Logik der Träume
8. September 2009
Wer denkt logisch im Traum? Und doch ist diese Logik Inspirationsquelle, für Israels Sohn Josef im fernen Ägypten, für den blinden Homer. Ein paar bemerkenswerte Traumbeobachtungen stehen bei Sten Nadolny „Das Erzählen und die guten Absichten“ (Münchner Poetik-Vorlesungen von 1990). Eine davon, wie er sie anhand eines Beispieltraumes erzählt:
„Ich träumte kürzlich etwas Merkwürdiges. Rast machend auf einer Bergwanderung saß ich am Wege und nahm einen Imbiß zu mir. Da kam Hitler, einen schweren Wagen schiebend, vorbei, hielt bei mir an und sagt: ‘Mich hungert, gib mir zu essen.’ Read the rest of this entry »
Gut und böse bei Furtmeier
2. Mai 2008
Der von den Nazis suspendierte Justizbeamte Joseph Furtmeier, dem seine Freunde umgebracht wurden und der selber drei Wochen in Gefangenschaft war, schreibt einige Zeit nach seiner Freilassung am 20. August 1943 einen beachtenswerten Text. Ein recht eigenständiges und doch tiefgründiges Bild von Gott und Welt. Man bedenke freilich, dass dieser Text aus einem privaten Brief in die Schweiz nie für die Öffentlichkeit bestimmt war.
Für Gerda, die sich für Philosophie interessiert, füge ich einige Leitsätze bei, die die Tragik zum Ausdruck bringen, in der der Christ die Welt erlebt
1) Es gibt keine Selbstgestaltung der Gesellschaft aus ihren eigenen Kräften heraus. Es gib keinen Fortschritt, alle Kultur ist Tradition.
2) In der Welt ist das Böse stärker als das Gute. Read the rest of this entry »
Gemeindepower Musical
30. November 2007
Zu Nikolaus Groß gibt es ein Musical, das eine Kirchengemeinde auf die Füße gestellt hat, ursprünglich für 4 Aufführungen mit 160 Plätzen (das kennen wir ja irgendwie), alles selbergemacht; aber jetzt wirds anders: 200 Mitspieler, und jetzt wird es schon seit 1998 immer wieder aufgeführt, im Januar 2008 zum 50. Mal.
Durchgefallen
12. Januar 2007
Von so etwas wie Durchfallen oder Nachsitzen bleibt auch der Blogschreiber nicht verschont. Er ist aber in guter Gesellschaft
- Inge Scholl in der Schule, sie brach nach der 10. Klasse ab
- Hans Scholl saß zu Weihnachten 1937 im Gefängnis (in der falschen Jugendbewegung gewesen)
- Otl Aicher, als er doch zur Wehrmacht muss (obwohl er dem durch Selbstverstümmelung entgehen wollte)
- Sophie Scholl, trotz Kindergärtnerinnenausbildung muss sie zum Reichsarbeitsdienst
- Carl Muth, als ihm die Zeitschrift verboten wird
- Sophie Scholl bei Alex Schmorell (soweit ich das wenigstens beurteilen kann)
- Robert Scholl, bei der Bürgermeisterwahl mit kleinen Kindern, als er plötzlich ohne Beruf dastand, und dann nach dem Krieg, als er sich in Ulm von den Bürgen hätte bestätigen lassen wollen
- Robert und Magdalena, als sie ihre Kinder kurz vor der Vollstreckung des Todesurteils noch mal sehen dürfen. (ähnlich ergeht es Inge, Werner und Elisabeth Scholl)
- Werner Scholl, wahrscheinlich beim Desertieren von der Truppe durchgefallen, er kam jedenfalls nicht lebend aus dem Krieg zurück
Der Höhepunkt an Versagthaben ist, wenn Jeanne d’Arc kurz vor ihrer Hinrichtung jemand erscheint, der ihr nachweist, dass alles was sie im Namen Gottes zu tun meinte, nur Einbildung und nichts war. Und dass auch alles andere nichts wert war. In allem diesem Durchfallen, so sagt man doch gerne, steckt irgendwie „der Teufel“, oder nicht?
