Werterahmen und persönliches Weitergeben
15. Oktober 2008
Habe profitiert vom Artikel des Historikers Michael Kißener „Widerstand ohne Glauben?“. Im ersten Teil erwähnt er dass die Geschichtswissenschaft und die öffentliche Meinung richtigerweise davon abgekommen sind, die katholische Kirche und den bekennenden Teil der evangelischen Kirche als Hort des Widerstands zu sehen. In den 90er Jahre verwies man noch auf „die grundsätzlich apolitische Haltung von Kirchenvolk wie Kirchenführung“ (115) Read the rest of this entry »
Im Tonschacht versinken
17. September 2008
… oder als Kind aufwachen, und die Flut kommt gefährlich näher – da kann es einem genauso ergehen, wie wenn man nur in einen „saudummen Film“ geht. Graf Moltke schreibt am 12. August 1935 an seine Frau Freya:
„Gestern war ich mit Asta in dem saudummen Film, den ich wegen eines Copyright-Prozesses ansehen musste. Dabei sahen wir einen Film von den olympischen Spielen, auf den ich mal wieder so reagierte, dass ich dachte, möglichst sofort auszuwandern. Ich habe seit langem nichts gesehen, was mich so deprimiert: Masse Mensch in Vollendung. Und was das schlimmste ist, ist, dass so viele Leute, von denen ich etwas halte, dabei mitmachen und nicht merken, wie widerlich und degradierend das alles ist. Read the rest of this entry »
Habe mich, als hättest Du mich nicht.
2. September 2008
Gestern spannende Rezension im DLF (Andruck) von einem bemerkenswerten Buch. „Peter Hermes: Meine Zeitgeschichte 1922-1987. Paderborn 2007„. Ich kannte bisher Andreas Hermes (1878–1964) nicht, seinen Vater, einer von zwei Parlamentariern, der seinen Wahlkreis 1933 nicht an die NSDAP abgeben musste, der nie umgefallen ist, freilich auch kein aktiver Widerstandskämpfer war. (Wäre ihm wohl noch schlechter bekommen, denn er hatte Kontakt mit jemand, der manchen in der Haft verraten hat.) Dennoch, das Todesurteil war gesprochen, der Abschiedsbrief geschrieben, irgendwie ist er davongekommen. Read the rest of this entry »
Moltkes Jugend
11. August 2008
Ein Buch, das unsere Idee bei einem anderen Widerständler aufgreift: Jochen Köhler verstarb, als er den ersten Teil seiner Biographie „Helmut James von Moltke. Geschichter einer Kindheit und Jugend“ fertiggeschrieben hatte. Hörte die DLF-Rezension in Andruck (leider nicht im Netz), die ZEIT lobt in höchsten Tönen und beschreibt auch ein Ideal einer Bühnenbearbeitung:
Der Autor, von Haus aus kein gelernter Historiker, bedient sich einer biografischen Methode, die sich nicht den strengen Kriterien der Wissenschaft unterwirft, sondern sich zu ihrer Subjektivität bekennt. Read the rest of this entry »
Schurik an Natascha
18. Juli 2008
Am Ende wird es sehr einfach. Gleichzeitig eine neue, ganz andere Perspektive, die unsereins heute und jeden Tag finden kann. Zum 65. Jahrestag der Hinrichtung von Alexander Schmorell letzten Sonntag aus seinem Abschiedsbrief an seine russische Kinderfrau Natascha, die ihn anstatt der früh verstorbenen Mutter aufzog.
Es wird dich vielleicht wundern, wenn ich dir schreibe, dass ich innerlich von Tag zu Tag ruhiger werde, ja sogar froh und fröhlich, dass meine Stimmung meistens besser ist, als sie es früher in der Freiheit war! Woher das kommt? Read the rest of this entry »
Träumerische Bedeutung von Taufe
10. Mai 2008
Zu Ehren dem ersten Baby der Theatertruppe von 2006/7, Hannah – ein großes-kleines Zeichen, dass es Zukunft gibt – Sophie Scholls Traum in der letzten Nacht vor ihrem Prozess und der überraschend schnellen Hinrichtung am selben Tag, erzählt von ihrer Zellengenossin Else Gebel.
