Der Philosoph
22. April 2008
Josef Furtmeier (1887-1969) war guter Freund des Hans Scholl, der Sophie Scholl, des Christl Probst, von Proffessor Huber, vermittelt wohl über Carl Muth oder die klassischen Konzerte. Glaube nicht, dass er im aktiven Widerstand dabei war – sicher hat er geistig gut dagegengehalten, nicht umsonst hatte er im Freundeskreis den Spitznamen „der Philosoph“ (die besten Rezensionen: DLF und Jakob Knab)
Ein erster Zugang, werde wohl noch mehr dazu schreiben: Furtmeier ist vom Typ her ein Grantler. Die Menschen sind geistlos, ein Viertel der Deutschen, so schreibt er 1946, seien unbekehrbare Nazis. Am besten, ich lebe zusammen mit vielen Hunden und Katzen auf dem Land. Da ist so vieles ähnlich den Scholls, und doch sind die Auswirkungen anders. Warum ist er so selten begeistert? Von ganz einfachen Dingen begeistert, etwa von seinen Hunden und Katzen? Read the rest of this entry »
Hitler als Antichrist?
18. März 2008
Dezember 1942, es geht ums Grundsätzliche. Ich zitiere eine Zankel-Rezension von Jakob Knab:
An einem Sonntag im Advent 1942 trafen sich einige Freunde der »Weissen Rose« mit dem katholischen Kulturphilosophen Theodor Haecker. [...]. Hier meine Darstellung dieser Schlüsselszene: Die Frage kam auf die »Heraufkunft des Antichrist«. Haecker, darauf vorbereitet, las zunächst die entsprechende Bibelstelle (2 Thess 2, 1 – 12) vor und gab dann eine Deutung im Sinne des englischen Theologen John Henry Newman (1801 – 1890), indem er seine eigene Übersetzung von Newmans Oxforder Predigt »Die Zeiten des Antichrist« vortrug. Hans Scholl protestierte gegen diese religiös-eschatologische Deutung: »Der Antichrist kommt nicht erst, er ist schon da!« Read the rest of this entry »
Fast rauschhafte Freiheit
9. Juli 2007
Der Ruf des Hans Scholl nach Freiheit war wahrscheinlich nicht nur eine Hoffnung für Deutschland. Ich denke, dass eine Art Freiheit auch in seinem Inneren lebte. Um zu erläutern, was ich meine, ein Zitat von Ruth Pfau, auf die ich ja schon öfter in diesem Blog hingewiesen habe. Man muss wissen sie ist Ärztin in der pakistanischen Millionenstadt Karachi (mehr Bilder hier); als Jugendliche (*1929) noch die Bombadierungen von Leipzig am eigenen Leibe mitbekommen. Read the rest of this entry »
Wie Jesus aussah
21. März 2007
„Mir ist Christus neu geboren“, schreibt Hans Scholl begeistert zu Weihnachten 41/42 (an Carl Muth, von dem er ein Bild des Grabtuches erhalten hatte, und ähnlich an Rose Nägele). Damit zu tun hat seine Begeisterung für das sogenannte Grabtuch von Turin. Es war eine ziemliche Sensation, als man 1898 dieses altehrwürdige Tuch, dessen Existenz man bis ins Mittelalter zurückverfolgen kann, auf dem man kaum etwas sah, zum ersten Mal fotographierte. Das Negativ zeigte einen gefolterten und gewaltsam zu Tode gebrachten Menschen, anatomisch so exakt, wie es kein Maler der Mittelalters gekonnt hätte. Die Art der Hinrichtung verweist auf die Römerzeit, sie entspricht nicht den Richtlinien der darstellenden Kunst und der Literatur über den gekreuzigten Jesus. Read the rest of this entry »
Flugblätter schicken: Eine Fehleinschätzung?