Entdeckte eine theologische Filmkritik von Martin Löwenstein, die ich dann weiter unten zitiere. Jeanne d’Arc erscheint im Film „Johanna von Orleans“ (Luc Besson, 1999) kurz vor ihrer Verbrennung eine Gestalt (Dustin Hoffmann), die in den Beschreibungen als ihr Gewissen beschrieben wird. Löwenstein nennt sie „den Religionspädagogen“, der behauptet, sie habe sich ihre Berufung nur eingebildet u.a.. Löwenstein bedauert, dass diese Erscheinung, so recht sie auch haben mag, nicht als Teufel entlarvt wird:
„Der Teufel in Gestalt des Religionspsychologen, der Versucher als Lichtengel, der mit lauter guten und richtigen Argumenten die Seele an sich zieht, bis vor lauter geschwätziger Weisheit das Zentrum vergessen ist: Gott. Denn natürlich hat „das Gewissen“ recht, wenn es all die „Zeichen“, die Johanna für ihre Berufung gesehen hat, auf „natürliche“ Ursachen zurückführt. Diabolisch und perfide, wie es dem Gewissen gelingt, wiederum ganz korrekt, daran die Schuldverstrickung der Johanna zu knüpfen. Aber der Schluss, den „das Gewissen“ daraus zieht, der Trugschluss, dass Gott uns in dieser Gewalt und dieser Schuld allein gelassen hat und die Freiheit des Menschen in der Aufklärung über seine psychischen Tiefenstruktur bestünde, entlarvt dieses „Gewissen“ für mich als Versucher. „Weg mit dir, Satan!“ wäre die einzige angemessene Reaktion auf diese Versuchung. Denn die Freiheit besteht darin, mich ganz, mit meiner Schuld, aber ohne an Gottes Gegenwart in meiner Lebensgeschichte zu zweifeln, seinem Willen zu überlassen. Wenn Johanna mit dem Blick auf das Kreuz stirbt, wird genau dieser Faden wieder aufgenommen. Wie schade, dass die Entlarvung des „Gewissens“ fehlt. Dustin Hoffmann wäre ein guter Versucher gewesen.“
Was ist der Mensch?
4. Januar 2007
Zum Anfang des neuen Jahres hier etwas über die Geschichte vom Anfang, oder eben von Adam und Eva (oder von Ödipus, siehe erstes Bild):
Warum verwandeln sich die Menschen unter dem grünen Tuch in Adam und Eva, das ist doch eine ganz andere Geschichte? – Ja meint ihr denn, die Bibel erzählt von Adam und Eva, weil die vor 5.000 oder 50.000 Jahren gelebt haben? Das tut sie nicht, sondern die biblische Erzählung ist ein Mythos wie die Geschichte von Ödipus, der Gilgameschepos und die Geschichten von der Entstehung der Welt in fast allen Kulturen. Ein Mythos ist keine historische Erzählung, sondern eine erfundene Geschichte, die Antwort auf eine Frage gibt, die sich in der Zeit ihrer Leser stellt und die heute beantwortet werden muss. Die Geschichte von Adam und Eva ist eine erzählerische Antwort auf mindestens zwei Fragen: (i) Was ist die Grundsituation des Menschen? Und (2) Was ist das Böse?
Ich sage selten Vaterland
16. Dezember 2006
„Meister, ich weiß was: Deutschland.“
„Tölpel, was hast du gesagt? – Deutschland?“
In diesen Sätzen (wer unser Stück kennt, weiß den Zusammenhang dort) in diesen kurzen Sätzen steckt der zurückgenommene Patriotismus der Deutschen. Auch ich bin so aufgewachsen. Es ist nett, Fußballfan der Nationalmannschaft zu sein. (Ich war es als Kind und Jugendlicher viel mehr als jetzt, wo es heißt, es sei mit der Weltmeisterschaft ein großes Nationalgefühl entstanden.) Aber wir Deutschen übertreiben das nicht. Wir rüsten nicht so sehr, dass wir mit Frankreich oder England, Ländern von derselben Größe, konkurrieren könnten. (Das Gerangel um den ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat war mir peinlich, ich bin für einen Sitz der EU.) Eher als mit militärischer Macht zu prahlen lassen wir uns ein bisschen durch die USA beschützen. Bei anderen Nationen wollen wir durch unsere Leistungen überzeugen, nicht weil wir Deutsche sind und Deutsche was Besonderes sind. Wir hatten immer Bundeskanzler mit einem großen Herzen für Europa.
