#8211; andererseits derer, die wußten, dass beim Krieg immer die einfachen Leute die Dummen sind, und wie hochmütig das deutsche Auftreten auf der Weltbühne vorher war, ganz zu schweigen von der Menschenverachtung des Systems.</p>
<p>Und wie dann die Rollen schnell wechseln konnten, wenn ein Abiturient, den das ganze vielleicht zunächst abstößt, schnell befördert wird &#8211; und wenn jemand, der voll im Nazi-Strom mitschwimmt, plötzlich gewisse Bereiche ausblenden muss. Aber man war wie im Rausch, schreiben heute viele (Erinnerungen an den Kriegsbeginn <a href="http://www.seniorenbuero-hamburg.de/zeitzeukribeg.htm">hier</a>)</p>
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		<item>
		<title>Adam von Trott wäre 100</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/08/11/adam-von-trott-ware-100/</link>
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		<pubDate>Tue, 11 Aug 2009 09:06:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 9. August wäre einer aus dem Kreisauer Kreis 100 Jahre alt geworden, einer der jüngsten, Adam von Trott zu Solz, Doppelagent im Auswärtigen Amt der Nazis. Eine Predigt des Bischofs zum Festgottesdienst fasst dieser Artikel in der Hersfelder Zeitung Online zusammen. Ein Zitat:
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			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.eva-verein.de/kreisau/trott.jpg" alt="" width="202" height="300" />Am 9. August wäre einer aus dem Kreisauer Kreis 100 Jahre alt geworden, einer der jüngsten, Adam von Trott zu Solz, Doppelagent im Auswärtigen Amt der Nazis. Eine Predigt des Bischofs zum Festgottesdienst fasst <a href="http://www.hersfelder-zeitung.de/rostart/00_20090810194945_Ohne_Scheu_vor_den_Folgen.html">dieser Artikel in der Hersfelder Zeitung Online</a> zusammen. Ein Zitat:</p>
<p style="padding-left:30px;">Viel sei Adam von Trott gegeben worden: das familiäre Umfeld, das ihm die Türen zu einflussreichen Kreisen im In- und Ausland geöffnet habe; eine beeindruckende Weitsicht, die es ihm ermöglichte, die verschiedenen Richtungen des Widerstands beieinander und gesprächsbereit zu halten; eine noble Liberalität, mit der er andere für sich gewinnen konnte, aber auch eine immense Beharrlichkeit, die Dinge voranzutreiben, die ihm wichtig waren.</p>
<p style="padding-left:30px;">Der höchste Preis</p>
<p style="padding-left:30px;">Doch Adam von Trott habe man nicht nur viel gegeben, man habe auch viel von ihm gefordert. Am Ende der höchste Preis: das Opfer des Lebens. Das solle nicht vergeblich sein. Der Bischof erinnerte an die Inschrift auf dem Gedenkstein unter dem Kreuz hoch über Imshausen: Bittet für sie. Beherzigt ihr Beispiel.</p>
<p style="padding-left:30px;">Die Kollekte des Gottesdienstes erbat Verena Onken von Trott für ein Hilfsprojekt im Sudan: ein Modell im Zentrum der Konflikte.</p>
<p><a href="http://www.refugeesinternational.org/where-we-work/africa/sudan">Sudanpolitik</a> ist tatsächlich etwas, wo heute Widerstand gefragt ist. (Mir scheint es schwieriger hier Widerstand zu leisten als etwa gegen Neonazis. Zugegeben, es ist weit weg. Dennoch: Warum nehme ich mir nicht die  Zeit dafür?)</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/538/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/538/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/538/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/538/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/538/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/538/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/538/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/538/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/538/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/538/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=538&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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	</item>
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		<title>Europas Farben</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/07/07/europas-farben/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 15:01:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere Bühnen]]></category>
		<category><![CDATA[Das Innere]]></category>

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		<description><![CDATA[Umstritten ist die Theaterfassung von Kieślowski und Krzysztof Piesiewiczl &#8222;Drei Farben: Blau, Weiss, Rot&#8220; (Der Link führt zu allen Zeitungsrezessionen gesammelt bei &#8222;Nachkritik&#8220;, dort bitte ggf. die Geschichten nachlesen, damit man diesen Eintrag verstehen kann)  in den Münchner Kammerspielen. Ich mag es sehr, wenn jemand so dezent wie Kiéslowsky/Simons frohe Botschaft verkünden will. Sie [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=532&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" title="Die Studentin Valentine bringt dem Richter seinen Hund, den sie angefahren hat" src="http://www.muenchner-kammerspiele.de/images/stueck/stbild_3700_gr.jpg" alt="" width="293" height="219" />Umstritten ist die Theaterfassung von <a