Der Philosoph

22. April 2008

Josef Furtmeier (1887-1969) war guter Freund des Hans Scholl, der Sophie Scholl, des Christl Probst, von Proffessor Huber, vermittelt wohl über Carl Muth oder die klassischen Konzerte. Glaube nicht, dass er im aktiven Widerstand dabei war – sicher hat er geistig gut dagegengehalten, nicht umsonst hatte er im Freundeskreis den Spitznamen „der Philosoph“ (die besten Rezensionen: DLF und Jakob Knab)

Ein erster Zugang, werde wohl noch mehr dazu schreiben: Furtmeier ist vom Typ her ein Grantler. Die Menschen sind geistlos, ein Viertel der Deutschen, so schreibt er 1946, seien unbekehrbare Nazis. Am besten, ich lebe zusammen mit vielen Hunden und Katzen auf dem Land. Da ist so vieles ähnlich den Scholls, und doch sind die Auswirkungen anders. Warum ist er so selten begeistert? Von ganz einfachen Dingen begeistert, etwa von seinen Hunden und Katzen? Read the rest of this entry »

Typisch für Weiße Rose Filme und Theaterstücke ist die Willkommens- und 21.Geburtstagsparty für Sophie Scholl, als sie im Mai 1942 in München ein Studium beginnt. Interessant, auf einem neuen Hörbuch zu hören, dass das heißersehnte Studium für Sophie wohl mindestens in der ersten Zeit eine herbe Enttäuschung war. Dass sie gerade mal in die Vorlesungen ging, aber nicht viel für die Uni unternahm. Von der Studentin ist nicht überliefert, dass sie eine biologische Tätigkeit faszinierte – so wie sie als Schülerin einmal das Sezieren eines Fisches im Tagebuch schildert. Erst im zweiten Semester, gleichzeitig mit wildesten Plänen für Flugblattaktionen, klingt es durch ihre Briefe durch, dass sie ein philosophisches Uni-Buch fasziniert: Leibnizens Theodizée. Read the rest of this entry »

Wie Jesus aussah

21. März 2007

„Mir ist Christus neu geboren“, schreibt Hans Scholl begeistert zu Weihnachten 41/42 (an Carl Muth, von dem er ein Bild des Grabtuches erhalten hatte, und ähnlich an Rose Nägele). Damit zu tun hat seine Begeisterung für das sogenannte Grabtuch von Turin. Es war eine ziemliche Sensation, als man 1898 dieses altehrwürdige Tuch, dessen Existenz man bis ins Mittelalter zurückverfolgen kann, auf dem man kaum etwas sah, zum ersten Mal fotographierte. Das Negativ zeigte einen gefolterten und gewaltsam zu Tode gebrachten Menschen, anatomisch so exakt, wie es kein Maler der Mittelalters gekonnt hätte. Die Art der Hinrichtung verweist auf die Römerzeit, sie entspricht nicht den Richtlinien der darstellenden Kunst und der Literatur über den gekreuzigten Jesus. Read the rest of this entry »

Ich probier mal einen Advents- oder Weihnachtseintrag.

Die Propheten im alten Israel waren Leute, die man nicht so recht fassen konnte. Sie konnten derb den Mächtigen und der ganzen Gesellschaft die Wahrheit ins Gesicht sagen. Aber wenn in dem Chaos der gesellschaftlichen Umstände selbst sie nicht mehr aus und ein wussten, dann verzweifelten sie nicht, dann ließen sie sich nicht auf das Unglück (das sie selbst vorhergesagt hatten) festnageln, sondern erzählten urplötzlich eine andere Geschichte.

Ein Beispiel auf dem Bild: Die furchtbare und identitätsbedrohende Verschleppung der israelitschen Oberschicht nach Babylon wird auf goldenem Hintergrund dargestellt. (Ähnlich: Carl Muth erzählte im bis auf die Zähne verfeindete n Europa die Geschichte von Europa Einigung. Johannes Paul II erzählt seit seiner Amtsübergabe die Geschichte vom Fall des „eisernen Vorhangs“, die bis 1989 durch Europa ging… Dom Helder Camera erzählt die Geschichte, dass man die Armen Brasiliens nicht links liegen lässt. André, Fernsehmacher und Priester, erzählt die Geschichte, dass die Senegalesen richtig Lust und Tatendrang bekommen ihr eigenes Land ohne Korruption und Cliquenwirtschaft aufzubauen. Unser Theaterstück erzählt die Geschichte, dass zu uns nach Deutschland einige Kinder Gottes kommen und wir dann geistvolle Menschen werden.) Read the rest of this entry »

Inge Jens berichtet vom Herbst 1941, als Hans Scholl seinen künftigen Mentoren Muth und Haecker begegnete.

