Ich, der Lehrer, bin schuld
25. Juni 2007
Margret empfahl mir einen Text, da hat sich mal wieder ein Vogel ins Aquarium verlaufen und kann tatsächlich im Wasser fliegen. Keith Johnstone stellt in Impro. Improvisation und Theater (1979) eine neue Art des Theaterspielens und Probens vor.
Die normale Ausbildung zum Schauspieler ist stark auf Konkurrenz eingestellt, und von den Schülern wird erwartet, dass sie versuchen, sich gegenseitig zu übertreffen. Wenn ich einer Gruppe erkläre, dass sie für die anderen Mitglieder arbeiten werden, dass jeder einzelne interessiert sein muss am Weiterkommen der übrigen, sind alle überrascht. Doch liegt es auf der Hand, dass jemand lieber in einer Gruppe arbeitet, die ihre Mitglieder voll unterstützt.
Wenn ich eine Gruppe neuer Schüler vor mir habe, setze ich mich (wahrscheinlich) als erstes auf den Fußboden. Read the rest of this entry »
Mit dem Leben spielen
29. März 2007
Mit dem Leben spielen – das tut nicht nur der, der Russisch Roulette spielt, der Soldat und der Widerständler gegen eine Diktatur. Es tun auch Theaterspieler und überhaupt Leute, die mit der Freude eines Spiels an alles herangehen, was sie tun. Zum Beispiel die genauen Beobachterinnen der Natur. War sehr happy, als ich zwei Jahre nach der Lektüre von „Der freie Fall der Spottdrossel“ einen Vogel sah, der irgendwo bei mir den Wohnblock herunterfiel und erst kurz vor dem Boden die Flügel aufspannte, um dann sanft zu landen. Vielleicht (nur) eine beinahe mißglückte Flugübung eines Jungvogels, der gerade aus dem Nest geworfen wird. Annie Dillard, die Autorin des Buches, damals noch keine 30 Jahre, hat in ihrer TBC-Rekonvaleszenz ein Jahr zum Spielen geschenkt bekommen, sie spielt Beobachterin der Natur. (Es scheint, dass diese Krankheit auch mit ihrem Leben gespielt hat.) Zitiere einen Text zum Abgrund des Spielens (aus „Der freie Fall der Spottdrossel“, S. 290), der Text erinnert mich an Sophie Scholls Tagebücher: Read the rest of this entry »
Was hätte man besser machen können
26. März 2007
Exkurs, weil das halt wieder ein bischen Regiearbeit war, drei vom Regieteam und fast das ganze Bühnenteam waren schließlich dabei …
Meine Nachreflexion zum Misereor-Abend und -Gottesdienst „Bilding for alle“. Mit dem Abend war ich recht zufrieden (mit einer Ausnahme um 0:45 Uhr, aber auch die Geschichte endete ja gut). Die vier Türme, die ich ja erst am Morgen sah, waren einfach toll. Read the rest of this entry »
War es so?
9. Februar 2007
In der Zeitung „Die Woche“ war ein Bericht über unsere Münchner Aufführung. Darin steht richtigerweise, dass wir frei mit dem historischen Material umgegangen sind. Nun denn: Wer geht originalgetreu mit den historischen Quellen um? Read the rest of this entry »
Wichtige Geschichten
22. Januar 2007
Die wichtigsten Geschichten, so G. B. im Gottesdienst mit uns, sind für einen Christen die Erzählungen von Jesus von Nazareth. Zum Beispiel wie er die Kranken heilte:
Der Mann mit der ausgedorrten Hand. Jesus könnte ihn irgendwo im Geheimen von seiner Behinderung heilen. Aber so wäre die Unterdrückung, das Außenseitersein, das Tuscheln, weitergegangen. Nein dieser Mann muss in die Mitte. Und dann muss er diese kranke Hand allen zeigen. Und erst dann wird er heil.
Nur weil ihnen die Geschichten von Jesus wichtig sind, bezahlen manche Leute mit dem Leben. Ich weiß zu wenig über Hrant Dink, den türkischen armenischen Christen, der am Freitag ermordet wurde. Aber er kämpfte gegen den wachsenden Rassismus und Nationalismus dort in der Türkei, vgl. die Deutschlandfunksendung Europa heute vom heutigen Montag. Und aus seinem Umkreis hört man mutige Worte
Aydin Engin will sich nicht einschüchtern lassen und will weiter für „Agos“ schreiben, der Zeitung seines ermordeten Freundes Hrant Dink:
„Es gibt ein türkisches Sprichwort, das heißt: Wer sich vor den Vögeln fürchtet, kann kein Korn säen.“
Irgendwann wird der Armenier mit der verwundeten Hand in die Mitte der Türkei und die Mitte Europas treten dürfen und man wird ihm glauben, wenn er sagt, wie es seinem Volk einst erging.
Ein Theaterstück in die Öffentlichkeit geben, schauzuspielern heißt ein wenig, seine verwundete Hand zeigen. (Hat das Ganze überhaupt einen wirklichen Zusammenhang, wenn man es unvoreingenommen ansieht? Ist da nicht manches hölzern gesprochen, die vielen Wiederholungen in den Liedern nicht recht nervig?) Read the rest of this entry »
Traumsatz, Erfolg
17. Januar 2007
Es könnte ja sein, dass wir Erfolg haben auch bei den Münchner Aufführungen. Deshalb fand ich wieder einen Satz, den ich einst auswendiglernte und wieder vergaß.
„Das einzige, was wirklich zählt, ist gläubiges Handeln“ schreibt Teilhard. „Es lohnt sich nicht, sich mit persönlichem Erfolg oder persönlicher Befriedigung aufzuhalten.“
zitiert aus Annie Dillard, Außer der Zeit (For the time Being), 1999. Sie zitiert den Jesuiten Pierre Teilhard de Chardin, Paläontologe, von dem es heißt, dass manche Päpste des letzten Jahrhunderts einerseits verboten, seine theologischen Schriften mit kirchlicher Erlaubnis zu drucken, andererseits sie gleichzeitig auf dem Nachtkästchen stehen hatten. (Auf dem ersten Blick meinte ich diese Ambivalenz auf dem Foto nebenan zu sehen, aber es sind nur zwei Fotos aufeinander. Aber vielleicht doch: Johannes Paul macht sich Gedanken über diesen seltsamen Mann.) Mich interessiert die englische Übersetzung und das wohl französische Original dieses (wohl über solche innerkirchlichen Debatten erhobenen) Zitats.
Es folgt noch kurz meine sehr unvollkommene Deutung des Satzes, wem sie gefällt und wem sie nicht gefällt, der bleibe in jedem Fall besser bei jenem Traumsatz. Sodenn: Mein Job ist es unter anderem, an euch alle, meine Spieler und das Eure zu glauben, an mich selber, ebenso wie daran, dass das Tun der Scholls Sinn machte als auch daran, dass alles gut is … den letzten Buchstaben schreib ich nicht hin, weil uns Menschen das, sollte es so sein, heute noch verborgen ist.
Griechischsplitter
23. Oktober 2006
Weil letztes Wochenende mein Griechischlehrer P. Sigisbert Schweßinger OSB gestorben ist, hier einige Gedankensplitter, die ich in der Schulzeit lernte und von denen auch das Theaterstück profitiert.
