<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	xmlns:georss="http://www.georss.org/georss" xmlns:geo="http://www.w3.org/2003/01/geo/wgs84_pos#" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"
	>

<channel>
	<title>Fangt uns doch &#187; Literarische Prosa</title>
	<atom:link href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/category/literarische-prosa/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com</link>
	<description>Wie kam es soweit, dass Hans und Sophie Scholl gegen die nationalsozialistische Diktatur aktiv wurden? Weblog gegründet als: Tüfteleien und Motivation zum Theaterstück der KJT 2006/07: „Fangt uns doch“</description>
	<lastBuildDate>Sat, 12 Dec 2009 12:04:27 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.com/</generator>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<cloud domain='fangtunsdoch.wordpress.com' port='80' path='/?rsscloud=notify' registerProcedure='' protocol='http-post' />
<image>
		<url>http://www.gravatar.com/blavatar/5004a77ec62c2e964c4ca5a74fbdc5fa?s=96&#038;d=http://s.wordpress.com/i/buttonw-com.png</url>
		<title>Fangt uns doch &#187; Literarische Prosa</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com</link>
	</image>
	<atom:link rel="search" type="application/opensearchdescription+xml" href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/osd.xml" title="Fangt uns doch" />
		<item>
		<title>Verführung des Künstlers</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/09/11/verfuhrung-des-kunstlers/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/09/11/verfuhrung-des-kunstlers/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 13:24:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://fangtunsdoch.wordpress.com/?p=558</guid>
		<description><![CDATA[Nochmal aus Nadolnys Münchner Poetikvorlesungen (&#8222;Das Erzählen und die gute Absichten&#8220;), die ich damals in meinem zweiten Semester an der Uni mit viel Spaß und Verwunderung hörte, der Text kommt fast direkt nach dem im letzten Eintrag zitierten:
In Werner Egks Oper Irische Legende überziehen die Dämonen ein Land mit Hunger, um gegen Nahrungsmittel billig Seelen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=558&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.natursteine-blog.de/wp-content/uploads/2007/09/saulenbasalt.jpg" alt="" width="334" height="224" />Nochmal aus Nadolnys Münchner Poetikvorlesungen (&#8222;Das Erzählen und die gute Absichten&#8220;), die ich damals in meinem zweiten Semester an der Uni mit viel Spaß und Verwunderung hörte, der Text kommt fast direkt nach dem im letzten Eintrag zitierten:</p>
<p style="padding-left:30px;">In Werner Egks Oper<a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=54252019&amp;suchbegriff=Egk,%20Werner:%20Irische%20Legende&amp;top=Lexikon"> Irische Legende</a> überziehen die Dämonen ein Land mit Hunger, um gegen Nahrungsmittel billig Seelen einzukaufen. Cathleen, die Fürstin, leistet Widerstand, weil sie kraft aus der Liebe zieh, aus der Liebe zu ihrem Freund, dem Dichter. Die Dämonen wissen: Sobald er das Land verläßt, wird sie zusammenbrechen, und damit aller Widerstand im Lande. Sie öffnen im Schlaf sein Ohr und oktroyieren ihm Bilder und Folgerungen, um ihn zu lenken.<br />
„Was siehst du, Dichter, im Traum?“<br />
„Ein Bündel Stroh.“<br />
„Verfaultes Stroh!“<br />
„Verfaultes Stroh.“<br />
„Was siehst du noch?“<br />
„Einen, der auf dem Stroh liegt.“<span id="more-558"></span><br />
„Einen Aussätzigen!“<br />
„Einen Aussätzigen.“<br />
„Was hält seine Hand, kraftlos?“<br />
„Ein Stück Brot.“<br />
„Schimmlige Rinde!“<br />
„Schimmlige Rinde.“<br />
„Was hörst du?“<br />
„Seltsamen Gesang hör ich, seltsamen Gesang.“<br />
„Gewinsel hörst du, wie von einem Hund vor der Tür!“<br />
„Gewinsel, ja.“<br />
„Wer ist&#8217;s, der mißönt?“<br />
<img src="http://www.natursteine-blog.de/wp-content/uploads/2007/09/saulenbasalt.jpg" alt="" width="334" height="224" />„Der das Brot hält.“<br />
„Was will er?“<br />
„Dank sagen für das Brot.“<br />
„Hörst du ihn noch?“<br />
„Nein, jetzt nicht mehr.“<br />
„Erkennst du ihn?“<br />
„Nein.“<br />
„Du bist&#8217;s doch selber! Du selbst! &#8230; Und in wenig Tagen wirst du sein so wie dies Traumbild, wenn du nicht fliehst aus diesem Pestland!“<br />
Der Dichter sträubt sich noch und sie fragen ihn: „Wozu bist du geschaffen, Dichter?“<br />
„Zu singen.“<br />
„Wann tönte dein letzter Gesang?“<br />
„Vor dem Hunger.“<br />
„Warum singst du nicht mehr?“<br />
„Ich kann nicht, mitten im Untergang.“<br />
Die Dämonen haben die Quelle gefunden, aus der der Dichter schöpft. Der Traum ist seine Inspiration, seine Gewissheit seit je, ihr glaubt er. Um ihn zu manipulieren, brauchen sie nicht einmal mystisch-rätselhafte Sätze. Ein Stakkato von Fragen und – immanent folgerichtigen – Feststellungen genügt. Er wacht auf und ist plötzlich von der Pflicht beseelt, das Land zu verlassen um seiner Berufung nicht untreu zu werden. Egks großartiges, auch sprachlich großes Libretto enthält die zeitlos gültige, grausam genaue Schilderung der Verführbarkeit des Dichters – dort, wo er am stärksten ist.<br />
Gerade die noch unbegriffene, noch nicht mißtrauisch abgeklopfte Inspiration ist Voraussetzung literarischer Erfindung – jedenfalls der überzeugenden. Aber da liegt auch ein Problem. Einerseits: wer nicht verwirrt ist, der hat keine Ahnung. Er wird nichts Neues wittern und erschaffen. Andererseits: wer verwirrt ist, kann nicht handeln und ist nur allzuleicht manipulierbar. Wer können nur hoffen, dass die beiden Übel sich die Waage halten. (34-36)</p>
<p>Egk (1901-1983) war, so wie ich seinen Wiki-Eintrag verstehe, eine Art Hofkomponist der Nazis &#8211; er weiß wohl, was Verführbarkeit ist, später hat er die Sache auch in einer Autobiographie bearbeitet.  (Vielleicht auch so, dass er die Seele verkaufte um irgendetwas zu retten &#8211; so wie es von der Hauptperson der Oper erzählt wird.)</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/558/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/558/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/558/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/558/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/558/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/558/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/558/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/558/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/558/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/558/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=558&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/09/11/verfuhrung-des-kunstlers/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/d3fdab92e23499caadf1726d4c061f53?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">fangtunsdoch</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://www.natursteine-blog.de/wp-content/uploads/2007/09/saulenbasalt.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://www.natursteine-blog.de/wp-content/uploads/2007/09/saulenbasalt.jpg" medium="image" />
	</item>
		<item>
		<title>Michael Ende und die Moderne</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/06/17/michael-ende-und-die-moderne/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/06/17/michael-ende-und-die-moderne/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 17 Jun 2009 19:47:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://fangtunsdoch.wordpress.com/?p=510</guid>
		<description><![CDATA[Jüngst (wahrscheinlich) erstmals nach der Kindheit nochmal &#8222;Die unendliche Geschichte&#8220; gelesen. Michael Ende sagte einmal darüber (bitte nicht überbewerten, er wollte eigentlich keine Deutung geben)
&#8222;Das ist nämlich die Geschichte eines Jungen, der seine Innenwelt, also seine mythische Welt, verliert in dieser einen Nacht der Krise, einer Lebenskrise, sie löst sich in Nichts auf, und er [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=510&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.oobe.ch/wzpic/730419.jpg" alt="" width="287" height="311" />Jüngst (wahrscheinlich) erstmals nach der Kindheit nochmal &#8222;Die unendliche Geschichte&#8220; gelesen. <a href="http://www.michaelende.de/">Michael Ende</a> sagte einmal darüber (bitte nicht überbewerten, er wollte eigentlich keine Deutung geben)</p>
