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	<title>Fangt uns doch &#187; Sprache</title>
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	<description>Wie kam es soweit, dass Hans und Sophie Scholl gegen die nationalsozialistische Diktatur aktiv wurden? Weblog gegründet als: Tüfteleien und Motivation zum Theaterstück der KJT 2006/07: „Fangt uns doch“</description>
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		<title>Fangt uns doch &#187; Sprache</title>
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		<title>Nobelpreis für Widerstand</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Dec 2009 11:11:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kostüme]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Bin recht angetan von der Rede Herta Müllers &#8222;Jedes Wort weiß etwas vom Teufelskreis&#8220; bei der Nobelpreisverleihung am Montag. Ein interessanter Kommentar zur Feierlichkeit findet sich in der FAZ:
In ihrem schlichten schwarzen Kleid mit weißem Gürtel und weißem Saum war Herta Müller inmitten der opulenten Ballroben und des allgemeinen Geglitzers mancher echter und vieler falscher [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=581&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Bin recht angetan von der Rede Herta Müllers &#8222;<a href="http://www.faz.net/s/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72054101/Doc~EED52CE88668344B1AD22F0676425855F~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Jedes Wort weiß etwas vom Teufelskreis</a>&#8220; bei der Nobelpreisverleihung am Montag. Ein interessanter <a href="http://www.faz.net/s/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72054101/Doc~EFD2C45E851644E76BC50B7BB67F4385B~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Kommentar zur Feierlichkeit</a> findet sich in der FAZ:</p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 368px"><img src="http://www.faz.net/m/%7B9B4C8C36-0726-4266-9AD7-A561661F5FEA%7DPicture.jpg" alt="" width="358" height="235" /><p class="wp-caption-text">Herta Müller beim Bankett</p></div>
<p style="padding-left:30px;">In ihrem schlichten schwarzen Kleid mit weißem Gürtel und weißem Saum war Herta Müller inmitten der opulenten Ballroben und des allgemeinen Geglitzers mancher echter und vieler falscher Juwelen die eigentliche Hauptperson des Abends. Nicht nur in ihrer Erscheinung steht sie für die Konzentration aufs Wesentliche.</p>
<p>Leseprobe <span id="more-581"></span>aus der Rede. Müller arbeitet als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik und wird, weil sie nicht für den Geheimdienst arbeiten will, Stück für Stück herausgemobt. Einige Wochen vor ihrer Entlassung muss sie auf der Treppe arbeiten:</p>
<p style="padding-left:30px;">In der Zeit, als ich ein Treppenwitz war, habe ich im Lexikon nachgeblättert, was es mit dem Wort TREPPE auf sich hat: Die erste Stufe der Treppe heißt ANTRITT, die letzte Stufe AUSTRITT. Die waagerechten Stufen zum Drauftreten sind seitlich in die TREPPENWANGEN eingepasst. Und die Freiräume zwischen den einzelnen Stufen heißen sogar TREPPENAUGEN. Von den Bauteilen der hydraulischen, ölverschmierten Maschinen kannte ich die schönen Wörter: SCHWALBENSCHWANZ, SCHWANENHALS, der Halt der Schrauben hieß SCHRAUBENMUTTER. Und genauso verblüfften mich die poetischen Namen der Treppenteile, die Schönheit der technischen Sprache. TREPPENWANGEN, TREPPENAUGEN &#8211; also hat die Treppe ein Gesicht. Ob aus Holz oder Stein, Beton oder Eisen &#8211; wieso bauen die Menschen selbst in die sperrigsten Dinge der Welt ihr eigenes Antlitz hinein, geben totem Material die Namen vom eigenen Fleisch, personifizieren es zu Körperteilen. Wird den Spezialisten der Technik die schroffe Arbeit erst erträglich durch versteckte Zärtlichkeit.</p>
<p>Herta Müller hatte das Glück (und die Stärke), die Mitarbeit mit der Securitate abzulehnen &#8211; sie erzählt es in ihrer Rede. Wie schnell man in den rumänischen Geheimdienst kam, wie lange man daran zu schlucken hat, und wie man sich mit sich selber versöhnen kann &#8211; dazu empfehle ich ein <a href="http://www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp?key=standard_document_38433315&amp;jmpage=1&amp;type=v&amp;rubrik=5982&amp;msg=5982&amp;jm=2&amp;mediakey=fs/hauptsachekultur/20091211_hk_werner_soellner">Video zu Werner Söllner im HR</a>.</p>
<div id="_mcePaste" style="overflow:hidden;position:absolute;left:-10000px;top:125px;width:1px;height:1px;">In der Zeit, als ich ein Treppenwitz war, habe ich im Lexikon nachgeblättert, was es mit dem Wort TREPPE auf sich hat: Die erste Stufe der Treppe heißt ANTRITT, die letzte Stufe AUSTRITT. Die waagerechten Stufen zum Drauftreten sind seitlich in die TREPPENWANGEN eingepasst. Und die Freiräume zwischen den einzelnen Stufen heißen sogar TREPPENAUGEN. Von den Bauteilen der hydraulischen, ölverschmierten Maschinen kannte ich die schönen Wörter: SCHWALBENSCHWANZ, SCHWANENHALS, der Halt der Schrauben hieß SCHRAUBENMUTTER. Und genauso verblüfften mich die poetischen Namen der Treppenteile, die Schönheit der technischen Sprache. TREPPENWANGEN, TREPPENAUGEN &#8211; also hat die Treppe ein Gesicht. Ob aus Holz oder Stein, Beton oder Eisen &#8211; wieso bauen die Menschen selbst in die sperrigsten Dinge der Welt ihr eigenes Antlitz hinein, geben totem Material die Namen vom eigenen Fleisch, personifizieren es zu Körperteilen. Wird den Spezialisten der Technik die schroffe Arbeit erst erträglich durch versteckte Zärtlichkeit.</div>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/581/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/581/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/581/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/581/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/581/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/581/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/581/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/581/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/581/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/581/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=581&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Die Menschen als Schweine</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/12/16/die-menschen-als-schweine/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/12/16/die-menschen-als-schweine/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 16 Dec 2008 20:36:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Inhalt]]></category>
		<category><![CDATA[Otl Aicher]]></category>
		<category><![CDATA[Rückmeldungen]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[
Otl Aichers Erfahrung bei der Wehrmacht. Mit einem kleinen Kommentar ärgert er einen Vorgesetzten &#8211; er muss nicht lange warten, bis er alleine strafexerzieren muss, eine Quälerei und sicherlich war er danach dreckig &#8222;wie die Sau&#8220;. Noch schlimmer für den jungen Intellektuellen: Sprache und Welt der Kammeraden beim Kommis, &#8222;schweinisch&#8220; sagt man. Noch einmal schlimmer [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=389&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright size-full wp-image-89" title="schuetzengraben-2-k.jpg" src="http://fangtunsdoch.files.wordpress.com/2006/11/schuetzengraben-2-k.jpg?w=339&#038;h=254" alt="schuetzengraben-2-k.jpg" width="339" height="254" /></p>
<p>Otl Aichers Erfahrung bei der Wehrmacht. Mit einem kleinen Kommentar ärgert er einen Vorgesetzten &#8211; er muss nicht lange warten, bis er alleine strafexerzieren muss, eine Quälerei und sicherlich war er danach dreckig &#8222;wie die Sau&#8220;. Noch schlimmer für den jungen Intellektuellen: Sprache und Welt der Kammeraden beim Kommis, &#8222;schweinisch&#8220; sagt man. <span id="more-389"></span>Noch einmal schlimmer ist es für Leutnand Fritz Hartnagel, als er hört, wie sich andere hohe Offiziere mit der Vernichtung der Juden brüsten. Das ist schlimmer, wie Tiere miteinander umgehen. Es zieht den Menschen herunter aufs tierische Niveau und vielleicht noch tiefer. (<img class="alignright size-full wp-image-71" title="kampf wur" src="http://fangtunsdoch.files.wordpress.com/2006/11/schwein-1-k.jpg?w=319&#038;h=239" alt="kampf wur" width="319" height="239" />Solche Offiziere, die zu Schweinen mutieren, stellten wir im Stück (verhältnismäßig dezent) dar Eine ähnliche Erfahrung macht der junge Soldat Heinrich Böll (damals kein Widerstandstyp) in einer Kaserne weit hinter der Frontlinie:</p>