7. November 2006
Es wurde auch nach dem Krieg viel Kritik am Vorgehen der Widerständler in der Weißen Rose geübt. Das geht soweit, dass man auch in christlichen Blättern, die darauf hinwies, dass ihr Widerstand nicht ethisch einwandfrei war. Wenn man eine solche Bemerkung macht und daneben verschweigt, dass auch das Verhalten der meisten deutschen Bischöfe nicht gerade ethisch einwandfrei war, ist das nicht fair. (Immerhin ist schon recht hoch einzuschätzen, dass solche Artikel das allgemeine Schweigen über Krieg und Nationalsozialismus brachen.)
Andererseits wird da immer wieder auf ein Dilemma hingewiesen. Als die niederländischen Bischöfe gegen die Abtransporte der Juden einschritten, wurden als Antwort selbst die Juden, die irgendwie von Christen versteckt werden konnten (wie Edith Stein, die damals in einem niederländischen Kloster war) in die KZs gebracht – und faktisch vielleicht niemand geholfen.
Eine, die es wissen muss, ist Sophies Freundin Susanne Hirzel. Sie war zum Teil bei den Aktionen dabei war und erzählt von einem Gespräch mit Sophie und Hans Scholl im Dezember 1942, zwei Monate vor Festnahme und Todesurteil. Sie bringt ihre Meinung mit folgenden Worten zum Ausdruck:
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kriegsmaschinerie durch zivile Kräfte aufzuhalten wäre.“
An Rose Nägele: „ohne Bindung dorthin steuern, wo ich es haben will“
2. November 2006
Hans Scholl kam bei Frauen wohl recht gut an, es wird aber nicht nur im neuesten Sophie Scholl Film darüber gewitzelt, dass sich oft mehrere junge Frauen gleichzeitig als seine Freundin fühlten. Die emotional und inhaltlich tiefsten veröffentlichten Briefe schrieb er Rose Nägele, Tochter einer mit den Scholls befreundeten Stuttgarter Arztfamilie. In einem neuen Sammelband spricht Jakob Knab von Rose als der „Seelenfreundin“ des Hans Scholl. Wir zitieren im Stück einen Liebesbrief, wo Hans von ihrer „Glöckchenstimme“ schwärmt und einen anderen, in dem Hans vom Konflikt zwischen Krieg und Beziehung träumt. Auch einige Briefe um die Jahreswende 1942/43, als sich Hans von Rose lösen will, werden zitiert
Wenn die wilden Tiere ihr Gewahrsam gesprengt [haben] und unters Volk gelaufen sind, muß eben jeder, der einen starken Arm hat, nach der Waffe greifen, gleichgültig, welchen Standes und welcher innerer Berufung er ist. (Hans Scholl an Rose Nägele, 14. Dezember 1942)
Leseabende, Lektüre, Zitate
23. Oktober 2006
Ein Web-Zeitungartikel der Deutschen Tagespost bringt viele wichtige Zitate der Scholl Geschwister. Das ist dir, Domi, vielleicht eine Hilfe, wenn du für irgendwelche Werbeveröffentlichungen noch etwas brauchst.
1940 schreibt Sophie ihrem an der Front stehenden Freund Fritz Hartnagel: „Wie könnte man da von einem Schicksal erwarten, dass es einer gerechten Sache den Sieg gebe, da sich kaum einer findet, der sich ungeteilt einer gerechten Sache opfert.(…) Ob es wohl auch heute noch Menschen gibt, die nicht müde werden, ihr ganzes Denken und Wollen auf eines ungeteilt zu richten?“
Schwäbische Jugend
17. Oktober 2006
Zum morgigen Geburtstag unseres Hans Scholl Schauspielers und gewählten Mitglieds der KJT-Leitung fand ich was im Netz. Äußerlich hatten die beiden später zum Tode verurteilten Geschwister Scholl schon während ihrer Zeit in den nationalsozialistischen Jugendverbänden je etwas Auffallendes, so dass sich manche Ulmer Einwohner noch heute daran erinnern. Ich zitiere den Online-Auftritt der Stadt Ulm: