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	<title>Fangt uns doch &#187; Widerstandscharakter</title>
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	<description>Wie kam es soweit, dass Hans und Sophie Scholl gegen die nationalsozialistische Diktatur aktiv wurden? Weblog gegründet als: Tüfteleien und Motivation zum Theaterstück der KJT 2006/07: „Fangt uns doch“</description>
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		<title>Fangt uns doch &#187; Widerstandscharakter</title>
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		<title>Nobelpreis für Widerstand</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Dec 2009 11:11:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kostüme]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Bin recht angetan von der Rede Herta Müllers &#8222;Jedes Wort weiß etwas vom Teufelskreis&#8220; bei der Nobelpreisverleihung am Montag. Ein interessanter Kommentar zur Feierlichkeit findet sich in der FAZ:
In ihrem schlichten schwarzen Kleid mit weißem Gürtel und weißem Saum war Herta Müller inmitten der opulenten Ballroben und des allgemeinen Geglitzers mancher echter und vieler falscher [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=581&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Bin recht angetan von der Rede Herta Müllers &#8222;<a href="http://www.faz.net/s/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72054101/Doc~EED52CE88668344B1AD22F0676425855F~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Jedes Wort weiß etwas vom Teufelskreis</a>&#8220; bei der Nobelpreisverleihung am Montag. Ein interessanter <a href="http://www.faz.net/s/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72054101/Doc~EFD2C45E851644E76BC50B7BB67F4385B~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Kommentar zur Feierlichkeit</a> findet sich in der FAZ:</p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 368px"><img src="http://www.faz.net/m/%7B9B4C8C36-0726-4266-9AD7-A561661F5FEA%7DPicture.jpg" alt="" width="358" height="235" /><p class="wp-caption-text">Herta Müller beim Bankett</p></div>
<p style="padding-left:30px;">In ihrem schlichten schwarzen Kleid mit weißem Gürtel und weißem Saum war Herta Müller inmitten der opulenten Ballroben und des allgemeinen Geglitzers mancher echter und vieler falscher Juwelen die eigentliche Hauptperson des Abends. Nicht nur in ihrer Erscheinung steht sie für die Konzentration aufs Wesentliche.</p>
<p>Leseprobe <span id="more-581"></span>aus der Rede. Müller arbeitet als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik und wird, weil sie nicht für den Geheimdienst arbeiten will, Stück für Stück herausgemobt. Einige Wochen vor ihrer Entlassung muss sie auf der Treppe arbeiten:</p>
<p style="padding-left:30px;">In der Zeit, als ich ein Treppenwitz war, habe ich im Lexikon nachgeblättert, was es mit dem Wort TREPPE auf sich hat: Die erste Stufe der Treppe heißt ANTRITT, die letzte Stufe AUSTRITT. Die waagerechten Stufen zum Drauftreten sind seitlich in die TREPPENWANGEN eingepasst. Und die Freiräume zwischen den einzelnen Stufen heißen sogar TREPPENAUGEN. Von den Bauteilen der hydraulischen, ölverschmierten Maschinen kannte ich die schönen Wörter: SCHWALBENSCHWANZ, SCHWANENHALS, der Halt der Schrauben hieß SCHRAUBENMUTTER. Und genauso verblüfften mich die poetischen Namen der Treppenteile, die Schönheit der technischen Sprache. TREPPENWANGEN, TREPPENAUGEN &#8211; also hat die Treppe ein Gesicht. Ob aus Holz oder Stein, Beton oder Eisen &#8211; wieso bauen die Menschen selbst in die sperrigsten Dinge der Welt ihr eigenes Antlitz hinein, geben totem Material die Namen vom eigenen Fleisch, personifizieren es zu Körperteilen. Wird den Spezialisten der Technik die schroffe Arbeit erst erträglich durch versteckte Zärtlichkeit.</p>
<p>Herta Müller hatte das Glück (und die Stärke), die Mitarbeit mit der Securitate abzulehnen &#8211; sie erzählt es in ihrer Rede. Wie schnell man in den rumänischen Geheimdienst kam, wie lange man daran zu schlucken hat, und wie man sich mit sich selber versöhnen kann &#8211; dazu empfehle ich ein <a href="http://www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp?key=standard_document_38433315&amp;jmpage=1&amp;type=v&amp;rubrik=5982&amp;msg=5982&amp;jm=2&amp;mediakey=fs/hauptsachekultur/20091211_hk_werner_soellner">Video zu Werner Söllner im HR</a>.</p>
<div id="_mcePaste" style="overflow:hidden;position:absolute;left:-10000px;top:125px;width:1px;height:1px;">In der Zeit, als ich ein Treppenwitz war, habe ich im Lexikon nachgeblättert, was es mit dem Wort TREPPE auf sich hat: Die erste Stufe der Treppe heißt ANTRITT, die letzte Stufe AUSTRITT. Die waagerechten Stufen zum Drauftreten sind seitlich in die TREPPENWANGEN eingepasst. Und die Freiräume zwischen den einzelnen Stufen heißen sogar TREPPENAUGEN. Von den Bauteilen der hydraulischen, ölverschmierten Maschinen kannte ich die schönen Wörter: SCHWALBENSCHWANZ, SCHWANENHALS, der Halt der Schrauben hieß SCHRAUBENMUTTER. Und genauso verblüfften mich die poetischen Namen der Treppenteile, die Schönheit der technischen Sprache. TREPPENWANGEN, TREPPENAUGEN &#8211; also hat die Treppe ein Gesicht. Ob aus Holz oder Stein, Beton oder Eisen &#8211; wieso bauen die Menschen selbst in die sperrigsten Dinge der Welt ihr eigenes Antlitz hinein, geben totem Material die Namen vom eigenen Fleisch, personifizieren es zu Körperteilen. Wird den Spezialisten der Technik die schroffe Arbeit erst erträglich durch versteckte Zärtlichkeit.</div>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/581/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/581/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/581/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/581/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/581/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/581/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/581/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/581/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/581/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/581/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=581&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Wölflein und reißender Wolf</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/11/16/wolflein-und-reisender-wolf/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/11/16/wolflein-und-reisender-wolf/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 16:37:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Hörte öfter Wolf Biermanns Lieder zur Friedlichen Revolution: Von den verdorbenen Greisen, Michael Gorbatschow, ich kau mein Herz in Einsamkeit, vom Grab des Vaters in den Lüften, &#8222;wir hattens vergessen &#8211; und immer gewusst&#8220;. Alle Zeitzeugen betonen, wie intensiv die Ausbürgerung dieses Komunisten 1976 in der DDR registriert wurde und Honegger und Genossen in ein [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=574&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><div class="wp-caption alignright" style="width: 291px"><img src="http://www.wolf-biermann.de/images/stories/presse/gr09a.jpg" alt="" width="281" height="421" /><p class="wp-caption-text">2006 © Thorsten Jander</p></div>
