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	<title>Fangt uns doch &#187; Carl Muth</title>
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	<description>Wie kam es soweit, dass Hans und Sophie Scholl gegen die nationalsozialistische Diktatur aktiv wurden? Weblog gegründet als: Tüfteleien und Motivation zum Theaterstück der KJT 2006/07: „Fangt uns doch“</description>
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		<title>Fangt uns doch &#187; Carl Muth</title>
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		<title>Der Philosoph</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Apr 2008 17:03:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bergpredigt]]></category>
		<category><![CDATA[Carl Muth]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Scholl]]></category>
		<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Scholl]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Josef Furtmeier (1887-1969) war guter Freund des Hans Scholl, der Sophie Scholl, des Christl Probst, von Proffessor Huber, vermittelt wohl über Carl Muth oder die klassischen Konzerte. Glaube nicht, dass er im aktiven Widerstand dabei war &#8211; sicher hat er geistig gut dagegengehalten, nicht umsonst hatte er im Freundeskreis den Spitznamen &#8222;der Philosoph&#8220; (die besten [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=299&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p class="MsoNormal"><img class="alignright" style="float:right;" src="http://www.gss-bensheim.de/wrose/tyrannos.jpg" alt="" width="200" height="300" /><span>Josef Furtmeier (1887-1969) war guter Freund des Hans Scholl, der Sophie Scholl, des Christl Probst, von Proffessor Huber, vermittelt wohl über Carl Muth oder die klassischen Konzerte. Glaube nicht, dass er im aktiven Widerstand dabei war &#8211; sicher hat er geistig gut dagegengehalten, nicht umsonst hatte er im Freundeskreis den Spitznamen &#8222;der Philosoph&#8220; (die besten Rezensionen: <a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/buchtipp/446614/" target="_blank">DLF</a> und <a href="http://www.amazon.de/Weggef%C3%A4hrte-Geschwister-Scholl-Furtmeier-1938-1947/dp/3423245204" target="_blank">Jakob Knab</a>)<br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Ein erster Zugang, werde wohl noch mehr dazu schreiben: Furtmeier</span><span> ist vom Typ her ein Grantler. Die Menschen sind geistlos, ein Viertel der Deutschen, so schreibt er 1946, seien unbekehrbare Nazis. Am besten, ich lebe zusammen mit vielen Hunden und Katzen auf dem Land. Da ist so vieles ähnlich den Scholls, und doch sind die Auswirkungen anders. Warum ist er so selten begeistert? Von ganz einfachen Dingen begeistert, etwa von seinen Hunden und Katzen? <span id="more-299"></span>Erstmal aber, wie er den Ermordeten ähnlich ist:</span></p>
<ul style="margin-top:0;" type="disc">
<li class="MsoNormal"><span>Niemand von den gewöhnlichen Leuten      interessiert sich fürs Geistige. Eigentlich lohnt es NUR davon, Briefe zu      schreiben und NUR die Beschäftigung damit (vgl. Sophie: Warum haben sie      keinen Hunger nach dem Geistigen?)</span></li>
<li class="MsoNormal"><span>Insbesondere Interesse für die      verschiedensten Wissenschaften,</span></li>
<li class="MsoNormal"><span>Besuch von Konzerten und Theatern, </span></li>
<li class="MsoNormal"><span>Raucher</span></li>
<li class="MsoNormal"><span>Ringen damit, wie das Ganze von Gott her      gedacht ist, </span></li>
<li class="MsoNormal"><span>gleichzeitig: prinzipielle Sicherheit, dass      Gott es gut meint, </span></li>
<li class="MsoNormal"><span>neue Rede von Jesus: „das gotterfüllteste      Leben, das je gelebt wurde“; vgl. Sophie: der, der als einziger den geraden      Weg zu Gott ging</span></li>
<li class="MsoNormal"><span>Schriftstellerisch theologischer Rückhalt in      Autoren wie Haecker, Pryzwara.</span></li>
<li class="MsoNormal"><span>Das Problem des deutschen Bürgertums: Dass      sie sich seit dem ersten Weltkrieg aus der Politik zurückgezogen haben –      Muth hat dagegen gekämpft, Robert Scholl hat dagegen gekämpft, sein Sohn      Hans wäre aus Verantwortungsgefühl nach dem Krieg vielleicht Politiker      geworden.</span></li>
</ul>
<p><span style="font-size:10pt;">Aber gerade hier der Unterschied: Robert Scholl wollte als Bürgermeister von Ulm verzeihen, Fritz Hartnagel und auch Furtmeier kommen da nicht heran. Wie soll man jemand verzeihen, der keinen Anflug von Reue zeigt: in der Mensa wetteifern die Studenten, wer im Fronteinsatz das tollste Erlebnis hatte.</span> Sehr viele sind vor allem deshalb gern großzügig, weil weil sie eigenes Versagen verbergen wollen.</p>
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		<item>
		<title>Verpatzter Studienanfang und intellektuelles Feeling</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2007/10/18/verpatzter-studienanfang-und-intellektuelles-feeling/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2007/10/18/verpatzter-studienanfang-und-intellektuelles-feeling/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 18 Oct 2007 10:35:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Carl Muth]]></category>
		<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Sophie Scholl]]></category>
		<category><![CDATA[Theodor Haecker]]></category>

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		<description><![CDATA[Typisch für Weiße Rose Filme und Theaterstücke ist die Willkommens- und 21.Geburtstagsparty für Sophie Scholl, als sie im Mai 1942 in München ein Studium beginnt. Interessant, auf einem neuen Hörbuch zu hören, dass das heißersehnte Studium für Sophie wohl mindestens in der ersten Zeit eine herbe Enttäuschung war. Dass sie gerade mal in die Vorlesungen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=269&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p class="MsoNormal"><img src="http://www.auditorium-maximum.de/images/HB060WR_Cover-gross.GIF" align="right" height="222" width="241" />Typisch für Weiße Rose Filme und Theaterstücke ist die Willkommens- und 21.Geburtstagsparty für Sophie Scholl, als sie im Mai 1942 in München ein Studium beginnt. Interessant, auf einem <a href="http://www.auditorium-maximum.de/Shop/IndexDirekt_HB060-WR.html">neuen Hörbuch</a> zu hören, dass das heißersehnte