<p style="padding-left:30px;">&#8222;Das ist nämlich die Geschichte eines Jungen, der seine Innenwelt, also seine mythische Welt, verliert in dieser einen Nacht der Krise, einer Lebenskrise, sie löst sich in Nichts auf, und er muss hineinspringen in dieses Nichts, das müssen wir Europäer nämlich auch tun. Es ist uns gelungen, alle Werte aufzulösen, und nun müssen wir hineinspringen, und nur, indem wir den Mut haben, dort hineinzuspringen in dieses Nichts, können wir die eigensten, innersten schöpferischen Kräfte wiedererwecken und ein neues Phantásien, d.h. eine neue Wertewelt aufbauen&#8220;.</p>
<p>Zitiere <a href="http://www.oobe.ch/ende02.htm">Michael Ende aus einem Briefwechsel</a> mit <a href="http://www.oobe.ch/">Werner Zurfluh</a>:</p>
<p style="padding-left:30px;">Ich weiß nicht, ob es übertrieben klingt, wenn ich sage: Ich interessiere mich eigentlich nicht sonderlich für mich selbst &#8211; nur so um meiner selbst willen. <img title="Mehr …" src="../wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" /><img title="Mehr …" src="../wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" /><span id="more-510"></span>Was mich interessiert ist die Frage, was ich mit meinen Möglichkeiten dazu tun kann, daß wir aus dieser verdammten Kulturmisere wieder herauskommen, in die sich die gesamte &#8222;zivilisierte&#8220; Menschheit hineinmanövriert hat. Der naturwissenschaftliche, technologische, industrielle Fortschritt ist da und wird weitergehen &#8211; aber wenn kein Gegengewicht auf der &#8222;anderen&#8220; Seite diese Entwicklungen ausbalanziert, dann werden wir immer tiefer in eine buchstäblich mörderische Banalität hineinschlittern, in eine &#8222;brave new world&#8220; der totalen Wesenlosigkeit und der totalen Bequemlichkeit &#8211; oder es kommt eben zu all den oft genug besprochenen Katastrophen. Beides wäre gleichermaßen schlimm.<br />
Nun, Kultur ist ja nicht die Gemeinsamkeit von Meinungen und Ansichten &#8211; in einer Kultur können sehr divergierende Meinungen zum Ausdruck kommen &#8211; Kultur ist die Gemeinsamkeit einer Lebensgebärde, innerhalb derer die verschiedensten Ansichten Gestalt gewinnen. Deshalb beruht jede mir bekannte Kultur auch nicht auf einer Welt e r k l ä r u n g, sondern hat im Zentrum einen Mythos. Ein Mythos ist ja eine E r z ä h l u n g, in der die ganze Widersprüchlichkeit des Lebens und der Welt nicht aufgelöst, sondern in Bildern dargestellt wird. Eine Zivilisation wie die unsere, die letztlich an eine restlose Erklärbarkeit der Welt und der Lebenstatsachen glaubt, kann per se natürlich keinen wirklichen Mythos in ihrem Zentrum haben. Diese Mythenlosigkeit schließt aber wiederum eine gemeinsame Lebensgebärde aus. Daher das Gefühl einer geradezu kosmischen Einsamkeit, das jeder einzelne heute erlebt. Jeder versucht sich jedem zu erklären, und je mehr man erklärt, desto weniger versteht man einander.<br />
Verstehen Sie mich, bitte, nicht falsch. Ich beklage das nicht. Ich bin vielmehr der Meinung, daß dieses Durchleben des Fokuspunktes, dieses Reduziertsein auf das eigene Bewußtsein, dieser Weltverlust sich mit Notwendigkeit vollziehen mußte. Eben dadurch wurde der Mensch sozusagen selbständig, mündig. Aber man kann natürlich in diesem Fokus- oder Nullpunkt nicht verweilen, sich nicht häuslich darin einrichten. Das würde zu einem vollkommenen Zerfall aller sozialen Strukturen, aller Gemeinsamkeit, ja der Sprache selbst führen [...]<br />
<img class="alignright" src="http://www.oobe.ch/wzpic/egypt.jpg" alt="" width="291" height="287" />Nun hilft es uns aber wenig, auf solche alten Kulturen zurückzublicken, weil wir inzwischen vor Fragen stehen, vor denen die Menschheit noch nie bisher gestanden hat. Alle alten Kulturen beziehen ihren Mythos, ihre Gemeinsamkeit aus etwas &#8211; wie soll ich sagen &#8211; Genetischem, Instiktivem, aus einer körperlichen Volks-, Stammes- oder sogar Familienzugehörigkeit. Sie sind vor-individuell. Das Einzelbewußtsein spielt kaum eine Rolle. Daher auch das eigentümlich Überlebensgroße, Allgemeine, Unindividuelle aller mythischen Figuren. Eine Kultur freier, selbständiger Individualitäten hat es bisher noch nie gegeben. Zunächst erscheint soetwas ja geradezu als eine Unmöglichkeit, ein Paradoxon: Wie kann es die gemeinsame Lebensgebärde vieler Einzelner geben? Auf der anderen Seite gibt es kein Zurück mehr. Wie verheerend sich der Versuch auswirken muß, den heutigen Menschen wieder in Volks- oder Rassezusammenhänge zu integrieren, hat sich ja am Nazismus gezeigt. Was vor 2000 Jahren gut war, wirkt heute dämonisch. So ist es ja überhaupt mit Gut und Böse. Aber das ist nicht die einzige Tendenz, den Menschen zu entindividualisieren. Viele andere Systeme wollen es auf andere Weise erreichen, weil sie alle mit der Frege nicht fertig werden, wie es eine Gesellschaft oder Kultur freier Individualitäten geben soll.<br />
[zwei Tage später setzt er den Brief fort]<br />
Beim Durchlesen dessen, was ich da vorgestern geschrieben habe, erschrecke ich etwas über den akademischen, rechthaberischen Tonfall. Es ist mein alter Fehler, etwas in wenigen Sätzen erklären zu wollen, wozu man sich viel Zeit (und Papier) nehmen müßte. Außerdem weiß ich gar nicht, ob diese ganzen Überlegungen für Sie überhaupt von Interesse sind. Wenn ja, fassen Sie bitte nachl Da ich eigentlich auf eine ganz persönliche Frage kommen möchte, will ich den vorigen Faden jetzt so kurz wie möglich abschneiden: Ich bin durchaus der Meinung,daß die Lösung des Paradoxes möglich ist, d.h. daß es eine gemeinsame Lebensgebärde, sprich Kultur, vieler Individualitäten geben kann, daß es unsere Aufgabe ist, sie zu er-finden oder sie wenigstens vorzubereiten. (Vielleicht oder wahrscheinlich werden vorher noch einige Katastrophen zu durchleben sein, die vor allem die ökonomischen Grundlagen unserer <img class="alignright" src="http://www.oobe.ch/wzpic/wz0018.jpg" alt="" width="221" height="288" />Gesellscheft auf ganz andere Füße stellen &#8211; auch das ein eigenes Thema !) Was Sie in Ihrem Buch an Erfahrungen beschreiben, erscheint mir als der Anfang, das Erwachen einer ganz neuen Seelenfähigkeit. Ihr Vorschlag, das Klarträumen als Unterrichtsfach in künftige Schulen einzuführen, entzückt mich. Mein Gott, was für ein begeisterter Schüler wäre ich da gewesen ! In meinen Schulen hat man uns das Träumen gründlich abzugewöhnen versucht.</p>
<p>Dass Ende das Tagträumen und Außer-Körper-Erfahrungen erlernen will, klingt so ein bischen wie Goethes Faust den Kontakt mit der Geisterwelt sucht. (Später zitiert Ende tatsächlich Fausts Monolog und was er alles schon probiert hat.) Er kommt bald wieder auf sein eigentliches Anliegen:</p>
<p style="padding-left:30px;">Ich befinde mich da in einer sonderbaren Situation. Ich sitze seit Jahren, oder besser gesagt seit Jahrzehnten (ich bin fast sechzig) sozusagen festgebannt auf der Schwelle zwischen beiden Wirklichkeiten. Eine Rückkehr in den naiven Glauben an die Alltagsrealität ist mir nicht möglich. Es macht mich oft geradezu ratlos vor Erstaunen, wie fraglos viele Menschen diese Alltagsrealität &#8222;für bare Münze&#8220; nehmen. Trotzdem ist mir der Schritt zu einem wirklichen Wachwerden auf der anderen Seite der Schwelle bisher nie gelungen. Ich sollte vielleicht der Klarheit halber hinzufügen, daß ich durchaus Übungen gemacht habe &#8211; am längsten wohl die von Steiner angegebenen, aber auch andere. Drogen habe ich allerdings nie benutzt. Alle diese Übungen haben bei mir überhaupt nichts in Bewegung gebracht, im Gegenteil, mein Traumleben intensivierte sich nicht, sondern begann durch besagte Konzentrations- und Meditationsübungen geradezu abzuwelken. Ich kenne Leute, die Steiners Meditationssprüche seit vierzig Jahren täglich üben. Auf meine gespannte Frage &#8222;Und?&#8220;, antwortete man mir, daß die Sprüche nun allmählich anfingen zu leuchten. Darauf antwortete ich, daß vermutlich auch das Telefonbuch anfängt zu leuchten, wenn man es vierzig Jahre lang meditiert.<br />
Was sich durch alles das bei mir eingestellt hat, ist eine tiefe Entmutigung. Sie verstehen, daß das kein Mangel an Mut ist. Ich bin zwar gewiß kein &#8222;makelloser Krieger&#8220; im Sinne des alten Don Juan, aber ich bin kein Feigling. Ich sage das nicht leichtfertig. Im Grunde weiß man ja nie, ob man Mut hat oder nicht, ehe man nicht in Situationen gekommen ist, in denen sich das herausstellt.</p>
<p>Dann diskutiert Ende mögliche Wege, unplausibel scheint ihm, dass es bei ihm daran liege</p>
<ul>
<li> dass man &#8222;erst einmal ein makelloser, tugendhafter, asketischer Mensch werden&#8220; solle oder</li>