<p>Hörte öfter Wolf Biermanns Lieder zur Friedlichen Revolution: Von den verdorbenen Greisen, Michael Gorbatschow, ich kau mein Herz in Einsamkeit, vom Grab des Vaters in den Lüften, &#8222;wir hattens vergessen &#8211; und immer gewusst&#8220;. Alle Zeitzeugen betonen, wie intensiv die <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,445880,00.html">Ausbürgerung dieses Komunisten 1976 in der DDR registriert wurde</a> und Honegger und Genossen in ein seltsames Licht stellte. Biermann ist ein richtig wilder Hund, ich mag seine Texte, seine Melodien und seine Gitarre, ich höre  seine Menschliebe hinter dem Zorn &#8211; und doch bekommen diese Lieder mir nicht, sie hinterlassen eine Beklommenheit zwischen Herz und Bauch, die ich nicht einfach dadurch loswerde, dass ich sie spüre. <span id="more-574"></span>Eine Entdeckung zur Kindheit des 1936 geborenen Lyrikers und Liedermachers auf seiner Homepage, sein Vater war Jude und Kommunist &#8211; aus einem <a href="http://www.wolf-biermann.de/presse/interviews/42-interviews/145-ich-glaube-an-den-menschen">Interview von 2006, in dem es noch viel mehr zu entdecken gibt.</a></p>
<p style="padding-left:30px;">ZEIT: Haben Sie Ihren Vater in Erinnerung?</p>
<p style="padding-left:30px;">Biermann: Ich habe ihn ganz genau in Erinnerung. Ich war drei Monate alt, als er abgeholt wurde und seinen Ehering auf den Küchentisch legte. Meine Mutter hat den Ring mit ihrem eigenen zusammenfügen und einen Rubin in Dreiecksform darüber setzen lassen, das Zeichen der politischen Häftlinge. Den Ring trägt heute meine Frau Pamela.</p>
<p style="padding-left:30px;">ZEIT:  Wie kann sich ein drei Monate altes Baby an den Vater erinnern?</p>
<p style="padding-left:30px;">
<div class="wp-caption alignright" style="width: 190px"><img src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/0b/Bundesarchiv_Bild_183-1989-1201-046%2C_Wolf_Biermann_Konzert_in_Leipzig.jpg/180px-Bundesarchiv_Bild_183-1989-1201-046%2C_Wolf_Biermann_Konzert_in_Leipzig.jpg" alt="" width="180" height="128" /><p class="wp-caption-text">Wolf Biermann Konzert in Leipzig</p></div>
<p>Biermann: Mein Vater saß sechs Jahre in Bremen-Oslepshausen, den Knast gibt es heute noch. Dreimal im Jahr durfte meine Mutter ihn eine halbe Stunde besuchen. Im Winter 41 fand sie niemanden, der auf mich aufpasste, ich war etwa fünf Jahre alt, und da nahm sie mich in ihrer Not mit. Mein Vater war aber damals nicht im normalen Gefängnis, wo sie mich im Warteraum hätte hinsetzen können, sondern in einem Barackenlager, um Torf zu stechen. Mein Mutter schaffte es, den Posten zu bezirzen, mich mit reinzulassen. Da war ein geschlossenes Fenster, durch das mindestens zwanzig Männerköpfe rausstarrten, die sich drängelten, um eine richtige Frau, ein richtiges Kind zu sehen. Dann saßen wir in einer Baracke, in einem Büroraum. Meine Mutter nahm mich auf den Schoß, vor uns war ein Tisch, auf der anderen Seite ein Stuhl. Der Wachposten brachte meinen Vater in Häftlingsklamotten herein. Der setzte sich auf den Stuhl und reichte mir ein Tüte Bonbons.</p>
<p style="padding-left:30px;">ZEIT: Woher hatte er die?</p>
<p style="padding-left:30px;">Biermann: Das hat mir meine Mutter viel später verraten, sie hatte einen der Beamten dort gebeten, meinem Vater die Tüte zuzustecken, damit er sie mir schenken konnte.</p>
<p style="padding-left:30px;">ZEIT: War es das erste Mal, dass Sie ihn leibhaftig gesehen haben?</p>
<p style="padding-left:30px;">Biermann: Ja, aber jeden Morgen wachte ich mit meinem Vater auf, auf eine Weise, die sich kein Romancier ausdenken kann, aber eine Arbeiterfrau. Diese Emma Biermann, die konnte das. Wenn ich morgens um sechs aufstand, meine Mutter musste um sieben in der Dependorf Reinigungsanstalt sein, lief ich aus meinem Zimmerchen, das über dem Kanal hing, unter mir fuhren die Schuten und die Schlepper, das war im Industrieviertel Hammerbrook, ins Treppenhaus. Dort stand mein Leiterwägelchen, und da lag jeden Morgen von meinem Vater ein Leckerli, ein Bonbon, ein Keks, ein Stück Zucker. Dann zog ich den Wagen mit dem Geschenk meines Vaters rein, und meine Mutter erzählte mir beim Frühstück, auf welch abenteuerliche Weise dieser Keks aus Bremen durch die Lüneburger Heide und über die Elbe zu mir gekommen war. Dann hab ich den Keks meines Vaters gegessen, im Grunde genau so wie die Katholiken den Leib Jesu mit der Oblate. So war mir mein Vater inniger vertraut als anderen Kindern ihre flottierenden Väter.</p>
<p style="padding-left:30px;">ZEIT: Sie haben ihn damals in der Moorbaracke zum letzten Mal gesehen?</p>
<p style="padding-left:30px;">Biermann: Ja. Und jetzt gab er mir gleich eine ganze Tüte. Ich nahm einen Bonbon raus und steckte ihn hinter mir in den Mund meiner Mutter. Ein zweiten gab ich meinem Vater. Dann nahm ich einen dritten und reichte ihn dem Wachmann, der am Fenster links stand. Und dann zog ich meine Hand wieder zurück. Mein Vater lachte und sagte: Kannst ihm ruhig einen geben. Da hab ich meine Hand wieder zu dem fremden Mann ausgestreckt, dann aber schnell zurückgezogen und mir den Bonbon in den eigenen Mund gesteckt.</p>
<p style="padding-left:30px;">ZEIT: Was passierte dann?</p>
<p style="padding-left:30px;">Biermann: Meine Mutter erzählte meinem Vater, dass ich den Spottnamen »der kleine Sänger« hatte. Wenn sie zur Arbeit ging, musste ich alleine warten, bis die Tante Lotte mich aus der Wohnung holte. In diesen anderthalb Stunden habe ich immer gesungen, ganz laut, wie halt so Kinder im dunklen Wald. Und nun sagte meine Mutter: Wölflein, sing doch deinem Papa mal was vor. Schon damals musste man mich eher darum bitten, nicht zu singen. Und so legte ich ungeniert und mit voller Stimme los: „Hörst du die Motoren brummen, ran an den Feind! Bomben, Bomben, Bomben auf Engeland – Bum! Bum!!“ Da sang ich meinem armen Vater das Lied seiner Todfeinde, wie ich es aus der Goebbels-Schnauze, so nannte man den Volksempfänger, gelernt hatte.</p>
<p style="padding-left:30px;">[...]</p>
<p style="padding-left:30px;">ZEIT:  Gibt es ein Leben nach dem Tod?</p>
<p style="padding-left:30px;">Biermann: Nein, daran glaube ich überhaupt nicht. Mir würde es reichen, wenn es ein Leben vor dem Tode gibt.</p>
<p style="padding-left:30px;">ZEIT: In Ihrem Lied vom Hugenottenfriedhof heißt es: Wie nahe sind uns manche Tote, doch wie tot sind uns manche, die leben.</p>