<p style="padding-left:30px;">Osnabrück, 22.4.1940 Heinrich Böll an Eltern und Geschwister<br />
[...] Es war übrigens entsetzlich, die Bemerkungen der Kameraden heute mittag bei dem Begräbnis zu hören. Wir leben anscheinend in einer Welt von Schweinen.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-202" title="saufer-w_sophie.jpg" src="http://fangtunsdoch.files.wordpress.com/2007/01/saufer-w_sophie.jpg?w=321&#038;h=227" alt="saufer-w_sophie.jpg" width="321" height="227" /></p>
<p style="padding-left:30px;">Die Ansicht, dass der Mensch nur eine etwas höhere Art von Tier ist, ist allgemein verbreitet. Dann dazu noch äußerst eindeutige Anwürfe in bezug auf die Frau des Gefallenen. Heldenverehrung. Aber schweigen wir.</p>
<p>Das Tierische (Schweinische) im Menschen ist nicht zu leugnen, plädiere zunächst (mit Platon) für die Herrschaft der Vernunft. Zudem an die Hoffnung auf Befreiung/Erlösung der Kreatur. Pädagogen sind gefragt &#8211; Weihnachten, das Glück von Hirten, Schafen, Ochs und Esel wird erwartet.</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/389/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/389/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/389/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/389/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/389/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/389/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/389/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/389/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/389/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/389/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=389&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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	</item>
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		<title>Sympathie mit literarischen Figuren und der Sprache</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/12/08/sympathie-mit-literarischen-figuren-und-der-sprache/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/12/08/sympathie-mit-literarischen-figuren-und-der-sprache/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2008 17:08:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[War recht begeistert von den 40 Seiten Auszug aus &#8222;Das verborgene Wort&#8220;, die die Autorin Ulla Hahn für zwei CDs vorlas. Aufwachsen in den 50ern und 60-ern des letzten Jahrhunders, aus der Ich-Perspektive eines Mädchens erzählt, viel Autobiographisches dabei. Beim Surfen im Netz entdeckte ich Folgendes (Dieter Borchmeyer, ursprünglich eine Rezension in DIE ZEIT) :
Das [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=380&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://i180.photobucket.com/albums/x247/soundandfuryandpeace/larva.jpg" alt="" width="311" height="414" />War recht begeistert von den 40 Seiten Auszug aus &#8222;Das verborgene Wort&#8220;, die die Autorin Ulla Hahn für zwei CDs vorlas. Aufwachsen in den 50ern und 60-ern des letzten Jahrhunders, aus der Ich-Perspektive eines Mädchens erzählt, viel Autobiographisches dabei. Beim Surfen im Netz entdeckte ich <a href="http://home.eduhi.at/teacher/davogg/dossiers%20050%20garsten/dossier%20hahn.htm" target="_blank">Folgendes (Dieter Borchmeyer, ursprünglich eine Rezension in DIE ZEIT)</a> :</p>
<p style="padding-left:30px;">Das krude  Milieu, aus dem Hildegard sich mit allen Fasern ihrer Seele heraussehnt, hat      so kaum je etwas Abstoßendes. Immer schwingt auch eine Saite der Liebe, des      Mitleids mit den so gedrückten Seelen mit, auch mit dem Vater, dessen      Herzlosigkeit nur das Produkt sozialer Not ist. Als er einmal einen kleinen      Gewinn im Lotto macht, gewinnt sein Verhalten sofort an &#8222;Seele&#8220;.<br />
Martin Walser hat betont,      einem Romanschreiber müssten &#8222;beim Schreiben alle Figuren sympathisch sein,      auch die, die der Leser dann zu den unsympathischen rechnet. Und da ist      immer so etwas wie Liebe im Spiel &#8230; Dass er ein Beobachtender ist, das ist      eine notwendige Arbeitsbedingung, aber ebenso notwendig ist es, dass er ein      Mitleidender ist.&#8220; Das könnte auf Ulla Hahn gemünzt sein. <span id="more-380"></span></p>
<p>Es ist nicht nur auf Ulla Hahn gemünzt, sondern auch auf den Geschmack des Bloggers. Aus eben jenem Grunde, weil er meines Erachtens zu wenig mitleidet, mag ich Thomas Mann nicht. (Bin damit auf Seiten von Sophie gegen Hans Scholl.)</p>
<p>Das, was Thomas Mann liebt, ist Sprache, das ist ja auch nicht wenig &#8211; und ich kann da wirklich staunen. Aber es geht um Sprache, mit der man mitfühlt, würde ich sagen. Obige Rezension fährt so fort</p>
<p style="padding-left:30px;"><img class="alignright" src="http://i180.photobucket.com/albums/x247/soundandfuryandpeace/deadseascroll.jpg" alt="" width="307" height="280" />&#8222;Mit Schreiben und Lesen      fängt das Leben an.&#8220; Dieser Satz auf einer mesopotamischen Wachstafel bildet      das Motto des Romans. Lesen ist das Glück Hildegards, Wörter als Klang- und      Sinngestalten ziehen einen magischen Bannkreis um ihre Fantasie. Ist sie &#8222;im      Wort&#8220;, fühlt sie sich in Sicherheit. Und so begibt sie sich stets auf die      &#8222;Flucht in den Kopf&#8220;. Als ihr bei der Ferienarbeit in einer Fabrik ein      Physikstudent von Heisenbergs Welterklärungsformel erzählt, glaubt Hildegard      sich auszukennen. Diese Formel stand doch schon bei Eichendorff: &#8222;und die      Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort&#8220;. Das Zauberwort, das      Wort, das am Anfang war. Ein kluger Lehrer belehrt Hildegard: Im Paradies      gehörten Wörter und Dinge zusammen. &#8222;Die Vertreibung aus dem Paradies hat      Sachen und Namen voneinander getrennt. Wir müssen sie wieder zusammenfügen.      Dazu sind wir auf Erden.&#8220; Und dazu fühlt sich auch die Autorin dieses Romans      auf Erden: den Dingen das verborgene, das in ihnen schlafende Wort zu      entlocken.</p>
<p>Ich würde schon sagen, es ist einfach falsch, dass mit dem Schreiben und Lesen das Leben anfange. Typisches Aufgedrehtsein des eigenen Milleus. Hahn meint eigentlich die Sprache und das Sprechen! Die Zauberwörter in den Märschen und in Ilse Aichingers &#8222;Die größere Hoffnung&#8220; und der neue Name der Kindlichen Kaiserin in Michael Ende &#8222;Die unendliche Geschichte&#8220;; das Zusammengehören von Sprache und Welt, <a href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/04/11/ubers-schreiben/">das verlorene Paradies</a>, Günther Eichs Arbeit,  auch in der Philosophie ein Riesenprojekt (u.a. Heideggers Dichterallüren, Chalmers &#8222;Edonic properties&#8220; und L.B. Puntels &#8222;Struktur und Sein&#8220;) &#8230;</p>
<p><img class="alignright" src="http://i180.photobucket.com/albums/x247/soundandfuryandpeace/butterfly.jpg" alt="" width="306" height="208" />p.s. zur Historizität (<a href="http://home.eduhi.at/teacher/davogg/dossiers%20050%20garsten/dossier%20hahn.htm">Ertmute Klein in Neue Rheinische Zeitung</a>) &#8211; und warum die Lyrik-Anthologie-Herausgeberin so wie ich an den Widerständlern hängt:</p>
<p style="padding-left:30px;">Ulla Hahn hat für diesen      ihren zweiten Roman zehn Jahre lang Material gesammelt. Ihr Buch sei      &#8222;weitgehend autobiografisch&#8220;, was das Verhältnis Hildegards zu den Eltern      angehe, teilt die Autorin mit. &#8222;Fast dokumentarisch genau ist der      katholische Pfarrer Franz Böhm geschildert, der von den Nazis ins KZ Dachau      verschleppt wurde.&#8220; Und auch die gesellschaftliche Situation der Frauen in      den fünfziger Jahren in Deutschland ist stimmig.</p>
<p>p.p.s. Bilder von einem <a href="http://kvond.wordpress.com/">Spinozablog</a> mit genialen Fotos. Thanks</p>
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		<title>Staatslieder</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Aug 2008 14:33:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Meine Tante erinnert sich an ein Lied, das sie als Schülerin lernen musste. Sie träumte damals, so sagt sie, dass es ein schönes Lied würde mit dem Titel &#8222;Als die goldne Abendsonne&#8222;. Nein, es war ein Heldenlied. Die beiden ersten Strophen konnte sie noch auswendig
1. Als die goldne Abendsonne
Sandte ihren letzten Schein, letzten Schein
&#124;: Zog [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=333&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://einestages.spiegel.de/hund-images/2007/10/04/10/442ad99130a751b0085fed08bdcc47bf_image_document_large_featured_borderless.jpg" alt="" width="249" height="257" />Meine Tante erinnert sich an ein Lied, das sie als Schülerin lernen musste. Sie träumte damals, so sagt sie, dass es ein schönes Lied würde mit dem Titel &#8222;<a href="http://ingeb.org/Lieder/alsdiego.html">Als die goldne Abendsonne</a>&#8222;. Nein, es war ein Heldenlied. Die beiden ersten Strophen konnte sie noch auswendig</p>
<p style="padding-left:30px;">1. Als die goldne Abendsonne<br />
Sandte ihren letzten Schein, letzten Schein<br />
|: Zog ein Regiment von Hitler<br />
In ein kleines Städtchen ein. : |<span id="more-333"></span></p>
<p>Thannhausen, damals Marktflecken, fühlte sich vielleicht auch als kleines Städtchen.</p>
<p style="padding-left:30px;">2. Traurig klangen ihre Lieder<br />
Durch die stille, kleine Stadt; kleine Stadt<br />
|: Denn sie trugen ja zu Grabe<br />
Einen Hitlerkamerad. : |</p>
<p>Die restlichen vier Strophen gibt es <a href="http://ingeb.org/Lieder/alsdiego.html">hier</a>, außer dem Rachschwur nichts, das ich nicht erwartet hätte. Jede Zeit hat ihren Kitsch. Etwas älter ist das Matrosenlied von Hermann Löns (1866-1914), das meine Tante auch noch singen konnte mit dem Refrain</p>
<p style="padding-left:30px;">Leb wohl, mein Schatz, leb wohl,<br />
Denn wir fahren gegen Engelland.</p>
<p><img class="alignright" src="http://projects.brg-schoren.ac.at/nationalsozialismus/sandra1.jpg" alt="" width="226" height="309" />Im Jahr der &#8222;Machtergreifung&#8220; machte sich von Moltke über die Staatsgesänge lustig, die er bei einer staatsmännischen Schulung für Juristen lernen musste: Am 12. Dezember schreibt er an seine Frau:</p>
<p style="padding-left:30px;">Die Lieder sind so, dass sich der selige Heine im Grabe umgedreht hätte.</p>
<p style="margin-bottom:0;">Tatsächlich, sie sind alle denen des Heinrich Heine nachgemacht: Heines manchmal geheime und versteckte Liebe an Land und Leute wird in diesen Heldenliedern laut verkündet, Heines Ironie kommt nicht vor.</p>
<p style="margin-bottom:0;">Vor allem: heute und schon zur Nazizeit sollte man nicht mehr schreiben wie jener Romantiker, der Gedichte schreiben konnte.</p>
<p style="margin-bottom:0;">Andererseits, das sind natürlich Volkslieder, damalige Popmusik gemischt mit dem, was man auf dem Fußballplatz so von sich gegeben wird. Wir singen keine Lied mehr auf A. H., wir singen nicht, dass wir gegen ein Land in den Krieg ziehen und Menschen rächen, denke dennoch, wir sind nicht viel besser.</p>
<p style="margin-bottom:0;">(&#8222;We are the champions&#8220;, &#8222;We will rock you&#8220;, &#8222;In München steht ein Hofbräuhaus&#8220;, um ein paar gesellschaftlich recht anerkannte Lieder mit menschenverachtenden Inhalten zu nennen. Denke, wenn man das mit der richtigen Ironie sind, kann es o.k. sein.)</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Apokalyptischer Gegenentwurf</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/06/05/apokalyptischer-gegenentwurf/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/06/05/apokalyptischer-gegenentwurf/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 05 Jun 2008 15:03:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bedeutung Weiße Rose]]></category>
		<category><![CDATA[Sophie Scholl]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Archetyp von Sophie Scholls Traum in der letzten Nacht (siehe letzter Eintrag). Es ist eine Zeit großer Not :
Da erschien ein großes Zeichen am Himmel: Ich sah eine Frau, die mit der Sonne bekleidet war; sie hatte den Mond unter ihren Füßen, und auf ihrem Kopf trug sie eine Krone aus zwölf Sternen. Und [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=303&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" style="float:right;" src="http://www.onlinekunst.de/november/blake_roter_dr_400.jpg" alt="" width="309" height="367" />Der Archetyp von Sophie Scholls Traum in der letzten Nacht (siehe <a href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/05/10/traumerische-bedeutung-von-taufe/">letzter Eintrag</a>). Es ist eine Zeit großer Not :</p>
<p style="padding-left:30px;">Da erschien ein großes Zeichen am Himmel: Ich sah eine Frau, die mit der Sonne bekleidet war; sie hatte den Mond unter ihren Füßen, und auf ihrem Kopf trug sie eine Krone aus zwölf Sternen. Und sie war schwanger und schrie in ihren Wehen, denn die Schmerzen unmittelbar vor der Geburt hatten sie erfaßt. (Offenbarung des Johannes, Kap. 6)</p>
<p>Sophie ist nicht wörtlich schwanger, aber sie hat etwas mit sich, das weiterleben soll. Etwas eigenes und etwas nicht Eigenes. <span id="more-303"></span>Statt dem tiefen Erdspalte erscheint diesmal ein Tier aus der Urzeit.</p>
<p style="padding-left:30px;"><img class="alignright" style="float:right;" src="http://www.ckrumlov.cz/obr/mesto/histor/2548b.jpg" alt="" width="252" height="352" />Und ein anderes Zeichen erschien am Himmel: Ein großer feuerroter Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner hatte und auf seinen Köpfen sieben Kronen. Sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache stellte sich vor die Frau, die gebären wollte, damit er ihr Kind verschlinge, sobald sie geboren hätte. Und sie gebar einen Sohn, einen kraftvolles männliches Kind, das dazu bestimmt war, alle Völker mit eisernem Stab zu weiden. Und das Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt.</p>
<p>In der kirchlichen Tradition identifiziert man die Frau, die trotz der großen Drangsal ihr mächtiges Kind zur Welt bringt, symbolisch mit Maria aus Nazareth, der Mutter Jesu bzw. mit der &#8222;seligen Jungfrau&#8220;, so Haecker. Bildliche Darstellungen von der Frau haben gern etwas von Kitsch, die Taufpatin und die Erdspalte ist mir lieber.</p>
<p><img class="alignright" style="float:right;" src="http://www.paf.li/images/2morgensterne/image018.jpg" alt="" width="222" height="178" />Biblisch hat die Frau ein direktes Vorbild in einer Prophetengeschichte. Da gab es doch schon einmal eine Frau, die gebären sollte, obwohl da Könige nur tun was sie wollen &#8211; ein Bündnis mit dem großen Nachbarn schließen &#8211; und darauf vertrauen, dass Gott sie schützen will &#8230; die, die den Immanuel &#8222;Gott mit uns&#8220; gebären sollte.</p>
<p>Das ganze als Symbol dafür, wo die Macht sitzt &#8211; wie sie aussieht. Gegenmodell zu den Nazis bzw. dem deutschen Mann: die kosmische Frau. Sie strotzt nicht vor Stärke, sondern hat Schmerzen, Geburtswehen.</p>
<p><img class="alignright" style="float:right;" src="http://www.onlinekunst.de/engel/16/bayrischer_meister_verkuend.jpg" alt="" width="295" height="400" />Auch das Bild der Weißen Rose (oder Lilie) ist nicht frei von lieblichen und kitschigen Assoziationen, über Dante, bildende Kunst und gewisse Marienlieder ist es vernetzt mit dem Bild der kosmischen Frau am Himmel. Es bringt zu den Ideen von Macht und Schmerzen die Idee der Reinheit mit ins Bild: Auch das wieder in Absetzung zur Naziwelt, in der vieles einfach Dreck war: von der Sprache bis zu den weltanschaulichen Ansichten.</p>
<p>Es stimmt, es mag ja sein, dass der konkrete <a href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/2006/09/27/wie-adelige-wahrend-der-franzosischen-revolution/">Anlass für die Namensgebung</a> jener Brief an Lilo Ramdohr oder Brentanos Romanzen gewesen sein mag, im Namen steckt mehr. Ein apokalyptischer Gegenentwurf zur aktuellen Zeit, der doch mit etwas ganz konkretem angefangen wird. Schließlich wachsen weiße Rosen auf der Erde. (Dagegen bleibt auch Zankels Deutung von einer aristokratischen Parteiung blass.)</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Träumerische Bedeutung von Taufe</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/05/10/traumerische-bedeutung-von-taufe/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/05/10/traumerische-bedeutung-von-taufe/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 10 May 2008 09:39:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Sophie Scholl]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Zu Ehren dem ersten Baby der Theatertruppe von 2006/7, Hannah &#8211; ein großes-kleines Zeichen, dass es Zukunft gibt &#8211; Sophie Scholls Traum in der letzten Nacht vor ihrem Prozess und der überraschend schnellen Hinrichtung am selben Tag, erzählt von ihrer Zellengenossin Else Gebel.
Du bist sofort munter und erzählst mir, noch im Bett sitzend, deinen Traum: [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=301&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" style="float:right;" src="http://www.gss-bensheim.de/wrose/GSS-bh2003.jpg" alt="" width="328" height="364" />Zu Ehren dem ersten Baby der Theatertruppe von 2006/7, Hannah &#8211; ein großes-kleines Zeichen, dass es Zukunft gibt &#8211; Sophie Scholls Traum in der letzten Nacht vor ihrem Prozess und der überraschend schnellen Hinrichtung am selben Tag, erzählt von ihrer Zellengenossin Else Gebel.</p>
<p style="padding-left:30px;">Du bist sofort munter und erzählst mir, noch im Bett sitzend, deinen Traum: &#8222;Ich trug an einem sonnigen Tag ein Kind in langem weißen Kleid zur Taufe. Der Weg zur Kirche führte einen steilen Berg hinauf. Aber fest und sicher trug ich das Kind in meinem Arme. Da plötzlich war vor mir eine Gletscherspalte. Ich hatte gerade noch so viel Zeit, das Kind sicher auf die andere Seite niederzulegen &#8211; dann stürzte ich in die Tiefe.&#8220;</p>
<p style="padding-left:30px;">Du legtest dir den Traum so aus: &#8222;Das Kind im weißen Kleid ist unsere Idee, sie wird sich trotz allen Hindernissen durchsetzen. Wir durften Wegbereiter sein, müssen aber vorher sterben, für sie.&#8220; <span id="more-301"></span> (Else Gebels ganzer Text siehe <a href="http://www.georg-elser-arbeitskreis.de/texts/scholl-gebel.htm" target="_blank">hier</a>)</p>
<p>Ich schätze den Zauber des Zur-Taufe-Bringens, hab da einige Entdeckungen gemacht in der Literatur:</p>
<ul>
<li> Ellen und ihre Großmutter in Ilse Aichinger &#8222;Die größere Hoffnung&#8220; suchen das Zauberwort,</li>
<li> die nüchtern seltsame Taufe, um die plötzlich der jugendliche totkranke Bruders Kittys (in Walker Percy &#8222;Der Idiot des Südens&#8220;) gebeten hat; für mich die Szene, auf die der ganze Roman hinausläuft.</li>
<li> nicht zuletzt die Friedenstaufe im israelisch-palästinensischen Dorf Ibillin  im Jahr 1967. <a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/606765/" target="_blank">Elias Chacour</a> (Biographieautorin <a href="http://www.pro-oriente.at/?site=ps20070427113017" target="_blank">hier</a>, Rupert Neudeck Rezension <a href="http://gruenhelme.de/index.php?s=articles/aktuelles&amp;n=315" target="_blank">hier</a>) ist erst ein gutes Jahr Pfarrer (Abuna) einer recht verknatschten koptisch-katholischen Gemeinde. Insbesondere der Vorsteher, in Deutschland wäre es wohl der Kirchenpfleger, hat ein recht diktatorisches Wesen:</li>
</ul>
<p style="padding-left:60px;"><img class="alignright" style="float:right;" src="http://www.voicesofisrael.com/images/chacour.jpg" alt="" width="485" height="322" />Eines Morgens klopfte man an seine Tür. Der Vorsteher erschien mit zwei Männern, um das Kircheneigentum zu inspizieren. &#8222;Kommen Sie, Abuna&#8220;, so der Querulant angriffslustig, &#8222;Was ist das denn?&#8220;, und zeigte auf eine schöne Pflanze am Rande des Pfarrhofs. „Ein Weinstock, mein Freund“, entgegnete Elias. „Es ist Habibs Geschenk für mich.“ Dieser hatte vom weinumrankten Feigenbaum der [Eltern] Chacours erfahren und Elias daraufhin mit einer Weinstockkreuzung überrascht. „Sie kennen Habib nicht“, wütete der Vorsteher. „Er hat auf diesem Grundstück nichts mehr zu suchen“ Er ist zur griechisch-orthodoxen Kirche übergetreten. Sie werden sehen: Erst wird er die Früchte für sich beanspruchen und dann auch noch das ganze Kirchenland. Unser Bischof hat ihn sogar exkommuniziert.“<br />
Elias wollte dieser Sache später nachgehen. Nun musste aber schnell gehandelt werden. „Bringen Sie mir bitte einen Eimer Wasser“, bat er. Der Vorsteher ließ es sich nicht zweimal sagen: Er dachte, durch das Wasser würde sich die Erde lockern, um die Pflanze leichter herauszureißen. Elias begann aber, die Blätter feierlich zu begießen. Dann hob er die rechte Hand über den Weinstock und segnete ihn: „Ich taufe dich im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wer dich ausreißt, soll selbst entwurzelt werden. Wer dir aber Wasser gibt, soll von Gottes Gnade überströmt werden. Amen.“ Die verdutzten Männer starrten den Priester an, als wäre er geisteskrank. Dann stampften sie, wutschnaubend, davon. (Elias Chacour: Israeli, Palästinenser, Christ. Sein Leben erzählt von Pia de Simony und Marie Czernin.  Freiburg i.B. 2007)</p>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fangtunsdoch.wordpress.com/301/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fangtunsdoch.wordpress.com/301/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/301/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/301/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/301/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/301/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/301/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/301/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/301/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/301/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/301/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/301/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=301&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Wann zuletzt Verstecken gespielt?</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/03/31/wann-zuletzt-verstecken-gespielt/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/03/31/wann-zuletzt-verstecken-gespielt/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 Mar 2008 13:11:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Selber Spielen]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Titel]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach dem &#8222;Musical&#8220; oder der Kantate &#8222;Emmaus&#8220; der Türkheimer (Wegzeichenchor u.a. mit der Michi, Sprechrolle, Gerhard sang als &#8222;der Fremde&#8220;, jüngster Spieler sein Sohn Johannes, insges. schätze ich 100 Mitwirkende) sagte ich gestern, ich hätte große Bedenken, Auferstehung auf die Bühne zu bringen. Heute würde ich das Gegenteil sagen: Sind es nicht gerade die Geschichten [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=296&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p class="MsoNormal"><img src="http://www.musik-und-wort.de/hp/gfx/aktuelles_emmaus.jpg" align="right" height="292" width="207" />Nach dem <a href="http://www.maria-himmelfahrt.de/html/chore___emmausmusical.html">&#8222;Musical&#8220; oder der Kantate &#8222;Emmaus&#8220; der Türkheimer</a> (Wegzeichenchor u.a. mit der Michi, Sprechrolle, Gerhard sang als &#8222;der Fremde&#8220;, jüngster Spieler sein Sohn Johannes, insges. schätze ich 100 Mitwirkende) sagte ich gestern, ich hätte große Bedenken, Auferstehung auf die Bühne zu bringen. Heute würde ich das Gegenteil sagen: Sind es nicht gerade die Geschichten vom auferstandenen Jesus, in denen Jesus den Seinen zuruft: „Fangt mich doch!“. Wie im Kinderversteckspiel, beim Ostereiersuchen: ihr habt wohl gedacht, vor dem Grab stünden Wachen. Ha, die sind eingeschlafen. <span id="more-296"></span>Ihr habt gedacht, darin läge ein Leichnam… habt ihr euch gedacht, ja … Ihr habt euch gedacht, ihr könntet finden, wo sie ihn hingelegt haben… Ihr habt euch gedacht, ihr müsstet der Maria von Magdala nicht glauben. Ihr habt euch gedacht, so einen netten Fremden, der wird so wie ein Mensch immer bei euch bleiben … bis ihr ihn erkannt habt, den der hingerichtet war – und dann war er weg! – Zuletzt auf dem See Genezareth. Ihr habt keine Fische gefangen über Nacht, dass es nicht einmal für ein Frühstück langt? Na, „fangt sie doch“ rechts von eurem Schiff. Und heute ist Schwimmen dran, lieber Petrus, nass werden und schwimmen, das mit dem auf-dem-Wasser-gehen war ein andermal. Und die Zukunft, die Jesus seinen Freunden zutraut…</p>