Es gab Zeiten, in denen Patriotismus in Deutschland selbstverständlicher und eindeutiger war. Read the rest of this entry »
Orientierungshilfe für Deutschland
20. Oktober 2006
Der beste Text von jemand, der nicht im Umfeld der weißen Rose dabei war und doch über sie schrieb, ist meines Erachtens der Aufsatz von Inge Jens: Über die ‚Weiße Rose’. in Die neue Rundschau 95.I. 1984, Seiten 193-213. Der Aufsatz entstand im Zusammenhang mit der Herausgabe der Briefe und Tagebuchaufzeichnungen von Hans und Sophie Scholl, den diese Germanistin zu verantworten hatte. Er endet mit folgendem Fazit
Wie immer man […] den Aufstand der „Weißen Rose“ beurteilen mag […] eines scheint gewiss: Der Neubeginn in einem demokratischen Deutschland nach 1945 wäre orientierungsloser gewesen, hätte es nicht diese Gruppe gegeben, Read the rest of this entry »
Tyrannei der Gewöhnlichkeit
17. Oktober 2006
Habe ein Zitat entdeckt, unter dem ich früher mal geschrieben habe: So sollen die Teufel auftreten. Susanne (Suse) Hirzels beschreibt die Stimmung in der Diktatur. Ich zitiere aus ihrem Buch „Vom Ja zum Nein“ (2000, Seite 101), Hervorhebungen von mir:
Man sprach vom „Radfahrer“, der nach unten tritt und – wenn er ehrgeizig ist – nach oben katzbuckelt und sich bei jeder Gelegenheit, etwas durch Denunziation, rühmlich hervortut. Es war ein Parteisystem, das automatisch mit jedem Jahr zunehmend den Schlamm von unten nach oben beförderte und den wahren Charakter mancher Menschen erst zur Entfaltung brachte. So war allmählich der Bettelmann auf aufs Roß gekommen, auch zuweilen der brutale Maulheld. Dazuhin verrohten die Menschen durch die tägliche wüste Judenhetze. Es herrschte die Tyrannei der Gewöhnlichkeit. Bis zur Kenntlichkeit hatte ein Verrat stattgefunden an dem ursprünglichen Ideal, „Qualität in allen Schichten“ hervorzubringen. So bestimmte weithin eine pöbelhafte Minderheit den Ton im öffentlichen Leben. Dumme, oft ordinäre und arrogante Sprücheklopfer hatten das Sagen in der Partei und bestimmten zusammen mit Journalisten weithin den Ton im öffentlichen Leen. Es war überall dieselbe Einheitssprache, die sich selbst rühmte und auf andere spuckte und sie bedrohte.
Auch Pfarrerstochter und spätere Cellistin Suse fühlte sich ein bischen elitär. Der Vater ist zwar kein psychisch starker Mann, aber gegen das System. Sie selber ist als eines von ganz wenigen Mädchen auf dem humanistischen Gymnasium. Während der gemeinsamen Zeit auf der Kinderpflegeschule mit Sophie übt sie schon einen großen Teil ihrer Freizeit am Instrument, damit sie einmal Musikerin werden kann.
Tyrannei der Gewöhnlichkeit heute? Mag es geben… ein Gegenmittel aus obigem Text: seine eigene Sprache entwickeln (auch wenn man nicht von allen immer verstanden wird)? – wohl nicht im Sinne, dass jeder seine eigene Dichtersprache haben sollte – sondern, dass jeder wahrhaftig das auszudrücken bemüht, was ist.
Was tragen Teufel am Leibe?
4. Oktober 2006
A. Die meisten Teufel in der Literatur der letzten Jahrhunderte sind männlich und in Anzug und Krawatte gekleidet, und doch irgendwie heruntergekommen. So passt es schon auf Mephisto in Goethes Faust (den man freilich auch anders auf die Bühne bringen kann), auf den Teufel des Iwan Karamasoff (in Dostojewski: Die Brüder Karamasoff), und den des Adrian Leverkühn (bei Thomas Mann in „Doktor Faustus“). Für mich sind diese Teufel Managertypen, ähnlich wohl auch denen bei Adalbert von Chamisso (im „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“) und bei Bulgakow („Der Meister und Margaritha“, ein Buch, das ich nicht verstehe). Auch jüngst in den Matrix-Filmen, wenn man Agent Smith als Teufel verstehen will.