<p style="padding-left:30px;">Biermann: Kunststück. Ich will Ihnen sagen, warum ich als kleiner asthmatischer Junge, als Drachentöter mit der Gitarre so erfolgreich war. Ich hatte ein Holzschwert mit sechs Saiten drauf. Ich fühlte mich oft verzagt und war in Gefahr, dass nicht ich Furcht hatte, sondern dass die Furcht mich hatte. Einfacher gesagt: dass ich zu Kreuze krieche, im Streit mit diesen totalitären Lumpen. Und da kamen immer die Toten, nicht nur mein Vater, auch meine Großmutter, mein Großvater, meine Tante Rosi Biermann, mein Cousin Peter. Die alle habe ich noch gesehen, als sie hier auf der Moorweide abtransportiert wurden. In Minsk hat man sie erschossen. Also: Wenn ich anfing zu wackeln, kamen immer diese Toten, und mein Vater sagte mir: Los, kleiner Wolf! Ich hab mein Leben aufs Spiel gesetzt und verloren. Da wirst du doch wohl dein Wohlleben aufs Spiel setzen können, der Preis ist zum Glück nicht mehr so hoch.</p>
<p style="padding-left:60px;">ZEIT: Ist das so?</p>
<p style="padding-left:30px;">Biermann: Na ja, wenn man jetzt sieht, was mit Ihrer Kollegin in Moskau gemacht wurde… Und wenn ich mich daran erinnere, dass die Stasi mehrere Mordanschläge auf mich verübt hat.</p>
<p style="padding-left:30px;">ZEIT: Was passierte?</p>
<p style="padding-left:30px;">Biermann: In der Hermann-Matern-Straße, die jetzt wieder Luisenstraße heißt, haben die versucht, mich totzufahren. Um einen Zentimeter ist es ihnen misslungen. Danach kam ich mit schlotternden Knien zu meinem starken, klugen Freund Robert Havemann. Ich erzählte ihm alles, und was war der knappe Kommentar des Naturwissenschaftlers? Tja, Wolf, zwei Punkte. Erstens, du darfst das keinem erzählen, die haben alle schon Angst genug. Und zweitens: Musst eben besser aufpassen. Ohne solche kaltherzlichen Freunde wäre ich kaputt gegangen. Ich hatte also immer die Toten im Rücken und solche lebendigen Kumpel.</p>
<p>Empfehle die Abschnitte, dass er an die Menschen und Musen glaube &#8211; dass der Literat, auch der atheistische von Luthers Proletarier-Bibel lebt.</p>
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	</item>
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		<title>Von der politischen Freiheit</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/10/09/von-der-politischen-freiheit/</link>
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		<pubDate>Fri, 09 Oct 2009 15:14:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
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		<description><![CDATA[Bin heute sehr dankbar, den Leipzigern, für ihr mutiges Beten und Demonstrieren heute vor 20 Jahren. Werde auch die Nobelpreisträgerin von gestern, Herta Müller, einmal lesen, die angeblich so genau den Diktatoren dieser Welt auf die Finger schaut &#8211; und indirekt das hohe Lied der Freiheit singt.  Dieses Lied sei mit Reiner Kunze (aus einem [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=565&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.faz.net/m/%7BA087830E-5FF7-4DB5-952D-AE142A9A2272%7DPicture.jpg" alt="" width="299" height="445" />Bin heute sehr dankbar, <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2009-10/Ende-DDR?page=3">den Leipzigern</a>, für ihr mutiges Beten und Demonstrieren heute vor 20 Jahren. Werde auch die Nobelpreisträgerin von gestern, Herta Müller, einmal lesen, die angeblich so genau den Diktatoren dieser Welt auf die Finger schaut &#8211; und indirekt das hohe Lied der Freiheit singt.  Dieses Lied sei mit Reiner Kunze (aus einem Interview in Jahr 1991) angestimmt</p>
<p style="padding-left:30px;">[Interviewfrage] Haben Sie den Eindruck, dass die Menschen im Osten Deutschlands von der Freiheit, die jetzt gekommen ist, enttäuscht sind? Von der Freiheit, die sie so stürmisch wollten und nach der sie aus einer so tiefen Überzeugung heraus verlangten?</p>
<p style="padding-left:30px;">[Kunze] Diejenigen, die in diesem politischen System nahezu erstickt sind, werden die Freiheit stets als <em>den</em> Wert empfinden. Aber hat denn die Mehrheit der Menschen tatsächlich die Freiheit gewollt? Die Menschen in der DDR haben nicht wissen können, was das ist, die Freiheit zu wollen.  Sie haben geglaubt &#8211; nicht alle, ich weiß -, Freiheit sei etwas, das man ohne Gegenleistung erhalten kann. Sie haben eine Freiheit ohne Risiko erwartet. Eine Freiheit, die man, wie soll ich sagen, abheben kann bei Bedarf. Eine verwaltete Freiheit. Eine bequeme Freiheit. Da kann ich nur sagen: Nichts ist unbequemer als die Freiheit. Aber auch nichts ist begehrenswerter. <img class="alignright" src="http://www.nikolaikirche-leipzig.de/images/stories/headpics/headpic_108.jpg" alt="" width="267" height="151" /><span id="more-565"></span>Es gibt einiges, das ähnlich oder genauso begehrenswert ist: Gesundheit (was genügend Nahrung, genügend Schutz vor Kälte, genügend Wasser für die Hygiene einschließt). Und Liebe. Aber frei sein heißt, sich entscheiden müssen, und das hat man nicht gesehen, und deshalb kann ich niemandem einen Vorwurf machen. (195-6)</p>
<p>Reiner Kunze hat einen ähnlich genauen Blick für das Kokettieren mit der Diktatur, er kennt die Verführbarkeit gerade der deutschen Schriftsteller, Künstler und Intellektuellen:</p>
<p style="padding-left:30px;">Lassen Sie mich eines vorausschicken &#8211; ich kann dann freier sprechen. Die dem Sozialismus verpflichteten oder im Westen zuweilen auch mit dem Sozialismus kokettierenden Intellektuellen &#8211; ich nenne sie jetzt einmal unerlaubt abgekürzt die &#8222;deutschen&#8220; Intellektuellen, es gibt unter den deutschen selbstverständlich auch andere &#8211; diese Intellektuellen haben viel dazu beigetragen, dass in der DDR der Geist hochgehalten wurde und die Maßstäbe nicht völlig verlorengingen. <img src="http://images.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2009-10/leipzig/leipzig-540x304.jpg" alt="" width="540" height="304" />Ich verdanke einigen von ihnen Hilfe und Freundlichkeiten &#8211; Stephan Hermlin, Christa und Gerhard Wolf, den Heyms, Heinz Knobloch und seiner Frau &#8230; Vor allem aber sind es ihre literarischen Werke, die dazu beigetragen haben, dass die Maßstäbe nicht verloren gingen &#8211; trotz der Brüche und Inkonsequenzen in manchem dieser Bücher. Und so haben diese Schriftsteller selbstverständlich auch dazu beigetragen, dass es zu den gesellschaftlichen Veränderungen gekommen ist. &#8211; Und lassen sie mich noch eines vorausschicken: Die bedauerliche Rolle, die diese Kollegen im Augenblick spielen und auch in der Vergangenheit gespielt haben, will nichts für die Zukunft besagen. Spätestens seit Kleist wissen wir, dass sich in einem wirklich überragenden Autor letztlich der Dichter als stärker erweist als der Ideologe, und die Voraussetzungen dafür, dass sich in Deutschland der Dichter vom Ideologen befreit &#8211; zumindest insoweit, dass er sich nicht mehr von diesem in seinen Schaffensprozess hineinreden lässt &#8211; waren seit 1933 nie so günstig wie heute &#8230; (190-1)</p>