Du bist sofort munter und erzählst mir, noch im Bett sitzend, deinen Traum: „Ich trug an einem sonnigen Tag ein Kind in langem weißen Kleid zur Taufe. Der Weg zur Kirche führte einen steilen Berg hinauf. Aber fest und sicher trug ich das Kind in meinem Arme. Da plötzlich war vor mir eine Gletscherspalte. Ich hatte gerade noch so viel Zeit, das Kind sicher auf die andere Seite niederzulegen – dann stürzte ich in die Tiefe.“
Du legtest dir den Traum so aus: „Das Kind im weißen Kleid ist unsere Idee, sie wird sich trotz allen Hindernissen durchsetzen. Wir durften Wegbereiter sein, müssen aber vorher sterben, für sie.“ Read the rest of this entry »
Gut und böse bei Furtmeier
2. Mai 2008
Der von den Nazis suspendierte Justizbeamte Joseph Furtmeier, dem seine Freunde umgebracht wurden und der selber drei Wochen in Gefangenschaft war, schreibt einige Zeit nach seiner Freilassung am 20. August 1943 einen beachtenswerten Text. Ein recht eigenständiges und doch tiefgründiges Bild von Gott und Welt. Man bedenke freilich, dass dieser Text aus einem privaten Brief in die Schweiz nie für die Öffentlichkeit bestimmt war.
Für Gerda, die sich für Philosophie interessiert, füge ich einige Leitsätze bei, die die Tragik zum Ausdruck bringen, in der der Christ die Welt erlebt
1) Es gibt keine Selbstgestaltung der Gesellschaft aus ihren eigenen Kräften heraus. Es gib keinen Fortschritt, alle Kultur ist Tradition.
2) In der Welt ist das Böse stärker als das Gute. Read the rest of this entry »
Der Philosoph
22. April 2008
Josef Furtmeier (1887-1969) war guter Freund des Hans Scholl, der Sophie Scholl, des Christl Probst, von Proffessor Huber, vermittelt wohl über Carl Muth oder die klassischen Konzerte. Glaube nicht, dass er im aktiven Widerstand dabei war – sicher hat er geistig gut dagegengehalten, nicht umsonst hatte er im Freundeskreis den Spitznamen „der Philosoph“ (die besten Rezensionen: DLF und Jakob Knab)
Ein erster Zugang, werde wohl noch mehr dazu schreiben: Furtmeier ist vom Typ her ein Grantler. Die Menschen sind geistlos, ein Viertel der Deutschen, so schreibt er 1946, seien unbekehrbare Nazis. Am besten, ich lebe zusammen mit vielen Hunden und Katzen auf dem Land. Da ist so vieles ähnlich den Scholls, und doch sind die Auswirkungen anders. Warum ist er so selten begeistert? Von ganz einfachen Dingen begeistert, etwa von seinen Hunden und Katzen? Read the rest of this entry »
Bodenpersonal in Kenia
11. März 2008
„Macht ist eine gefährlichere Droge als Heroin oder Alkohol.“
Mit Zorn und Zärtlichkeit an der Seite der Armen. – 50 Jahre Misereor
Zorn – Warum gab es so kurz nach Weihnachten diesen Gewaltausbruch in Kenia? Einfühlen, eine Art Zärtlichkeit, gibt ein Artikel von Wolfgang Schonecke in der Herder Korrespondenz, den ich sehr empfehlen kann. Read the rest of this entry »
Jüdisches Erbe
14. Februar 2008
Auf viele Weiße-Rose-Veranstaltungen in letzter Zeit konnte ich nicht gehen, so auch auf Charlotte Knoblochs Gedächtnisvorlesung in der Ludwigs-Maximilians-Universität. Ich zitiere aus der Internetversion ihrer Rede:
Emil Fackenheim, einer der bedeutendsten jüdischen Denker des 20. Jahrhunderts, schrieb einst – ich zitiere: „Verstehen die Nichtjuden? Einige tun es, und darin liegt Hoffnung nicht nur für Israel, sondern auch für die Völker.“ Zitat Ende.