Studium für Sophie wohl mindestens in der ersten Zeit eine herbe Enttäuschung war. Dass sie gerade mal in die Vorlesungen ging, aber nicht viel für die Uni unternahm. Von der Studentin ist nicht überliefert, dass sie eine biologische Tätigkeit faszinierte – so wie sie als Schülerin einmal das Sezieren eines Fisches im Tagebuch schildert. Erst im zweiten Semester, gleichzeitig mit wildesten Plänen für Flugblattaktionen, klingt es durch ihre Briefe durch, dass sie ein philosophisches Uni-Buch fasziniert: Leibnizens Theodizée. <span id="more-269"></span></p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.auditorium-maximum.de/images/BarEll04.JPG" align="right" height="232" width="192" />Von einem Hörbuch „Harter Geist und weiches Herz. Das intellektuelle Umfeld der Weißen Rose“ erwartete ich eigentlich nicht, dass es nicht die Geschichte des Freundschaftsbundes erzählt. Sondern ich erwarte, dass experimentell ausprobiert wird, was bei den gelesenen Autoren, gesehenen Künstlern, gehörten Zeitgenossen intellektuell mitzunehmen war – so dass man es heute selber so mitnehmen kann. (Etwas ähnliches wie das Theaterstück schreiben.) Dass so ein Hörbuch das Feeling der Arbeit an der Theodizee durch wohlausgewogene Zitate Leibnizens und den Freunden bekannten Deutern, Haecker und Kurt Huber, deutlich macht. Wohl ein übertriebener Anspruch und zudem einer, der dem Ideal der Geschichtswissenschaften, die nach Objektivität streben, kaum entspricht.</p>
<p class="MsoNormal">Interessanterweise wird Barbara Ellermeier (Foto oben), die Hörbuchautorin und gelernte Historikerin, meinem Anspruch gerade da gerecht, wo es um eine historische Schrift geht: Alfred von Martins Buch über „Burkhardt und Nietzsche“. Mit Spaß und präzisen Zitaten wird hier aufgezeigt, dass und wie in einem Buch voller Zitate längst verstorbener Menschen tatsächlich über aktuelle Politik geredet wird.</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://stud3.tuwien.ac.at/~e0226446/HP/images/namederrose.jpg" align="right" height="229" width="230" />Theodor Haecker über ein paar sarkastische Stelle einzuführen, hat etwas für sich. Es gewinnt einen für den Mann. Auch mir ist Haeckers Sprache und mancher seiner Gedanken schwer zugänglich. Die inhaltlichen Dinge werden leider nur zusammengefasst und statt weiterer Zitate wird zweimal geschildert, welch eindrückliche Erscheinung Haecker war. (Diese Schilderungen kannte ich halt leider schon.) Wenn man Umberto Ecos „Im Namen der Rose“ jüngst als Hörbuch hörte, könnte man meinen, diese ganzen apokalyptischen Vorstellungen, dass man eine Person mit dem Bösen und Antichristen identifiziere, seien einfach Esoterik – bestenfalls Esoterik für Intellektuelle. Aber die Rede davon war Inhalt der ersten Flugblätter und diese Sprache ist die Haeckers! Ich weigere mich zu behaupten, dass der große Haecker mit seiner Apokalyptik Unrecht hatte oder dass Schurik Schmorell und Hans Scholl das nur unbedacht nachgeplappert hätten oder dass es für heute keine Relevanz hat – nur weil ich es nicht verstehe. Das Hörbuch lässt das Thema beiseite, o.k. zur Verfügung standen 150 Minuten, dabei ist ein ein Augenmerk gerichtet auf einprägsame Wiederholungen der wichtigsten Inhalte und eine eingebundene Geschichte der weißen Rose, da kann man nicht tiefer bohren. Als Einführung ist es beachtenswert, zudem finden sich einige noch nicht gesehene Fotos im Booklet.</p>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal">Was fehlt ist die Darstellung des intellektuellen Umfeldes ist der Stumpfsinn der Intellektuellen der Nazizeit und das Fachidiotentum, das es zu allen Zeiten gibt. Prinzipiell eine gute Wahl, dies im Buch nicht zu sehr zu betonen. Man kennt die Sprachaufnahmen aus der Hitlerzeit nur zu gut. Ich hätte Haeckers Entlarvung der Stimme des Radio-Ansagers trotzdem in ein Hörbuch mit aufgenommen.</p>
<p class="MsoNormal">Was weiter fehlt ist eine Stichprobe der schönen Literatur oder der Poesie, die damals begeisterte. Auch ein riskantes Unterfangen, vielleicht bräuchte ein angemessenes Zitat zu viel der geplanten Zeit. (Mich aber haben Bernanos und Dostojewski begeistert, zu Thomas Mann, Claudel oder Goethe hätte man widersprüchliche Meinungen im Freundeskreis aufzeigen können.)</p>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.rieck-buch.de/shop/images/rieck1.jpg" align="right" height="212" width="211" />Fast schon zuletzt gesagt: auf diesen zwei CDs sind immer wieder liebenswerte Entdeckungen zu finden. Ein Beispiel (und selbst für mich ein bisschen neu) ist die Beschreibung der Versandt-Buchhandlung Rieck in Aulendorf, die erst zur Nazizeit aufmachte (und noch heute existiert, siehe <a href="http://www.rieck-buch.de/shop/index.php">hier</a>). Wunderbar, dass ein Mensch so genau wissen kann, was er will, und es dann einfach nach Plan tut. Dass Schriftsteller so sind ist viel leichter verständlich, aber so sind auch gewerbetreibende Leute. Die Intelligenz, die man sucht. In diesem Sinne auch der Verlagsmannschaft von auditorium-maximum, die es sich zum Ziel gemacht hat, Philosophiebücher einen harten Geist (Bestellungen kann man <a href="http://www.auditorium-maximum.de/Home/index.html">hier</a> vornehmen, herzliche Postkarten gibt es gratis dazu. Dass es jemand Geschmack für ein intensives philosophisches (und doch praxisrelevantes) Studium gibt, ist zu wünschen.)</p>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal">P.S.: Auch den besten Detektiven passieren Fehler. Natürlich war Carl Muth in die Geschichte mit den Flugblättern am Ende eingeweiht. Der Mann ist als Schriftleiter, der u.a. die Sprache eines Max Scheler verbessert hat, ein Meister der Sprache und so einer sollte Texter und Personen, denen er begegnete, am Stil wiedererkennen. (Wenn schon der Schüler Hans Hirzel, der ein, zweimal den Hans Scholl getroffen, den Stil der Flugblätter erkennt.) Dass Muth am Tag der Verhaftung der Geschwister Scholl tatsächlich einen Flugblattentwurf in der Schreibtischschublade hatte, weiß ich aus privater Korrespondenz.</p>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fangtunsdoch.wordpress.com/269/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fangtunsdoch.wordpress.com/269/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/269/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/269/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/269/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/269/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/269/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/269/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/269/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/269/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/269/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/269/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=269&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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	</item>
