Wölflein und reißender Wolf
16. November 2009

2006 © Thorsten Jander
Hörte öfter Wolf Biermanns Lieder zur Friedlichen Revolution: Von den verdorbenen Greisen, Michael Gorbatschow, ich kau mein Herz in Einsamkeit, vom Grab des Vaters in den Lüften. Alle Zeitzeugenbetonen, wie intensiv die Ausbürgerung dieses Komunisten 1976 in der DDR registriert wurde und Honegger und Genossen in ein seltsames Licht stellte. Er ist ein richtig wilder Hund, ich mag seine Texte, seine Melodien und seine Gitarre, ich höre seine Menschliebe hinter dem Zorn – und doch bekommen diese Lieder mir nicht, sie hinterlassen eine Beklommenheit zwischen Herz und Bauch, die ich nicht einfach dadurch loswerde, dass ich sie spüre. Read the rest of this entry »
Verführung des Künstlers
11. September 2009
Nochmal aus Nadolnys Münchner Poetikvorlesungen („Das Erzählen und die gute Absichten“), die ich damals in meinem zweiten Semester an der Uni mit viel Spaß und Verwunderung hörte, der Text kommt fast direkt nach dem im letzten Eintrag zitierten:
In Werner Egks Oper Irische Legende überziehen die Dämonen ein Land mit Hunger, um gegen Nahrungsmittel billig Seelen einzukaufen. Cathleen, die Fürstin, leistet Widerstand, weil sie kraft aus der Liebe zieh, aus der Liebe zu ihrem Freund, dem Dichter. Die Dämonen wissen: Sobald er das Land verläßt, wird sie zusammenbrechen, und damit aller Widerstand im Lande. Sie öffnen im Schlaf sein Ohr und oktroyieren ihm Bilder und Folgerungen, um ihn zu lenken.
„Was siehst du, Dichter, im Traum?“
„Ein Bündel Stroh.“
„Verfaultes Stroh!“
„Verfaultes Stroh.“
„Was siehst du noch?“
„Einen, der auf dem Stroh liegt.“ Read the rest of this entry »
Staatslieder
20. August 2008
Meine Tante erinnert sich an ein Lied, das sie als Schülerin lernen musste. Sie träumte damals, so sagt sie, dass es ein schönes Lied würde mit dem Titel „Als die goldne Abendsonne„. Nein, es war ein Heldenlied. Die beiden ersten Strophen konnte sie noch auswendig
1. Als die goldne Abendsonne
Sandte ihren letzten Schein, letzten Schein
|: Zog ein Regiment von Hitler
In ein kleines Städtchen ein. : | Read the rest of this entry »
Zyklischer Weltverlauf
3. Juli 2008
Ich mag die Lieder, die eine Geschichte erzählen, die am Ende wieder von vorne beginnt. „Where have all the flowers gone“ (Pete Seeger), „Einmal wurde es am Himmel hell“ (Wilhelm Willms, Pit Jansen), „Wo hat das Leben sein Zuhaus?“ (Kathi Stimmer), auch „Ein Loch ist im Eimer Karl-Otto„. Diese Lieder kann man je im Kreis schreiben (Der Sonatenhauptsatz bei Symphonien funktioniert meiner vagen Erinnerung nach auch so ähnlich, da capo al coda.)
Manche anderen Lieder machen das nach, der richtige Effekt tritt ein, wenn man die erste Strophe beim zweitenmal mit einer ganz neuen Intension singt. Read the rest of this entry »
Wann zuletzt Verstecken gespielt?
