Künstler sein
18. April 2009
Kleiner Ostereintrag, ein Lieblingszitat. Lange war dieses Zitat von Vinzent van Gogh Den Rest des Beitrags lesen »
Lachen macht milde
18. Februar 2009
Ich mag Bubers “Erzählungen der Chassidim”, sie sind mir aber oft genug schwer zugänglich, manche gehen mir beim wiederholten Lesen auf. Diesen Vorgang selber kommentiert die folgende Geschichte. (Maggid = Maggid von Mesritsch = Rabbi Bär)
Das Sündenregister
Der Raw von Kolbischow weilte einst in Mesritsch und sah, wie ein alter Mann zum Maggid kam Den Rest des Beitrags lesen »
Begeisterung
9. Januar 2009
Martin Buber hat, soweit ich weiß, in deutscher Sprache die Rabbi-Geschichten des osteuropäischen Judentums gesammelt. Ich zitiere den Anfang seiner Einleitung der “Erzählungen der Chassidim” (einige Auszüge hier). Aber es gilt für alle Kunst, für die die sie schaffen, und für die, die sie produzieren.
Dieses Buch will seinen Leser in eine legendäre Wirklichkeit einführen.
Ich muss sie legendär nennen, denn die Überlieferungen, denen es die ihnen angemessene Form zu geben unternommen hat, sind nicht chronistisch zuverlässig. Sie gehen auf begeisterte Menschen zurück, die in Erinnerungen und in Aufzeichnungen festgehalten haben, was ihre Begeisterung wahrnahm oder wahrzunehmen glaubte, also sowohl manches, was sich zwar begeben hat, aber nur von dem Blick des Begeisterten zu erfassen war Den Rest des Beitrags lesen »
Noch mal
10. Dezember 2007
In der ehemalige Karmelitenkirche, München, wo wir im Januar unser Stück aufführten, war jüngst eine Ausstellung “Noch mal leben” oder “Noch mal leben vor dem Tod” (ursprünglich eine Reportage im Magazin “Spiegel”).

Vor heute genau einem Jahr machte ich einen Eintrag zu Konstantin Weckers Weiße Rose Lied (wohl anlässlich des 1982-er Kinofilms “Die weiße Rose”, zu dem er auch ansonsten die Musik machte, geschrieben.) Ich hörte es letzten Mittwoch im Ausstellungsraum, und dieses Lied bekam in jenem Saal den größten Einzelapplaus. So mitreißend dieses und andere Lieder waren, und welch eigene Atmosphäre sie erzeugten, ans Thema Tod kamen sie nicht richtig heran. Umso bemerkenswerter die Fotos und die Erzählungen dazu. Den Rest des Beitrags lesen »
Pascals Maschine
30. August 2007
Für Zeiten, in denen man Klarheit bracht, empfehle ich, (wenn man nicht in eine Kathedrale gehen kann) sich Blaice Pascals (1623-62) Aufzeichnungen zu verlinken (oder die Pensées im Orignial nachzulesen). Mit klare Worte meine ich eindeutige Worte, so wie in den Märchen, aber doch Theorie. Zum Beispiel:
Die Menschen beschäftigen sich damit, einem Ball und einem Hasen nachzujagen. Das ist selbst das Vergnügen der Könige. (Pensées, 40)
Der Ball und der Hase, dem Pascal drei Jahre nachjagte, war eine Rechenmaschine, ein früher Vorläufer der heutigen Computer (siehe Bild). Eine große Erfindung. Descartes dachte damals, alles außer dem menschlichen Geist sei Maschine, sogar der menschliche Körper und die Tiere. Der erste Rechenmaschinenbauer Pascal reflektierte über unser Verhältnis zur Maschine Den Rest des Beitrags lesen »
Fast rauschhafte Freiheit
9. Juli 2007
Der Ruf des Hans Scholl nach Freiheit war wahrscheinlich nicht nur eine Hoffnung für Deutschland. Ich denke, dass eine Art Freiheit auch in seinem Inneren lebte. Um zu erläutern, was ich meine, ein Zitat von Ruth Pfau, auf die ich ja schon öfter in diesem Blog hingewiesen habe. Man muss wissen sie ist Ärztin in der pakistanischen Millionenstadt Karachi (mehr Bilder hier); als Jugendliche (*1929) noch die Bombadierungen von Leipzig am eigenen Leibe mitbekommen. Den Rest des Beitrags lesen »
Die am wenigsten schlechten Götzen suchen
17. Mai 2007
Noch einmal ein Eintrag zu Simone Weil, neben Sophie Scholl und Kurt Huber die einzige Philosophin im Widerstand gegen Hitler, die ich kenne. Simone Weil spricht davon, dass das Leben des Menschen ein Leben in der Höhle ist. Ein Leben im Dunkeln, Begrenzten. Als späte Schülerin Platons meint sie mit der Höhle die recht beschränkte Erkenntnis des Menschen: Man erlebt das Leben wie einen Film, fasziniert von dem, was da vorne läuft, hat man längst vergessen, dass es nicht die Wirklichkeit ist, dass man ja eigentlich einen Bewegungsspielraum hätte, dass man auf der Leinwand nur Abbilder von Abbildern sieht. Den Rest des Beitrags lesen »