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		<title>Wie Jesus aussah</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Mar 2007 21:18:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Carl Muth]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Scholl]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8222;Mir ist Christus neu geboren&#8220;, schreibt Hans Scholl begeistert zu Weihnachten 41/42 (an Carl Muth, von dem er ein Bild des Grabtuches erhalten hatte, und ähnlich an Rose Nägele). Damit zu tun hat seine Begeisterung für das sogenannte Grabtuch von Turin. Es war eine ziemliche Sensation, als man 1898 dieses altehrwürdige Tuch, dessen Existenz man [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=222&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img src="http://www.diewunderseite.de/grabtuch/Bilder/grabtuch.jpg" align="right" height="335" width="160" />&#8222;Mir ist Christus neu geboren&#8220;, schreibt Hans Scholl begeistert zu Weihnachten 41/42 (an Carl Muth, von dem er ein Bild des Grabtuches erhalten hatte, und ähnlich an Rose Nägele). Damit zu tun hat seine Begeisterung für das sogenannte Grabtuch von Turin. Es war eine ziemliche Sensation, als man 1898 dieses altehrwürdige Tuch, dessen Existenz man bis ins Mittelalter zurückverfolgen kann, auf dem man kaum etwas sah, zum ersten Mal fotographierte. Das Negativ zeigte einen gefolterten und gewaltsam zu Tode gebrachten Menschen, anatomisch so exakt, wie es kein Maler der Mittelalters gekonnt hätte. Die Art der Hinrichtung verweist auf die Römerzeit, sie entspricht nicht den Richtlinien der darstellenden Kunst und der Literatur über den gekreuzigten Jesus.<span id="more-222"></span></p>
<p><img src="http://www.zdf.de/ZDFde/img/19/0,1886,2821779,00.jpg" alt="Plastische Rekonstruktion aus Turiner Grabtuch" align="left" height="147" width="298" />Die Forschungslage zu diesem Tuch ist ziemlich krass. Stoffproben vom Rand des Gewebes lassen naturwissenschaftlich ziemlich sicher auf eine Herkunft um 1300 nach Christus schließen (drei unabhängige C14 Analysen im Jahr 1988). Andererseits finden sich Schriftzeichen auf dem Tuch, die von der Art des Schreibens ins zweite oder dritte Jahrhundert nach Christus gehören, und vieles anderes verweist auf die Zeitenwende. Künstlerisch und technisch passt das Ganze einfach nicht ins Mittelalter (oder sonst irgendeine Zeit auch nicht in die heutige).  Verweis auf Internetseiten <a href="http://www.grabtuchvonturin.de/">hier</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Turiner_Grabtuch">hier(Wiki)</a>. Über eine andere Reliquie mit vielleicht demselben Gesicht und textliche Hinweise auf ein Jesustuch <a href="http://www.welt.de/data/2007/02/05/1200759.html">spekuliert Klaus Berger hier</a>.</p>
<p>Jetzt zitiere ich einen Beitrag von Hans Scholl im Windlicht:</p>
<blockquote><p>Ist es notwendig, dass über dieses Bild geschrieben wird, musste dieses Gesicht aus dem Schatten des Unerforschten ins grelle Tageslicht fallen, um den Menschen neue Zweifel zu bringen? Die wir ohnehin Christus als unseren Herrn bekannt haben, bedurften wir dieses fragwürdigen Beweises? Warum also spreche ich zu dir? Weil ich es gesehen habe. Weil die Nacht und das Suchen, die Sehnsucht nach Licht und nach der Erkenntnis dessen, was Bestand hat, vorausgingen. Weil meine Skepsis mit einem Schlage versank und erst langsam wieder heraufkroch in mein Gehirn.</p>
<p><img src="http://www.sowharderwijk.nl/templates/columns_2003/images/Giotto2.jpg" alt="Die Beweinung Christi" align="right" height="159" width="221" /> Doch dies ist noch nicht alles. Gibt es doch andere Beweise als die der Wissenschaft, Beweise des Herzens. Ich habe Abbildungen der römischen Christusdarstellungen gesehen. Woher wusste ich, ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, dass Christus nicht so ausgesehen hat? Betrachte ich dagegen einen Christus Dürers oder Giottos oder des Griechen Theotocopuli, weiß ich da nicht ebenso unmittelbar, dass diese dem wahren Christus viel näher sind?</p></blockquote>
<p>Passt das Giotto Bild hier wirklich mit dem Bild auf dem Tuch zusammen? Ein andermal hier, was ich sonst noch dazu überlege</p>
<p><span style="font-size:12pt;font-family:'Times New Roman';"></span></p>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fangtunsdoch.wordpress.com/222/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fangtunsdoch.wordpress.com/222/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/222/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/222/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/222/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/222/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/222/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/222/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/222/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/222/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/222/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/222/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=222&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Propheten erzählen nur Utopien?</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2006/12/23/prophetische-utopien-und-weihnachten/</link>
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		<pubDate>Sat, 23 Dec 2006 12:00:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bergpredigt]]></category>
		<category><![CDATA[Carl Muth]]></category>
		<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Titel]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich probier mal einen Advents- oder Weihnachtseintrag.