Ich weise hier nicht alles nach, aber zitiere zumindest zwei Stellen. Zunächst zitiere ich meinen Lieblingsroman. Der 24-jährige Iwan K. sitzt mit hohem Fieber allein im Zimmer.
Dort saß plötzlich jemand! Wie und wann er hereingekommen war, das mag Gott wissen […] Es war irgendein Herr oder besser gesagt, ein bestimmter Typ von russischem Gentleman, nicht mehr jung an Jahren, einer ‚qui frisait la cinquantaine’, wie die Franzosen sagen, dessen dunkles, ziemlich langes, noch dichtes Haar und keilförmig geschnittenes Bärtchen erst wenig grauuntermischt waren. Er trug einen kurzen, augenscheinlich vom besten Schneider gearbeiteten, aber schon ziemlich abgetragenen braunen Rock, ein Kleidungsstück, das ungefähr vor drei Jahren gearbeitet sein mochte und bereits ganz aus der Mode gekommen war, so dass diese Art Röcke von tonangebenden reichen Herren seit etwas zwei Jahren nicht mehr getragen wurden.[…] Mit einem Wort, das äußere hatte den Anschein von Wohlanständigkeit bei äußerst knappem Taschengeld. (Die Brüder Karamasoff, Übertragung E.H. Rahsin, Serie Piper, 1952, S. 1036)
Typisch für einen Teufel ist eine hohe Verwandlungsfähigkeit, aber es bleibt gern etwas derb snobistisches. In den ersten beiden Goetheschen Faustszenen im Studierzimmer gilt nach Erich Trunz:
Während Mephistopheles [zunächst] als fahrender Schoastikus [Student] aufgetreten ist, erscheint er [in der zweiten Szene im Studierzimmer] in der Kleidung eines Adligen.
B. Im Faust sind freilich auch die klassischen Teufelsattribute präsent, wie sie aus mittelalterlichen Theaterspielen und Schriften übernommen wurden, und auch mir zuerst für einen Teufel einfallen: ein Bocksbein, häßlich, Behaarung, ein Schwanz, Hörner, die Farben schwarz und rot. Solche Teufel treten in den Vorläufern von Goethes Faust auf, die Mythenforscher kennen auch einen griechischen Gott mit einem Bocksbein, den Pan. Im Jedermann (im Mittelalter und bei Hofmannsthal) tritt so ein Teufel auf, so kann man sich im Fasching als Teufel verkleiden.
Wenn man diese Verkleidung kennt, versteht man die Managerteufel leicht so, dass die gewalttätig und sexuell aggressiv zerstörerischen Attribute in den obigen literarischen Texten von außen nach innen gewandelt sind. – Bleiben sie bei Dostojewski nicht auch noch außen – nur in anderer Form? Was bei Dostojewski freilich wegfällt, ist das verspielte und manchmal sogar schon kuschelige Äußere: dass man von Teufelchen reden kann, wenn man sich Hörnchen aufsetzt. Dass man im Fasching sich als Teufel verkleiden kann, ohne böse zu sein.
C. Eine dritte Variante versucht noch viel radikaler als die Literaten das Äußerliche, das leicht ins Verspielte tendiert, wegzulassen: In Musicals ist es üblich, Teufel als schwarze Gestalten auftreten zu lassen, manchmal als Fledermaus- oder Vampirvarianten, manchmal als Punks oder Rocker. (Kann mir jemand Stücke oder Inszenierungen schrieben, in denen das so ist?)
Was für Teufel haben wir in unserem Stück? Managertypen – Typen wie den griechischen Gott Pan – oder dunkle Gestalten? Für die erste Interpretation spricht die Organisation der Teufel mit IT-Chef und Oberkommissar, für die dritte die schwarzen Pläne des Mephisto, offensichtlich in der Szene, in der er selber in Sophies Traum eingreift und den totalen Krieg entfacht. Für die zweite Interpretation, dass es sich bei den unseren um sehr menschliche und etwas verspielte Teufel handelt, spricht meines Erachtens am meisten. Das heißt aber nicht, dass wir sie mit den klassischen Attributen ausstatten wollen, das wäre (bei unserer Stückkonzeption wohl Kitsch).