<li>dass für ihn &#8222;das größte Hindernis in gewissen vorgefaßten Meinungen über die Existenz oder Nichtexistenz, oder ganz generell über die Beschaffenheit der nichtalltäglichen Wirklichkeit liegt&#8220;</li>
</ul>
<p>Die Anfrage zum Briefende: &#8222;Glauben Sie, ich muß mich damit abfinden, daß ich vor meinem Tode keinen b e w u ß t e n Zugang zur &#8222;anderen&#8220;Wirklichkeit bekomme?&#8220;. Antwort Werner Zurfluh:</p>
<p style="padding-left:30px;">Streben meint nämlich stets Zielbezogenheit und Gerichtetheit. Und es gibt genug Schulungswege, die sich irgendwelchen Zielvorstellungen verschrieben haben. Dabei geht von allem Anfang an die Poesie verloren und Macht und Willkür übernehmen das Szepter. Erkenntnis als solche ist stets unerwartet, offen, verblüffend und erschreckend, manchmal auch leise und verhalten. Wer dagegen nach Erkenntnis strebt, glaubt allemal schon zum voraus zu wissen, was ihn da erwartet und verliert unterwegs seine Offenheit und Redlichkeit. Dabei bleibt die spontane (&#8216;alchemistische&#8217;) Kunst im Wuste der formalen Anweisungen stecken. Dass Sie sich dagegen wehren, kann mich nur freuen.[...]<br />
Nur erstaunlich, dass in beinahe allen Grosskulturen die Spontaneität und schöpferische Gestaltungskraft erfahrungsbegründeter Sprache in kanonisierte Schriftlichkeit absackte und schliesslich in formalistischer Schulung erstarrte. Priester traten anstelle von Propheten, Schriftgelehrte ersetzten Seher. Ganz anders die indianische und schamanistische Kultur mit ihrer echten Akzeptierung der &#8216;Traumwelt&#8217; als nichtalltägliche Wirklichkeit. Da spielt das Einzelbewusstsein eine wesentliche Rolle &#8211; oder müsste ich vielmehr sagen, da hat das Erzählerische eine gesellschaftsformende Kraft, weil alle Erzählungen aus der persönlichen Erfahrung heraus entstehen und in die soziale Struktur miteinbezogen werden. Wird dagegen der Mythos des einzelnen Menschen zu einem rein subjektiv erzeugten Fantasieprodukt erklärt, geht der Anspruch freier, selbständiger Individualitäten auf Intersubjektivität und gesellschaftlicher Relevanz vollends verloren.</p>
<p>Ein späterer Brief geht härter mit Michael Ende um:</p>
<p style="padding-left:30px;"><img class="alignright" src="http://www.oobe.ch/wzpic/mandala3.jpg" alt="" width="246" height="239" />Was mir absolut nicht klar ist, ist die Motivation, mit der Sie luzid in die Nacht hineingehen wollen. Mehr noch, ich &#8222;befürchte&#8220; sogar, dass Sie ungemein dafür motiviert sind. Ich werde dabei einfach den Verdacht nicht los, dass Ihr Motiv letzten Endes doch alltagsbezogen bleibt und keineswegs uneigennützig ist. Auch habe ich den Verdacht, dass Sie als Fernziel ein literarisches Kunstprodukt vor Augen haben.[...] Wenn Sie jetzt beim Lesen dieser Zeilen immer zorniger, ja wütend geworden sind, dann war mein Verdacht zutiefst zutreffend, wenn nicht, dann war er zumindest teilweise ungerecht, worüber ich nur froh und glücklich sein kann. Bitte beachten Sie auch, dass ich eher die Tendenz habe, zu viel als zu wenig zu sagen, d.h. ich bin oftmals provokativ, möchte aber keineswegs verletzend sein. Hoffentlich gelingt mir das!<br />
Wie dem aber auch sein mag, es gibt meines Erachtens ein paar prinzipielle Dinge gerade im Zusammenhang mit jeder Art von &#8216;esoterischem&#8217; Bemühen. Wenn einem die Alltagsrealität fragwürdig geworden ist, beginnt oftmals das Suchen nach anderen Wirklichkeiten. Exakt an diesem Punkt setzen die esoterischen Schulen ein &#8211; mit all ihren Übungen. Mich beruhigt es ungemein, dass Sie nicht den geringsten Erfolg mit all den Übungen gehabt haben, die Sie jemals durchgeführt haben. Und dass Sie &#8211; gewissermassen aus schierer Verzweiflung &#8211; keine Drogen genommen haben, rechne ich Ihnen hoch an. Das eine wie das andere sind wesentliche Punkte im Hinblick auf ein Hineingehen in andere Seinsbereiche. Weshalb? Weil es nicht angehen kann, mit Hilfe irgendwelcher Techniken in eine Raum-Zeit hineinzugehen, die bislang vom westeuropäischen Menschen beinahe ausschliesslich als zu erobernde und zu zivilisierende terra incognita betrachtet worden ist.<br />
[...] Sie glauben also nicht, dass Ihre Schwierigkeiten hierin liegen, denn die Existenz der nichtalltäglichen Wirklichkeit war Ihnen eigentlich von Kindheit an völlig fraglos. Keine Frage, dass dem bis heute so gewesen sein mag! Ich habe sogar nicht einmal den leisesten Zweifel daran, dass Sie nicht durch ein naturwissenschaftliches Weltbild daran gehindert werden, die Schwelle zu überschreiten. Nur leider: Es gibt auch magische Weltvorstellungen. Und zum Donnerwetter nochmals, die liegen Ihnen nicht nur näher, die liegen wie schwerste Malsteine auf Ihnen und drücken Sie in Ihren physischen Leib hinein, dass mir Weh und Ach wird.</p>
<p>Ende nimmt diesen Brief freundlich auf, gerade seine Antwort bezeugt, dass ihn die äußeren Umstände (er wurde betrogen und sitzt auf immensen Schulden) in die nicht-Phantasie zurückweisen. Wegen dieser äußeren Umstände wird der Briefwechsel lockerer, einmal sehen sich die beiden Schreiber noch vor Endes Tod. Bei Z., der zu Begin des Briefwechsels wegen MS in Ruhestand versetzt worden war, ist seit 2007 MS so fortgeschritten, dass er nicht mehr schreiben kann. Genaueres über ihn auf <a href="http://www.oobe.ch/">Werner Zurfluh (Bilder auf dieser Seite sind von ihm)</a>.</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/510/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/510/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/510/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/510/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/510/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/510/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/510/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/510/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/510/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/510/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=510&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/06/17/michael-ende-und-die-moderne/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/d3fdab92e23499caadf1726d4c061f53?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">fangtunsdoch</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://www.oobe.ch/wzpic/730419.jpg" medium="image" />

		<media:content url="../wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" medium="image">
			<media:title type="html">Mehr …</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="../wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" medium="image">
			<media:title type="html">Mehr …</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://www.oobe.ch/wzpic/egypt.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://www.oobe.ch/wzpic/wz0018.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://www.oobe.ch/wzpic/mandala3.jpg" medium="image" />
	</item>
		<item>
		<title>Widerstandskinder mit Montagsangst</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/12/30/widerstandskinder-mit-montagsangst/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/12/30/widerstandskinder-mit-montagsangst/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 30 Dec 2008 16:16:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://fangtunsdoch.wordpress.com/?p=405</guid>
		<description><![CDATA[Ich staunte über den Beitrag von Michael Probst in einem Sammelband über seinen Vater, den Widerständler Christoph Probst, der mit den Scholl-Geschwistern im Februar 1943 hingerichtet wurde. Er schreibt darin, wie schwer er es mit dem Erbe seines Vaters hatte, bis ihn jener verständige Lehrer auf die Vielfalt seiner Begabungen hinwies. Darauf, dass er guten [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=405&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/langenacht_alt/img/010310-fuehrercaritas.jpg" alt="" width="111" height="136" />Ich staunte über den Beitrag von Michael Probst in einem Sammelband über seinen Vater, den Widerständler Christoph Probst, der mit den Scholl-Geschwistern im Februar 1943 hingerichtet wurde. Er schreibt darin, wie schwer er es mit dem Erbe seines Vaters hatte, bis ihn jener verständige Lehrer auf die Vielfalt seiner Begabungen hinwies. Darauf, dass er guten Gewissens tun könne, was seinem Vater versagt geblieben wäre. So wurde Michael Probst ein Arzt.<br />