href="http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_alphacontent&amp;section=12&amp;cat=99&amp;task=view&amp;id=2621&amp;Itemid=75">Kieślowski und Krzysztof Piesiewiczl &#8222;<span><strong>Drei Farben: Blau, Weiss, Rot&#8220; </strong></span></a><a href="http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_alphacontent&amp;section=12&amp;cat=99&amp;task=view&amp;id=2621&amp;Itemid=75">(Der Link führt zu allen Zeitungsrezessionen gesammelt bei &#8222;Nachkritik&#8220;, dort bitte ggf. die Geschichten nachlesen, damit man diesen Eintrag verstehen kann)</a><a href="http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_alphacontent&amp;section=12&amp;cat=99&amp;task=view&amp;id=2621&amp;Itemid=75"><span><strong> </strong></span> </a>in den Münchner Kammerspielen. Ich mag es sehr, wenn jemand so dezent wie Kiéslowsky/Simons frohe Botschaft verkünden will. Sie spielen das Chaos der Welt und singen das hohe Lied Europas &#8222;Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit&#8220;, das Lied dessen, was einem Menschen zusteht (höher und intensiver als die Menschenrechte) eigentlich das hohe Lied der Liebe. &#8222;Und wenn ich mit Engelszungen redete, und &#8230;., hätte aber die Liebe nicht, ich wäre ein tönernen Erz&#8230;&#8220; Typischerweise wird die Botschaft dieser Szenen destruktiv oder gesellschaftskritisch gesehen, immerhin auch manchmal bewundernd wie etwa in der <a href="http://www.faz.net/s/Rub4D7EDEFA6BB3438E85981C05ED63D788/Doc~EE5A8EC99C16D47D781793E6367EE2BF6~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell">FAZ</a>:</p>
<p style="padding-left:30px;">„Sie wollte mehr, als ich ihr geben konnte.“ Mit diesen Worten fasst der Richter gegen Ende der „Drei Farben“ die Gründe für das Scheitern seiner eigenen, tragischen Liebesgeschichte zusammen – und bringt damit auch die Grundmotivation aller übrigen Hauptfiguren auf den Punkt: Sie stehen alle vor der Wahl, ihr Leben zu vernichten oder zu vollenden. Tränenerstickt presst der niederländische Schauspieler Jeroen Willems diese verbitterten Worte heraus, während er „Drei Farben: Rot“ verkniffen auf einem Klavierhocker verbringt, in einem einzigen großartig konzentrierten Dialog mit Sandra Hüllers misstrauischer Valentine. <span id="more-532"></span></p>
<p>Sie haben sehr viel, die Hauptpersonen: Julie hat Geld, Karol Geld und Macht, der Richter hat Geld und Macht und Weisheit. Aber die Liebe, die ist ihnen abhanden gekommen. Durch einen tragischen Unfall, durch Berufsehrgeiz und Scheidung, durch das Leiden daran, dass es persönlich und allgemein keine Gerechtigkeit auf der Erde gibt. Julie bleibt der Mund offen, Karol die Hosenfalle, der Richter bleibt auf seinem Klavierstuhl kleben. Sie alle sind auch destruktiv geworden: Julie will die Komposition ihres Mannes zerstören und ihre Erinnerung auslöschen, Karol schreckt vor Betrügereien, Totschlag und der Inszenierung der eigenen Beerdigung nicht zurück, der Richter ist ein ekliger Spanner geworden. Und doch finden sie die Liebe wieder oder es tut sich ihnen wenigstens die Chance dazu auf. Julie komponiert, Karol wartet auf seine Ex-Frau, der Richter fängt wieder von sich zu sprechen an.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 324px"><img src="http://www.welt.de/multimedia/archive/00782/7DreiFarben_DW_Kult_782407g.jpg" alt="" width="314" height="209" /><p class="wp-caption-text">Gleich zu Beginn fällt ein Auto vom Himmel und bleibt im Bühnenbild stecken. Durch einen Unfall hat Julie (Sylvana Krappatsch) ihren Mann verloren</p></div>
<p>Sie sind wie Menschen, die im letzten Moment von einem sinkenden Schiff gerettet werden. Und nicht nur diese drei, auch des Richters Hundepflegerin Valentine, auch die gefangene Ex-Frau Karols, auch der komponierde Olivier &#8211; weiß nicht mehr, wer die sieben Personen die dem Schiffunglück auf dem Ärmelkanal entrinnen, zumindest eine fehlt mir. (Bin ich sie selber, der Zuschauer?) Bin nicht so sicher, aber dort, auf und um den Ärmelkanal haben wohl viele Schlachten um Europa stattgefunden, nach Großbrittanien und Irland ging der Weg vieler Osteuropäer, die nach den friedlichen Revolutionen 1989 im Westen Arbeit suchten, und die Flagge des vereinigten Königreichs besteht aus denselben Farben wie die titelgebende französische, nur besser durchmischt.</p>
<p><img class="alignright" title="Karol (Thomas Schmauser) möchte sich verkriechen" src="http://www.welt.de/multimedia/archive/00782/5DreiFarben_DW_Kult_782405g.jpg" alt="" width="344" height="250" />Die drei Dinge, die in einer chaotischen Welt bleiben, vor es einmal besser wird, so Paulus: Julies Glaube (an den Sohn ihres Gatten mit einer Anderen), obwohl er ihre Liebe jahrelang, ohne dass sie es wusste, betrogen hat. Karols Hoffnung, dass es nach dem (Schein-)Tod (den er für sich inszenieren lässt) besser wird. Des Richters eingesperrte Liebe, damit er endlich (wenigstens) für sich Gerechtigkeit findet.</p>