Die zugrunde liegenden Erzählungen für unsere Teufel sind meines Erachtens die die dummen Teufel in den Märchen. Sie werden durch Bauernschläue überwunden. (Zum Beispiel im Brüder Grimm Märchen: Der Bauer und der Teufel).
Märchen werden nun zwar oft illustriert, und zwar in Kostümierungen vom Typ B – aber ich denke, das ist eine Zusatzinterpretation, die durch den Text nicht gerechtfertigt ist. Ähnlich doof, wie wenn man statt dem „Kupper, knupper, kneischen, wer knuppert an meinem Häuschen“ der Brüder Grimm „Knusper, Knusper, Knäuschen“ sagt. – Ich denke, wie man sich einen Teufel im Märchen vorstellt, da ist man ziemlich frei… Nur leider weiß ich jetzt immer noch nicht, was die Teufel in unserem Stück tragen sollen.
Warum kommen Teufel im Stück vor?
4. Oktober 2006
Charly (die jetzt leider nicht mehr mitspielen kann) schrieb mir im Frühjahr, als sie das Stück zum erstenmal gelesen hatte eine e-mail und fragte, was das mit den vielen Teufels solle. Meine Antwort wurde eine Art Zusammenfassung des Stücks (wenn auch nur aus einer Perspektive):
Die Teufel haben eine Entdeckung gemacht. Sie meinen, dass sie einen Plan Gottes herausbekommen haben und dann vielleicht etwas Gutes verhindern können.
Eigentlich redet Gott nicht mit ihnen, aber es gibt besondere Situationen, in denen sie vielleicht seine Pläne erfahren: Wenn jemand ein Theaterstück schreibt oder es aufführt, in denen ein Schauspieler-Teufel mit einem Schauspieler-Gott redet.
Die Teufel meinen nun, dass die Rose, die der Schauspieler von DER HERR in der Hand hat, darauf hindeutet, dass auf der Welt, die eigentlich ihr teuflisches Reich ist, irgendetwas aufblühen soll wie diese Rose. Sie wollen herauskriegen, was das ist und es dann verhindern.
Ihre Vermutung scheint richtig zu sein, weil sie einen Engel finden, von dem sie weiterführende Informationen rauspressen können.
Dann haben sie einen dreistufigen Plan um das „Aufblühen“ der weißen Rose zu verhindern (und das heißt zu verhindern, dass aus Hans und Sophie Scholl herausragende Menschen werden)
- sie einschüchtern dadurch, dass sie die Gestapo kurzzeitig gefangen nimmt
- sie einschüchtern durch den Krieg und böse Träume dazu
- sie einschüchtern dadurch, dass sie sie in ihr eigenes Inneres führen und mit dem Tod konfrontieren
Die ersten beiden Strategien klappen nicht, die letzte hat eine paradoxe Wirkung: Hans und Sophie erleben sowohl richtige Verzweiflung als auch, dass es neben oder hinter dem Tod ein großes Fest gibt. Bei diesem Fest sind die Teufel nur Zuschauer und hängen wie Bettler herum.
Schlussszenen:
Die sonst recht schüchterne Sophie kann nach dem Fest ohne Angst auftreten und sieht die Welt wie sie wirklich ist: z.B. Soldaten, die sich wie Schweine verhalten.
Andererseits bekommen die Teufel in der Gestalt von Stadtstreichern heraus, was die weiße Rose wirklich sein wird, nämlich ein Flugblattschreiben gegen Hitler. Jetzt wissen sie, dass es ein leichtes ist, die Gruppe dem Henker auszuliefern. Dennoch werden sie vom fröhlichsten Weiße Rose Mitglied Alexander Schmorell angeschmiert.
Irgendwie darf man die Teufel nicht so ernst nehmen, sie blödeln ja nur rum. Aber hinter dem Blödeln verbirgt sich eine Strategie: sie wollen alles durcheinander bringen.
Die eigentliche Dynamik des Stückes bekommen sie nicht mit: dass da jemand soweit kommt, für die Menschen, die unter Hitler leiden müssen, sein Leben einzusetzen. So enden viele Bauer-Teufel Geschichten. Eigentlich ist der Teufel immer der Dumme.
Die Teufel sind aber auch ein Kontrast. Sie stehen für das Gewöhnliche, die Masse, von der sich die Scholls gerade absetzen wollen.