Intensiver ist eine solche Geschichte, wenn die Dikatur da ist und der Wiederstandsvater noch lebt. Las gefesselt die (fast) autobiographische “Montagsangst” von Caritas Führer. Mobbing wider (schon gegen die Nazis) “bekennende Christen” in der SED-Diktatur, empfunden aus der Warte einer Schülerin, vor allem zwischen erster und sechster Klasse. <span id="more-405"></span>Was ich aus meinem Aufwachsen kenne:  Christenfamilie ja, aber der Mensch Jesus von Nazareth fällt aus (der ist ein Gott, der Mensch ist tief in Nazareth-Erzgebirge(?) versteckt), als Menschen sind Eltern, Lehrer, Geschwister und Freunde präsent. Da ist aber ein riesengroßes Empfinden von Recht und Unrecht. Außerdem ein Wettbewerbsgeist, der sich (auf eigentlich recht gesunde Weise) seine Felder der “Kampfes” sucht. Aber darum herum die Angst, weil man anders ist als die anderen. Und weil das Anderssein Blosstellungen verursacht, Demütigungen, Liebesentzug. Ein wenig kenne ich das, aber bei Caritas Führer ist es so, dass man schreien könnte! Es ist nicht mehr schöne Literatur (aber auch nicht Skandalliteratur) – und doch so, dass das ehrliche Aufschreiben nach dem Ende der Diktatur all das Böse besiegt, endlich besiegt. (Rezension <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/164275/">DLF</a>, darin viel Biographisches zu Caritas Führer)</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/405/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/405/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/405/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/405/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/405/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/405/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/405/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/405/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/405/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/405/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=405&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/12/30/widerstandskinder-mit-montagsangst/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/d3fdab92e23499caadf1726d4c061f53?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">fangtunsdoch</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/langenacht_alt/img/010310-fuehrercaritas.jpg" medium="image" />
	</item>
		<item>
		<title>Jim Knopf als Anti-Nazi-Mythos</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/12/17/jim-knopf-als-anti-nazi-mythos/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/12/17/jim-knopf-als-anti-nazi-mythos/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 17 Dec 2008 14:39:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://fangtunsdoch.wordpress.com/?p=398</guid>
		<description><![CDATA[Rassistische Dikaturen werden auf englischem Boden bekämpft. &#8222;The Lion, the Witch and the Wardrobe&#8220; (Der König von Narnia, C.S. Lewis), die sieben Bände um Harry Potter und, welche Entdeckung, auch Jim Knopfs Lummerland (Autor: Michael Ende) ist eigentlich England. Ein spannender Artikel, wie man die Mythen von Diktaturen durch neue Geschichten bekämpft, war gestern in [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=398&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.faz.net/m/%7B8758A242-C1DE-4A2B-B43A-B9C66BC48809%7DPicture.jpg" alt="" width="370" height="272" />Rassistische Dikaturen werden auf englischem Boden bekämpft. &#8222;The Lion, the Witch and the Wardrobe&#8220; (Der König von Narnia, C.S. Lewis), die sieben Bände um Harry Potter und, welche Entdeckung, auch Jim Knopfs Lummerland (Autor: Michael Ende) ist eigentlich England. Ein spannender Artikel, wie man die Mythen von Diktaturen durch neue Geschichten bekämpft, war gestern in der FAZ ( <a href="http://www.faz.net/s/Rub71E8665493FD4CB29D4E0759DF21C32C/Doc~E63B66F19501A41828F6A22377304DC05~ATpl~Ecommon~Scontent.html">hier</a>). Und die neuen Geschichten sind zugleich ganz uralte (Atlantis, chinesische Glücksdrachen&#8230;). Lesen! Hier ein kleiner Apetithappen auf den in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten <a href="http://www.faz.net/s/Rub71E8665493FD4CB29D4E0759DF21C32C/Doc~E63B66F19501A41828F6A22377304DC05~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Artikel von Julia Voss</a>: <span id="more-398"></span></p>
<p style="padding-left:30px;"><img class="alignleft" src="http://www.faz.net/m/%7BCB312EBF-70DF-4AAC-A40F-B3D3DB847AD4%7DPicture.jpg" alt="" width="230" height="337" />Die wirkliche Geschichte von Jemmy Button, dem Feuerländer, der für einen Knopf an die Engländer verkauft worden war, endete so: „Im November 1859 wurden acht anglikanische Missionare an Bord des Schoners Allen Gardiner erschlagen. Der Anstifter des Massakers war Jemmy Button, der inzwischen dreiundvierzig Jahre alt geworden war.“ Wir lesen diese Zeilen nicht bei Darwin, dessen „Fahrt der Beagle“ nur vom Kind Jemmy Button erzählt, den Erwachsenen aber nicht weiter erwähnt. Der zum Mörder gewordene Jemmy Button steht im letzten Satz Benjamin Subercaseaux&#8217; Roman „Jemmy Button“, ein Buch, das 1954 zuerst auf Englisch erschien und, nachdem es 1957 ins Deutsche übersetzt worden war, in allen großen Zeitungen und Literaturzeitschriften besprochen wurde, Als Michael Ende an seinem Manuskript schrieb, konnte er dem Namen und dem Schicksal Jemmy Buttons nicht entgehen.</p>
<p style="padding-left:30px;">Michael Ende aber nahm das Kind Jim Knopf und schickt es noch einmal auf große Fahrt. Lummerland, das Miniaturengland, ist die Modellwelt, von der aus er die Geschichte neu konstruiert. Die Drachen, die Völker, ihre Heimat Atlantis werden den Nationalsozialisten entwendet. Die Mischwesen siegen, und alles darf sich mit allem verbinden. Rasse, Schande und Tod werden von Lukas, Jim, dem Riesen Tur Tur, Prinzessin Lisi oder Sursulapitschi überwunden; eine neue Evolution wird in Gang gesetzt.</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/398/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/398/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/398/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/398/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/398/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/398/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/398/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/398/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/398/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/398/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=398&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/12/17/jim-knopf-als-anti-nazi-mythos/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/d3fdab92e23499caadf1726d4c061f53?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">fangtunsdoch</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://www.faz.net/m/%7B8758A242-C1DE-4A2B-B43A-B9C66BC48809%7DPicture.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://www.faz.net/m/%7BCB312EBF-70DF-4AAC-A40F-B3D3DB847AD4%7DPicture.jpg" medium="image" />
	</item>
		<item>
		<title>Sympathie mit literarischen Figuren und der Sprache</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/12/08/sympathie-mit-literarischen-figuren-und-der-sprache/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/12/08/sympathie-mit-literarischen-figuren-und-der-sprache/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2008 17:08:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://fangtunsdoch.wordpress.com/?p=380</guid>
		<description><![CDATA[War recht begeistert von den 40 Seiten Auszug aus &#8222;Das verborgene Wort&#8220;, die die Autorin Ulla Hahn für zwei CDs vorlas. Aufwachsen in den 50ern und 60-ern des letzten Jahrhunders, aus der Ich-Perspektive eines Mädchens erzählt, viel Autobiographisches dabei. Beim Surfen im Netz entdeckte ich Folgendes (Dieter Borchmeyer, ursprünglich eine Rezension in DIE ZEIT) :
Das [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=380&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://i180.photobucket.com/albums/x247/soundandfuryandpeace/larva.jpg" alt="" width="311" height="414" />War recht begeistert von den 40 Seiten Auszug aus &#8222;Das verborgene Wort&#8220;, die die Autorin Ulla Hahn für zwei CDs vorlas. Aufwachsen in den 50ern und 60-ern des letzten Jahrhunders, aus der Ich-Perspektive eines Mädchens erzählt, viel Autobiographisches dabei. Beim Surfen im Netz entdeckte ich <a href="http://home.eduhi.at/teacher/davogg/dossiers%20050%20garsten/dossier%20hahn.htm" target="_blank">Folgendes (Dieter Borchmeyer, ursprünglich eine Rezension in DIE ZEIT)</a> :</p>
<p style="padding-left:30px;">Das krude  Milieu, aus dem Hildegard sich mit allen Fasern ihrer Seele heraussehnt, hat      so kaum je etwas Abstoßendes. Immer schwingt auch eine Saite der Liebe, des      Mitleids mit den so gedrückten Seelen mit, auch mit dem Vater, dessen      Herzlosigkeit nur das Produkt sozialer Not ist. Als er einmal einen kleinen      Gewinn im Lotto macht, gewinnt sein Verhalten sofort an &#8222;Seele&#8220;.<br />
Martin Walser hat betont,      einem Romanschreiber müssten &#8222;beim Schreiben alle Figuren sympathisch sein,      auch die, die der Leser dann zu den unsympathischen rechnet. Und da ist      immer so etwas wie Liebe im Spiel &#8230; Dass er ein Beobachtender ist, das ist      eine notwendige Arbeitsbedingung, aber ebenso notwendig ist es, dass er ein      Mitleidender ist.&#8220; Das könnte auf Ulla Hahn gemünzt sein. <span id="more-380"></span></p>
<p>Es ist nicht nur auf Ulla Hahn gemünzt, sondern auch auf den Geschmack des Bloggers. Aus eben jenem Grunde, weil er meines Erachtens zu wenig mitleidet, mag ich Thomas Mann nicht. (Bin damit auf Seiten von Sophie gegen Hans Scholl.)</p>
<p>Das, was Thomas Mann liebt, ist Sprache, das ist ja auch nicht wenig &#8211; und ich kann da wirklich staunen. Aber es geht um Sprache, mit der man mitfühlt, würde ich sagen. Obige Rezension fährt so fort</p>
<p style="padding-left:30px;"><img class="alignright" src="http://i180.photobucket.com/albums/x247/soundandfuryandpeace/deadseascroll.jpg" alt="" width="307" height="280" />&#8222;Mit Schreiben und Lesen      fängt das Leben an.&#8220; Dieser Satz auf einer mesopotamischen Wachstafel bildet      das Motto des Romans. Lesen ist das Glück Hildegards, Wörter als Klang- und      Sinngestalten ziehen einen magischen Bannkreis um ihre Fantasie. Ist sie &#8222;im      Wort&#8220;, fühlt sie sich in Sicherheit. Und so begibt sie sich stets auf die      &#8222;Flucht in den Kopf&#8220;. Als ihr bei der Ferienarbeit in einer Fabrik ein      Physikstudent von Heisenbergs Welterklärungsformel erzählt, glaubt Hildegard      sich auszukennen. Diese Formel stand doch schon bei Eichendorff: &#8222;und die      Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort&#8220;. Das Zauberwort, das      Wort, das am Anfang war. Ein kluger Lehrer belehrt Hildegard: Im Paradies      gehörten Wörter und Dinge zusammen. &#8222;Die Vertreibung aus dem Paradies hat      Sachen und Namen voneinander getrennt. Wir müssen sie wieder zusammenfügen.      Dazu sind wir auf Erden.&#8220; Und dazu fühlt sich auch die Autorin dieses Romans      auf Erden: den Dingen das verborgene, das in ihnen schlafende Wort zu      entlocken.</p>
<p>Ich würde schon sagen, es ist einfach falsch, dass mit dem Schreiben und Lesen das Leben anfange. Typisches Aufgedrehtsein des eigenen Milleus. Hahn meint eigentlich die Sprache und das Sprechen! Die Zauberwörter in den Märschen und in Ilse Aichingers &#8222;Die größere Hoffnung&#8220; und der neue Name der Kindlichen Kaiserin in Michael Ende &#8222;Die unendliche Geschichte&#8220;; das Zusammengehören von Sprache und Welt, <a href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/04/11/ubers-schreiben/">das verlorene Paradies</a>, Günther Eichs Arbeit,  auch in der Philosophie ein Riesenprojekt (u.a. Heideggers Dichterallüren, Chalmers &#8222;Edonic properties&#8220; und L.B. Puntels &#8222;Struktur und Sein&#8220;) &#8230;</p>
<p><img class="alignright" src="http://i180.photobucket.com/albums/x247/soundandfuryandpeace/butterfly.jpg" alt="" width="306" height="208" />p.s. zur Historizität (<a href="http://home.eduhi.at/teacher/davogg/dossiers%20050%20garsten/dossier%20hahn.htm">Ertmute Klein in Neue Rheinische Zeitung</a>) &#8211; und warum die Lyrik-Anthologie-Herausgeberin so wie ich an den Widerständlern hängt:</p>
<p style="padding-left:30px;">Ulla Hahn hat für diesen      ihren zweiten Roman zehn Jahre lang Material gesammelt. Ihr Buch sei      &#8222;weitgehend autobiografisch&#8220;, was das Verhältnis Hildegards zu den Eltern      angehe, teilt die Autorin mit. &#8222;Fast dokumentarisch genau ist der      katholische Pfarrer Franz Böhm geschildert, der von den Nazis ins KZ Dachau      verschleppt wurde.&#8220; Und auch die gesellschaftliche Situation der Frauen in      den fünfziger Jahren in Deutschland ist stimmig.</p>
<p>p.p.s. Bilder von einem <a href="http://kvond.wordpress.com/">Spinozablog</a> mit genialen Fotos. Thanks</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/380/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/380/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/380/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/380/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/380/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/380/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/380/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/380/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/380/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/380/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=380&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/12/08/sympathie-mit-literarischen-figuren-und-der-sprache/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/d3fdab92e23499caadf1726d4c061f53?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">fangtunsdoch</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://i180.photobucket.com/albums/x247/soundandfuryandpeace/larva.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://i180.photobucket.com/albums/x247/soundandfuryandpeace/deadseascroll.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://i180.photobucket.com/albums/x247/soundandfuryandpeace/butterfly.jpg" medium="image" />
	</item>
		<item>
		<title>Vor dem Aufwachen</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/11/10/vor-dem-aufwachen/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/11/10/vor-dem-aufwachen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2008 10:08:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://fangtunsdoch.wordpress.com/?p=366</guid>
		<description><![CDATA[&#8230; Rot sehen &#8211; das gibt&#8217;s es bei Annie Dillard
Ich hatte mal einen Kater, eine alte Kämpfernatur, der oft mitten in der Nacht durch das offene Fenster neben meinem Bett sprang und auf meiner Brust landete. Ich wurde halb wach.  Er steckte mir seinen Schädel unter die Nase und schnurrte und stank nach Urin [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=366&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>&#8230; Rot sehen &#8211; das gibt&#8217;s es bei Annie Dillard</p>
<p style="margin-top:.18cm;margin-bottom:.18cm;font-style:normal;padding-left:30px;"><img class="alignright" src="http://p3.focus.de/img/gen/b/x/HBbxWbs2_Pxgen_r_467xA.jpg" alt="" width="367" height="248" />Ich hatte mal einen Kater, eine alte Kämpfernatur, der oft mitten in der Nacht durch das offene Fenster neben meinem Bett sprang und auf meiner Brust landete. Ich wurde halb wach.  Er steckte mir seinen Schädel unter die Nase und schnurrte und stank nach Urin und Blut. [...] Und manchmal wachte ich morgens im Hellen auf und sah, dass mein Körper über und über mit blutigen Pfotenspuren bedeckt war; ich sah aus, wie mit Rosen bemalt. <span id="more-366"></span></p>
<p style="margin-top:.18cm;margin-bottom:.18cm;padding-left:30px;">Es war heiß, so heiß, dass der Spiegel sich warm anfühlte. Benommen wusch ich mich vor dem Spiegel, und mein verdrehter Sommerschlaf hing noch an mir wie Seetang. Was für ein Blut war das, und was für Rosen? Es hätte die Rose der Vereinigung sein können, das Blut des Mordes, oder die Rose der nackten Schönheit und das Blut einer unsagbaren Opferung oder Geburt. Das Zeichen an meinem Körper hätte ein Erkennungszeichen sein können oder ein Schandfleck, der Schlüssel zum Himmelreich oder ein Kainszeichen. Ich war mir nie sicher, während ich mich wusch und das Blut verlief, blaß wurde und schließlich verschwand, ob ich gereinigt oder das Blutzeichen des Passahfestes ausgelöscht hatte. Wir erwachen, wenn wir überhaupt je erwachen, umgeben vom Geheimnis, Todesraunen, Schönheit, Gewalt &#8230; „Als ob wir einfach hier unten hingesetzt wären“ sagte neulich eine Frau zu mir, „und kein Mensch weiß warum.“ (Annie Dillard: Der freie Fall der Spottdrossel, S. 11)</p>
<p><img class="alignleft" src="http://p3.focus.de/img/gen/l/q/HBlqrFeD_Pxgen_r_311xA.jpg" alt="" width="377" height="488" />&#8222;Warum&#8220; braucht man in diesem Land (kurz vor dem Aufstehen) nicht zu fragen, fragt man auch nicht, alles was einströmt ist viel zu intensiv &#8211; zumindest zu anders. Vielleicht beschreibt man es am besten mit einer Farbe: gelb, himmelblau, grau, grün. Wenn es so intensiv ist wie beschrieben, ist es rot: das Blut klebt einem als Gotteslästerer, Ehebrecher und Mörder an den Händen und gleichzeitig bist du damit weiß gewaschen, in der Versammlung um das rettende Tier, gleichzeitig erfährst du Glück und wird darin ein neuer Mensch geboren. Der Punkt ist vielleicht: nimm das nicht unwichtig, was dir da als Farbe erscheint (an manchen Tagen vielleicht eine ganz andere Farbe) &#8211; aber steh trotzdem auf, es das Traumreich ist nicht deine Heimat.</p>
<p>Dasselbe Zitat ohne meine (nichtrote) Auslassung <a href="http://intelligam.blogspot.com/2005/02/wenn-berhaupt-je-dann-so-annie-dillard.html">hier</a>, die Fortsetzung gibt es leider nur im Buch, bald aber wird das Thema gewechselt. (das englische Original und eine Diskussion, ob man so ein Erlebnis von jemand anderem in Ich-Form berichten kann <a href="http://faultline.org/index.php/site/comments/dillards_cat/">hier</a>.)</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/366/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/366/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/366/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/366/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/366/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/366/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/366/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/366/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/366/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/366/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=366&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/11/10/vor-dem-aufwachen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/d3fdab92e23499caadf1726d4c061f53?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">fangtunsdoch</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://p3.focus.de/img/gen/b/x/HBbxWbs2_Pxgen_r_467xA.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://p3.focus.de/img/gen/l/q/HBlqrFeD_Pxgen_r_311xA.jpg" medium="image" />
	</item>
		<item>
		<title>Patrik Roth: Unbewusstes und rationale Arbeit</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/06/16/patrik-roth-unbewusstes-und-rationale-arbeit/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/06/16/patrik-roth-unbewusstes-und-rationale-arbeit/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 16 Jun 2008 14:38:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://fangtunsdoch.wordpress.com/?p=306</guid>
		<description><![CDATA[&#8222;Den Mann, nenn mir, Muse, den es viel umhergetrieben hat. &#8222;- so göttlich inspiriert beginnt Homers Odyssee &#8230; und dann kommt alles in wohlgeordneten Versen, hinter denen, so sollte man meinen, gar nicht so wenig Handarbeit steckt.
Es hat mich immer fasziniert zu hören, dass es irgendwie gar nicht die Dichter sind, die ihre Werke schreiben. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=306&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" style="float:right;" src="http://home.arcor.de/fr22.f/galerie/am/chagall/Selbstportrait%20mit%20Muse%20(Traum),%201917-18.jpg" alt="" width="317" height="367" />&#8222;Den Mann, nenn mir, Muse, den es viel umhergetrieben hat. &#8222;- so göttlich inspiriert beginnt Homers Odyssee &#8230; und dann kommt alles in wohlgeordneten Versen, hinter denen, so sollte man meinen, gar nicht so wenig Handarbeit steckt.<br />
Es hat mich immer fasziniert zu hören, dass es irgendwie gar nicht die Dichter sind, die ihre Werke schreiben. Dazu <a href="www.patroth.info/vita/orf_katja_gasser_buchmesse_04.doc" target="_blank">Patrik Roth im Interview (2004)</a>:</p>
<p style="padding-left:30px;">[...] das erste Stadium, das allerwichtigste überhaupt <span id="more-306"></span><!--more--><!--more-->– ich hab’s in den Frankfurter Poetik-Vorlesungen beschrieben –  ist dieses Sich-Einlassen auf das Unbewusste: Was geht denn in mir vor? Was spricht denn in dir? Was sind denn die großen Stimmen in deinen Träumen? Und was bedeutet es für dich &#8211; jetzt? So, das sammle ich wie ein Wissenschafter, ganz akribisch, mit allem, was ich habe. Und dann, wenn ich es gesammelt habe, gehe ich daran und sehe mir das an und überlege mir, was sagt das jetzt, was bedeutet das, warum dieser Traum gerade jetzt, warum dieses Bild gerade jetzt aus Milliarden von Bildern, die möglich wären, dieses Bild jetzt und – das muss ich mir noch dazu sagen – mir, nicht einem anderen, sondern mir dieser Traum? Dann hab ich das Ich, das unbedingt will, zunächst einmal zurückgesetzt. <img class="alignright" style="float:right;" src="http://home.arcor.de/fr22.f/galerie/am/chagall/Szenenentwurf%20fuer%20das%20Finale%20des%20Balletts%20'Aleko',%201942.jpg" alt="" width="317" height="208" />Vielleicht will das Unbewusste im Moment gar kein Buch, vielleicht ist das Unbewusste im Moment vielleicht ausgepowert und muss erst einmal brachliegen und muss sich erst wieder einmal sammeln. Vielleicht sind die Bilder, die mir gezeigt werden aus dem Unbewussten, erst mal ein Sich-Sammeln, ein Kreisen, ein Umordnen, diese Bilder gibt es absolut. Wenn ich das sehe, dann muss ich, wenn ich klug bin, zurücktreten und sagen: Ich brauch noch einen Monat, das muss sich alles mal setzen. Zum Beispiel diese Extraversion jetzt, die durch diese Marktsituation, durch die Buchmesse gefordert wird, das wird heimgezahlt, wenn du mal schaust, was in deinen Träumen geschieht. Das ist der Seele völlig fremd, die interessiert sich einen Dreck dafür, das ist das kleine Ich, das da jetzt für den Verlag oder gar für das Buch was machen will, das ist der Seele völlig egal. Aber auf die muss ich mich wiederum einlassen, denn von der bin ich abhängig. <img class="alignright" style="float:right;" src="http://home.arcor.de/fr22.f/galerie/am/chagall/Selbstportrait%20mit%20einer%20Uhr,%20vor%20der%20Kreuzigung,%201947.jpg" alt="" width="317" height="399" />Abhängig insofern – ich gebe Ihnen ein Beispiel, auch wieder in den Poetik-Vorlesungen wird das beschrieben: als ich an ‚Corpus Christi’ zum Beispiel schrieb, war für mich die Schlüssel-Szene ein Traum: ich sehe im Traum das Bild einer Grabplatte im Grab – ich stehe in einem Grab – aber das Ich, das sieht, ist kein Mann, sondern ist eine Frau. Also das alles war mir im Traum bewusst. Mir war auch klar, dass es das Grab Christi war, alles das wusste ich, wie man das im Traum weiß, auch wenn man nur ein Detail sieht. Aber die Tatsache, dass eine Frau dieses Bild sah, das wollte ich zunächst verleugnen und sagte, nein, der Erzähler ist doch der Thomas, ich werde weiterarbeiten mit Thomas und verstehen Sie: es ging einfach nicht mehr, das Schreiben ging nicht mehr, ich habe es zwei/drei Wochen lang versucht. Und als ich mich dann wieder darauf einließ – auf die Frage, wer wäre es dann, wenn es eine Frau wäre – auf einmal ging alles wieder. Die Energie wird dir entzogen, du wirst letztlich nicht dagegen handeln können. Du wirst zwar manipulieren können und konstruieren können weiß der Teufel was – es wird immer konstruiert und manipuliert wirken auch auf die Leser, es wird wirken wie eine Maschine, die kann zwar vergnüglich sein, aber ist letztlich etwas Maschinelles. Das, was wirklich Tiefenwirkung hat, das kommt nicht von dir. Du bist das mouth-piece, du bist nichts anderes als das Werkzeug des Ausdrucks letztlich. Das heißt, das Unbewusste muss dann natürlich – und das ist die zweite hochwichtige Phase –  von einem hochrationalen Ich  geformt werden. <img class="alignright" style="float:right;" src="http://home.arcor.de/fr22.f/galerie/am/chagall/Ostern,%201968.jpg" alt="" width="320" height="321" />Du urteilst absolut über das, was da geschieht und du bist vielleicht völlig anderer Meinung und diese Meinung setzt sich gegen das, was aus dem Unbewussten kam und beginnt jetzt einen Dialog, ein hin und her. Aus diesen Phasen des Unbewussten –  das heißt, wo du genau auf Träume hörst und sie analysiertst, ihren Sinn suchst – und dem, was du dann daraus machst. Das heißt, du verwirklichst diese Träume ja, indem du ihnen in der Wirklichkeit antwortest. In diesem Sinne realisierst du sie, nicht nur kopfmäßig, sondern du arbeitest dann ja entsprechend. Dann hast du auf einmal einen Partner beim Schreiben und dann kann man davon auch nicht mehr sagen, dass man diese Bilder erfindet, denn es ist ganz umgekehrt, diese Bilder haben dich gefunden. Und du hast, wenn du Glück hast, irgendwann einmal kapiert, warum diese Bilder zu dir kommen und zu niemand anders und hast dich hoffentlich verantwortungsvoll und entsprechend verhalten, nämlich in deiner Arbeit als Schriftsteller, mit allem, was du an Talent hast, diese Erfahrung dann auch anderen zugänglich zu machen. Nicht in dem Sinne, dass sie jetzt so träumen oder so nachleben müssten, sondern dass sie quasi mit dir und durch dich eine ‚Passage’, einen Zugang gefunden haben zu ihrem eigenen Unbewussten und also den Mut finden, ihr Buch, ihr Kopfbuch zu beginnen. Das ist es.</p>