Zwei katholische Publizisten in deren Werk die Vorstellung von einer Gemeinschaft der Armen, der Erniedrigten und Beleidigten sichtbar wird, deren Glaubensgemeinschaft die Gegenwelt zum Reich des Bösen, der Zwangsherrschaft der Nationalsozialisten bildet.
Gleich weit entfernt von religiöser Schwärmerei und dogmatischer Enge suchten Muth und Haecker das jesuanische Ideal eines durch Armut und Brüderlichkeit bestimmten Lebens im Dienst am Nächsten, wie es - auch er Dostojewskij verpflichtet! – der Renouveau Catholique von Bloy bis Bernanos in der Literatur entworfen hatte, für die politische Realität, das Leben unter dem Nationalsozialismus, wirksam zu machen und christliche Kultur – Muths altes, in seiner Zeitschrift „Hochland“ vertretenes Programm – zur Welt hin zu öffnen. Read the rest of this entry »

Bin sehr dankbar für die beiden ersten Aufführungen, unter anderm Reissi als Carl Muth ist richtig gut rübergekommen. Furchtbare Analyse, dass da ein Krieg, heute der erste Weltkrieg genannt, nur deshalb aufhört, „weil sich die Völker erschöpft fühlen“, dass trotz Friedensschüssen die Feindschaft nur verstärkt wurde. Und dann im Jahr 1918 die Vision malen von einem geeinten Europa. Und von der gegenseitigen Liebe der Völker reden. (Und wäre uns in Europa nicht vieles erspart geblieben…)

Nach dem zweiten Krieg hat es dann plötzlich geklappt (Deutsch-Französische Freundschaft, die Aufbauarbeit dieser Kernachse in Spanien, Portugal, Griechenland, die Integration der Ostländer). Man darf stauen, dass wir heute die Franzosen mögen, die Italiener sowieso, gestern noch selbstverständlich beim Griechen zum Essen waren. Read the rest of this entry »

Der größte Denker aus der Thannhauser Gegend im letzten Jahrhundert war Joseph Bernhart, geb 1881 in Ursberg, gestorben 1961 in Türkheim. Seine Mutter war meines Wissens Thannhauserin . (Joseph Bernhard war zunächst katholischer Priester, dann verheiratet, zeitweise exkommuniziert, dennoch ist er katholisch geblieben. Zuletzt war er lange Jahre Witwer, hielt sich über die Schriftstellerei, Herausgebertätigkeit Übersetzungen u.ä. notdürftig über Wasser. Von seinem großen Fleiß und der Vielfältigkeit seiner Interessen zeugt seine Biographie hier.) Theo Waigel erzählt gern, wie viel er von Bernharts Schriften und deren Tiefe in seiner politischen Arbeit profitiert hat, ein Freund von mir (Thomas A.) schwärmt, er habe hier richtig interessante Dinge über christliche Ehe erfahren. Es gereicht Bernhart zur Ehre, dass er den Artikel schrieb, weswegen Carl Muths Zeitschrift Hochland letztlich verboten wurde. Mit Carl Muth verbindet ihn schon seine Studienzeit, Bernhart scheibt aus seinen ersten Semestern Theologiestudium um 1903 (als er in einem Münchner Priesterseminar wohnte):
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Literaturstreit

16. Oktober 2006

Man kann erzählen, warum Carl Muth sich vom Nazisystem nicht unterkriegen ließ. Sein Lebenswerk war die Zeitschrift Hochland, für die er 40 Jahre verantwortlich tätig war. In der Arbeit als Herausgeber und Autor musste ganzes Leben musste er schwere ideologische Kämpfe bestehen. Aber der Mann hatte eine Vision.
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