<p style="padding-left:30px;">[...] Das Schlimmste, was diese Intellektuellen haben tun können , war ihr Auftreten im Westen. Sie waren Adjutanten einer Diktatur. Sie haben von dieser Diktatur im Westen &#8211; und zwar weltweit &#8211; ein Zeugnis abgelegt, das besagte, dieses politische System habe seine Fehler, aber in ihm vollziehe sich der Fortschritt der Menschheit und dieses Zeugnis entsprach der Heilserwartung der sozialistischen Intellektuellen in der ganzen Welt. Deshalb wurde dieses Zeugnis tradiert, und das Zeugnis derer, die versuchten, die Dinge beim Namen zu nennen, wurde entweder nicht gehört oder der Lüge geziehen. (192)</p>
<p>Zitate aus Reiner Kunze: <em>Wo Freiheit ist&#8230; Gespräche 1977-1993</em>. Aus einem Gespräch mit dem Österreichischen Fernsehen vom 30. September 1991. -</p>
<p>Was war das mit Kleist, wo war er ideologisch verzerrt?</p>
<p>&#8230; Die Dinge beim Namen nennen, das möchte ich auch können.</p>
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		<title>Adam von Trott wäre 100</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Aug 2009 09:06:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 9. August wäre einer aus dem Kreisauer Kreis 100 Jahre alt geworden, einer der jüngsten, Adam von Trott zu Solz, Doppelagent im Auswärtigen Amt der Nazis. Eine Predigt des Bischofs zum Festgottesdienst fasst dieser Artikel in der Hersfelder Zeitung Online zusammen. Ein Zitat:
Viel sei Adam von Trott gegeben worden: das familiäre Umfeld, das ihm [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=538&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.eva-verein.de/kreisau/trott.jpg" alt="" width="202" height="300" />Am 9. August wäre einer aus dem Kreisauer Kreis 100 Jahre alt geworden, einer der jüngsten, Adam von Trott zu Solz, Doppelagent im Auswärtigen Amt der Nazis. Eine Predigt des Bischofs zum Festgottesdienst fasst <a href="http://www.hersfelder-zeitung.de/rostart/00_20090810194945_Ohne_Scheu_vor_den_Folgen.html">dieser Artikel in der Hersfelder Zeitung Online</a> zusammen. Ein Zitat:</p>
<p style="padding-left:30px;">Viel sei Adam von Trott gegeben worden: das familiäre Umfeld, das ihm die Türen zu einflussreichen Kreisen im In- und Ausland geöffnet habe; eine beeindruckende Weitsicht, die es ihm ermöglichte, die verschiedenen Richtungen des Widerstands beieinander und gesprächsbereit zu halten; eine noble Liberalität, mit der er andere für sich gewinnen konnte, aber auch eine immense Beharrlichkeit, die Dinge voranzutreiben, die ihm wichtig waren.</p>
<p style="padding-left:30px;">Der höchste Preis</p>
<p style="padding-left:30px;">Doch Adam von Trott habe man nicht nur viel gegeben, man habe auch viel von ihm gefordert. Am Ende der höchste Preis: das Opfer des Lebens. Das solle nicht vergeblich sein. Der Bischof erinnerte an die Inschrift auf dem Gedenkstein unter dem Kreuz hoch über Imshausen: Bittet für sie. Beherzigt ihr Beispiel.</p>
<p style="padding-left:30px;">Die Kollekte des Gottesdienstes erbat Verena Onken von Trott für ein Hilfsprojekt im Sudan: ein Modell im Zentrum der Konflikte.</p>
<p><a href="http://www.refugeesinternational.org/where-we-work/africa/sudan">Sudanpolitik</a> ist tatsächlich etwas, wo heute Widerstand gefragt ist. (Mir scheint es schwieriger hier Widerstand zu leisten als etwa gegen Neonazis. Zugegeben, es ist weit weg. Dennoch: Warum nehme ich mir nicht die  Zeit dafür?)</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/538/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/538/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/538/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/538/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/538/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/538/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/538/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/538/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/538/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/538/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=538&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Kreativer Widerstand im Iran</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/06/24/kreativer-widerstand-im-iran/</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Jun 2009 08:29:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelle Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[In der DDR war es das Westfernsehen, durch das man &#8211; wenn auch eingeschränkt &#8211; zu Informationen kam. Im Iran sind es die Handies, die integrierten Kameras und Internetdienste und -blogs. Siehe NZZ. (Hoffe diese Mittel funktionieren auch in China &#8211; trotz der angeblichen Kollaboration von Google und co.) Trotzdem muss man Angst haben, wie [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=526&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.faz.net/m/%7B7099B98F-D566-43BD-8297-42CDC5172C5C%7DPicture.jpg" alt="" width="313" height="392" />In der DDR war es das Westfernsehen, durch das man &#8211; wenn auch eingeschränkt &#8211; zu Informationen kam. Im Iran sind es die Handies, die integrierten Kameras und Internetdienste und -blogs. Siehe <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/international/nur_mit_dem_handy_bewaffnet_1.2781222.html">NZZ</a>. (Hoffe diese Mittel funktionieren auch in China &#8211; trotz der angeblichen Kollaboration von Google und co.) Trotzdem muss man Angst haben, wie damals in Leipzig und dem ganzen Ostblock vor 20 Jahren. Was mich sehr freut ist die Vielfalt der friedlichen Proteste, das erinnert schon an Leipzig (und übertrifft es vielleicht, die Iraner sitzen auf den Schultern der Leipziger). <span id="more-526"></span>Wieder die NZZ (17. Juni):</p>
<p style="padding-left:30px;">Nach dem epochalen Schweigemarsch vom Montag [letzter Woche, 15. Juni] zum Azadi-Platz, an dem Hunderttausende teilgenommen haben, klang es schliesslich wie der Triumph eines Volkes, das spürt, dass sich der historische Stau, in dem es feststeckt, auflösen könnte. Wenn es nur lang und kräftig genug hupt.</p>
<p>Also Methoden</p>
<ul>
<li>Schweigemärsche</li>
<li>Hupkonzerte auf den Straßen</li>
</ul>
<p>In den letzten 9 Tagen fand ich noch manches in den Zeitungen, leider sammelte ich nicht die Quellen:</p>
<ul>
<li>am Auto nachts kein Abblendlicht</li>
<li>mit einer Blume oder einem hochgestreckten Foto in der Hand demonstrieren (vgl. Leipziger Kerzen)</li>
<li>um 22 Uhr aufs Dach steigt und «Allah-o-Akbar» (&#8222;Gott ist groß/größer&#8220;) rufen (Oder auch &#8222;Gott ist einer&#8220;)</li>
</ul>
<p>Jetzt noch <a href="http://www.nzz.ch/hintergrund/dossiers/iran/machtpolitik_irans_gegenueber_dem_westen_und_israel/das_iranische_establishment_folgt_khamenei_nicht_rueckhaltlos_1.2769316.html">Sharif Emamjomeh, freie Journalist in Teheran, in der NZZ</a> rückblickend zum Wahlkampf:</p>