<p>P.S.: Man muss nicht Fan von Chagall sein um zu sehen, dass Inspiration ein Thema bei ihm ist, deshalb hier seine (sicherlich auch technisch anspruchsvollen) Bilder.</p>
<p>P.P.S.: Verbalinspiration (oder instruktionstheoretisches Verständnis von Offenbarung) ist eine Theorie, die es manchen Gläubigen und Theologen schwer macht, &#8222;Fehler&#8220; in der Bibel zu akzeptieren. Heutzutage sagt man meistens, dass die Offenbarung nicht der biblische Text ist, sondern das, was mit Israel und mit Jesus passierte (Gottes &#8222;Selbstoffenbarung&#8220;). Weil wir keine Texte in der Sprache Jesu (Aramäisch) haben, bleibt uns schon rein logisch kaum was anderes übrig. Anders beim Islam, der die Sprache seines Propheten sorgfältig tradiert hat.<br />
Könnte der Islam lernen, dass die sozialen und politischen Ratschläge, so förderlich und fortschrittlich sie in den ersten Jahrhunderten des Islam auch gewesen sein mögen, nicht wörtlich auf die heutige Zeit zu übertragen sind, weil die Rationalisierung des Unbewussten wie des übersprachlich Göttlichen zeitgebunden ist?</p>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fangtunsdoch.wordpress.com/306/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fangtunsdoch.wordpress.com/306/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/306/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/306/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/306/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/306/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/306/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/306/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/306/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/306/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/306/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/306/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=306&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/06/16/patrik-roth-unbewusstes-und-rationale-arbeit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/d3fdab92e23499caadf1726d4c061f53?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">fangtunsdoch</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://home.arcor.de/fr22.f/galerie/am/chagall/Selbstportrait%20mit%20Muse%20(Traum),%201917-18.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://home.arcor.de/fr22.f/galerie/am/chagall/Szenenentwurf%20fuer%20das%20Finale%20des%20Balletts%20'Aleko',%201942.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://home.arcor.de/fr22.f/galerie/am/chagall/Selbstportrait%20mit%20einer%20Uhr,%20vor%20der%20Kreuzigung,%201947.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://home.arcor.de/fr22.f/galerie/am/chagall/Ostern,%201968.jpg" medium="image" />
	</item>
		<item>
		<title>Träumerische Bedeutung von Taufe</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/05/10/traumerische-bedeutung-von-taufe/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/05/10/traumerische-bedeutung-von-taufe/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 10 May 2008 09:39:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Sophie Scholl]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://fangtunsdoch.wordpress.com/?p=301</guid>
		<description><![CDATA[Zu Ehren dem ersten Baby der Theatertruppe von 2006/7, Hannah &#8211; ein großes-kleines Zeichen, dass es Zukunft gibt &#8211; Sophie Scholls Traum in der letzten Nacht vor ihrem Prozess und der überraschend schnellen Hinrichtung am selben Tag, erzählt von ihrer Zellengenossin Else Gebel.
Du bist sofort munter und erzählst mir, noch im Bett sitzend, deinen Traum: [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=301&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" style="float:right;" src="http://www.gss-bensheim.de/wrose/GSS-bh2003.jpg" alt="" width="328" height="364" />Zu Ehren dem ersten Baby der Theatertruppe von 2006/7, Hannah &#8211; ein großes-kleines Zeichen, dass es Zukunft gibt &#8211; Sophie Scholls Traum in der letzten Nacht vor ihrem Prozess und der überraschend schnellen Hinrichtung am selben Tag, erzählt von ihrer Zellengenossin Else Gebel.</p>
<p style="padding-left:30px;">Du bist sofort munter und erzählst mir, noch im Bett sitzend, deinen Traum: &#8222;Ich trug an einem sonnigen Tag ein Kind in langem weißen Kleid zur Taufe. Der Weg zur Kirche führte einen steilen Berg hinauf. Aber fest und sicher trug ich das Kind in meinem Arme. Da plötzlich war vor mir eine Gletscherspalte. Ich hatte gerade noch so viel Zeit, das Kind sicher auf die andere Seite niederzulegen &#8211; dann stürzte ich in die Tiefe.&#8220;</p>
<p style="padding-left:30px;">Du legtest dir den Traum so aus: &#8222;Das Kind im weißen Kleid ist unsere Idee, sie wird sich trotz allen Hindernissen durchsetzen. Wir durften Wegbereiter sein, müssen aber vorher sterben, für sie.&#8220; <span id="more-301"></span> (Else Gebels ganzer Text siehe <a href="http://www.georg-elser-arbeitskreis.de/texts/scholl-gebel.htm" target="_blank">hier</a>)</p>
<p>Ich schätze den Zauber des Zur-Taufe-Bringens, hab da einige Entdeckungen gemacht in der Literatur:</p>
<ul>
<li> Ellen und ihre Großmutter in Ilse Aichinger &#8222;Die größere Hoffnung&#8220; suchen das Zauberwort,</li>
<li> die nüchtern seltsame Taufe, um die plötzlich der jugendliche totkranke Bruders Kittys (in Walker Percy &#8222;Der Idiot des Südens&#8220;) gebeten hat; für mich die Szene, auf die der ganze Roman hinausläuft.</li>
<li> nicht zuletzt die Friedenstaufe im israelisch-palästinensischen Dorf Ibillin  im Jahr 1967. <a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/606765/" target="_blank">Elias Chacour</a> (Biographieautorin <a href="http://www.pro-oriente.at/?site=ps20070427113017" target="_blank">hier</a>, Rupert Neudeck Rezension <a href="http://gruenhelme.de/index.php?s=articles/aktuelles&amp;n=315" target="_blank">hier</a>) ist erst ein gutes Jahr Pfarrer (Abuna) einer recht verknatschten koptisch-katholischen Gemeinde. Insbesondere der Vorsteher, in Deutschland wäre es wohl der Kirchenpfleger, hat ein recht diktatorisches Wesen:</li>
</ul>
<p style="padding-left:60px;"><img class="alignright" style="float:right;" src="http://www.voicesofisrael.com/images/chacour.jpg" alt="" width="485" height="322" />Eines Morgens klopfte man an seine Tür. Der Vorsteher erschien mit zwei Männern, um das Kircheneigentum zu inspizieren. &#8222;Kommen Sie, Abuna&#8220;, so der Querulant angriffslustig, &#8222;Was ist das denn?&#8220;, und zeigte auf eine schöne Pflanze am Rande des Pfarrhofs. „Ein Weinstock, mein Freund“, entgegnete Elias. „Es ist Habibs Geschenk für mich.“ Dieser hatte vom weinumrankten Feigenbaum der [Eltern] Chacours erfahren und Elias daraufhin mit einer Weinstockkreuzung überrascht. „Sie kennen Habib nicht“, wütete der Vorsteher. „Er hat auf diesem Grundstück nichts mehr zu suchen“ Er ist zur griechisch-orthodoxen Kirche übergetreten. Sie werden sehen: Erst wird er die Früchte für sich beanspruchen und dann auch noch das ganze Kirchenland. Unser Bischof hat ihn sogar exkommuniziert.“<br />