Die Propheten im alten Israel waren Leute, die man nicht so recht fassen konnte. Sie konnten derb den Mächtigen und der ganzen Gesellschaft die Wahrheit ins Gesicht sagen. Aber wenn in dem Chaos der gesellschaftlichen Umstände selbst sie nicht mehr aus und ein wussten, dann verzweifelten sie nicht, dann [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=175&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p class="MsoNormal">Ich probier mal einen Advents- oder Weihnachtseintrag.</p>
<p class="MsoNormal">Die Propheten im alten Israel waren Leute, die man nicht so recht fassen konnte. Sie konnten derb den Mächtigen und der ganzen Gesellschaft die Wahrheit ins Gesicht sagen. Aber wenn in dem Chaos der gesellschaftlichen Umstände selbst sie nicht mehr aus und ein wussten, dann verzweifelten sie nicht, dann ließen sie sich nicht auf das Unglück (das sie selbst vorhergesagt hatten) festnageln, sondern erzählten urplötzlich eine andere Geschichte.</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://jeru.huji.ac.il/ba7.jpg" align="left" height="362" width="515" />Ein Beispiel auf dem Bild: Die furchtbare und identitätsbedrohende Verschleppung der israelitschen Oberschicht nach Babylon wird auf goldenem Hintergrund dargestellt. (Ähnlich: Carl Muth erzählte im bis auf die Zähne verfeindete n Europa die Geschichte von Europa Einigung. Johannes Paul II erzählt seit seiner Amtsübergabe die Geschichte vom Fall des &#8222;eisernen Vorhangs&#8220;, die bis 1989 durch Europa ging… Dom Helder Camera erzählt die Geschichte, dass man die Armen Brasiliens nicht links liegen lässt. André, Fernsehmacher und Priester, erzählt die Geschichte, dass die Senegalesen richtig Lust und Tatendrang bekommen ihr eigenes Land ohne Korruption und Cliquenwirtschaft aufzubauen. Unser Theaterstück erzählt die Geschichte, dass zu uns nach Deutschland einige Kinder Gottes kommen und wir dann geistvolle Menschen werden.) <span id="more-175"></span>Die kirchlichen Lesungen im Advent und die Lieder haben die Worte der Propheten zitiert. Die Geschichte von Weihnachten wird sagen, dass sich diese Geschichten der Propheten erfüllt haben.</p>
<blockquote>
<p class="MsoNormal">Die Propheten „sahen eine neue Welt erstehen. Die alte sollte zusammenbrechen. Ihre Sterne sollten vom Himmel fallen. Dann sollte der Geist Gottes mit schöpferischer Urkraft über das Chaos des Ehemaligen fegen. Eine neue Schöpfung sollte sprossen. Die gesellschaftlichen Systeme aus Rivalität, Gewalt und Herrschaft sollten Vergangenheit sein. Keine Waffen sollten mehr geschmiedet werden. Sie sollten umgeschmiedet werden in Pflüge und Winzermesser. Niemals mehr sollten die Achtzehnjährigen für den Krieg ausgebildet werden. Die Väter sollten sich mit den Söhnen und die Töchter mit den Müttern vertragen. Des uralten Streites zwischen den Generationen sollte nicht mehr gedacht werden. Glück sollte da sein. Die Einsamkeit sollte aufgehoben sein. Am Abend auf den Plätzen und Straßen Jerusalems sollten die Alten friedlich beieinander sitzen. Die vielen Kinder sollten zwischen ihnen spielen. Keiner sollte mehr den andern belehren müssen. Denn in allen sollte der Geist des Herrn wohnen. Alle sollten im eigenen Herzen wissen, was gut ist und was dem eigenen und dem fremden Glück dient. Die Krankheit sollte sich in einen Winkel verkriechen. Selbst die Tiere und Pflanzen sollten aufatmen und wieder zur reinen Natur werden – weil die Menschen wieder zur Schönheit der ersten Schöpfung zurückgekehrt waren. Und über allem die Sonne der Gerechtigkeit strahlte.</p>
<p class="MsoNormal">Das sind doch die Utopien der Propheten. Wer würde sagen, sie sind eingetreten?“ (aus <em>Norbert Lohfink: Kirchenträume. Reden gegen den Trend, 12-3</em>.)</p>
</blockquote>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal"> Norbert Lohfink, ein höchst anerkannter Erforscher des alten Testaments, denkt, man entlastet sich viel zu schnell von diesen Sätzen, die ganz real gemeint sind. Man sagt zum Beispiel: diese Sätze sprechen vom Jenseits. Falsch, tun sie nicht. Oder man sagt: In dir soll etwas passieren, darum geht es in den Prophezeiungen. Falsch, es mag so sein, dass auch in dir etwas passiert, wenn draußen in der Welt etwas passiert, aber die Propheten und Jesus von Nazareth haben diese Sätze nicht so verstanden. Dritte Entlastungstheorie. Diese Sätze gelten für den religiösen Bereich, für das frohe Familienfest, vielleicht für den Freundeskreis, vielleicht dann, wenn wir mit einer Kinder- und Jugendgruppe etwas machen. Das ist das Gemeinte nicht. Denn erstens „Alle Völker sollen das Heil sehen, das von Gott kommt“ Zweitens: Schwerter sollen in Pflugscharen umgeschmiedet werden, das heißt, dass es keine beleidigenden Wort mehr geben wird und keine Atomwaffen mehr brauchen wird, auch nicht zur Abschreckung.</p>
<p class="MsoNormal">Norbert Lohfink probiert in seinem Aufsatz eine Lösung, was es heißen soll, dass an Weihnachten oder durch Jesus oder durch ein Christenleben diese Prophezeiungen irgendwie erfüllt sein sollen. Von dieser Lösung schreibe ich jetzt nicht, sondern wünsche diese Erfüllung einfach zum Weihnachtsfest meinen lieben (mehr und weniger) treuen Blog-Lesern der letzten vier Monate.</p>
<p class="MsoNormal">Fangt uns doch</p>
<p class="MsoNormal">matthias</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Gegenwelt in Armut und Brüderlichkeit</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2006/11/21/armut-und-bruderlichkeit/</link>
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		<pubDate>Tue, 21 Nov 2006 19:35:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bergpredigt]]></category>
		<category><![CDATA[Carl Muth]]></category>
		<category><![CDATA[Inge Jens]]></category>
		<category><![CDATA[Theodor Haecker]]></category>

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		<description><![CDATA[Inge Jens berichtet vom Herbst 1941, als Hans Scholl seinen künftigen Mentoren Muth und Haecker begegnete.
Zwei katholische Publizisten in deren Werk die Vorstellung von einer Gemeinschaft der Armen, der Erniedrigten und Beleidigten sichtbar wird, deren Glaubensgemeinschaft die Gegenwelt zum Reich des Bösen, der Zwangsherrschaft der Nationalsozialisten bildet.