<p style="padding-left:30px;"><img class="alignright" src="http://www.nzz.ch/images/iran_2_defaultFormatImage_1.2742975.1245058408.jpg" alt="" width="243" height="160" />Moussavi wählte zwei aussagekräftige Symbole. Er verbreitete ein für die Islamische Republik unerhörtes Plakat, auf dem er Hand in Hand mit seiner Gattin Zahra Rahnavard, einer Universitätsprofessorin, auftrat. Die konservative iranische Tradition räumt den Frauen weder einen Anspruch auf einflussreiche Stellungen noch die Möglichkeit ein, öffentlich Vertrautheit mit einem Mann zu demonstrieren. Weiter wählte er für seine Kampagne die grüne Farbe, die Farbe der Prophetenfamilie. Mit dieser Taktik sprach er die Massen an und flösste ihnen Hoffnung auf Veränderung ein. Fast über Nacht paradierten in allen grösseren Städten des Landes Tausende von Anhängern mit etwas Grünem – einem Armband, einem Schleier oder einer Dekoration am Auto. Schnell wurden daraus die grössten und augenfälligsten Sympathiekundgebungen für einen iranischen Kandidaten, grösser sogar als seinerzeit der Zustrom für Khatami vor dessen Erdrutschsieg.</p>
<p><img class="alignright" src="http://www.spiegelfechter.com/img/iran_rev_03.jpg" alt="" width="200" height="200" />Zurzeit, so scheint es, wird jede Volksansammlung gewaltsam angegriffen, und nicht mehr nur mit Schlagstöcken wie letzte Woche. Dass es letzten Donnerstag in Teheran 1 Million Demanstanten gewesen sein sollen (mind. 25 min. eine sechsspurige Autobahn), ist verrückt.</p>
<p>[Bild rechts entsprechend Kommentar vier: Widerstand durch Bemalung der Geldscheine]</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/526/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/526/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/526/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/526/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/526/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/526/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/526/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/526/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/526/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/526/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=526&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Es weitergeben</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 17:23:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie Widerstadsfähigkeit weitergeben?
Christian Führer, selbst Sohn eines Pfarrers, hat nach seinem Studium in Leipzig Ende der 60er Jahre seine erste Pfarrstelle in einer Landgemeinde in Sachsen angenommen. Mit ihm kommt seine Frau Monika.
Im Dorf waren wie so richtig angekommen. Die Anteilnahme der Dorfbewohner spürte ich deutlich, als im Jahre 1969 unser erstes Kind geboren wurde. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=501&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/6a/Christian_Fuehrer.jpg/180px-Christian_Fuehrer.jpg" alt="" width="204" height="136" />Wie Widerstadsfähigkeit weitergeben?</p>
<p>Christian Führer, selbst Sohn eines Pfarrers, hat nach seinem Studium in Leipzig Ende der 60er Jahre seine erste Pfarrstelle in einer Landgemeinde in Sachsen angenommen. Mit ihm kommt seine Frau Monika.</p>
<p style="padding-left:30px;">Im Dorf waren wie so richtig angekommen. Die Anteilnahme der Dorfbewohner spürte ich deutlich, als im Jahre 1969 unser erstes Kind geboren wurde. <span id="more-501"></span>Im Dorf waren wir so richtig angekommen. Und wir sorgten für Gesprächsstoff. Über den Namen unserer Tochter staunten die Leute nicht schlecht, denn üblich waren damals Jaqueline, Mike, René und dergleichen. Auf dem Dorf wurde aus unserer Katharina natürlich bald Katrina. Der Name unseres ersten Sohnes, Sebastian, ging den Menschen 1971 schon besser über die „sägs&#8217;sche Zunge. [...]</p>
<p style="padding-left:30px;">Dank unserer Kinder erinnerte ich mich wieder an meine Eltern – besonders an meinen Vater – und deren Erziehungsmethoden. Wir stellten es Katharina damals frei, ob sie den Pionieren beitreten wollte oder nicht. Mir als Vater wäre es sehr nahe gegangen, wenn ich meiner Tochter etwas verboten hätte, um dann “Ich möchte doch auch wie die anderen Kinder Pionier sein“ von ihr zu hören. So hingegen konnte sie selbst erfahren, was an der Sache mit der Pionierorganisation dran war. Allerdings war es in jenen Tagen nur allzu selbstverständlich, dass alle Kinder der Organisation beitraten. Keineswegs davon überzeugt, gingen meine Frau und ich in die Schule und fragten nach.</p>
<p style="padding-left:30px;">„Warum sollen die Kinder überhaupt zu den Pionieren gehen?“, erkundigte ich mich bei der Klasslehrerin von Katharina. Diese Frage war nun überhaupt nirgends vorgesehen.</p>
<p style="padding-left:30px;">„Die gehen doch alle dorthin.“</p>
<p style="padding-left:30px;">„Und warum gehen alle dorthin?“ hakte ich beharrlich nach.</p>
<p style="padding-left:30px;">„Nun, weil alle dorthin gehen!“ lautete die unwirsche Antwort der Lehrerin. „Und weil Pioniere Altpapier und Flaschen sammeln!“, fügte sie noch hinzu.</p>
<p style="padding-left:30px;">„Aber dafür muss man doch nicht der Pionierorganisation beitreten“, erwiderte ich nur. „Altpapier und Flaschen sammeln wir auch so.“ Nach unserem Umweltbewusstsein war das eine Selbstverständlichkeit. Nach ihrer Zeit bei den Jungpionieren entschloss Katharina sich jedoch gegen eine weiterführende Karriere bei den Thälmannpionieren. Sie hatte erfahren, dass sie bei den Pionieren nichts versäumte. Und so ging sie den Weg, der sie ab der vierten Klasse bei den Thälmannpionieren vorbeiführte. Sebastian trat erst gar nicht den Jungpionieren bei. Damit hatten wir bei unseren ersten beiden Kindern ganz ohne Zwang erreicht, was wir wollten.</p>
<p>aus: Christian Führer (2009): Und wir sind dabei gewesen. Die Revolution, die aus der Kirche kam. Der Pfarrer der Nikolaikirche erzählt sein Leben; Seiten 85-87.</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/501/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/501/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/501/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/501/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/501/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/501/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/501/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/501/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/501/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/501/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=501&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Zeitung des Fritz Gerlich</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/05/26/veranstaltung-zu-fritz-gerlich/</link>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 12:54:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor 75 Jahren wurde der Publizist Fritz Gerlich von den Nazis ermordet, anderthalb Jahre war er vorher ohne Prozess im Gefängnis gesessen. Man wusste davon (und von ähnlichen Morden) im Saarland und in Österreich, und doch hat man dem Hitler zugejubelt.
