Graphikkonzept und Aladins Wunderlampe
29. Januar 2007
Wir hatten ein verhältnismäßig einheitliches graphisches Konzept. Die dünn aufgetragenen Flüchtenden auf dem Plakat, der Körper aller Gestalten im Programm ist weiß gelassen. Ob das mehr etwas Chinesisches ist oder den Kohlezeichnungen (man verbessere mich, wenn das falsch ist) einer Käthe Kollwitz oder einer Tisa von der Schulenburg nachempfunden ist, kann ich nicht sagen. Sicher ist es auch original Dominik G. Im Programm malt Domi wie die letzteren Malerinnen eher die vom Schicksal gezeichneten Menschen. Anders die Vorderseite. Dort laufen wahlweise Hans und Sophie Scholl – oder Lilo Ramdohr und Alexander Schmorell – dem Betrachter davon. Sie laufen nicht mehr wie Kinder, sie scheinen das Leben zu kennen, die Frau schaut sogar bewusst und skeptisch nach hinten. Aber sie laufen leicht. Unsere gemeinsame Intension ist ja, dass sie den Titel widerspiegeln. Fangt uns doch! (Zu leicht, und zu überraschend sei dieser Schluss gewesen, so sagten uns manche Zuschauer.) Read the rest of this entry »
Wichtige Geschichten
22. Januar 2007
Die wichtigsten Geschichten, so G. B. im Gottesdienst mit uns, sind für einen Christen die Erzählungen von Jesus von Nazareth. Zum Beispiel wie er die Kranken heilte:
Der Mann mit der ausgedorrten Hand. Jesus könnte ihn irgendwo im Geheimen von seiner Behinderung heilen. Aber so wäre die Unterdrückung, das Außenseitersein, das Tuscheln, weitergegangen. Nein dieser Mann muss in die Mitte. Und dann muss er diese kranke Hand allen zeigen. Und erst dann wird er heil.
Nur weil ihnen die Geschichten von Jesus wichtig sind, bezahlen manche Leute mit dem Leben. Ich weiß zu wenig über Hrant Dink, den türkischen armenischen Christen, der am Freitag ermordet wurde. Aber er kämpfte gegen den wachsenden Rassismus und Nationalismus dort in der Türkei, vgl. die Deutschlandfunksendung Europa heute vom heutigen Montag. Und aus seinem Umkreis hört man mutige Worte
Aydin Engin will sich nicht einschüchtern lassen und will weiter für „Agos“ schreiben, der Zeitung seines ermordeten Freundes Hrant Dink:
„Es gibt ein türkisches Sprichwort, das heißt: Wer sich vor den Vögeln fürchtet, kann kein Korn säen.“
Irgendwann wird der Armenier mit der verwundeten Hand in die Mitte der Türkei und die Mitte Europas treten dürfen und man wird ihm glauben, wenn er sagt, wie es seinem Volk einst erging.
Ein Theaterstück in die Öffentlichkeit geben, schauzuspielern heißt ein wenig, seine verwundete Hand zeigen. (Hat das Ganze überhaupt einen wirklichen Zusammenhang, wenn man es unvoreingenommen ansieht? Ist da nicht manches hölzern gesprochen, die vielen Wiederholungen in den Liedern nicht recht nervig?) Read the rest of this entry »
Pantomime am Eingang
22. Januar 2007
Ein Pantomime sagt nichts, er ist schwarz und weiß, irgendwie schon so, als stünde der Tod vor der Türe… der Karmelitenkirche am Samstagabend. Für mich war es B., die am nächsten Tag ein Casting hat und als Pantomime üben muss. Nicht zu vergessen, sie muss morgen (bzw. gestern, am Sonntag) die Liebe pantomimisch darstellen. Aber zurück zur Situation, da kommst du als Schauspieler oder als Theatergast herein, und dir gibt jemand schweigend die Hand. Du weißt, man darf mit ihr nicht reden. Aber du gibst sie so zurück, es wird schon o.k. sein, schließlich gehe ich in ein Theaterspiel. Da läuft es ganz gut, dann ist Pause, sie spielen weiter und plötzlich kommt die Situation auf der Bühne. „Das war’s also. Bitte Abschied zu nehmen, Hans Friedrich Scholl.“ So spricht der Tod, er steht mitten auf der Bühne. Dann gehen sehr viele zu Hans und nehmen von ihm Abschied. „Tun auch sie dergleichen, Sophia Magdalena.“
Und du, lieber Schauspieler, lieber Zuschauer, hast diesen Handschlag auch getan. Irgendwie vergessen, was man sonst noch tun muss und sich auf die Handlung eingelassen, die so weit führt, bis Hans und Sophie Scholl keine Angst mehr vor dem Tod haben und dem, was sie eigentlich tun wollen, nichts mehr im Weg steht.
Mir sagten die Schauspieler mal, hab keine Angst, die oder den einzuladen. Schließlich lässt du das deine Leute im Stück ja selbst sagen. Und jetzt hatten wir keine Angst, das ganze in München noch einmal aufzuführen. Und jetzt am Ende darf es dann auch vorbei sein, sozusagen tot sein unser Stück (- tot aber nicht in einem schlimmen Sinn, überhaupt nicht).
Danke fürs Mitgehen an alle Mitwirkenden und unsere verehrten Zuschauer.
Wir in Kürze
12. Januar 2007
Pressemitteilung zu unserem Gastspiel:
Wie wird man jemand, der nicht mitmacht?
Geschwister Scholl Theaterstück als Gastspiel von 40 Jugendlichen
Theaterstücke zur Weißen Rose gibt es viele. Selten aber werden sie von Leuten gespielt, wie sie die Menschen der Weißen Rose selber waren: Jugendliche, Schüler und Studenten, keine Politprofis, aber ein großer Freundeskreis. So am 20. Januar (19 Uhr) und 21. Januar (14:30 Uhr) in der Karmelitenkirche München. Der Ort entspricht der Bedeutung, den Entscheidung der jungen Leute für Deutschland hatte.
Wer den jüngsten Sophie Scholl Film gesehen hat, fragt sich, wie man ein Mensch werden kann, der selbstverständlich bei Hitler nicht mitmacht und überzeugt in den Tod geht. Vor gut 20 Jahren beschrieb Verhoevens Film „Die weiße Rose“ wie die konspirative Gruppe um Alexander Schmorell und Hans Scholl entstand. Doch was hat diese Leute geprägt, dass genau sie und niemand anders in den Widerstand gingen?
Eine Theatergruppe der katholischen Jugend aus Thannhausen bei Augsburg antwortet auf diese Frage mit einem selbst geschriebenen Stück mit Liedern. Unterstützt von der Erzdiözese und der Weißen Rose Stiftung gibt sie ein Gastspiel am Ort des studentischen Widerstandes der Weißen Rose, im Zentrum der Stadt München. Das Schauspiel heißt: „Fangt uns doch. Wie es kam dass Hans und Sophie Scholl gegen die nationalsozialistische Diktatur aktiv wurden.“
Thematisiert wird die schwierige Meinungsfindung der Geschwister Scholl und ihres Ulmer Freundeskreises. Wer hat sich nicht schon selbst gefragt, warum so wenige den Nationalsozialismus durchschauten und noch weniger etwas dagegen taten? Das Schauspiel lädt zum spielerischen Umgang mit dieser Frage ein. Erlebnisse, Überzeugungen und Phantasien aus der Kriegszeit kommen auf die Bühne, ohne dass sich die Hauptakteure von ihnen voll vereinnahmen lassen. Das Stück endet dort, wo die konspirative Tätigkeit der Weißen Rose beginnen könnte.
Nach vier erfolgreichen Aufführungen im schwäbischen Thannhausen wagt die ehrenamtliche Gruppe, die sich in der dortigen Katholischen Jugend engagiert, ein Münchner Gastspiel. Die meisten Schauspieler singen im Projektchor. Die Lieder machen eindringlich bewusst, wie der Krieg die Menschen immer mehr in seine Gewalt bekommt, dass es aber auch Leute geben kann, die allen Gewalten trotzen und etwas entdecken, das ihnen zuletzt die Angst vor dem Tod nehmen mag.
Für die Vorstellungen am Samstag, 20. Januar 19 Uhr und Sonntag, 21. Januar 14:30 Uhr in der ehemaligen Karmelitenkirche (Promenadenplatz, Stadtmitte) können unter 0160/7935453 (M. Müller) Karten reserviert werden.
Eilmeldung
10. Januar 2007
Wir sind willkommen!
In München dürfen wir unser Theaterstück nochmals aufführen und zwar in der ehemaligen Karmelitenkirche.
Daten der Aufführung:
Samstag 20. Januar 2007 19 Uhr
und ein weiteres letztes Mal
Sonntag 21. Januar 2007 14:30 Uhr
Möglichkeit der Reservierung per SMS an die 0160 7935453.
Bitte Tag des gewünschten Besuches, Namen, Anzahl der Karten angeben.
Man sollte 15 min vor Beginn der Vorstellung an der Abendkasse sein. Bei Problemen Anruf bei der oben angegebenen Nummer ab etwa 1h vor der Vorstellung.
Für weitere Informationen rund um das Stück lohnt sich die Recherche im Blog.
Eine herzliche Einladung zu den Aufführungen.

Gastspiel in München?
15. Dezember 2006
Wir spielten, dass das Entscheidende im Inneren in Schwaben passiert ist. Es wäre jetzt attraktiv an dem Ort zu spielen, an dem das entscheidende Handeln passiert ist. (Georg stellt schon seit geraumer Zeit Photos auf die Seite „Wo geht die Reise hin?)
Es könnte sein, dass wir unser Stück in München noch einmal aufführen. Im Auge ist der 20. und/oder 21. Januar 2007. Read the rest of this entry »
Zeitungsbericht Mindel- und Zusambote
7. Dezember 2006
Matthias Zimmermann hat mir dankenswerterweise seinen Artikel über unser Theaterstück, wie er im Mindel- und Zusamboten veröffentlicht wurde, zugeschickt. Mit seiner Erlaubnis darf ich ihn hier veröffentlichen.
Leben in Wahrheit
Katholische Jugend Thannhausen begeistert mit anspruchsvollem Theaterstück
Was hält das Stück zusammen?
5. Dezember 2006
Das Stück hat vielleicht eine dreifache Klammer. Dem Schlusslied entspricht ein Anfangslied. Der Kaschnitz Text lässt die Frage offen, was in der Zukunft passiert. Das Schlusslied kümmert sich nicht mehr darum: Es versucht einen weiten und doch liebevollen Blick, dass die Sänger vor nichts mehr Angst haben müssen – und gleichzeitig lenkt es den Blick nach innen.
Eine zweite Klammer ist die Sorge um die Behinderten, was meines Erachtens ein zentrales Motiv für den Widerstand der weißen Rose war. Lisl und Sophie sprechen das bei der Autofahrt an, Schurik spornt Bischof Galens abgeschriebene und verschickte Predigt zum eigenen Handeln an. Ich habe mich sehr gefreut, dass wir immer Menschen mit Handicap in den Vorstellungen hatten. (Unvergessen Josefs Lachen, als ich als Stadtstreicher am Boden liegend zu husten anfing. Und dass mir Susanne stolz erzählte, sie seinen hier zu zweit, aber ohne Betreuung.)
Die dritte und drittletzte Szene verklammert, so hab ich mir sagen lassen, die Verbindung zu Faust. Dass zunächst der Prolog im Himmel kommt, ist ja noch klar. Aber dass die soldatische Trinkszene samt Verwandlung an Auerbachs Keller erinnert, das war mir nicht bewusst.
Was klammert das Stück sonst zusammen? Was ist die Grundstimmung, die vermittelt wird? Read the rest of this entry »
What kind of music?
5. Dezember 2006
Erstmal, unsere Musik wurde recht gelobt. Am Weihnachtsmarkt haben wir schon manche CD verkauft. Die Leiterin des Türkheimer Wegzeichen Chors schrieb uns (zum ganzen Projekt) sogar eine Postkarte, das war uns eine große Ehre. Als Kommentar kam, dass die Lieder einerseits zum Erholen und Genießen gewesen seien, andererseits hätten sie die Handlung intensiviert. Für recht viele haben sie in den Handlungsablauf hineingepasst, freilich nicht für jeden jedes Lied. Unser Theaterabend war schließlich auch nicht extra kurz, immerhin weniger als drei Stunden mit Pause. Aber wir sind stolz auf viele Gäste, die uns gegenüber anmerkten, wie intensiv sie dabei waren und kaum merkten, wie die Zeit verging.
Eindrücklich in Erinnerung blieb so manchen die Gesten wie die zum Text „Hackt er wieder“. Read the rest of this entry »
Kommentare zur Uraufführung
20. November 2006
Hast du, lieber Zuschauer, die weiße Rose gefangen? – ich wünsch dir, du hast sie noch nicht…
Den schönsten Kommentar bekam ich schon, bevor das Stück auf der Bühne war. Ich kannte meinen Großvater väterlicherseits nicht, er ist Jahre vor meiner Geburt gestorben, bis über die 70 Jahre hinaus war er in der Schmiede tätig gewesen. Nach dem Krieg war er als Nicht-Parteimitglied ein Jahr Bürgermeister in Thannhausen gewesen. Mein Vater sagte mir, als er das Stück gelesen hatte: „Dein Großvater wäre stolz auf dich.“ Ich habe bei den lebenden Schwestern meines Vaters nachgefragt, ob das stimme. Sie sagten: Ja, dein Großvater war ein politischer Mensch.
Die folgenden Kommentare sind für Leute, die unser Stück gehört und gesehen haben, wer es nicht kennt, lese z.B. zunächst hier den Inhalt des Stückes.