Gleich weit entfernt von religiöser Schwärmerei und dogmatischer Enge [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=58&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img src="http://www.feelsophie.de/weltundgegenwelt/src/chagall_rote_daecher_small.jpg" align="right" height="255" width="297" />Inge Jens berichtet vom Herbst 1941, als Hans Scholl seinen künftigen Mentoren Muth und Haecker begegnete.</p>
<blockquote><p>Zwei katholische Publizisten in deren Werk die Vorstellung von einer Gemeinschaft der Armen, der Erniedrigten und Beleidigten sichtbar wird, deren Glaubensgemeinschaft die Gegenwelt zum Reich des Bösen, der Zwangsherrschaft der Nationalsozialisten bildet.<br />
Gleich weit entfernt von religiöser Schwärmerei und dogmatischer Enge suchten Muth und Haecker das jesuanische Ideal eines durch Armut und Brüderlichkeit bestimmten Lebens im Dienst am Nächsten, wie es<span>  </span>- auch er Dostojewskij verpflichtet! – der Renouveau Catholique von Bloy bis Bernanos in der Literatur entworfen hatte, für die politische Realität, das Leben unter dem Nationalsozialismus, wirksam zu machen und christliche Kultur – Muths altes, in seiner Zeitschrift „Hochland“ vertretenes Programm – zur Welt hin zu öffnen. <span id="more-58"></span>Im Zeichen der christlichen Soziallehre sollten die Lebensanweisungen von Bibel, Theologie, Philosophie und Literatur der Herausbildung einer menschlichen Gemeinschaft dienen, die auf der gerechten Teilhabe aller an den Gütern dieser Welt beruhte – einer idealen Sozietät, die mit der bestehenden Herrschaft des Antichrists konfrontiert wurde.</p>
<p>Carl Muth wurde für Hans Scholl und über ihn hinaus für den Kreis der „Weißen Rose“ nicht zuletzt deshalb so wichtig, weil er es verstand, die religiös-literarische Unterweisung auf die – eschatologisch gedeutete – Gegenwart: die sicher erwartete Niederlage der Deutschen und die sich aus dieser „rettenden Katastrophe“ ergebenden Konsequenzen, zu beziehen. Ohne die Begegnung mit den Mentoren aus dem Münchner „Hochland“-Kreis – das scheint mir sicher – hätten die Flugblätter des Sommers 1942 nicht entworfen werden können.<em> Über die ‚Weiße Rose’</em> in Die neue Rundschau  95.I. 1984, 193-21.</p></blockquote>
<p>Mit dem apokalyptischen Blick auf die Zeit, der tatsächlich die Flugblätter bestimmt, kann ich für heute wenig anfangen.  Sprich, die Teufel im Theaterstück werden dieser Dimension nicht gerecht. Ich fühle mich nicht imstande das, was schiefläuft, heute so einfach an einer Person und dieser oder jener Institution festmachen. Dennoch fasziniert mich die Idee einer Gegengesellschaft in Armut und Brüderlichkeit.</p>
<p>Hintergrund zu all diesem findet sich in den Anmerkungen von Inge Jens zu den Briefen und Aufzeichnungen von Hans und Sophie Scholl, 318-320 und 353-354. Auf Seite 328 ein Zitat aus einem Brief an Otl Aicher vom 18.2.1942, der Muth ein Exemplar des Windlicht, einer kleinen Zeitschrift des Freundeskreises geschickt hatte:</p>
<blockquote>
<p class="MsoNormal">In der verflossenen Woche übergab ich ihm [d.h. Hans Scholl] das Exemplar des &#8216;Windlicht&#8217;, das Sie mir zu schicken die Liebenswürdigkeit hatten. Mehreres darin war mir bereits bekannt. Ich bin erstaunt, wie Sie, mein lieber junger Freund, das alles leisten können in einer Umgebung, die doch alles andere als geistig ist. Mit der Armutsfrage haben Sie in ein Wespennest gestochen, und so dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Sie nächstens von ergänzenden und widersprechenden Repliken umschwirrt werden. Diese Auseinandersetzungen sind gut, besonders, wenn sie dahin führen, dass alle Beteiligten daraus den Gewinn ziehen, die Frage mehr und mehr und sogar ausschließlich im Lichte des Evangeliums zu sehen.</p>
</blockquote>
<p>Warum ist Armut ein Wespennest? &#8211; Weil sie für gewöhnlich den Charakter verdirbt. Anders, wenn man sie freiwillig annimmt. Aber dann ist es keine Armut. (So jedenfalls die deutsche Ärztin und Ordensfrau Ruth Pfau über ihre Armut in Pakistan. So arm wie die Leute dort kann sie gar nicht werden, schon wegen ihrer Bildung und ihrer Herkunft.)</p>
<p>Armut im Sinn des Evangeliums?</p>
<p><img src="http://www.kenners-landlust.de/bilder/feldlilie3.jpg" align="right" height="86" width="127" />Ich rate, was Muth damit meinen könnte. Arm sein heißt sich von Gott beschenken lassen? Sich wie die Lilie auf dem Feld fühlen, oder nur sie voller Freude betrachten (Ich sah heuer welche auf den Öko-Feldern und weil man sie mir zeigte.) Nicht darauf kucken, was man nicht hat und was man noch haben könnte, sondern stauen über alles was ist. Nicht über die (angeblich) schlimmen Zeiten klagen, sich selber nicht schlecht reden, keine Angst vor der eigenen Zukunft haben, sondern glücklich sein über die guten Zeiten (zu denen ich fast immer irgendwie Zugang habe), glücklich sein über das, was man kann und ist. (Viele Leute, Pfleger und Bewohner in Ursberg können das, wenn man sie so ankuckt, ohne jede Schwierigkeit.) Entdecken, dass das, was man kann und ist, nicht extra viel ist, und doch dabei glücklich sein, weil Gott ja das Gute schenkt und nicht ich es machen muss.</p>
<p>Ich vermute, dass ich höchstens ein Zwiebelchen der Antwort erfasst habe. Aber immerhin. (Aus Zwiebelchen wachsen Blumen, zum Zwiebelchen vgl. aber vor allem jene <a href="http://www.nirakara.de/zwiebel.htm">Sage aus Dostojewski &#8222;Die Brüder Karamasow&#8220;</a>.)</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Wenn die Einigung Europas schon 1918 gekommen wäre&#8230;</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2006/11/20/wenn-die-einigung-europas-schon-1918-gekommen-ware/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Nov 2006 09:16:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Carl Muth]]></category>
		<category><![CDATA[Historisches]]></category>

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		<description><![CDATA[Bin sehr dankbar für die beiden ersten Aufführungen, unter anderm Reissi als Carl Muth ist richtig gut rübergekommen. Furchtbare Analyse, dass da ein Krieg, heute der erste Weltkrieg genannt, nur deshalb aufhört, &#8222;weil sich die Völker erschöpft fühlen&#8220;, dass trotz Friedensschüssen die Feindschaft nur verstärkt wurde. Und dann im Jahr 1918 die Vision malen von [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=109&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img src="http://images.google.de/images?q=tbn:SR4xW0BBQvp53M:http://www.vec.shuttle.de/vec/rsvec/body_r5.jpg" align="left" />Bin sehr dankbar für die beiden ersten Aufführungen, unter anderm Reissi als Carl Muth ist richtig gut rübergekommen. Furchtbare Analyse, dass da ein Krieg, heute der erste Weltkrieg genannt, nur deshalb aufhört, &#8222;weil sich die Völker erschöpft fühlen&#8220;, dass trotz Friedensschüssen die Feindschaft nur verstärkt wurde. Und dann im Jahr 1918 die Vision malen von einem geeinten Europa. Und von der gegenseitigen Liebe der Völker reden. (Und wäre uns in Europa nicht vieles erspart geblieben&#8230;)</p>