Mit dem Leben spielen
29. März 2007
Mit dem Leben spielen – das tut nicht nur der, der Russisch Roulette spielt, der Soldat und der Widerständler gegen eine Diktatur. Es tun auch Theaterspieler und überhaupt Leute, die mit der Freude eines Spiels an alles herangehen, was sie tun. Zum Beispiel die genauen Beobachterinnen der Natur. War sehr happy, als ich zwei Jahre nach der Lektüre von “Der freie Fall der Spottdrossel” einen Vogel sah, der irgendwo bei mir den Wohnblock herunterfiel und erst kurz vor dem Boden die Flügel aufspannte, um dann sanft zu landen. Vielleicht (nur) eine beinahe mißglückte Flugübung eines Jungvogels, der gerade aus dem Nest geworfen wird. Annie Dillard, die Autorin des Buches, damals noch keine 30 Jahre, hat in ihrer TBC-Rekonvaleszenz ein Jahr zum Spielen geschenkt bekommen, sie spielt Beobachterin der Natur. (Es scheint, dass diese Krankheit auch mit ihrem Leben gespielt hat.) Zitiere einen Text zum Abgrund des Spielens (aus “Der freie Fall der Spottdrossel”, S. 290), der Text erinnert mich an Sophie Scholls Tagebücher: Den Rest des Beitrags lesen »
Widerstandscharakter
19. März 2007
Einen Charakter, der von Natur her Widerstand gegen Diktaturen und Unrecht an den kleinen Leuten ist, hatte Simone Weil (1909-1943, Biographie hier, siehe auch hier). Das gibt bei ihr soweit, dass sie trotz sicherem Aufenthaltsort und schwerer Krankheit unbedingt wieder ins besetzte Frankreich wollte, um mit der Résistance gegen die Nazis zu kämpfen. Von ihr kann man lernen. Ich gebe eine kurze Leseprobe: (Vor man diesen Satz liest, sich bitte zusammennehmen und alle seltsamen Assoziationen zum Begriff “Tugend” aus dem Kopf streichen.)
Was die tugendhaften Handlungen betrifft – nur diejenigen ausführen, denen man nicht entgehen kann, das, was zu unterlassen unmöglich ist; aber unaufhörlich durch gezielte Aufmerksamkeit die Zahl derjenigen erhöhen, die man unmöglich unterlassen kann.
Jedesmal, wenn man einen Fehler bei jemand anderem bemerkt, sich fragen, ob man ihn selbst auch begeht; aber sich genauso fragen, ob man vielleicht den entgegengesetzten oder entsprechende Fehler begeht.
Hab immer noch im Kopf, dass diese Frau irgendwann 1933 oder 1934 in Deutschland war und dann in einem Aufsatz aufgeschrieben haben soll, was dann später so alles passierte.
Traumsatz, Erfolg
17. Januar 2007
Es könnte ja sein, dass wir Erfolg haben auch bei den Münchner Aufführungen. Deshalb fand ich wieder einen Satz, den ich einst auswendiglernte und wieder vergaß.
“Das einzige, was wirklich zählt, ist gläubiges Handeln” schreibt Teilhard. “Es lohnt sich nicht, sich mit persönlichem Erfolg oder persönlicher Befriedigung aufzuhalten.”
zitiert aus Annie Dillard, Außer der Zeit (For the time Being), 1999. Sie zitiert den Jesuiten Pierre Teilhard de Chardin, Paläontologe, von dem es heißt, dass manche Päpste des letzten Jahrhunderts einerseits verboten, seine theologischen Schriften mit kirchlicher Erlaubnis zu drucken, andererseits sie gleichzeitig auf dem Nachtkästchen stehen hatten. (Auf dem ersten Blick meinte ich diese Ambivalenz auf dem Foto nebenan zu sehen, aber es sind nur zwei Fotos aufeinander. Aber vielleicht doch: Johannes Paul macht sich Gedanken über diesen seltsamen Mann.) Mich interessiert die englische Übersetzung und das wohl französische Original dieses (wohl über solche innerkirchlichen Debatten erhobenen) Zitats.
Es folgt noch kurz meine sehr unvollkommene Deutung des Satzes, wem sie gefällt und wem sie nicht gefällt, der bleibe in jedem Fall besser bei jenem Traumsatz. Sodenn: Mein Job ist es unter anderem, an euch alle, meine Spieler und das Eure zu glauben, an mich selber, ebenso wie daran, dass das Tun der Scholls Sinn machte als auch daran, dass alles gut is … den letzten Buchstaben schreib ich nicht hin, weil uns Menschen das, sollte es so sein, heute noch verborgen ist.