Von der politischen Freiheit
9. Oktober 2009
Bin heute sehr dankbar, den Leipzigern, für ihr mutiges Beten und Demonstrieren heute vor 20 Jahren. Werde auch die Nobelpreisträgerin von gestern, Herta Müller, einmal lesen, die angeblich so genau den Diktatoren dieser Welt auf die Finger schaut – und indirekt das hohe Lied der Freiheit singt. Dieses Lied sei mit Reiner Kunze (aus einem Interview in Jahr 1991) angestimmt
[Interviewfrage] Haben Sie den Eindruck, dass die Menschen im Osten Deutschlands von der Freiheit, die jetzt gekommen ist, enttäuscht sind? Von der Freiheit, die sie so stürmisch wollten und nach der sie aus einer so tiefen Überzeugung heraus verlangten?
[Kunze] Diejenigen, die in diesem politischen System nahezu erstickt sind, werden die Freiheit stets als den Wert empfinden. Aber hat denn die Mehrheit der Menschen tatsächlich die Freiheit gewollt? Die Menschen in der DDR haben nicht wissen können, was das ist, die Freiheit zu wollen. Sie haben geglaubt – nicht alle, ich weiß -, Freiheit sei etwas, das man ohne Gegenleistung erhalten kann. Sie haben eine Freiheit ohne Risiko erwartet. Eine Freiheit, die man, wie soll ich sagen, abheben kann bei Bedarf. Eine verwaltete Freiheit. Eine bequeme Freiheit. Da kann ich nur sagen: Nichts ist unbequemer als die Freiheit. Aber auch nichts ist begehrenswerter.
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Kränkungen
15. Mai 2009
… bin irgendwie gekränkt, dass ich damit rechnen muss, dass ich die nächsten Jahre nicht zum Theatermachen kommen werden. Unangenehm, dass man eine solche Eigenschaft hat und sie an sich selber feststellen muss. (Zum Glück denk ich das nur manchmal.)
Es hilft das doch auch Erfüllende, was ich im Moment tue und vielleicht ein bischen Dialektik. Weiß nicht, ob der Begriff der Menschenwürde, der in der Bundesdeutschen Verfassung, so wichtig ist, auch den Widerständlern so zentral war. (Bin diesbezüglich gerade auch zu weit weg von den Weiße Rose Leuten, dass ich mich erinnerte.)
Reich ist man nicht durch das, was man besitzt, sondern mehr noch durch das, was man mit Würde zu entbehren weiß. Es könnte sein, dass die Menschheit reicher wird, indem sie ärmer wird, indem sie gewinnt, indem sie verliert. (Immanuel Kant)
Begeisterung
9. Januar 2009
Martin Buber hat, soweit ich weiß, in deutscher Sprache die Rabbi-Geschichten des osteuropäischen Judentums gesammelt. Ich zitiere den Anfang seiner Einleitung der „Erzählungen der Chassidim“ (einige Auszüge hier). Aber es gilt für alle Kunst, für die die sie schaffen, und für die, die sie produzieren.
Dieses Buch will seinen Leser in eine legendäre Wirklichkeit einführen.
Ich muss sie legendär nennen, denn die Überlieferungen, denen es die ihnen angemessene Form zu geben unternommen hat, sind nicht chronistisch zuverlässig. Sie gehen auf begeisterte Menschen zurück, die in Erinnerungen und in Aufzeichnungen festgehalten haben, was ihre Begeisterung wahrnahm oder wahrzunehmen glaubte, also sowohl manches, was sich zwar begeben hat, aber nur von dem Blick des Begeisterten zu erfassen war Read the rest of this entry »
Moltkes Jugend
11. August 2008
Ein Buch, das unsere Idee bei einem anderen Widerständler aufgreift: Jochen Köhler verstarb, als er den ersten Teil seiner Biographie „Helmut James von Moltke. Geschichter einer Kindheit und Jugend“ fertiggeschrieben hatte. Hörte die DLF-Rezension in Andruck (leider nicht im Netz), die ZEIT lobt in höchsten Tönen und beschreibt auch ein Ideal einer Bühnenbearbeitung:
Der Autor, von Haus aus kein gelernter Historiker, bedient sich einer biografischen Methode, die sich nicht den strengen Kriterien der Wissenschaft unterwirft, sondern sich zu ihrer Subjektivität bekennt. Read the rest of this entry »
Wann zuletzt Verstecken gespielt?
31. März 2008
Nach dem „Musical“ oder der Kantate „Emmaus“ der Türkheimer (Wegzeichenchor u.a. mit der Michi, Sprechrolle, Gerhard sang als „der Fremde“, jüngster Spieler sein Sohn Johannes, insges. schätze ich 100 Mitwirkende) sagte ich gestern, ich hätte große Bedenken, Auferstehung auf die Bühne zu bringen. Heute würde ich das Gegenteil sagen: Sind es nicht gerade die Geschichten vom auferstandenen Jesus, in denen Jesus den Seinen zuruft: „Fangt mich doch!“. Wie im Kinderversteckspiel, beim Ostereiersuchen: ihr habt wohl gedacht, vor dem Grab stünden Wachen. Ha, die sind eingeschlafen. Read the rest of this entry »
Stücksuche
23. Januar 2008
Suche nach einem Theaterstück – für Amateurbühne. Damit sich andere Leute leichter tun ich wir uns schon mehrmals taten. Sehr viele Stücke gibt es beim Verband Deutscher Bühnen- und Medienverlage. Read the rest of this entry »
Weiße Rose Theaterstücke
11. Januar 2008
Da gibt es schon längere Zeit ziemlich viel. Zunächst diejenigen, die ich gesehen habe
- am Kirchentag Berlin 2003: Story und Intensivität wie der Kinofilm 2005: „SOPHIE SCHOLL: Ich würde es genau so wieder machen“ von Elmar Marx und Marie-Luise Glahe für URBAN ART. Tolle Amateurgruppe.
- Mirjana Angelina: „Sophie Scholl – Widerstand des Gewissens… um des Lebens Willen“ gespielt vom Gospel Art Studio 2005 in der Ludwigsstraße München (6 Personen) mit Referenzen von überlebenden Weiße Rose Angehörigen hier.
Stauffenbergs Schwur
15. November 2007
Stauffenbergs Schwur
Eine theatralische Annäherung.
Nach dem dokumentarischen Stück von Andreas Vogt Mitarbeit: Ida Ott.
für 4 Schauspieler, darunter einer mit Cello
Ein neues Theaterstück zu Stauffenberg, das so ähnlich wie unseres die innere Entwicklung des Widerstandskämpfers zum Thema hat, wurde gestern uraufgeführt. Hier das Theater Lindenhof Melchingen und hier eine Rezension im Münchner Merkur.
Das nächste Projekt
2. Oktober 2007
Zum einjährigen Bestehen und 20.000 Klick auf die Seite (meine sind nicht mitgezählt), ein kleiner Ausblick und Rückblick. Wir hatten die meisten Klicks in den Aufführungsmonaten November und Januar, doch jetzt seltsamerweise im September, ein Jahr nach Probenbeginn die allermeisten. Dazu tragen seltsame Dinge bei. Domis gezeichnete Hand aus dem Programm ist unter Google Bilder unter „Hand“ verhältnismäßig hoch gerankt, und manche Schüler geben „Kriegsgedichte“ ein und finden dazu einen einschlägigen Artikel.
Ein Anderer werden
14. September 2007
Man wird dadurch man selber, indem man ein anderer wird.
The only way a person can become himself is by becoming someone else.
Ein Satz für Theaterspieler, deshalb nochmal, jetzt als Buchzitat:
One cannot become oneself unless one becomes somebody else.