<p>Nach dem zweiten Krieg hat es dann plötzlich geklappt (Deutsch-Französische Freundschaft, die Aufbauarbeit dieser Kernachse in Spanien, Portugal, Griechenland, die Integration der Ostländer). Man darf stauen, dass wir heute die Franzosen mögen, die Italiener sowieso, gestern noch selbstverständlich beim Griechen zum Essen waren. <span id="more-109"></span>Ich zitiere meine Quelle zu jenen Geschichten: Ackermann, Konrad: Die geistige Opposition der <a href="http://www.haraldfischerverlag.de/hfv/KLP/hochland.htm">Monatsschrift Hochland</a> gegen die nationalsozialistische Ideologie, München 1965 (26-7). Ackermann erzählt vom Hochland nach 1914 (und den Hochlandautoren Scheler, Mausbach und Muth selber):</p>
<blockquote><p>[Hochland nach 1914] Die Beiträge Max Schelers insbesondere bildeten den Mittelpunkt des Denkens um eine geistige und soziale Neuorientierung Europas. Ein geistiger und politischer Wiederaufstieg des alten Kontinents heißt es darin, setze einen gerechten Frieden, nicht bloßen Machtausgleich, Zusammenarbeit an Stelle eines Gegeneinanderlebens voraus. Die Wege dazu ergeben sich aus der Erneuerung der religiösen und geistigen Werte der Vergangenheit, das heißt aus der Hinwendung zu antiken und christlichen Bildungswerten. Sind die Werte der Antike auch nicht mehr ‚allgemein menschlich normativ’, so sind sie es doch europäisch. Und dürfen sie auch nicht mehr absolute Vorbilder genannt werden, so sind ‚sie doch gemeinsame notwendige Orientierungspunkte, Leuchttürme für alle europäische Völker, nach denen sie hinscheuen sollten’ (Scheler in Hochland 15 (1918), 499ff., 665) Das Christentum aber muss mit seiner Idee der gegenseitigen Liebe die europäischen Völker von innen her zur Gemeinsamkeit führen.<br />
Nach Mausbach erscheint der Krieg im Lichte der ethischen Kultur als ein ‚unbegreiflicher Gegensatz zur Verfeinerung und Vergeistigung des modernen Lebens und der christlichen Humanität’. Auch vom Standpunkt des göttlichen Vorsehungsplanes aus sei der Krieg sinnlos und nur aus der Freiheit des Menschen auch zum Bösen verständlich. Es müsste wenigstens aus dem tragischen, blutigen Ringen die Einsicht reifen, dass die Aufgabe der Völker darin bestehe, die Menschheit in eine Ära des geordneten Rechts und Friedens zu führen. In diesem Sinne erwartete auch Muth (Hochland 15, Zum vierten Kriegsjahrgang, 1), dass der Krieg die Voraussetzungen für einen Frieden schaffe, ‚der mehr ist als ein Ausgleich der Staatsklugheit, der fester gründet als auf revidierter Verfassung, der tiefer in dem Willen der Völker wurzelt, als weil sie sich erschöpft fühlen. Ein Friede aus den höchsten, weil übernationalen Motiven vermag Europa vor dem Schicksal zu bewahren, wiederum ein waffenstarrendes Kriegslager zu werden, den Aufgaben der Kultur nur im Schutze der Kanonen obzuliegen, den Gedanken der Menschlichkeit in seinen Völkern nur auf Kündigung zu dulden und zu pflegen.’<br />
Der Friede fordere die Zusammenarbeit aller europäischen Völker, doch gelte es zunächst moralisch abzurüsten; in der Überwindung von politischem Ressentiments und in der Stärkung einer inneren Bereitschaft zum Frieden liege die wesentlichste Voraussetzung einer weltweiten Friedenspolitik. Ein ‚Pazifismus’, der die Ächtung des Krieges nicht aus sittlichen und religiösen Motiven fordert, sondern auf Grund einer veränderten Machtkonstellation Verzicht auf militärische Stärke leistet, wird jedoch mit Nachdruck abgelehnt.</p></blockquote>
<blockquote><p> [Fußnote:] Vgl. Scheler a.a.O. 499f.: ‘Ich bin und glaube mich mehr als ‘Pazifist’, da ich den wahren und allein christlichen Pazifismus ernster, friedfertiger Gesinnung noch deutlicher und schärfer möchte unterschieden und abgehoben sehen von dem Pazifismus bloßen Notstandes und der begreiflichen Furcht vor völlig unerträglichem Rüstungskosten nach dem Kriege. Nur jenen ersten Pazifismus friedfertiger Gesinnung kann ich aber als denjenigen ansehen, der innerhalb der Spannweite europäischen Wesens und Geistes als notwendige Atmosphäre jedes kulturellen Wiederaufbaues allein in Frage kommen kann. Entschlagen wir uns der Phrase des utopischen Pazifismus vom ‚letzten Krieg’, einer Phrase, die ohne Ehrfurcht vor der Zukunft der Weltgeschichte und vor der Fülle ihrer Möglichkeiten ist … Je mehr wir uns bescheiden der Phrase vom letzen Krieg entschlagen, desto unbescheidener, desto drängender sollen wir innerhalb der europäischen Kulturzone etwas ganz anderes fordern als bloße Notabrüstung, nämlich den positiv christlichen Geist wahrer und ernster Versöhnlichkeit und den Aufbau der ihm entsprechenden Rechtsinstitute.’</p></blockquote>
<p>Was wäre eine Vision heute? -</p>
<p>Der Punkt ist, dass diese verhältnismäßig machtlosen Zeitschriftschreiber so eine mächtige Vision haben, dass sie (wenn auch mit einiger Verspätung und gewiss auch nicht auf vollkommene Weise) wirksam wird. Unterschätzt eure eigenen Visionen nicht!</p>
<blockquote></blockquote>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fangtunsdoch.wordpress.com/109/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fangtunsdoch.wordpress.com/109/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/109/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/109/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/109/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/109/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/109/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/109/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/109/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/109/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/109/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/109/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=109&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Joseph Bernhart und Hochland</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2006/10/27/joseph-bernhard-und-hochland/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Oct 2006 15:45:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Carl Muth]]></category>
		<category><![CDATA[Historisches]]></category>