<p class="MsoNormal">Nicht zu fassen.</p>
<p class="MsoNormal">Zeit für große Worte „Nie mehr […] sollt ihr Angst im Schilde führ’n“ (<a href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/2007/11/26/grillhahnchen-in-langenneufnach/">Gregor Linsen</a>s Lied) „Sind auch dir die Augen aufgegangen?“ (<a href="http://www.musik-und-wort.de/">Kathi Stimmer-Salzeder</a>), für fans des Wortes genügt „Alleluja“.</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.nabu-mv.de/nvp/kleiberschule/img/tarnen_verstecken_.jpg" align="right" height="150" width="200" />Und doch verspielt. Linsens abstrakte Musik, Kathis Stimmers Emotionen, aber nie auf voller Lautstärke: fangt es doch, Irmgard Schorers handlungsfokusierte Lieder „Ich habe den Herrn gesehen“ – die eingestreuten populären Highlights, die überraschenderweise auch davon erzählen.</p>
<p class="MsoNormal">Wenn Auferstehung nicht auch so verspielt wäre, müssten sich Musiker und Schauspieler ärgern, dass sie den Emotionen derer, die alles aufs Spiel gesetzt haben, nicht gerecht werden. Seinen Lebenseinsatz zu bringen ist eine gute Sache, aber heute, ist Spiel angesagt: Versteckulus, mit Instrumenten und Personen.</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Hitler als Antichrist?</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/03/18/hitler-als-antichrist/</link>
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		<pubDate>Tue, 18 Mar 2008 11:41:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hans Scholl]]></category>
		<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Theodor Haecker]]></category>

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		<description><![CDATA[Dezember 1942, es geht ums Grundsätzliche.  Ich zitiere eine Zankel-Rezension von Jakob Knab:
An einem Sonntag im Advent 1942 trafen sich einige Freunde der »Weissen Rose« mit dem katholischen Kulturphilosophen Theodor Haecker. [...]. Hier meine Darstellung dieser Schlüsselszene: Die Frage kam auf die »Heraufkunft des Antichrist«. Haecker, darauf vorbereitet, las zunächst die entsprechende Bibelstelle (2 [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=291&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img src="http://www.remnantnewspaper.com/images/antichrist.jpg" align="right" height="255" width="250" />Dezember 1942, es geht ums Grundsätzliche.  Ich zitiere eine Zankel-Rezension von <a href="http://www.amazon.de/Flugbl%C3%A4ttern-gegen-Hitler-S%C3%B6nke-Zankel/dp/customer-reviews/3412200387/ref=dp_top_cm_cr_acr_txt?ie=UTF8&amp;showViewpoints=1&amp;customer-reviews.start=1&amp;qid=1203437923&amp;sr=8-1#customerReviews">Jakob Knab</a>:</p>
<blockquote><p>An einem Sonntag im Advent 1942 trafen sich einige Freunde der »Weissen Rose« mit dem katholischen Kulturphilosophen Theodor Haecker. [...]. Hier meine Darstellung dieser Schlüsselszene: Die Frage kam auf die »Heraufkunft des Antichrist«. Haecker, darauf vorbereitet, las zunächst die entsprechende Bibelstelle (2 Thess 2, 1 &#8211; 12)  vor und gab dann eine Deutung im Sinne des englischen Theologen John Henry Newman (1801 &#8211; 1890),  indem er seine eigene Übersetzung von Newmans Oxforder Predigt »Die Zeiten des Antichrist« vortrug. Hans Scholl protestierte gegen diese religiös-eschatologische Deutung: »Der Antichrist kommt nicht erst, er ist schon da!« <span id="more-291"></span>Die Frontfamulatur und die Erfahrungen an der Ostfront hatten Scholl radikalisiert. Im vierten Flugblatt hatte er Hitler noch als »Dämon« und als »Boten des Antichrist« attackiert, nun nannte er Hitler den »Antichrist«. Es wurde ein religiöser und politischer Konflikt zwischen Scholl und Haecker ausgetragen. [...]  Zankel [vertritt] diese falsche These: »Scholls Denken war für Haecker viel zu weltlich, zu bürgerlich-liberal« (S. 268) Richtig ist: Haecker war besorgt angesichts von Scholls religiöser Schwärmerei.</p></blockquote>
<p>Aus heutiger Sicht war Hitler nicht der Antichrist, Haecker hat recht behalten. Herr Knab wies mich auf Newmans Text <a href="http://www.newmanreader.org/works/arguments/antichrist/lecture1.html">hier</a>,  die erste von vier Vorlesungen über die patristische Idee des Antichristen. Newman die Schriftzeugnisse vom Ende der Welt aus der Sicht der christlichen Schriftsteller der ersten Jahrhunderte. Die Grundaussage von &#8222;The Times of Antichrist&#8220;: man kann nie wissen, wann es ist &#8211; aber der Antichrist, wahrscheinlich ein männlicher Tyrann, wird dreieinhalb Jahre  (bzw. 42 Monate) herrschen. Vorher wird das Evangelium auf der ganzen Welt verkündet (ob das geschehen ist oder nicht, kein Kommentar) außerdem kommt &#8222;a time of unexampled trouble&#8220;; eine Zeit beispielloser Schwierigkeiten &#8211; eine solche gab es nach Newman noch nicht. Dann kommt wieder Christus, endgültig.</p>
<p><img src="http://www.eekman.com/virtual_gallery/media/sculptures/small/originals/antiochus_original_small.jpg" align="right" height="310" width="216" />Andererseits gab es viele Vorläufer des Antichrist, allen voran Antiochus zur Zeit der Makabäer (ein paar hundert Jahre vor Christus),  &#8222;the apostate emperor Julian&#8220; (ca. 300-400 n.Chr.) und &#8222;the false prophet Mahomet&#8220; (ca. 600 n.Chr.:  der Prophet des Islam), und es gibt Schriftzeugnisse, dass es mehrere Antichristen gibt, die patristischen Schriftsteller sprechen vom &#8222;Schatten des Antichristen&#8220;.</p>
<p>Am Ende seines Aufsatzes gibt Newman Warnungen, was zu seiner Zeit, dem ausgehenden 19. Jahrhundert der unexplained trouble sein könnte, der bei mangelnder Wachsamkeit den Antichristen heraufbeschwören könnte: es ohne Religion tun wollen, die Idee, dass eine Nation nichts mit Religion zu tun hat, dass sie nur eine Sache des individuellen Gewissens sei. In den Einzelheiten würde ich Newmans Argumentation heute recht kritisch sehen, zum Beispiel sein Plädoyer für öffentliche Eide: &#8222;for example, an attempt to get rid of oaths, under a pretence that they are too sacred for affairs of common life, instead of providing that they be taken more reverently and more suitably?&#8220; &#8211; eine Praxis, von der Jesus schlichtweg abrät (laienhafte Bemerkung, ich kenne die theologische Diskussion dazu nicht). Auch prinzipiell ist inzwischen parlamentarische Demokratie und die Trennung von Kirche und Staat die anerkannte evangelische und katholische Position. Wenn Newman klagt, dass man der Kirche ihre Macht nehmen will, ist mir nicht so ganz wohl. Wie ein Literat beschreibt Newman die Verführungen des Satan:</p>