Zu ihm gibt es eine recht gute Website hier mit allen Ausgaben seiner Zeitung zwischen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=494&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://images.eo-bamberg.de/5/467/1/12981338477201008416.jpg" alt="" width="600" height="290" />Vor 75 Jahren wurde der Publizist Fritz Gerlich von den Nazis ermordet, anderthalb Jahre war er vorher ohne Prozess im Gefängnis gesessen. Man wusste davon (und von ähnlichen Morden) im Saarland und in Österreich, und doch hat man dem Hitler zugejubelt.</p>
<p>Zu ihm gibt es eine recht gute Website <a href="http://www.gerlich.com/">hier</a> mit allen Ausgaben seiner Zeitung zwischen 1931 und 1933 zum Herunterladen.</p>
<p>&#8222;Es gibt nur einen, der den geraden Weg zu Gott gegangen ist. &#8220; oder so ähnlich schreibt Sophie Scholl an Fritz Hartnagel mitten im Krieg. Sie meint damit nicht Fritz Gerlich, aber dessen Zeitung hieß tatsächlich &#8222;Der gerade Weg&#8220; und warnte vor Hitler. Bis 1930 war Gerlich Chefredakteur der &#8222;Münchner Neueste Nachrichten&#8220;, der Vorläuferzeitung der Süddeutschen.</p>
<p>Eine Historikerdiskussion gestern offenbarte spannende Dinge. Was für ein Hitzkopf Gerlich war, wie er sich beraten ließ (von Resl von Konnersreuth), wie man als Nichtjournalist gleich Chefredakteur werden kann, dass er keine Angst davor hatte, für das, was er schrieb und herausgab, zu sterben, wie er überlegte, auf die SS-Leute, die sein Büro plünderten, zu schießen, wie einer seiner Artikel jemand in den Selbstmord trieb, wie seine Zeitschrift einen Freund schwer in Zahlungsschwierigkeiten brachte, wie Hitler mit ihm sprach und wie sie seitdem erbitterte Feinde wurden, wie er stundenlang Artikel aus dem Kopf diktieren konnte &#8230; das wird eine Fernsehsendung für BR Alpha</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/494/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/494/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/494/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/494/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/494/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/494/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/494/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/494/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/494/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/494/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=494&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Philipp von Boeselager</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/01/23/philipp-von-boeselager/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/01/23/philipp-von-boeselager/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2009 19:34:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Titel]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Mein Weblog hat den 1. Mai 2008, den Tod Philipp von Boeselagers verschlafen. Einer vom 20. Juni, der den Tod als Widerständler in Kauf genommen hätte. Dazu manches in der FAZ:
Am Vorabend seines Todes noch hat er mit seinem Freund, dem Verleger Friedrich-Karl Sandmann, über die Vorgeschichte des 20. Juli geredet. Auch da fiel wieder [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=424&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.faz.net/m/%7BF252951A-B1BB-46A9-852A-19A29F0A7169%7DFile1_4.jpg" alt="" width="174" height="189" />Mein Weblog hat den 1. Mai 2008, den Tod Philipp von Boeselagers verschlafen. Einer vom 20. Juni, der den Tod als Widerständler in Kauf genommen hätte. Dazu manches in der <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E4DD79419D404470CBD3E0436E80DAEA4~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a>:</p>
<p style="padding-left:30px;">Am Vorabend seines Todes noch hat er mit seinem Freund, dem Verleger Friedrich-Karl Sandmann, über die Vorgeschichte des 20. Juli geredet. Auch da fiel wieder dieser Satz: Hätte er doch, als er einmal direkt hinter ihm stand, Hitler erschossen, statt auf die Ausführung des 20. Juli zu warten. <span id="more-424"></span></p>
<p style="padding-left:30px;">[...] Vor drei Wochen trafen wir ihn zu einem langen Gespräch. Dieser freundliche, humorvolle Herr hatte Stauffenbergs Sprengstoff besorgt; dieser überzeugte und überzeugende Katholik hatte den Tyrannenmord geplant und dabei seinen eigenen Tod in Kauf genommen; dieser Edelmann war mit zwei Toten durch den Krieg gereist, weil er sie in Heimaterde bestattet sehen wollte. Anders als unsere Hollywood-Phantasie uns einredet, gab es dafür keine Belohnung. Philipp von Boeselager kehrte nicht als Held heim, und es dauerte Jahre, ehe er seine Rolle beim 20. Juli auch nur erwähnte.</p>
<p>Aus dem <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E0E54C29AE31345D9B93C3E2478D9B1CA~ATpl~Ecommon~Scontent.html">letzten Interview mit Boeselager</a> noch etwas</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>[FAZ] Hatten Sie denn danach, in den fünfziger, sechziger Jahren, das Gefühl, dass Sie wegen Ihrer Teilnahme am Widerstand gegen Hitler und am 20. Juli skeptisch betrachtet wurden?</strong></p>
<p style="padding-left:30px;">[Boeselager] Nein, wir wurden nicht angeguckt. Man sprach nicht darüber, das war tabu. Es ging darum, das Haus wiederaufzubauen. Es war lange unglaubwürdig für den normalen Deutschen, dass die Regierung verbrecherisch war. Der Gauleiter, einzelne SA-Leute, ja; aber dass die Regierung einen belog und bestahl, das war nicht glaubhaft. Und sobald man das gedacht hatte, schob man das weg, das wollte man dann nicht wissen.</p>
<p style="padding-left:30px;">[...]</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>Es wurde oft von Hitlers Dämonie geredet. Haben Sie das auch so empfunden? </strong></p>
<p style="padding-left:30px;">Nein, ich habe ihn mehrmals gesehen, bei Kluge (Generalfeldmarschall Günther von Kluge, bei dem Boeselager Ordonnanzoffizier war und bei dem er auch den Widerständler Henning von Tresckow kennenlernte, d. Red.), und wir haben erlebt, wie militärisch blöd er war, ja richtig blöd und auch verbrecherisch. Da gab es eine Geschichte aus dem Herbst 42, Frühjahr 43, da kamen drei Ukrainer zu Tresckow und boten an, der Heerestruppe eine Truppe aufzustellen, wenn die Ukraine im Krieg eine gewisse Selbständigkeit und nach dem Krieg eine territoriale Selbständigkeit bekäme.</p>
<p style="padding-left:30px;">Und Tresckow kam dann zu Kluge mit einem dieser Ukrainer und sagte, es gebe jetzt 800.000 bis eine Million russischer Soldaten in deutschen Uniformen, außerdem 3,6 Millionen Kriegsgefangene, wenn man an die appellierte durch diese Ukrainer, dann bestünde noch eine gewisse Chance, den Krieg zu gewinnen. Dann wurde ein Gutachten gemacht von Tresckow; Kluge unterschrieb das, und die drei Kerle wurden zu Hitler geschickt, denn der musste das ja genehmigen. Wir hörten und sahen nichts mehr, und nach drei Wochen hat man sich hintenrum erkundigt, was da eigentlich los sei. Hitler, hieß es, habe das Gutachten gar nicht gelesen und die drei Leute gleich erschießen lassen &#8211; als russische Elite, die müsse man vernichten. Wenn Sie so etwas erleben, wenn sie schon am Stock gehen, dann fassen Sie die Blödheit nicht.</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>[...] Sie wussten also vom Holocaust, aber wussten Sie auch von der Dimension?</strong></p>
<p style="padding-left:30px;">Als ich so zweifelte, soll man überhaupt, sagte ich das dem Tresckow. Tresckow antwortete: Mehr als 16.000 Menschen werden täglich umgebracht, das können wir stoppen. Damit war die Sache klar, Sie hätten nicht mehr gut weiter schlafen können, wenn sie nein gesagt hätten. Und das waren nicht die Deutschen, die als Soldaten oder Zivilisten umkamen &#8211; Tresckow sagte „umgebracht“.</p>
<p style="padding-left:30px;">[...] Und wenn das Attentat geglückt wäre, war mir auch klar, dass die Ostpreußen und die Schlesier und die Pommern sagen würden: Wenn ihr den Hitler nicht umgebracht hättet, dann säßen wir heute noch in Ostpreußen.</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>Das war Ihnen klar?</strong></p>
<p style="padding-left:30px;">Das war mir völlig klar. Man war ja über die Stimmung sehr genau orientiert, 80 Prozent der Deutschen glaubten an den Hitler.</p>
<p>Das <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E0E54C29AE31345D9B93C3E2478D9B1CA~ATpl~Ecommon~Scontent.html">ganze lange Interview</a> zu lesen lohnt sehr. Es gibt noch ein <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E43CB84050C914E35AE5C85F7BCD95123~ATpl~Ecommon~Scontent.html">kurzes Interview</a> zum 20. Juni 2007, darin Zuversicht auf den neuen &#8222;Operation Walküre&#8220; Film, weil er hoffentlich den Widerstand gegen Hitler bekannt macht, und dies:</p>
<p style="padding-left:30px;"><strong>Gibt es ein Vermächtnis des Widerstandes? Für das einundzwanzigste Jahrhundert, für die heute junge Generation?</strong></p>
<p style="padding-left:30px;">Boeselager: Meine Antwort, die ich auch jungen Menschen immer gebe, ist: politische Betätigung. Man soll sich beteiligen, sich engagieren. Seinem Vaterland dienen. Das ist ja auch durch die Nationalsozialisten völlig in Misskredit gebracht worden.</p>
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	</item>
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		<title>Widerstandskinder mit Montagsangst</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/12/30/widerstandskinder-mit-montagsangst/</link>
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		<pubDate>Tue, 30 Dec 2008 16:16:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich staunte über den Beitrag von Michael Probst in einem Sammelband über seinen Vater, den Widerständler Christoph Probst, der mit den Scholl-Geschwistern im Februar 1943 hingerichtet wurde. Er schreibt darin, wie schwer er es mit dem Erbe seines Vaters hatte, bis ihn jener verständige Lehrer auf die Vielfalt seiner Begabungen hinwies. Darauf, dass er guten [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=405&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/langenacht_alt/img/010310-fuehrercaritas.jpg" alt="" width="111" height="136" />Ich staunte über den Beitrag von Michael Probst in einem Sammelband über seinen Vater, den Widerständler Christoph Probst, der mit den Scholl-Geschwistern im Februar 1943 hingerichtet wurde. Er schreibt darin, wie schwer er es mit dem Erbe seines Vaters hatte, bis ihn jener verständige Lehrer auf die Vielfalt seiner Begabungen hinwies. Darauf, dass er guten Gewissens tun könne, was seinem Vater versagt geblieben wäre. So wurde Michael Probst ein Arzt.<br />
Intensiver ist eine solche Geschichte, wenn die Dikatur da ist und der Wiederstandsvater noch lebt. Las gefesselt die (fast) autobiographische “Montagsangst” von Caritas Führer. Mobbing wider (schon gegen die Nazis) “bekennende Christen” in der SED-Diktatur, empfunden aus der Warte einer Schülerin, vor allem zwischen erster und sechster Klasse. <span id="more-405"></span>Was ich aus meinem Aufwachsen kenne:  Christenfamilie ja, aber der Mensch Jesus von Nazareth fällt aus (der ist ein Gott, der Mensch ist tief in Nazareth-Erzgebirge(?) versteckt), als Menschen sind Eltern, Lehrer, Geschwister und Freunde präsent. Da ist aber ein riesengroßes Empfinden von Recht und Unrecht. Außerdem ein Wettbewerbsgeist, der sich (auf eigentlich recht gesunde Weise) seine Felder der “Kampfes” sucht. Aber darum herum die Angst, weil man anders ist als die anderen. Und weil das Anderssein Blosstellungen verursacht, Demütigungen, Liebesentzug. Ein wenig kenne ich das, aber bei Caritas Führer ist es so, dass man schreien könnte! Es ist nicht mehr schöne Literatur (aber auch nicht Skandalliteratur) – und doch so, dass das ehrliche Aufschreiben nach dem Ende der Diktatur all das Böse besiegt, endlich besiegt. (Rezension <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/164275/">DLF</a>, darin viel Biographisches zu Caritas Führer)</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/405/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/405/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/405/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/405/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/405/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/405/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/405/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/405/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/405/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/405/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=405&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		</media:content>

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	</item>
		<item>
		<title>Moltke gegen Selbstbefreiung</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/11/24/moltke-gegen-selbstbefreiung/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/11/24/moltke-gegen-selbstbefreiung/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2008 10:58:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Sophie Scholl wollte den Hitler erschießen, Hans Scholl hätte da seine Skrupel gehabt. Kann etwas gutes entstehen, wenn man jemand anderem Gewalt antut?  Auch im Kreisauer Kreis wurden solche Fragen reflektiert, hier ein interessanter pragmatischer Gesichtspunkt gegen die Revolte, gerade von dem sehr weitsichtigen und mutigen Graf von Molkte.