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		<description><![CDATA[Der größte Denker aus der Thannhauser Gegend im letzten Jahrhundert war Joseph Bernhart, geb 1881 in Ursberg, gestorben 1961 in Türkheim. Seine Mutter war meines Wissens Thannhauserin . (Joseph Bernhard war zunächst katholischer Priester, dann verheiratet, zeitweise exkommuniziert, dennoch ist er katholisch geblieben. Zuletzt war er lange Jahre Witwer, hielt sich über die Schriftstellerei, Herausgebertätigkeit [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=59&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img src="http://www.konrad-verlag.de/images/Titel/325b.jpg" align="left" height="315" width="189" />Der größte Denker aus der Thannhauser Gegend im letzten Jahrhundert war <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Bernhart">Joseph Bernhart</a>, geb 1881 in Ursberg, gestorben 1961 in Türkheim. Seine Mutter war meines Wissens Thannhauserin . (Joseph Bernhard war zunächst katholischer Priester, dann verheiratet, zeitweise exkommuniziert, dennoch ist er katholisch geblieben. Zuletzt war er lange Jahre Witwer, hielt sich über die Schriftstellerei, Herausgebertätigkeit Übersetzungen u.ä.  notdürftig über Wasser. Von seinem großen Fleiß und der Vielfältigkeit seiner Interessen zeugt seine Biographie <a href="http://www.bautz.de/bbkl/b/Bernhart.shtml">hier</a>.) Theo Waigel erzählt gern, wie viel er von Bernharts Schriften und deren Tiefe in seiner politischen Arbeit profitiert hat, ein Freund von mir (Thomas A.) schwärmt, er habe hier richtig interessante Dinge über christliche Ehe erfahren. Es gereicht Bernhart zur Ehre, dass er den Artikel schrieb, weswegen Carl Muths Zeitschrift Hochland letztlich verboten wurde. Mit Carl Muth verbindet ihn schon seine Studienzeit, Bernhart scheibt aus seinen ersten Semestern Theologiestudium um 1903 (als er in einem Münchner Priesterseminar wohnte):<br />
<span id="more-59"></span></p>
<blockquote><p>In dem Münchner geistlichen Seminar, dem ich in den Jahren 1903 und 1904 angehörte, litten ein paar junge Leute unter geistiger Atemnot. […] [weil sie an der Uni auch nicht-theologische Fächer hören wollten oder hörten.] Die Treue zur Kirche als der Hüterin der göttlichen Offenbarung schien uns nur mögliche um den Preis des endgültigen Abschieds von der lebendigen Arbeit der Zeit, die fast in allen Dingen sich losgerissen hatte von der Glaubenswelt, die uns heilig war. Wohl sprachen es tapfere, weitblickende Männer – fast alle sind sie schon hingegangen – gerade damals aus. Was uns, die rastlos kleine Herde, im Vorgefühl gewaltiger Erschütterungen der christlichen Abendländer bedrückte, aber die Verurteilung mancher ihrer Bücher und Programme oder auch, was nicht das Geringste war, ihre schleichende Verrufung von Mund zu Mund nahm uns fast die ganze Hoffnung, […]</p></blockquote>
<p><img src="http://www.konrad-verlag.de/images/Titel/393b.jpg" align="left" height="292" width="186" />Vom Minderwertigkeitsgefühl der gebildeten Katholiken um Wende zum 20. Jahrhunderts habe ich schon <a href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/2006/10/16/literaturstreit/#more-37">hier</a> geschrieben. (Einer der damals im katholischen Raum verschrieenen Autoren war damals etwa der große Philosoph der Aufklärung Immmanuel Kant.) Bernhart beschreibt, wie es ihm ging, als er erstmals ins Hochland hineinlas:</p>
<blockquote><p>Just aus diesem Durcheinander über Ibsen, den Südpol, Kant in Frankreich, Bonifaz VIII. und Maeterlinds Monna Vanna, aus diesem aufwühlenden Vielerlei mit dem <em>cantus firmus</em> katholisch selbstsicheren Offenseins für alles von gestern und heute erhob sich die Verwirklichung des von manchen unter uns Jungen so innig Ersehnten. Noch heute finde ich in meinem Exemplar den Satz des Herausgebers angestrichen: In der Gewissenserforschung und Selbstkritik hätten wir uns redlich bemüht, für das tatbegierige Leben aber sei wenig geschehen.</p></blockquote>
<p>Als gläubiger Mensch selbstsicher offen sein für die heutige Zeit ist auch heute nichts Selbstverständliches. Fest in einer Meinung oder Weltanschauung zu stehen verführt manche Leute zu festen unverrückbaren und manchmal eben einengenden Prinzipien im Umgang mit anderen Leuten. Dogmatische Scheuklappen sind heute wenigstens nicht mehr das Typische für Kirche, es gibt sie genauso in vielen Bereichen (wissenschaftliche Ideen, Betriebe, in Fragen der Freizeitgestaltung&#8230;). Wenn freilich der Glaube gleichzeitig einen extra sicheren Stand verleiht und dennoch eine große Weite verkörpert, ist das recht attraktiv. So jedenfalls nahm der Student Bernhart die Zeitschrift Hochland wahr:</p>
<blockquote><p>Es war natürlich, dass ich den Herausgeber dieses monatlich sich neigenden Wunderhorns aus der Ferne mit dankbarem Herzen verehrte. Er kam mir vor wie einer der Philosophen-Regenten in Platons Staat, ein Wächter, der mit der kühlen Klinge seines Worts die öffentlichen Dinge selber anging, der rastlos auch die Truppen für seinen Geisteskampf aushob, spornte, stählte und die einzelne Kraft zum Besten ihrer selbst und anderer ins Ganze führte.</p></blockquote>
<blockquote><p> So jung ich war, so glühend war mein Wusch, diesem Mann zu begegnen. Das möchte sich am besten fügen, dachte ich, wenn einmal meine Hoffnung sich erfüllt hätte, selbst mit einem Wort bei „Hochland“ anzukommen. In meinem Stehpult lagen viele Gedichte, die auf den einsamen Berufsgängen entstanden waren: aufs Geratewohl griff ich eins heraus und sandte es ein.</p></blockquote>
<p>Carl Muth lag an der Offenheit, und deshalb auch an jungen Leuten. Einige Wochen später kommt das Manuskript zurück:</p>
<blockquote><p>Zitternd öffnete ich, das Manuskript lag nicht mehr bei, die Antwort sagte, es sein angenommen, ja sie lobte die Verse und ermunterte mich zu weiteren. […] In den vergangenen Jahren schon fast gewöhnt an Verkennungen jeder Art, war ich plötzlich mit dem Zutrauen in mich selbst versehen und wagte fortan das öffentliche Wort.</p></blockquote>
<p>So etwas ist ein Berufserfolg für einen Herausgeber einer Zeitschrift. Er bringt ein junges Talent dazu, sich öffentlich schriftstellerisch zu äußern, und der Mann wird einmal wirklich ein Großer.</p>
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		<title>Literaturstreit</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2006/10/16/literaturstreit/</link>
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		<pubDate>Mon, 16 Oct 2006 21:19:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Carl Muth]]></category>
		<category><![CDATA[Historisches]]></category>

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		<description><![CDATA[Man kann erzählen, warum Carl Muth sich vom Nazisystem nicht unterkriegen ließ. Sein Lebenswerk war die Zeitschrift Hochland, für die er 40 Jahre verantwortlich tätig war. In der Arbeit als Herausgeber und Autor musste ganzes Leben musste er schwere ideologische Kämpfe bestehen. Aber der Mann hatte eine Vision.