<blockquote><p>Far be it from us to be seduced with the fair promises in which Satan           is sure to hide his poison! Do you think he is so unskilful in his           craft, as to ask you openly and plainly to join him in his warfare           against the Truth? No; he offers you baits to tempt you. He promises           you civil liberty; he promises you equality; he promises you trade and           wealth; he promises you a remission of taxes; he promises you reform.           This is the way in which he conceals from you the kind of work to           which he is putting you; he tempts you to rail against your rulers and           superiors; he does so himself, and induces you to imitate him; or he           promises you illumination, {61}—he offers you knowledge, science,           philosophy, enlargement of mind. He scoffs at times gone by; he scoffs           at every institution which reveres them. He prompts you what to say,           and then listens to you, and praises you, and encourages you. He bids           you mount aloft. He shows you how to become as gods. Then he laughs           and jokes with you, and gets intimate with you; he takes your hand,           and gets his fingers between yours, and grasps them, and then you are           his.</p></blockquote>
<p>Mit der Psychologie und dem entscheidenden Punkt, wie Gott sein zu wollen, hat Newman etwas getroffen. Das Thema, wann der Antichrist kommt, hat er an dieser Stelle hinter sich gelassen und zu predigen begonnen &#8230; man möge sein Kommen durch Taten verhindern. (Zu Hitlers Religiosität vgl. <a href="http://www.dradio.de/dlf/senduhttp://fangtunsdoch.wordpress.com/wp-admin/post.php?action=edit&amp;post=291ngen/politischeliteratur/753336/">hier</a>.)</p>
<p>Eine kleine esotherische Deutung, inwiefern Hans Scholl Recht hatte (weiß nicht, ob ich an sowas glauben soll, aber es ist eine schöne Geschichte): Im 42. Monat (3,5 Jahre) nach Kriegsbeginn fiel die Macht des Sohnes des Verderbens, als Stalingrad verlorenging. Gleichzeitig erschien dem deutschen Volk wieder die Tat des Christus, dass da drei Menschen ihre Freunde mehr liebten als das eigene Leben und ihre Tat wurde wirksam, so dass in Deutschland lange Frieden herrschte.</p>
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		</media:content>

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	</item>
		<item>
		<title>Wort ist Währung</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2007/11/06/wort-ist-wahrung/</link>
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		<pubDate>Tue, 06 Nov 2007 22:09:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[ Dichter sein

Entlang dem staunen
siedelt das Gedicht, da
gehn wir hin

Von niemandem gezwungen sein, im brot
anderes zu loben
als das brot
&#160;

Reiner Kunze, deutscher Lyriker, heute 74 Jahre, gilt als  jemand, der sich nicht verkauft. Gestern hab ich ihn aus seinen Schriften lesen gehört. Aus einem Interview auf seiner Homepage:
FRAGE: Es ist in der deutschsprachigen Literaturlandschaft eher [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=273&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><blockquote><p> <span style="font-family:'Comic Sans MS';">Dichter sein</span><br />
<span style="font-family:'Comic Sans MS';"></span></p></blockquote>
<blockquote><p><span style="font-family:'Comic Sans MS';">Entlang dem staunen<br />
siedelt das Gedicht, da<br />
gehn wir hin</span></p></blockquote>
<blockquote><p><span style="font-family:'Comic Sans MS';"><br />
Von niemandem gezwungen sein, im brot<br />
anderes zu loben<br />
als das brot</span></p>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
</blockquote>
<p><img src="http://www.autorenkreis-bundesrepublik.de/kunze.jpg" align="right" height="187" width="258" />Reiner Kunze, deutscher Lyriker, heute 74 Jahre, gilt als  jemand, der sich nicht verkauft. Gestern hab ich ihn aus seinen Schriften lesen gehört. Aus einem <a href="http://www.reiner-kunze.com/interview-reiner-kunze-1.php">Interview auf seiner Homepage</a>:</p>
<blockquote><p><span id="more-273"></span>FRAGE: Es ist in der deutschsprachigen Literaturlandschaft eher ungewöhnlich, daß ein Preis zu Lebzeiten eines Autors unter dessen Namen an andere Autoren vergeben wird; Sie selbst waren nicht gerade erfreut über die an sich wunderbare Idee. [...]</p>
<p>KUNZE: Ich war nicht nur &#8222;nicht gerade erfreut&#8220;, sondern habe den Vorschlag abgelehnt, denn ich hätte vor Scham nicht mehr die Augen heben können, wäre einer meiner Kolleginnen oder einem meiner Kollegen zugemutet worden, einen Reiner-Kunze-Preis anzunehmen.</p></blockquote>
<p>Unter mancherlei Konditionen stimmte Kunze der Stiftung des Preises zu. Dazu bemerkt er noch:</p>
<blockquote><p>Auf das ebenfalls eingebrachte Preiskriterium &#8222;Poesie als Widerstand&#8220; sollte man künftig verzichten. Poesie ist widerständig in ihrem Wesen. Sie ist immer auf existentielle Wahrheit aus, denn der poetische Einfall ist ein Überlebensakt.</p></blockquote>
<p>Reiner Kunze, als Student noch SED-Mitglied, schrieb 1973 den meistverkauftesten Lyrikband der DDR (Auflage 30.000), frühere und spätere Bände durfte er nur im Westen veröffentlichen, 1977 emigrierte er, nach der Wende veröffentlichte er aus seinen Stasiakten &#8211; der Mann ist kein Politiker und machte keinen politischen Aufstand. Aber er sah, wie die jungen Leute dort im Osten aufwuchsen, das ließ ihn für Freiheit sprechen.</p>
<blockquote><p><span>1976 führt die Veröffentlichung des Prosabandes &#8222;Die wunderbaren Jahre&#8220; im Westen endgültig zum Bruch. Der Titel spielt auf Truman Capotes &#8222;Grasharfe&#8220; an. Der amerikanische Autor erzählt von den wunderbaren Jahren der Pubertät: Alles scheint möglich, Abenteuer locken. Aber was, wenn die erträumte Weltreise an der Mauer endet, Jeans und Nickelbrille oder Straßenmusik verpönt sind? <span class="AddDark">Reiner</span><span> <span class="AddDark">Kunze</span><span> erzählt vom Zwang zu Anpassung und Gehorsam. Zahlreiche Gespräche, die er mit Schülern, Lehrlingen, Arbeitern und Soldaten der Nationalen Volksarmee führte, und die Erfahrungen mit seiner eigenen halbwüchsigen Tochter münden in lakonische Texte zum Alltag von <span class="AddDark">Jugend</span>lichen in der DDR. &#8222;Friedenskinder&#8220; handelt von Sechs- bis Zwölfjährigen, die Schießen üben, &#8222;Federn&#8220; nennt sich der zweite Teil, &#8222;Verteidigung einer unmöglichen Metapher&#8220; der dritte, und am Ende steht das &#8222;Café Slavia&#8220;.</span></span></span> (<a href="http://www.mdr.de/artour/archiv/870347.html">Quelle MDR-Artikel: &#8222;Ich war nie ein politischer Schriftsteller&#8220;</a>)</p></blockquote>
<p>Reiner Kunze ist zuerst, wie ich ihn gestern verstanden habe, Dichter von Liebesgedichten (<a href="http://www.deutsche-liebeslyrik.de/kunze.htm">hier</a> und <a href="http://fhoelderslyrikseite.blogspot.com/search/label/reiner%20kunze">hier</a> sind welche gesammelt). An den Fersen, so der Dichter, klebt ihm die Liebe zu Wort und Sprache.  Alles andere, auch der politische Blick, kommt vom liebevollen Blick auf bestimmte einmalige Menschen.</p>
