Das nächste Projekt
2. Oktober 2007
Zum einjährigen Bestehen und 20.000 Klick auf die Seite (meine sind nicht mitgezählt), ein kleiner Ausblick und Rückblick. Wir hatten die meisten Klicks in den Aufführungsmonaten November und Januar, doch jetzt seltsamerweise im September, ein Jahr nach Probenbeginn die allermeisten. Dazu tragen seltsame Dinge bei. Domis gezeichnete Hand aus dem Programm ist unter Google Bilder unter „Hand“ verhältnismäßig hoch gerankt, und manche Schüler geben „Kriegsgedichte“ ein und finden dazu einen einschlägigen Artikel.
Ein Anderer werden
14. September 2007
Man wird dadurch man selber, indem man ein anderer wird.
The only way a person can become himself is by becoming someone else.
Ein Satz für Theaterspieler, deshalb nochmal, jetzt als Buchzitat:
One cannot become oneself unless one becomes somebody else.
Pascals Maschine
30. August 2007
Für Zeiten, in denen man Klarheit bracht, empfehle ich, (wenn man nicht in eine Kathedrale gehen kann) sich Blaice Pascals (1623-62) Aufzeichnungen zu verlinken (oder die Pensées im Orignial nachzulesen). Mit klare Worte meine ich eindeutige Worte, so wie in den Märchen, aber doch Theorie. Zum Beispiel:
Die Menschen beschäftigen sich damit, einem Ball und einem Hasen nachzujagen. Das ist selbst das Vergnügen der Könige. (Pensées, 40)
Der Ball und der Hase, dem Pascal drei Jahre nachjagte, war eine Rechenmaschine, ein früher Vorläufer der heutigen Computer (siehe Bild). Eine große Erfindung. Descartes dachte damals, alles außer dem menschlichen Geist sei Maschine, sogar der menschliche Körper und die Tiere. Der erste Rechenmaschinenbauer Pascal reflektierte über unser Verhältnis zur Maschine Read the rest of this entry »
Das Leben als Zugfahren (Bieri, Eich)
16. August 2007
Ich kenne ja die Zugstrecke von Ulm nach München, vor allem jenes Stück ab Dinkelscherben, das auch die Schollgeschwister oft genug gefahren sind. Mit dem leeren Koffer wolle sie Wäsche von zuhause abholen, so log Sophie beim Verhör. Ich kenne in der Weißen Rose Literatur keinen Vergleich zwischen Zugfahrt und Leben. Andererseits liegt das in der Luft:
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält. Read the rest of this entry »
Umgang mit den Feinden: Kino, Potter, Frodo
2. Mai 2007
Liebt, die euch hassen, tut Gutes denen, die euch verfolgen. Mit wunderbarem Humor nimmt der dänische Spielfilm „Adams Äpfel“, der letzten Herbst im Kino lief, diese Anregung des J.v.N. auf (Filmkritiken hier und hier). Selten ging ich so reich beschenkt und aufatmend aus einem Kino oder Theater – nach einer Komödie! Pastor Iwan lebt mit Leuten zusammen, die nach einem Gefängnisaufenthalt noch einmal eine Art Bewährung machen müssen. Darunter ein Skinhead, Adam, von dem er sich zusammenschlagen lässt. Nachher existiert dieses Ereignis für ihn einfach nicht mehr (für den Zuschauer bleibt es immer sichtbar, lange trägt Iwan eine Nasenschiene und nachher ist seine Nase so richtig schief). Read the rest of this entry »
Notlage und Rettung
23. April 2007
Anlässlich des heutigen Namenstages zweier Regiemitglieder eine von meinen liebsten dramatischen Erzählungen und eine Geschichte, die mir manches bedeutet. Wir sind im legendären Land Lybia, in die Stadt Silena, ich zitiere die mittelalterliche Schrift Legenda Aurea (um 1279):
Nahe bei der Stadt war ein See, so groß als ein Meer, darin wohnte ein giftiger Drache, der hatte schon oft das ganze Volk in die Flucht getrieben, wann es gewappnet wider ihn zog. Dann kam er bis unter die Mauern der Stadt und verpestete alles mit seinem Gifthauch. Also gaben ihm die Bürger täglich zwei Schafe, dass sie seinen Grimm stilleten; Read the rest of this entry »
Theaterfest – Zukunft – Anliegen
11. April 2007
Jetzt ist auch das Theaterfest (13. April) vorbei, pünktlich zum 100. Eintrag in diesem Blog, kurz vor dem 10.000. Klick (genaue Anzahl 9.822), nach über 2000 abgefangenen Spam-Posts, 26 Kommentaren. So als Erinnerung nochmal ein Münchner Foto.

Freute mich sehr über euer zahlreiches Erscheinen und das Ambiente, insbesondere mehrere Filmchen und Präsentationen zum Spiel. Wünsche mir, dass es mit KJT-Theater bald weitergeht, selber aber muss ich erstmal eine andere Priorität setzen.