<p>Die verrückten Farben, Julie blau wie das Meer zum darin ertrinken und wie der Horizont, um abzuheben, Karols weiße Weste, die so gar auf seine Tätigkeiten passt, und doch das Weiß dessen mit einem Gewand, so weiß, wie es kein Walker machen kann, das irritierende Rot aller Frauen im Schlußakt, sich einbrennend und wieder verlöschend. Mochte diesen Theaterabend.</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/532/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/532/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/532/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/532/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/532/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/532/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/532/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/532/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/532/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/532/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=532&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Kreativer Widerstand im Iran</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/06/24/kreativer-widerstand-im-iran/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/06/24/kreativer-widerstand-im-iran/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 24 Jun 2009 08:29:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelle Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[In der DDR war es das Westfernsehen, durch das man &#8211; wenn auch eingeschränkt &#8211; zu Informationen kam. Im Iran sind es die Handies, die integrierten Kameras und Internetdienste und -blogs. Siehe NZZ. (Hoffe diese Mittel funktionieren auch in China &#8211; trotz der angeblichen Kollaboration von Google und co.) Trotzdem muss man Angst haben, wie [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=526&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.faz.net/m/%7B7099B98F-D566-43BD-8297-42CDC5172C5C%7DPicture.jpg" alt="" width="313" height="392" />In der DDR war es das Westfernsehen, durch das man &#8211; wenn auch eingeschränkt &#8211; zu Informationen kam. Im Iran sind es die Handies, die integrierten Kameras und Internetdienste und -blogs. Siehe <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/international/nur_mit_dem_handy_bewaffnet_1.2781222.html">NZZ</a>. (Hoffe diese Mittel funktionieren auch in China &#8211; trotz der angeblichen Kollaboration von Google und co.) Trotzdem muss man Angst haben, wie damals in Leipzig und dem ganzen Ostblock vor 20 Jahren. Was mich sehr freut ist die Vielfalt der friedlichen Proteste, das erinnert schon an Leipzig (und übertrifft es vielleicht, die Iraner sitzen auf den Schultern der Leipziger). <span id="more-526"></span>Wieder die NZZ (17. Juni):</p>
<p style="padding-left:30px;">Nach dem epochalen Schweigemarsch vom Montag [letzter Woche, 15. Juni] zum Azadi-Platz, an dem Hunderttausende teilgenommen haben, klang es schliesslich wie der Triumph eines Volkes, das spürt, dass sich der historische Stau, in dem es feststeckt, auflösen könnte. Wenn es nur lang und kräftig genug hupt.</p>
<p>Also Methoden</p>
<ul>
<li>Schweigemärsche</li>
<li>Hupkonzerte auf den Straßen</li>
</ul>
<p>In den letzten 9 Tagen fand ich noch manches in den Zeitungen, leider sammelte ich nicht die Quellen:</p>
<ul>
<li>am Auto nachts kein Abblendlicht</li>
<li>mit einer Blume oder einem hochgestreckten Foto in der Hand demonstrieren (vgl. Leipziger Kerzen)</li>
<li>um 22 Uhr aufs Dach steigt und «Allah-o-Akbar» (&#8222;Gott ist groß/größer&#8220;) rufen (Oder auch &#8222;Gott ist einer&#8220;)</li>
</ul>
<p>Jetzt noch <a href="http://www.nzz.ch/hintergrund/dossiers/iran/machtpolitik_irans_gegenueber_dem_westen_und_israel/das_iranische_establishment_folgt_khamenei_nicht_rueckhaltlos_1.2769316.html">Sharif Emamjomeh, freie Journalist in Teheran, in der NZZ</a> rückblickend zum Wahlkampf:</p>
<p style="padding-left:30px;"><img class="alignright" src="http://www.nzz.ch/images/iran_2_defaultFormatImage_1.2742975.1245058408.jpg" alt="" width="243" height="160" />Moussavi wählte zwei aussagekräftige Symbole. Er verbreitete ein für die Islamische Republik unerhörtes Plakat, auf dem er Hand in Hand mit seiner Gattin Zahra Rahnavard, einer Universitätsprofessorin, auftrat. Die konservative iranische Tradition räumt den Frauen weder einen Anspruch auf einflussreiche Stellungen noch die Möglichkeit ein, öffentlich Vertrautheit mit einem Mann zu demonstrieren. Weiter wählte er für seine Kampagne die grüne Farbe, die Farbe der Prophetenfamilie. Mit dieser Taktik sprach er die Massen an und flösste ihnen Hoffnung auf Veränderung ein. Fast über Nacht paradierten in allen grösseren Städten des Landes Tausende von Anhängern mit etwas Grünem – einem Armband, einem Schleier oder einer Dekoration am Auto. Schnell wurden daraus die grössten und augenfälligsten Sympathiekundgebungen für einen iranischen Kandidaten, grösser sogar als seinerzeit der Zustrom für Khatami vor dessen Erdrutschsieg.</p>
<p><img class="alignright" src="http://www.spiegelfechter.com/img/iran_rev_03.jpg" alt="" width="200" height="200" />Zurzeit, so scheint es, wird jede Volksansammlung gewaltsam angegriffen, und nicht mehr nur mit Schlagstöcken wie letzte Woche. Dass es letzten Donnerstag in Teheran 1 Million Demanstanten gewesen sein sollen (mind. 25 min. eine sechsspurige Autobahn), ist verrückt.</p>