<blockquote><p>[1975 durfte Kunze offiziell Auslandsreisen aus der DDR machen.] An kulturelle Freiheit glaubte der Dichter trotzdem nicht. Und so legt er gerade in einer Phase, da sich seine Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern schienen, &#8222;Die wunderbaren Jahre&#8220; vor. Er sagte: &#8222;Ich muss es tun. Ich fürchte, dass die besten Jugendlichen hier zugrunde gehen: Entweder sie werden zu Opportunisten, oder sie resignieren.&#8220; (<a href="http://www.mdr.de/mdr-figaro/hoerspiel/875068.html">Zitat MDR</a>)</p></blockquote>
<p>Jetzt zum obigen Gedicht. Man erwartet immer andere Worte, etwa</p>
<blockquote><p><span style="font-family:'Comic Sans MS';">Entlang der straße<br />
siedeln die menschen, da<br />
brauchen wir nicht erst hinzugehn </span></p>
<p><span style="font-family:'Comic Sans MS';"><br />
Es ergibt sich selbstverständlich, dass wir am gold<br />
mehr schätzen<br />
als das material und die kunstvolle gestaltung</span></p></blockquote>
<p>An all dem ist nichts auszusetzen, aber es ist softes Gelaber, nicht echt gelauscht. Man kann den Wert des Goldes zum Überleben und zur Wohlfahrt der Völker aber durchaus als Dichter ernstnehmen. Nochmal Kunze:</p>
<blockquote><p><span style="font-family:'Comic Sans MS';">MÜNZE IN ALLEN SPRACHEN</span></p>
<p><span style="font-family:'Comic Sans MS';">Wort ist Währung</span></p>
<p><span style="font-family:'Comic Sans MS';"> </span></p>
<p><span style="font-family:'Comic Sans MS';">Je wahrer,</span></p>
<p><span style="font-family:'Comic Sans MS';">desto härter</span></p></blockquote>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fangtunsdoch.wordpress.com/273/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fangtunsdoch.wordpress.com/273/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/273/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/273/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/273/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/273/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/273/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/273/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/273/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/273/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/273/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/273/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=273&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		</media:content>

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	</item>
		<item>
		<title>Dichterin sucht das Wort</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2007/10/15/dichterin-sucht-das-wort/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2007/10/15/dichterin-sucht-das-wort/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 15 Oct 2007 09:24:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Nicht gesagt
Von Marie Luise Kaschnitz

&#160;
Nicht gesagt
Was von der Sonne zu sagen gewesen wäre
Und vom Blitz nicht das einzig richtige
Geschweige denn von der Liebe.

 
&#160;
Versuche. Gesuche. Mißlungen
Ungenaue Beschreibung
 
Weggelassen das Morgenrot
Nicht gesprochen vom Sämann
Und nur am Rande vermerkt
Den Hahnenfuß und das Veilchen.
 
Euch nicht den Rücken gestärkt
Mit ewiger Seligkeit
Den Verfall nicht geleugnet
Und nicht die Verzweiflung
 
Den [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=268&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;">Nicht gesagt<br />
Von Marie Luise Kaschnitz</span></p>
<p><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;"></span></p>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;">Nicht gesagt<br />
Was von der Sonne zu sagen gewesen wäre<br />
Und vom Blitz nicht das einzig richtige<br />
Geschweige denn von der Liebe.</span></p>
<p><img src="http://www.56tage.de/cms/img/buenaventurasou356737.jpg" align="middle" height="286" width="704" /></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;"> </span></p>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;">Versuche. Gesuche. Mißlungen<br />
Ungenaue Beschreibung</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;">Weggelassen das Morgenrot<br />
Nicht gesprochen vom Sämann<br />
Und nur am Rande vermerkt<br />
Den Hahnenfuß und das Veilchen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;">Euch nicht den Rücken gestärkt<br />
Mit ewiger Seligkeit<br />
Den Verfall nicht geleugnet<br />
Und nicht die Verzweiflung</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;">Den Teufel nicht an die Wand<br />
Weil ich nicht an ihn glaube<br />
Gott nicht gelobt<br />
Aber wer bin ich dass</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;"> </span></p>
<p><span id="more-268"></span>Hätte leicht gesagt, den <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/lyrikkalender/676975/">Kommentar dazu im DLF</a> kann man vergessen. Nur weil ich da etwas anderes sehe. Das ist wie bei unseren Studentendiskussionen über Dostojewski. Atheist, Agnostikerin und Theist, wir alle drei begeistert von diesen Romanen, und wir alle sahen darin unsere eigenen Thesen über Gott und die Welt bestätigt. Also ziehe ich meine vorschnelle Kommentierung dieses Kommentars zurück.<br />
Wieder zum Kaschnitz Gedicht: Meiner Meinung nach ist „Nicht gesagt“ ein Gedicht einer Gläubigen. Der Schlusssatz „Wer bin ich dass“ ist das, was schon Psalm 8 sagt – angesichts dessen, dass man über Welt und Kosmos staunen kann. (Ähnlich auch Augustinus, <a href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/2006/10/09/gebardensprache/">Anfang der Confessiones, den „Fangt uns doch“ in Gebärdensprache zitierte</a>.) Dass dieses Staunen nicht oder zu wenig passiert ist, belegen die beiden ersten Strophen. In der vorletzten Zeile die theologische Deutung dessen, dass die Dichterin nicht das rechte Wort gefunden hat: Gott nicht (genug) gelobt. „Weil ich nicht an ihn glaube“ las ich (nicht auf Gott sondern) auf den Teufel bezogen, gegen den die Dichterin nicht prophetisch aufgetreten ist – sie hat ihn nicht an die Wand „gemalt“. Jona hat, weil er mit was richtig Bösen drohte, Ninive bekehrt, so die biblische Erzählung.<br />
Sie, Luise Kaschnitz hätte „ewige Seligkeit“ anzubieten gehabt – das goldene Dichtungs- und Schöpfungswort des Augenblicks – aber sie hat es nicht zu denen gesprochen, denen sie in der Not den Rücken hätte stärken sollen. Stattdessen mit Verfall und Verzweiflung kokettiert, wie Jona, als er nicht nach Ninive gehen will. Und doch weiß sie, dass diese beiden für sie genauso wenig Wirklichkeit sind als der Teufel, die Steigerung von Verfall und Verzweiflung. Real sind aber Sämann, Morgenrot, Liebe, Blitz und Sonne.</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.nedabei.net/jacquin/archives/alp_veilchen_1apr06.jpg" align="right" height="256" width="344" />Nur im Hahnenfuß und im Veilchen macht sich dass Staunenswerte so klein, dass Kaschnitz behaupten kann, sie habe sie wenigstens am Rande vermerkt. Kleine Blumen, bei denen man genau hinschauen muss, dass sie einem auffallen. So wirkt dann manchmal doch ein Test der Kaschnitz (Oft wiederholten wir das „Steht noch dahin“).</p>