31. März 2008
Nach dem „Musical“ oder der Kantate „Emmaus“ der Türkheimer (Wegzeichenchor u.a. mit der Michi, Sprechrolle, Gerhard sang als „der Fremde“, jüngster Spieler sein Sohn Johannes, insges. schätze ich 100 Mitwirkende) sagte ich gestern, ich hätte große Bedenken, Auferstehung auf die Bühne zu bringen. Heute würde ich das Gegenteil sagen: Sind es nicht gerade die Geschichten vom auferstandenen Jesus, in denen Jesus den Seinen zuruft: „Fangt mich doch!“. Wie im Kinderversteckspiel, beim Ostereiersuchen: ihr habt wohl gedacht, vor dem Grab stünden Wachen. Ha, die sind eingeschlafen. Read the rest of this entry »
Noch mal
10. Dezember 2007
In der ehemalige Karmelitenkirche, München, wo wir im Januar unser Stück aufführten, war jüngst eine Ausstellung „Noch mal leben“ oder „Noch mal leben vor dem Tod“ (ursprünglich eine Reportage im Magazin „Spiegel“).

Vor heute genau einem Jahr machte ich einen Eintrag zu Konstantin Weckers Weiße Rose Lied (wohl anlässlich des 1982-er Kinofilms „Die weiße Rose“, zu dem er auch ansonsten die Musik machte, geschrieben.) Ich hörte es letzten Mittwoch im Ausstellungsraum, und dieses Lied bekam in jenem Saal den größten Einzelapplaus. So mitreißend dieses und andere Lieder waren, und welch eigene Atmosphäre sie erzeugten, ans Thema Tod kamen sie nicht richtig heran. Umso bemerkenswerter die Fotos und die Erzählungen dazu. Read the rest of this entry »
Grillhähnchen in Langenneufnach
26. November 2007
Nicht nur der Künstler war, wie er selbst bemerkte, im Scheinwerferlicht so etwas wie ein Grillhähnchen, das den Zuhörern serviert wurde, auch der nicht ganz so kleine Gast in der Langenneufnacher Kirche fühlte sich zwischen den Bänken und auf Bankheizung so ein wenig wie im Backofen. (Eine typische Situation für Widerstandskämpfer, siehe die drei Jünglinge im Backofen in Buch Daniel) Es ist mutig, nur mit einer klassischen Gitarre plus eigener Stimme ein Popkonzert zu geben.
Mag seine Lieder und seine Frömmigkeit des Gregor Linsen, wenn ich sie gut kenne: „Vor dir stehn wir um dir zu singen“ erzählte noch einmal die tolle Zeit beim Katholikentag in Saarbrücken. Was mir unter den unbekannten Liedern von bei denen ich mich grundsätzlich schwer tue, herausstach, war ein Lied im Andenken eines Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus. „Unser Ja sein ein Ja, unser Nein ein Nein“. Wusste bisher nichts über Nikolaus Groß, christlicher Arbeitnehmervertreter, Pressemann, Familienvater. Read the rest of this entry »
Energie
11. September 2007
Ein schon teilweise zitierter Liedtext diesmal ganz. Ein Text von jemand der weiß, dass er sterben wird – und endlich, endlich hört er das Wort, mit dem die öffentliche Predigt Jesu beginnt: „Denkt um, denkt 180 Grad anders.“ – und antwortet darauf. Read the rest of this entry »
Wieviel Tod halte ich aus? (und Barockmalerei)
30. Juli 2007
… Ein klein Wenig, das ging beim offenen Singen in Türkheim. Unterer Text sei der letzte von Liedtext von Rolf Krenzer (1936-2007) vor seinem Tod. Das erzählte Robert F., der uns das Lied vorstellte. Mag auch die Melodie von Robert Haas.
Wie mit neuen Augen, beginn’ ich neu zu sehen.
Und mit neuen Augen will ich nun weitergehen.
Den Weg bisher, so lang und schwer, seh ich auf einmal anders.
Ich sehe neu und anders – und wie vorher.
Ich sehe neu und anders – und wie vorher.
Vier Bühnen: Clowns, Kammer, Vampire, Fiktion
13. Februar 2007
Vieles gesehen, die letzte Woche. Alles was man kritisiert auch als Kritik am eigenen verstehen (Kritik kann ja auch ein Lob sein, griechisch krinein heißt einfach urteilen.-): Read the rest of this entry »