Dazu muss ich näher ausholen. Leute, die in [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=37&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p class="MsoNormal">Man kann erzählen, warum Carl Muth sich vom Nazisystem nicht unterkriegen ließ. Sein Lebenswerk war die Zeitschrift Hochland, für die er 40 Jahre verantwortlich tätig war. In der Arbeit als Herausgeber und Autor musste ganzes Leben musste er schwere ideologische Kämpfe bestehen. Aber der Mann hatte eine Vision.<br />
<span id="more-37"></span>Dazu muss ich näher ausholen. Leute, die in Geschichte besser sind als ich, mögen mich verbessern:</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.haraldfischerverlag.de/hfv/Graphiken/452.jpg" align="left" height="330" width="200" />Ende des 19. Jahrhunderts definierten sich die meisten Deutschen über Gruppenzugehörigkeiten. Man war Arbeiter, Katholik, Protestant oder liberaler Wissenschaftler oder Künstler. Natürlich konnte man auch Mitglied in mehreren Gruppen sein, es gab etwa protestantische Künstler und hochangesehene protestantische Wissenschaftler. Im katholischen Raum gab es zwar auch Wissenschaftler und Künstler, aber die waren entweder nicht angesehen oder hatten kein Niveau. Wenn jemand als Katholik an die Uni ging, konnte er schnell den sogenannten „Inferioritätskomplex“ erfahren (Minderwertigkeitskomplex würde man wohl heute dafür sagen). Unsereins ist nicht auf der Höhe der Zeit, hält nicht mit, mit den Neuerungen die heute die Welt bereichern: Der städtische Lebensstil, Evolutionstheorie, die Weltformeln der Physik, dass sich die bildende Kunst vom gegenständlichen Malen emanzipiert (in München der Blaue Reiter) usw.<br />
Von den kirchlichen Amtsträgern war nicht viel zur Überwindung dieses Minderwertigkeitskomplexes zu erwarten. Das lag z.T. daran, dass ein Konzil 1870 mit hauchdünner Mehrheit die Unfehlbarkeit des Papstes ‚festgelegt’ hatte (Unfehlbarkeit, wenn er im Sinne eines Konsenses aller Gläubigen spricht, und einige andere Bedingungen erfüllt sind). Zwar gab es seitdem erst ein „unfehlbares“ Papstwort, aber schon im Vorfeld und erst recht nach diesem Konzil wurden in der katholischen Kirche die Zügel eng gespannt. Amtsträger wurden per Eid verpflichtet, das, was man als künstlerische und wissenschaftliche Moden ansah, offensiv zurückzuweisen. Wenn nun etwas „Modernistisches“ einem dieser Amtsträger doch als etwas Gutes erschien, kam er in Gewissenskonflikt. – Was sich der preußische Staat im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturkampf">Kulturkampf</a> gegenüber Katholiken erlaubte, war freilich auch nicht ohne.</p>
<p>Ich nehme an, dass Carl Muth (1867 – 1944) – Katholik ohne kirchliches Amt – dieses Minderwertigkeitsgefühl aus seinen Tagen als Volkswirtschaftsstudent zur Genüge kennen gelernt hat. Ihm lag vor allem an der Literatur. Vielleicht dachte er: Man kann den Leuten doch heute nicht mehr nur den Christoph von Schmid geben (der ja zu Lebzeiten tatsächlich fortschrittlich gewesen war) und gründet seine Zeitschrift Hochland. Ein Beispiel: Nanny Lambrecht veröffentlicht ihren Roman „Armsünderin“ im Hochland als Fortsetzungsgeschichte (ca. 1908). Der Roman wirbt um Mitleid für eine ledige Mutter. Nanny Lambert schreibt 1936 im Rückblick:</p>
<blockquote><p>Prompt flatterten wieder die Zu- und Drohschriften auf, doch einstweilen noch an die private Adresse. Und das sei ein Fortschritt, schrieb mir Muth. ‚Man wartet mit öffentlichen Angriffen wenigstens, bis der Roman zu Ende ist und man über das Gesamtbild zu urteilen vermag’</p>
<p>[Briefwechsel mit München] teils Aufmunterung, teils Bedenken. Diese Monate wurden zu einer wunderbaren Zeit fieberhaften Schaffens.<br />
Und dann – die Stille vor dem Sturm. Der Roman ging zu Ende. Leidenschaftliche Ablehnung, begeisterte Zustimmung platzen aufeinander. Auch an persönlichen Verunglimpfungen hat es nicht gefehlt.<br />
Vergebens sprach Muth sein erläutendes Nachwort im ‚Hochland’. Es hat einige zur Einsicht geführt, die ihr Schwert wieder in die Scheide zurücksteckten. Es hat etliche verstimmt, die ‚Hochland’ den Rücken kehrten und wieder in die Niederungen hinabstiegen. Und es hat manche für uns kämpfend in die Front gerückt!<br />
Aus dem privaten Federkampf erhob sich der ‚katholische Literaturstreit’ zu dem heißen Ringen um eine Weltanschauung empor. Schriften pro und contra flogen auf den Büchermarkt. Der Zaun um katholische Literaturgebilde brach zusammen, und auch die übrige Welt wurde hellhörig. Man wusste nun wenigstens, dass auch ein katholischer Dichter eine Daseinsberechtigung hatte! Und man wusste, dass ‚katholisch’ auch eine andere Übersetzung zuließ als inferior.<br />
Der Stein war ins Rollen gebracht! Der Gedanke war zur Tat geworden. Aber die größte Tat war: in Sturzeiten durchhalten! ‚Hochland’ blieb hohes Land, wie auch die Meinungen und Anschauungen wechselten! [es war nie populär und das wollte Muth nicht]<br />
<em>Aus: Festgabe für Karl (sic!) Muth zu seinem 70. Geburtstag. 18 Berichte von Freunden und Mitarbeitern. Mit Beiträgen von Joseph Bernhart u.a., in: Hochland 34/I, 1936/37, Anhang 1-47;</em></p></blockquote>
<p>Der Punkt ist: man hat wieder über katholische Literatur diskutiert (und das nicht nur in katholischen Blättern), endlich wurde die Literatur einer katholischen Autorin wieder öffentlich ernstgenommen. Das Mittel zur Erreichung des Ziels war der Kampf der Gedanken. Ich wünsche dem Islam, dass er seinen heutigen Inferioritätskomplex auch über den Kampf der Gedanken überwinden kann.<br />
Das konfessionell Katholische angemessen in die Öffentlichkeit zu tragen ist übrigens ein Auftrag, der im Wort &#8222;katholisch&#8220; selber drinsteckt. Katholisch heißt &#8222;auf das Ganze&#8220;, allumfassend &#8211; die Religion soll sich nicht auf irgendwelche Lebensbereiche beschränken.</p>
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