<p>[Bild rechts entsprechend Kommentar vier: Widerstand durch Bemalung der Geldscheine]</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/526/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/526/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/526/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/526/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/526/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/526/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/526/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/526/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/526/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/526/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=526&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Michael Ende und die Moderne</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Jun 2009 19:47:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>

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		<description><![CDATA[Jüngst (wahrscheinlich) erstmals nach der Kindheit nochmal &#8222;Die unendliche Geschichte&#8220; gelesen. Michael Ende sagte einmal darüber (bitte nicht überbewerten, er wollte eigentlich keine Deutung geben)
&#8222;Das ist nämlich die Geschichte eines Jungen, der seine Innenwelt, also seine mythische Welt, verliert in dieser einen Nacht der Krise, einer Lebenskrise, sie löst sich in Nichts auf, und er [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=510&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.oobe.ch/wzpic/730419.jpg" alt="" width="287" height="311" />Jüngst (wahrscheinlich) erstmals nach der Kindheit nochmal &#8222;Die unendliche Geschichte&#8220; gelesen. <a href="http://www.michaelende.de/">Michael Ende</a> sagte einmal darüber (bitte nicht überbewerten, er wollte eigentlich keine Deutung geben)</p>
<p style="padding-left:30px;">&#8222;Das ist nämlich die Geschichte eines Jungen, der seine Innenwelt, also seine mythische Welt, verliert in dieser einen Nacht der Krise, einer Lebenskrise, sie löst sich in Nichts auf, und er muss hineinspringen in dieses Nichts, das müssen wir Europäer nämlich auch tun. Es ist uns gelungen, alle Werte aufzulösen, und nun müssen wir hineinspringen, und nur, indem wir den Mut haben, dort hineinzuspringen in dieses Nichts, können wir die eigensten, innersten schöpferischen Kräfte wiedererwecken und ein neues Phantásien, d.h. eine neue Wertewelt aufbauen&#8220;.</p>
<p>Zitiere <a href="http://www.oobe.ch/ende02.htm">Michael Ende aus einem Briefwechsel</a> mit <a href="http://www.oobe.ch/">Werner Zurfluh</a>:</p>
<p style="padding-left:30px;">Ich weiß nicht, ob es übertrieben klingt, wenn ich sage: Ich interessiere mich eigentlich nicht sonderlich für mich selbst &#8211; nur so um meiner selbst willen. <img title="Mehr …" src="../wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" /><img title="Mehr …" src="../wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" /><span id="more-510"></span>Was mich interessiert ist die Frage, was ich mit meinen Möglichkeiten dazu tun kann, daß wir aus dieser verdammten Kulturmisere wieder herauskommen, in die sich die gesamte &#8222;zivilisierte&#8220; Menschheit hineinmanövriert hat. Der naturwissenschaftliche, technologische, industrielle Fortschritt ist da und wird weitergehen &#8211; aber wenn kein Gegengewicht auf der &#8222;anderen&#8220; Seite diese Entwicklungen ausbalanziert, dann werden wir immer tiefer in eine buchstäblich mörderische Banalität hineinschlittern, in eine &#8222;brave new world&#8220; der totalen Wesenlosigkeit und der totalen Bequemlichkeit &#8211; oder es kommt eben zu all den oft genug besprochenen Katastrophen. Beides wäre gleichermaßen schlimm.<br />
Nun, Kultur ist ja nicht die Gemeinsamkeit von Meinungen und Ansichten &#8211; in einer Kultur können sehr divergierende Meinungen zum Ausdruck kommen &#8211; Kultur ist die Gemeinsamkeit einer Lebensgebärde, innerhalb derer die verschiedensten Ansichten Gestalt gewinnen. Deshalb beruht jede mir bekannte Kultur auch nicht auf einer Welt e r k l ä r u n g, sondern hat im Zentrum einen Mythos. Ein Mythos ist ja eine E r z ä h l u n g, in der die ganze Widersprüchlichkeit des Lebens und der Welt nicht aufgelöst, sondern in Bildern dargestellt wird. Eine Zivilisation wie die unsere, die letztlich an eine restlose Erklärbarkeit der Welt und der Lebenstatsachen glaubt, kann per se natürlich keinen wirklichen Mythos in ihrem Zentrum haben. Diese Mythenlosigkeit schließt aber wiederum eine gemeinsame Lebensgebärde aus. Daher das Gefühl einer geradezu kosmischen Einsamkeit, das jeder einzelne heute erlebt. Jeder versucht sich jedem zu erklären, und je mehr man erklärt, desto weniger versteht man einander.<br />
Verstehen Sie mich, bitte, nicht falsch. Ich beklage das nicht. Ich bin vielmehr der Meinung, daß dieses Durchleben des Fokuspunktes, dieses Reduziertsein auf das eigene Bewußtsein, dieser Weltverlust sich mit Notwendigkeit vollziehen mußte. Eben dadurch wurde der Mensch sozusagen selbständig, mündig. Aber man kann natürlich in diesem Fokus- oder Nullpunkt nicht verweilen, sich nicht häuslich darin einrichten. Das würde zu einem vollkommenen Zerfall aller sozialen Strukturen, aller Gemeinsamkeit, ja der Sprache selbst führen [...]<br />
<img class="alignright" src="http://www.oobe.ch/wzpic/egypt.jpg" alt="" width="291" height="287" />Nun hilft es uns aber wenig, auf solche alten Kulturen zurückzublicken, weil wir inzwischen vor Fragen stehen, vor denen die Menschheit noch nie bisher gestanden hat. Alle alten Kulturen beziehen ihren Mythos, ihre Gemeinsamkeit aus etwas &#8211; wie soll ich sagen &#8211; Genetischem, Instiktivem, aus einer körperlichen Volks-, Stammes- oder sogar Familienzugehörigkeit. Sie sind vor-individuell. Das Einzelbewußtsein spielt kaum eine Rolle. Daher auch das eigentümlich Überlebensgroße, Allgemeine, Unindividuelle aller mythischen Figuren. Eine Kultur freier, selbständiger Individualitäten hat es bisher noch nie gegeben. Zunächst erscheint soetwas ja geradezu als eine Unmöglichkeit, ein Paradoxon: Wie kann es die gemeinsame Lebensgebärde vieler Einzelner geben? Auf der anderen Seite gibt es kein Zurück mehr. Wie verheerend sich der Versuch auswirken muß, den heutigen Menschen wieder in Volks- oder Rassezusammenhänge zu integrieren, hat sich ja am Nazismus gezeigt. Was vor 2000 Jahren gut war, wirkt heute dämonisch. So ist es ja überhaupt mit Gut und Böse. Aber das ist nicht die einzige Tendenz, den Menschen zu entindividualisieren. Viele andere Systeme wollen es auf andere Weise erreichen, weil sie alle mit der Frege nicht fertig werden, wie es eine Gesellschaft oder Kultur freier Individualitäten geben soll.<br />
[zwei Tage später setzt er den Brief fort]<br />
Beim Durchlesen dessen, was ich da vorgestern geschrieben habe, erschrecke ich etwas über den akademischen, rechthaberischen Tonfall. Es ist mein alter Fehler, etwas in wenigen Sätzen erklären zu wollen, wozu man sich viel Zeit (und Papier) nehmen müßte. Außerdem weiß ich gar nicht, ob diese ganzen Überlegungen für Sie überhaupt von Interesse sind. Wenn ja, fassen Sie bitte nachl Da ich eigentlich auf eine ganz persönliche Frage kommen möchte, will ich den vorigen Faden jetzt so kurz wie möglich abschneiden: Ich bin durchaus der Meinung,daß die Lösung des Paradoxes möglich ist, d.h. daß es eine gemeinsame Lebensgebärde, sprich Kultur, vieler Individualitäten geben kann, daß es unsere Aufgabe ist, sie zu er-finden oder sie wenigstens vorzubereiten. (Vielleicht oder wahrscheinlich werden vorher noch einige Katastrophen zu durchleben sein, die vor allem die ökonomischen Grundlagen unserer <img class="alignright" src="http://www.oobe.ch/wzpic/wz0018.jpg" alt="" width="221" height="288" />Gesellscheft auf ganz andere Füße stellen &#8211; auch das ein eigenes Thema !) Was Sie in Ihrem Buch an Erfahrungen beschreiben, erscheint mir als der Anfang, das Erwachen einer ganz neuen Seelenfähigkeit. Ihr Vorschlag, das Klarträumen als Unterrichtsfach in künftige Schulen einzuführen, entzückt mich. Mein Gott, was für ein begeisterter Schüler wäre ich da gewesen ! In meinen Schulen hat man uns das Träumen gründlich abzugewöhnen versucht.</p>
<p>Dass Ende das Tagträumen und Außer-Körper-Erfahrungen erlernen will, klingt so ein bischen wie Goethes Faust den Kontakt mit der Geisterwelt sucht. (Später zitiert Ende tatsächlich Fausts Monolog und was er alles schon probiert hat.) Er kommt bald wieder auf sein eigentliches Anliegen:</p>
<p style="padding-left:30px;">Ich befinde mich da in einer sonderbaren Situation. Ich sitze seit Jahren, oder besser gesagt seit Jahrzehnten (ich bin fast sechzig) sozusagen festgebannt auf der Schwelle zwischen beiden Wirklichkeiten. Eine Rückkehr in den naiven Glauben an die Alltagsrealität ist mir nicht möglich. Es macht mich oft geradezu ratlos vor Erstaunen, wie fraglos viele Menschen diese Alltagsrealität &#8222;für bare Münze&#8220; nehmen. Trotzdem ist mir der Schritt zu einem wirklichen Wachwerden auf der anderen Seite der Schwelle bisher nie gelungen. Ich sollte vielleicht der Klarheit halber hinzufügen, daß ich durchaus Übungen gemacht habe &#8211; am längsten wohl die von Steiner angegebenen, aber auch andere. Drogen habe ich allerdings nie benutzt. Alle diese Übungen haben bei mir überhaupt nichts in Bewegung gebracht, im Gegenteil, mein Traumleben intensivierte sich nicht, sondern begann durch besagte Konzentrations- und Meditationsübungen geradezu abzuwelken. Ich kenne Leute, die Steiners Meditationssprüche seit vierzig Jahren täglich üben. Auf meine gespannte Frage &#8222;Und?&#8220;, antwortete man mir, daß die Sprüche nun allmählich anfingen zu leuchten. Darauf antwortete ich, daß vermutlich auch das Telefonbuch anfängt zu leuchten, wenn man es vierzig Jahre lang meditiert.<br />
Was sich durch alles das bei mir eingestellt hat, ist eine tiefe Entmutigung. Sie verstehen, daß das kein Mangel an Mut ist. Ich bin zwar gewiß kein &#8222;makelloser Krieger&#8220; im Sinne des alten Don Juan, aber ich bin kein Feigling. Ich sage das nicht leichtfertig. Im Grunde weiß man ja nie, ob man Mut hat oder nicht, ehe man nicht in Situationen gekommen ist, in denen sich das herausstellt.</p>
<p>Dann diskutiert Ende mögliche Wege, unplausibel scheint ihm, dass es bei ihm daran liege</p>
<ul>
<li> dass man &#8222;erst einmal ein makelloser, tugendhafter, asketischer Mensch werden&#8220; solle oder</li>
<li>dass für ihn &#8222;das größte Hindernis in gewissen vorgefaßten Meinungen über die Existenz oder Nichtexistenz, oder ganz generell über die Beschaffenheit der nichtalltäglichen Wirklichkeit liegt&#8220;</li>
</ul>
<p>Die Anfrage zum Briefende: &#8222;Glauben Sie, ich muß mich damit abfinden, daß ich vor meinem Tode keinen b e w u ß t e n Zugang zur &#8222;anderen&#8220;Wirklichkeit bekomme?&#8220;. Antwort Werner Zurfluh:</p>
<p style="padding-left:30px;">Streben meint nämlich stets Zielbezogenheit und Gerichtetheit. Und es gibt genug Schulungswege, die sich irgendwelchen Zielvorstellungen verschrieben haben. Dabei geht von allem Anfang an die Poesie verloren und Macht und Willkür übernehmen das Szepter. Erkenntnis als solche ist stets unerwartet, offen, verblüffend und erschreckend, manchmal auch leise und verhalten. Wer dagegen nach Erkenntnis strebt, glaubt allemal schon zum voraus zu wissen, was ihn da erwartet und verliert unterwegs seine Offenheit und Redlichkeit. Dabei bleibt die spontane (&#8216;alchemistische&#8217;) Kunst im Wuste der formalen Anweisungen stecken. Dass Sie sich dagegen wehren, kann mich nur freuen.[...]<br />
Nur erstaunlich, dass in beinahe allen Grosskulturen die Spontaneität und schöpferische Gestaltungskraft erfahrungsbegründeter Sprache in kanonisierte Schriftlichkeit absackte und schliesslich in formalistischer Schulung erstarrte. Priester traten anstelle von Propheten, Schriftgelehrte ersetzten Seher. Ganz anders die indianische und schamanistische Kultur mit ihrer echten Akzeptierung der &#8216;Traumwelt&#8217; als nichtalltägliche Wirklichkeit. Da spielt das Einzelbewusstsein eine wesentliche Rolle &#8211; oder müsste ich vielmehr sagen, da hat das Erzählerische eine gesellschaftsformende Kraft, weil alle Erzählungen aus der persönlichen Erfahrung heraus entstehen und in die soziale Struktur miteinbezogen werden. Wird dagegen der Mythos des einzelnen Menschen zu einem rein subjektiv erzeugten Fantasieprodukt erklärt, geht der Anspruch freier, selbständiger Individualitäten auf Intersubjektivität und gesellschaftlicher Relevanz vollends verloren.</p>
<p>Ein späterer Brief geht härter mit Michael Ende um:</p>
<p style="padding-left:30px;"><img class="alignright" src="http://www.oobe.ch/wzpic/mandala3.jpg" alt="" width="246" height="239" />Was mir absolut nicht klar ist, ist die Motivation, mit der Sie luzid in die Nacht hineingehen wollen. Mehr noch, ich &#8222;befürchte&#8220; sogar, dass Sie ungemein dafür motiviert sind. Ich werde dabei einfach den Verdacht nicht los, dass Ihr Motiv letzten Endes doch alltagsbezogen bleibt und keineswegs uneigennützig ist. Auch habe ich den Verdacht, dass Sie als Fernziel ein literarisches Kunstprodukt vor Augen haben.[...] Wenn Sie jetzt beim Lesen dieser Zeilen immer zorniger, ja wütend geworden sind, dann war mein Verdacht zutiefst zutreffend, wenn nicht, dann war er zumindest teilweise ungerecht, worüber ich nur froh und glücklich sein kann. Bitte beachten Sie auch, dass ich eher die Tendenz habe, zu viel als zu wenig zu sagen, d.h. ich bin oftmals provokativ, möchte aber keineswegs verletzend sein. Hoffentlich gelingt mir das!<br />
Wie dem aber auch sein mag, es gibt meines Erachtens ein paar prinzipielle Dinge gerade im Zusammenhang mit jeder Art von &#8216;esoterischem&#8217; Bemühen. Wenn einem die Alltagsrealität fragwürdig geworden ist, beginnt oftmals das Suchen nach anderen Wirklichkeiten. Exakt an diesem Punkt setzen die esoterischen Schulen ein &#8211; mit all ihren Übungen. Mich beruhigt es ungemein, dass Sie nicht den geringsten Erfolg mit all den Übungen gehabt haben, die Sie jemals durchgeführt haben. Und dass Sie &#8211; gewissermassen aus schierer Verzweiflung &#8211; keine Drogen genommen haben, rechne ich Ihnen hoch an. Das eine wie das andere sind wesentliche Punkte im Hinblick auf ein Hineingehen in andere Seinsbereiche. Weshalb? Weil es nicht angehen kann, mit Hilfe irgendwelcher Techniken in eine Raum-Zeit hineinzugehen, die bislang vom westeuropäischen Menschen beinahe ausschliesslich als zu erobernde und zu zivilisierende terra incognita betrachtet worden ist.<br />
[...] Sie glauben also nicht, dass Ihre Schwierigkeiten hierin liegen, denn die Existenz der nichtalltäglichen Wirklichkeit war Ihnen eigentlich von Kindheit an völlig fraglos. Keine Frage, dass dem bis heute so gewesen sein mag! Ich habe sogar nicht einmal den leisesten Zweifel daran, dass Sie nicht durch ein naturwissenschaftliches Weltbild daran gehindert werden, die Schwelle zu überschreiten. Nur leider: Es gibt auch magische Weltvorstellungen. Und zum Donnerwetter nochmals, die liegen Ihnen nicht nur näher, die liegen wie schwerste Malsteine auf Ihnen und drücken Sie in Ihren physischen Leib hinein, dass mir Weh und Ach wird.</p>
<p>Ende nimmt diesen Brief freundlich auf, gerade seine Antwort bezeugt, dass ihn die äußeren Umstände (er wurde betrogen und sitzt auf immensen Schulden) in die nicht-Phantasie zurückweisen. Wegen dieser äußeren Umstände wird der Briefwechsel lockerer, einmal sehen sich die beiden Schreiber noch vor Endes Tod. Bei Z., der zu Begin des Briefwechsels wegen MS in Ruhestand versetzt worden war, ist seit 2007 MS so fortgeschritten, dass er nicht mehr schreiben kann. Genaueres über ihn auf <a href="http://www.oobe.ch/">Werner Zurfluh (Bilder auf dieser Seite sind von ihm)</a>.</p>
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		<title>Halfpipe Bühne</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Jun 2009 15:32:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere Bühnen]]></category>
		<category><![CDATA[Bühne]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich dachte an die Ringe des Saturn, als ich die Bühne in der Inszenierung von Franz Kafka &#8222;Der Prozess&#8220; in den Münchner Kammerspielen sah. Innen drehte sich der unbewohnbare Planet. Vieles spricht dafür, dass es sich um ein Auge handelt bei dieser Bühne. Auf jeden Fall gab es doch da tatsächlich Ähnlichkeiten zur &#8222;Fangt uns [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=505&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://images.derstandard.at/t/12/2008/09/26/1220552604771.jpg" alt="" width="300" height="450" />Ich dachte an die Ringe des Saturn, als ich die Bühne in der Inszenierung von Franz Kafka &#8222;Der Prozess&#8220; in den Münchner Kammerspielen sah. Innen drehte sich der unbewohnbare Planet. Vieles spricht dafür, dass es sich um ein Auge handelt bei dieser Bühne. Auf jeden Fall gab es doch da tatsächlich Ähnlichkeiten zur &#8222;Fangt uns doch&#8220; Bühne. Was passiert da technisch? Zitiere den <a href="http://derstandard.at/?url=/?id=1220459240692">Standart (Wien. Ronald Pohl)</a>:</p>
<p style="padding-left:30px;">Regisseur/Ausstatter Andreas Kriegenburg hat auf die Münchner Bühne ein Gipsauge gestellt. In dessen ovaler Mitte, sozusagen im Durchstichsloch eines Träumers, rotiert ein Hubpodest, das immer wieder gemächlich in die Vertikale kippt, um schließlich als Kletterwand den Schrecken einer hölzernen Eiger-Nordwand zu verbreiten.<span id="more-505"></span></p>
<p>Gedeutet bei <a href="http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_alphacontent&amp;section=12&amp;cat=99&amp;task=view&amp;id=1776&amp;Itemid=75">Mounia Meiborg in Nachkritik</a>:</p>
<p style="padding-left:30px;">Die Welt ist eine seltsam schiefe Scheibe, und wer nicht aufpasst, fällt runter. Schon vom bloßen Anblick der verschiedenen Neigungswinkel kann einem schwindelig werden. Denn Andreas Kriegenburgs Bühne ist eine Mischung aus Hamsterrad und Halfpipe. Im Vordergrund liegt eine riesige Ellipse, die nach unverputztem Beton aussieht und sich in der Tiefe des Raumes verengt. Der hintere Hohlraum wird von einer Holzscheibe abgeschlossen, die als steile Rampe darin liegt, nach hinten geklappt wird und sich zugleich dreht. Fast senkrecht klebt das Mobiliar – ein Schreibtisch, ein Esstisch, Stühle, ein Bett – auf dem Untergrund. Anders die Menschen auf diesem ungastlichen Eiland: Sie kraxeln und straucheln, klettern und strampeln.</p>
<p>Was kann man aus einer Bühnenschräge nicht alles machen. Ein Bild, das für uns Zeichen der Phantasie war, ins Kafkaeske gewandelt: mal krabbeln dort Käfer, mal pendeln Kaschperle an Stäbchen, ein andermal der ständige Absturz des Sisiphos.</p>
<p>Die Bühne schließt sich nicht zur blauen Kammer, sondern ist etwas hinter einem eisernen Vorhang &#8230;</p>
<p>Die Rezensenten feiern diese Bühne, die eingeschränkten Farben die darauf spielen, sprachlich ist was geboten &#8211; deuten tue ich Kafka besser nicht. Und doch, ein wenig ist es auch hier die schöpferische Vielfalt des Lebens, die trotz der Wahnvorstellungen von einem Prozess das letzte gute Wort hat. (Das Urteil am Ende ist nicht so richtig glaubwürdig. O.k., bin unverbesserlicher Optimist.)</p>
<p>Weitere richtig gute Bilder von der Bühne auf der <a href="http://www.muenchner-kammerspiele.de/index2.php?&amp;URL=home.php?">Seite der Münchner Kammerspiele</a></p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/505/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/505/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/505/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/505/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/505/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/505/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/505/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/505/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/505/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/505/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=505&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Es weitergeben</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/06/08/es-weitergeben/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 17:23:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie Widerstadsfähigkeit weitergeben?
Christian Führer, selbst Sohn eines Pfarrers, hat nach seinem Studium in Leipzig Ende der 60er Jahre seine erste Pfarrstelle in einer Landgemeinde in Sachsen angenommen. Mit ihm kommt seine Frau Monika.