Bloge vielleicht ab und zu weiter, weil mir das Thema recht am Herzen liegt. Vermute immer noch, wir leben, weil sie bereit waren für das Ihre zu sterben. Wir würden vielleicht auch leben, wenn es die Widerständler nicht gegeben hätte, aber anders, mit weniger Hoffnung, mit weniger Weisheit. Iwan Illitsch in Leo Tolstojs: „Der Tod des Iwan Iljitsch“ wusste es erst viel später, und wie hätte es sein Leben bereichert zu wissen…(was ich schon zu oft gesagt habe, der geneigte Leser hat wahrscheinlich schon davon gehört.)
Zitat Donna Leon, Weltwoche (Link wie oben auf Leo Tolstoi): „Es ist unmöglich, diese Novelle zu lesen, ohne darob zu erschauern, wie genau sie unsere Zeit widerspiegelt.“
Mit dem Leben spielen
29. März 2007
Mit dem Leben spielen – das tut nicht nur der, der Russisch Roulette spielt, der Soldat und der Widerständler gegen eine Diktatur. Es tun auch Theaterspieler und überhaupt Leute, die mit der Freude eines Spiels an alles herangehen, was sie tun. Zum Beispiel die genauen Beobachterinnen der Natur. War sehr happy, als ich zwei Jahre nach der Lektüre von „Der freie Fall der Spottdrossel“ einen Vogel sah, der irgendwo bei mir den Wohnblock herunterfiel und erst kurz vor dem Boden die Flügel aufspannte, um dann sanft zu landen. Vielleicht (nur) eine beinahe mißglückte Flugübung eines Jungvogels, der gerade aus dem Nest geworfen wird. Annie Dillard, die Autorin des Buches, damals noch keine 30 Jahre, hat in ihrer TBC-Rekonvaleszenz ein Jahr zum Spielen geschenkt bekommen, sie spielt Beobachterin der Natur. (Es scheint, dass diese Krankheit auch mit ihrem Leben gespielt hat.) Zitiere einen Text zum Abgrund des Spielens (aus „Der freie Fall der Spottdrossel“, S. 290), der Text erinnert mich an Sophie Scholls Tagebücher: Read the rest of this entry »
Ohne Recht und Demokratie
2. Februar 2007
Hörte in den letzten Tagen die ersten vier von sechs CDs vom Hörbuch „Schindlers Liste“, den Roman bzw. Sachbuch gab es schon vor dem Film. Man muss sich schon einiges vormachen, um das hören zu können, es ist leider nicht ganz weit weg. Dass wir diese Ebene im Stück fast weggelassen haben, verweist darauf, dass wir den Abgründen des Nationalsozialismus nicht nahe gekommen sind. (Immerhin war das auch nicht unser Anspruch.)
Lese über das heutige Russland im Blog eines Rechtsanwaltes Amsterdam:
Seit Juli 2003 vertritt Amsterdam Chodorkowski, einst einer der russischen Megareichen. Jetzt sitzt der Milliardär unter anderem wegen Steuerhinterziehung und Betrugs im sibirischen Straflager Krasnokamensk. Noch mindestens sechs Jahre liegen vor ihm. Erst am Mittwoch erreichte Amsterdam einen Minisieg vor Gericht: Dass Wärter den Sträfling wegen zweier Zitronen, die in seiner Zelle gefunden wurden, in Isolationshaft gesteckt hatten, erklärten die Richter für ungerechtfertigt. Über Chodorkowskis Lage macht sich sein Anwalt keine Illusionen. „In dieses Lager bringt man Leute nur aus einem Grund: zum Sterben.“
Graphikkonzept und Aladins Wunderlampe
29. Januar 2007
Wir hatten ein verhältnismäßig einheitliches graphisches Konzept. Die dünn aufgetragenen Flüchtenden auf dem Plakat, der Körper aller Gestalten im Programm ist weiß gelassen. Ob das mehr etwas Chinesisches ist oder den Kohlezeichnungen (man verbessere mich, wenn das falsch ist) einer Käthe Kollwitz oder einer Tisa von der Schulenburg nachempfunden ist, kann ich nicht sagen. Sicher ist es auch original Dominik G. Im Programm malt Domi wie die letzteren Malerinnen eher die vom Schicksal gezeichneten Menschen. Anders die Vorderseite. Dort laufen wahlweise Hans und Sophie Scholl – oder Lilo Ramdohr und Alexander Schmorell – dem Betrachter davon. Sie laufen nicht mehr wie Kinder, sie scheinen das Leben zu kennen, die Frau schaut sogar bewusst und skeptisch nach hinten. Aber sie laufen leicht. Unsere gemeinsame Intension ist ja, dass sie den Titel widerspiegeln. Fangt uns doch! (Zu leicht, und zu überraschend sei dieser Schluss gewesen, so sagten uns manche Zuschauer.) Read the rest of this entry »