Während Dietrich Bonhoeffer in seinem Rückblick &#8216;Nach [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=376&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Sophie Scholl wollte den Hitler erschießen, Hans Scholl hätte da seine Skrupel gehabt. Kann etwas gutes entstehen, wenn man jemand anderem Gewalt antut?  <img class="alignleft" src="http://www.mahnung-gegen-rechts.de/pages/staedte/Zittau/pics/Hitler-als-Redner-03.jpg" alt="" width="286" height="143" />Auch im Kreisauer Kreis wurden solche Fragen reflektiert, hier ein interessanter pragmatischer Gesichtspunkt gegen die Revolte, gerade von dem sehr weitsichtigen und mutigen Graf von Molkte.</p>
<p style="padding-left:60px;">Während Dietrich Bonhoeffer in seinem Rückblick &#8216;Nach zehn Jahren&#8217; des Dritten Reiches Weihnachten 1942, wenige Monate vor seiner Verhaftung, die Belehrung der Dummen oder vielmehr der durch den überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung Dummgemachten für unmöglich hielt, wenn ihr nicht ein Akt der Befreiung vorausging, den er von einem Staatsstreich erhoffte, sah Moltke darin die Gefahr einer neuen Dolchstoßlegende. Deshalb hielt er eine klare militärische Niederlage Deutschlands für nötig. Vor allem für diesen Fall arbeiteten die Kreisauer im Sommer 1943 weiter an konkreten Plänen für ein neues Deutschland in einem neuen Europa und suchten nach geeigneten Personen, „Landesverwesern“, die, wenn es so weit war, in der Übergangszeit regionale Verantwortung übernehmen konnten. (Einleitungstext in Helmuth James von Moltke &#8222;Briefe an Freya. 1939-1945, S. 46-7, andere Sicht auf Moltkes Einstellung <a href="http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=10675&amp;ausgabe=200705">hier</a>)</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/376/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/376/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/376/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/376/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/376/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/376/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/376/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/376/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/376/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/376/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=376&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Werterahmen und persönliches Weitergeben</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/10/15/werterahmen-und-personliches-weitergeben/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/10/15/werterahmen-und-personliches-weitergeben/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 15 Oct 2008 18:01:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Sophie Scholl]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Habe profitiert vom Artikel des Historikers Michael Kißener „Widerstand ohne Glauben?“. Im ersten Teil erwähnt er dass die Geschichtswissenschaft und die öffentliche Meinung richtigerweise davon abgekommen sind, die katholische Kirche und den bekennenden Teil der evangelischen Kirche als Hort des Widerstands zu sehen. In den 90er Jahre verwies man noch auf „die grundsätzlich apolitische Haltung [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=355&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.uni-mainz.de/FB/Geschichte/hist7akt/Bilder_allgemein/kisener.jpg" alt="" width="140" height="206" />Habe profitiert vom Artikel des Historikers Michael Kißener „Widerstand ohne Glauben?“. Im ersten Teil erwähnt er dass die Geschichtswissenschaft und die öffentliche Meinung richtigerweise davon abgekommen sind, die katholische Kirche und den bekennenden Teil der evangelischen Kirche als Hort des Widerstands zu sehen. In den 90er Jahre verwies man noch auf „die grundsätzlich apolitische Haltung von Kirchenvolk wie Kirchenführung“ (115)<span id="more-355"></span>, heute steht selbst das in Frage: man war (wie zumindest für das Saarland recht gut belegt) anpassungsfähig – auch wenn da andererseits „die ja gar nicht zu übersehende Resistenz, die Nonkonformintät, der Protest und auch der Widerstand tausender Priester und Laien, der nicht selten mit KZ-Haft oder gar Martyrium bezahlt werden musste“ (117) war. These: Christlicher Glaube tritt im Widerstand gegen Hitler meist als Amalgan mit Anderem auf. Kißeners erläutert das Verhältnis von Widerstand und Glaube an drei Beispielen: Kurt Elser, dem Kreisauer Kreis und eben auch der Weißen Rose:</p>
<p style="padding-left:30px;">Am Beispiel der „Weißen Rose“ lässt sich die Funktion des Glaubens für den Widerstand, so wie er auch bei vielen anderen Widerstandsgruppen auftritt, wohl besonders gut fassen. Glaube und Kirche gebieten den jungen Studenten nicht den Widerstand, aber sie haben für sie einen Werterahmen geschaffen, gleichsam einen Horizont, indem sich ihr Denken bewegt. Wer mit diesem Wertegerüst die Gegenwart aufmerksam beobachtet, der wird schnell bemerken, welch frappante Gegensätze sich da auftun. Dieser Gegensatz hat die Studenten zum Handeln bewogen, und zwar aus sich heraus, ohne Aufforderung der Kirchenleitung, in eigener, freier Verantwortung. Die Studenten haben gelitten unter ihrer Lage, gelitten an ihren Mitchristen, auch an Klerus und Kirchenleitung gelitten, weil die nicht wie sie so klar die Grundsätze des Evangeliums auf die aktuelle Lage anzuwenden bereit waren. Daher die verzweifelten Aufrufe an die Mitchristen, die beinahe scharfen Anklagen in den Flugblättern, die gewiss auch eben deshalb so wenig genützt haben. (122)</p>
<p>Thesen, die ich erstmal recht gut finde. Widerspruch eins: Kißener schreibt, ohne scharfe Anklagen hätten die Flugblätter mehr genutzt. &#8211; Ich denke nicht. Eher so, wie in einer Jesusgeschichte Abraham im Jenseits zum toten reichen Prasser sagt: „Sie hatten Mose, sie hatten die Propheten, sie werden auch nicht hören, wenn einer von den Toten wiederkommt.“ Sophie Scholl hat gegen diesen Fatalismus und gegen den noch schlimmeren von der ewigen Verdammnis gekämpft, gerade anhand jener Jesus-Abraham-Geschichte – auch Abraham kämpfte, dass Sodom überlebt. Aber dafür gab es damals zu wenig Gerechte. &#8211; Mein Einwand ist eine Spekulation, einverstanden, aber Kißeners These auch. Vermute einfach, die Flugblätter hätten noch beliebig intensiv die Seelenlage der Deutschen aufgreifen können, es hätte nicht mehr genützt.<br />
<img class="alignright" src="http://www.mainz-orthodoxie.de/image/hl_christoph.jpg" alt="" width="270" height="320" />Widerspruch zwei: Werterahmen oder -gerüst klingt für mich heute wie „Unternehmensphilosophie“. Was passierte war eher authentisches Zeugnis (Schuriks Kinderfrau, Mutter Scholl, Otl, Muth, Haecker, Furtmeier&#8230;), das sich aber in eine lange Tradition stellte. Wie Geheimwissen, das weitergegeben wird, von den Aposteln bis heute, noch weiter zurück von den Propheten, von König David, von Mose – vielleicht auch aus anderen Traditionen. Aber das persönlich weitergegebene authentische, würde fast sagen „heilige“ Zeugnis ist nicht esoterisch versteckt: Die offizielle Kirche, mit der man unzufrieden ist, ist soweit Richtschnur, dass sie beim Urteil, welche Erfahrung echt ist, zu unterscheiden hilft: sie ist Rahmen und Gerüst, einverstanden. Ebenso die heiligen Texte.<br />
Dieses authentische Zeugnis ist wirklich Geheimnistuerei: Das Zeugnis weiterzugeben war für die Scholls ihre Widerstandstätigkeit. Ich denke, sie waren auch dankbar dafür, dass sie das konnten.</p>
<p>Literatur:</p>
<p>Michael Kißener „Widerstand ohne Glauben? Anmerkungen zur Frömmigkeit des deutschen Widerstandes“. In: Albert R., Hartung R., Saltin G. (Hg.): Alfred-Delp-Jahrbuch. Band 2/2008. 115-29. Große Teile daraus im Netz <a href="http://www.kfzg.de/Downloads/Kirche_im_Krieg.pdf">hier (Seite 16/17)</a>.</p>
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