Im Dorf waren wie so richtig angekommen. Die Anteilnahme der Dorfbewohner spürte ich deutlich, als im Jahre 1969 unser erstes Kind geboren wurde. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=501&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/6a/Christian_Fuehrer.jpg/180px-Christian_Fuehrer.jpg" alt="" width="204" height="136" />Wie Widerstadsfähigkeit weitergeben?</p>
<p>Christian Führer, selbst Sohn eines Pfarrers, hat nach seinem Studium in Leipzig Ende der 60er Jahre seine erste Pfarrstelle in einer Landgemeinde in Sachsen angenommen. Mit ihm kommt seine Frau Monika.</p>
<p style="padding-left:30px;">Im Dorf waren wie so richtig angekommen. Die Anteilnahme der Dorfbewohner spürte ich deutlich, als im Jahre 1969 unser erstes Kind geboren wurde. <span id="more-501"></span>Im Dorf waren wir so richtig angekommen. Und wir sorgten für Gesprächsstoff. Über den Namen unserer Tochter staunten die Leute nicht schlecht, denn üblich waren damals Jaqueline, Mike, René und dergleichen. Auf dem Dorf wurde aus unserer Katharina natürlich bald Katrina. Der Name unseres ersten Sohnes, Sebastian, ging den Menschen 1971 schon besser über die „sägs&#8217;sche Zunge. [...]</p>
<p style="padding-left:30px;">Dank unserer Kinder erinnerte ich mich wieder an meine Eltern – besonders an meinen Vater – und deren Erziehungsmethoden. Wir stellten es Katharina damals frei, ob sie den Pionieren beitreten wollte oder nicht. Mir als Vater wäre es sehr nahe gegangen, wenn ich meiner Tochter etwas verboten hätte, um dann “Ich möchte doch auch wie die anderen Kinder Pionier sein“ von ihr zu hören. So hingegen konnte sie selbst erfahren, was an der Sache mit der Pionierorganisation dran war. Allerdings war es in jenen Tagen nur allzu selbstverständlich, dass alle Kinder der Organisation beitraten. Keineswegs davon überzeugt, gingen meine Frau und ich in die Schule und fragten nach.</p>
<p style="padding-left:30px;">„Warum sollen die Kinder überhaupt zu den Pionieren gehen?“, erkundigte ich mich bei der Klasslehrerin von Katharina. Diese Frage war nun überhaupt nirgends vorgesehen.</p>
<p style="padding-left:30px;">„Die gehen doch alle dorthin.“</p>
<p style="padding-left:30px;">„Und warum gehen alle dorthin?“ hakte ich beharrlich nach.</p>
<p style="padding-left:30px;">„Nun, weil alle dorthin gehen!“ lautete die unwirsche Antwort der Lehrerin. „Und weil Pioniere Altpapier und Flaschen sammeln!“, fügte sie noch hinzu.</p>
<p style="padding-left:30px;">„Aber dafür muss man doch nicht der Pionierorganisation beitreten“, erwiderte ich nur. „Altpapier und Flaschen sammeln wir auch so.“ Nach unserem Umweltbewusstsein war das eine Selbstverständlichkeit. Nach ihrer Zeit bei den Jungpionieren entschloss Katharina sich jedoch gegen eine weiterführende Karriere bei den Thälmannpionieren. Sie hatte erfahren, dass sie bei den Pionieren nichts versäumte. Und so ging sie den Weg, der sie ab der vierten Klasse bei den Thälmannpionieren vorbeiführte. Sebastian trat erst gar nicht den Jungpionieren bei. Damit hatten wir bei unseren ersten beiden Kindern ganz ohne Zwang erreicht, was wir wollten.</p>
<p>aus: Christian Führer (2009): Und wir sind dabei gewesen. Die Revolution, die aus der Kirche kam. Der Pfarrer der Nikolaikirche erzählt sein Leben; Seiten 85-87.</p>
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		<title>Zeitung des Fritz Gerlich</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/05/26/veranstaltung-zu-fritz-gerlich/</link>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 12:54:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor 75 Jahren wurde der Publizist Fritz Gerlich von den Nazis ermordet, anderthalb Jahre war er vorher ohne Prozess im Gefängnis gesessen. Man wusste davon (und von ähnlichen Morden) im Saarland und in Österreich, und doch hat man dem Hitler zugejubelt.
Zu ihm gibt es eine recht gute Website hier mit allen Ausgaben seiner Zeitung zwischen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=494&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://images.eo-bamberg.de/5/467/1/12981338477201008416.jpg" alt="" width="600" height="290" />Vor 75 Jahren wurde der Publizist Fritz Gerlich von den Nazis ermordet, anderthalb Jahre war er vorher ohne Prozess im Gefängnis gesessen. Man wusste davon (und von ähnlichen Morden) im Saarland und in Österreich, und doch hat man dem Hitler zugejubelt.</p>
<p>Zu ihm gibt es eine recht gute Website <a href="http://www.gerlich.com/">hier</a> mit allen Ausgaben seiner Zeitung zwischen 1931 und 1933 zum Herunterladen.</p>
<p>&#8222;Es gibt nur einen, der den geraden Weg zu Gott gegangen ist. &#8220; oder so ähnlich schreibt Sophie Scholl an Fritz Hartnagel mitten im Krieg. Sie meint damit nicht Fritz Gerlich, aber dessen Zeitung hieß tatsächlich &#8222;Der gerade Weg&#8220; und warnte vor Hitler. Bis 1930 war Gerlich Chefredakteur der &#8222;Münchner Neueste Nachrichten&#8220;, der Vorläuferzeitung der Süddeutschen.</p>
<p>Eine Historikerdiskussion gestern offenbarte spannende Dinge. Was für ein Hitzkopf Gerlich war, wie er sich beraten ließ (von Resl von Konnersreuth), wie man als Nichtjournalist gleich Chefredakteur werden kann, dass er keine Angst davor hatte, für das, was er schrieb und herausgab, zu sterben, wie er überlegte, auf die SS-Leute, die sein Büro plünderten, zu schießen, wie einer seiner Artikel jemand in den Selbstmord trieb, wie seine Zeitschrift einen Freund schwer in Zahlungsschwierigkeiten brachte, wie Hitler mit ihm sprach und wie sie seitdem erbitterte Feinde wurden, wie er stundenlang Artikel aus dem Kopf diktieren konnte &#8230; das wird eine Fernsehsendung für BR Alpha</p>
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