<p class="MsoNormal"> Ewiges Schicksal eines Schreibers, es leider nicht gesagt zu haben, was man eigentlich sagen wollte. Das ist zum Glück nicht so schlimm, wenn man sich angestrengt hat und weiß (und damit lebt), dass es Gott gibt.</p>
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		<title>I am a man. Tutu und Shakespeares Shylock</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2007/06/13/tutu-und-shakespeares-jude-shylock/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2007/06/13/tutu-und-shakespeares-jude-shylock/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 13 Jun 2007 11:03:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere Bühnen]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich kann mir gut vorstellen, dass der Kommentator der Welt recht hatte, wenn er meinte, Desmond Tutus Rede auf dem Roncalliplatz (Köln) wird in die Kirchentagsgeschichte eingehen. Das breite betonte Englisch des südafrikanischen Bischofs und Nobelpreisträgers war mir höchst einprägsam (englische Zitate siehe hier):
 “I want to say to the leaders of the G8, ‘I [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=251&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img src="http://www.wdr.de/themen/kultur/religion/kirchentag_2007/vor_ort/tutu/_img/tutu_400q.jpg" align="right" height="225" width="301" />Ich kann mir gut vorstellen, dass der <a href="http://www.welt.de/politik/article932168/Mehr_Globalisierungskritik_als_Religion.html">Kommentator der Welt</a> recht hatte, wenn er meinte, Desmond Tutus Rede auf dem Roncalliplatz (Köln) wird in die Kirchentagsgeschichte eingehen. Das breite betonte Englisch des südafrikanischen Bischofs und Nobelpreisträgers war mir höchst einprägsam <span id="more-251"></span>(englische Zitate siehe <a href="http://www.episcopalchurch.org/81808_86686_ENG_HTM.htm">hier</a>):</p>
<blockquote><p> “I want to say to the leaders of the G8, ‘I am an African, I am a man, I am a human being … I am not an object of pity, I am not an object of charity’,” said Tutu. “I am an African, I am your brother.”</p></blockquote>
<p>Etwas ausführlicher und auf deutsch bringt die <a href="http://www.faz.net/s/RubC4DEC11C008142959199A04A6FD8EC44/Doc~EA7D9966B9E8F484B8B5C110E47CF9711~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a> das Zitat (und parallelisiert Tutus Redestil mit dem von Martin Luther King):</p>
<blockquote><p><span class="dunkelgrau fs-12 lh-16">„Ich bin ein Afrikaner.<br />
Ich bin ein Mann.<br />
Ich bin ein Mensch.<br />
Ich bin kein Objekt, das Almosen braucht.<br />
Ich bin stolz.<br />
Ich bin kein Objekt, das Mitleid braucht.<br />
Ich bin nach dem Ebenbild Gottes geschaffen.<br />
[...]<br />
Ihr Führer mögt fragen, was ich brauche, was ich will.<br />
Nun, ich frage euch: Was braucht ihr denn?<br />
Ich will das gleiche. </span></p>
<p><span class="dunkelgrau fs-12 lh-16">Ich bin ein Kind Gottes, ich bin kein Stiefkind Gottes.<br />
Ich bin ein Afrikaner &#8211; ich bin euer Bruder.“</span></p></blockquote>
<p>Tutu zieht daraus die Folgerung:</p>
<blockquote><p>“We can survive only together, we can be free only together, we can be prosperous only together, we can be human only together” <span class="dunkelgrau fs-12 lh-16"></span></p></blockquote>
<p><img src="http://www.randalldukkim.com/images/shylock.jpg" align="right" height="289" width="205" />Eine ähnliche Rede wie Tutu führt der verachtete und gekränkte Jude Shylock in Shakespeares Kaufmann von Venedig im Munde (dritter Akt, erste Szene), den ich tags darauf ebenfalls am Kirchentag von einer außergewöhnlichen Schultruppe sah. (<a href="http://www.ebs-elmshorn.de/ags/agsindex.htm">Theater AG der Elsa Brandström Schule</a>, <a href="http://www.abendblatt.de/daten/2007/05/10/737964.html">Elmshorn, bei Hamburg</a>. Ich zitiere nach dem deutschen Internettext <a href="http://www.digbib.org/William_Shakespeare_1564/De_Der_Kaufmann_von_Venedig?k=Dritter+Aufzug">hier</a>.) Zunächst der Kontext, Shylocks existentieller Ärger über den Kaufmann Antonio:</p>
<blockquote><p>Er hat mich beschimpft, mir &#8216;ne halbe Million gehindert; meinen Verlust belacht, meinen Gewinn bespottet, mein Volk geschmäht, meinen Handel gekreuzt, meine Freunde verleitet, meine Feinde gehetzt. Und was hat er für Grund!</p></blockquote>
<p>Es folgen die Worte, die mich so an den klein gewachsenen Bischof Tutu erinnerten</p>
<blockquote><p>Ich bin ein Jude.<br />
Hat nicht ein Jude Augen?<br />
Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften?<br />
Mit derselben Speise genährt,<br />
mit denselben Waffen verletzt,<br />
denselben Krankheiten unterworfen,<br />
mit denselben Mitteln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dem Winter und Sommer als ein Christ?<br />
Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht?<br />
Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht?<br />
Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht?<br />
Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen?<br />
Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir&#8217;s euch auch darin gleich tun.</p></blockquote>
<p><img src="http://www.ariff.hu/_user/browser/Image/Filmek/cinephile/Orson_Welles___Shylock.jpg" align="right" height="225" width="316" />Auch Tutus Liste war im Orginal so konkret, die obigen Zitate lassen da manches aus. Jetzt freilich zu Shylocks Folgerungen. Es sind andere als die des Desmond Tutu, ich fahre in Shakespeares Text fort</p>
<blockquote><p>Wenn ein Jude einen Christen beleidigt, was ist seine Demut? Rache. Wenn ein Christ einen Juden beleidigt, was muß seine Geduld sein nach christlichem Vorbild? Nu, Rache. Die Bosheit, die ihr mich lehrt, die will ich ausüben, und es muß schlimm hergehen, oder ich will es meinen Meistern zuvortun.</p></blockquote>
<p>Das ganze nochmal <a href="http://en.wikisource.org/wiki/The_Merchant_of_Venice#SCENE_I._Venice._A_street_2">auf Englisch</a></p>
<dl>
<dd>I am a Jew. </dd>
<dd>Hath not a Jew eyes?</dd>
<dd>Hath not a Jew hands, organs, dimensions, senses, affections, passions, </dd>
<dd>fed with the same food, </dd>
<dd>hurt with the same weapons,</dd>
<dd>subject to the same diseases, </dd>
<dd>healed by the same means, </dd>
<dd>warmed and cooled by the same winter and summer, as a Christian is? </dd>
<dd>If you prick us, do we not bleed? </dd>
<dd>If you tickle us, do we not laugh?</dd>
<dd>If you poison us, do we not die? </dd>
<dd>And if you wrong us, shall we not revenge? </dd>
<dd>If we are like you in the rest, we will resemble you in that. </dd>
<dd>If a Jew wrong a Christian, what is his humility?</dd>
<dd>Revenge. </dd>
<dd>If a Christian wrong a Jew, what should his sufferance be by Christian example? </dd>
<dd>Why, revenge. </dd>
<dd>The villainy you teach me I will execute; </dd>
<dd>and it shall go hard but I will better the instruction.</dd>
</dl>
<p>Bin von der Rhetorik beider, von Shylock und Desmond Tutu begeistert, würde aber gerne vermieden wissen, dass die Afrikaner die Schlüsse des Shylock ziehen. Wozu kann einen die Sprache nicht verführen? Wie furchtbar, wenn jemand keine Chance sieht, fair behandelt zu werden?</p>
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