Elias wollte dieser Sache später nachgehen. Nun musste aber schnell gehandelt werden. „Bringen Sie mir bitte einen Eimer Wasser“, bat er. Der Vorsteher ließ es sich nicht zweimal sagen: Er dachte, durch das Wasser würde sich die Erde lockern, um die Pflanze leichter herauszureißen. Elias begann aber, die Blätter feierlich zu begießen. Dann hob er die rechte Hand über den Weinstock und segnete ihn: „Ich taufe dich im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wer dich ausreißt, soll selbst entwurzelt werden. Wer dir aber Wasser gibt, soll von Gottes Gnade überströmt werden. Amen.“ Die verdutzten Männer starrten den Priester an, als wäre er geisteskrank. Dann stampften sie, wutschnaubend, davon. (Elias Chacour: Israeli, Palästinenser, Christ. Sein Leben erzählt von Pia de Simony und Marie Czernin.  Freiburg i.B. 2007)</p>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fangtunsdoch.wordpress.com/301/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fangtunsdoch.wordpress.com/301/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/301/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/301/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/301/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/301/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/301/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/301/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/301/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/301/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/301/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/301/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=301&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/05/10/traumerische-bedeutung-von-taufe/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/d3fdab92e23499caadf1726d4c061f53?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">fangtunsdoch</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://www.gss-bensheim.de/wrose/GSS-bh2003.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://www.voicesofisrael.com/images/chacour.jpg" medium="image" />
	</item>
		<item>
		<title>Übers Schreiben &#8230;</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/04/11/ubers-schreiben/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/04/11/ubers-schreiben/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 11 Apr 2008 20:20:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Rückmeldungen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://fangtunsdoch.wordpress.com/?p=298</guid>
		<description><![CDATA[&#8230; weiß ich nicht viel. Bin viel dazu ermutigt worden, dankeschön, und ein wenig hab ich davon erzählt bekommen. Danke meinen inzwischen 40.000 Blog-Klickern, ihr lest den 150. Eintrag. Ich hab da eine Geschichte bei einem Vortrag von Michael Krämer auf dem Katholikentag in Ulm aufgeschnappt, zitiere wie der Redner damals den Shoa-Überlebenden  H.G. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=298&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>&#8230; weiß ich nicht viel. Bin viel dazu ermutigt worden, dankeschön, und ein wenig hab ich davon erzählt bekommen. Danke meinen inzwischen 40.000 Blog-Klickern, ihr lest den 150. Eintrag. Ich hab da eine Geschichte bei einem Vortrag von <a href="http://www.drmkraemer.de/">Michael Krämer</a> auf dem Katholikentag in Ulm aufgeschnappt, zitiere wie der Redner damals den Shoa-Überlebenden  <a href="http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=8251&amp;count=4816&amp;recno=12&amp;type=rezbuecher&amp;sort=datum&amp;order=down">H.G. Adler</a> als Autor, der beruft sich auf eine viel ältere Tradition. Die Geschichte handelt vom Anfang der Literatur, davon, warum überhaupt geschrieben und Kunst gemacht wird, davon, was der Mensch ist &#8211; kurz gesagt, von Adam und Eva:<br />
<img src="http://www.heiligenlexikon.de/Fotos/Eva2.jpg" alt="" width="700" height="325" /></p>
<p style="padding-left:30px;"><span id="more-298"></span>Als nun Adam auf dem Felde baute, von dem er genommen war, wurde er traurig, und Eva, voll Mitleid, forschte nach seinem Kummer. Adam sagte: „Siehst du die Cherubim nicht mit ihren hauenden blanken Schwertern, daß sie den Weg uns verwehren zum Baume des Lebens? Siehe, ich lebe und begehre das Leben, aber der Herr hat gesagt, ich bin Erde und soll wieder zur Erde.“ Eva wußte Rat: „Geh und mach ein Zeichen dem Herrn, daß er unsern Wunsch erkenne und erhöre.“ Da brach Adam vom Fels einen Stein und beschlug ihn und meißelte Zeichen seines Wunsches hinein, im Schweiße seines Angesichtes wurde ihm hierfür von oben die Gabe der Schrift verliehen, die er in seiner Not selbst erfunden zu haben glaubte. Adam zeigte Eva den Stein, sie lobte ihn, und Adam schleuderte den Stein gegen die Richtung, wo die Cherubim standen. Vom Glanz ihrer Augen und Schwertspitzen wurde Adam geblendet, daß er nicht sah, wo der Stein zu Boden fiel. Auch war ein solches Sausen in der Luft, daß er nicht hörte, wann der Stein sein Ziel erreichte.<br />
Wieder war Adam traurig, und wieder sprach Eva ihm zu: „Siehe, du weißt nicht, was mit dem Stein geschehen ist. Fürchte dich nicht, behaue einen neuen Stein, gib ihm das Zeichen unseres Wunsches und schleudere wieder.“ Adam tat, wie Eva ihm geheißen. Er tat es noch oft und tat es immer, wenn ihn die Trauer auf seinem Feld verzehrte. So hat Adam, der Legende nach, den Brief erfunden, und der erste Brief war ein versuchter Wurf nach dem verlorenen Paradies.</p>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fangtunsdoch.wordpress.com/298/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fangtunsdoch.wordpress.com/298/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/298/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/298/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/298/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/298/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/298/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/298/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/298/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/298/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/298/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/298/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=298&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/04/11/ubers-schreiben/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/d3fdab92e23499caadf1726d4c061f53?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">fangtunsdoch</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://www.heiligenlexikon.de/Fotos/Eva2.jpg" medium="image" />
	</item>
		<item>
		<title>Alles hinter sich lassen</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/02/28/alles-hinter-sich-lassen/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/02/28/alles-hinter-sich-lassen/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 28 Feb 2008 16:40:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://fangtunsdoch.wordpress.com/?p=293</guid>
		<description><![CDATA[Es war immer schon verrückt und faszinierend, dass da jemand kommt, zwei Worte sagt („opisso mu“ „hinter mich!“) und dass gewisse Leute dann alles liegen und stehen lassen. Diskutiere hier zwei literarische Werke, in denen so etwas passiert: Henning Mankells „Chronist der Winde“ und F.M. Dostojewski „Der Spieler“.
Dostojewskis Ich-Erzähler Aleksej Iwanowitsch ist bereit, alles für [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=293&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/klein.jpg" align="right" height="311" width="210" />Es war immer schon verrückt und faszinierend, dass da jemand kommt, zwei Worte sagt („<a href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/2006/10/23/griechischsplitter/#more-49">opisso mu</a>“ „hinter mich!“) und dass gewisse Leute dann alles liegen und stehen lassen. Diskutiere hier zwei literarische Werke, in denen so etwas passiert: Henning Mankells „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Chronist_der_Winde">Chronist der Winde</a>“ und F.M. Dostojewski „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Spieler_(Roman)">Der Spieler</a>“.</p>
<p>Dostojewskis Ich-Erzähler Aleksej <span style="font-size:12pt;font-family:'Times New Roman';"></span>Iwanowitsch ist bereit, alles für die stolze Polina zu tun, obwohl er sich keine Chance ausrechnet, dass sie seine Liebe erwidern wird. Er ist nur Hauslehrer, sie eine Adlige mit vielen Allüren. Polina nimmt Aleksejs Treuegelübde mehrmals für eigene Zwecke in Anspruch, lässt ihn aber nicht wissen, was sie von ihm denkt und für ihn fühlt. Sie ruiniert Aleksejs Selbstbewusstsein so weit, dass er durch ihre Späßchen seine Anstellung verliert. Indem sie ihn eines Abends allein im Hotelzimmer besucht, setzt sie sich selbst über Anstandsregeln hinweg und „kompromittiert sich“ – alles deutet darauf hin, dass sie ihm ihre Liebe gestehen will. Aleksej aber ist von dieser Situation überfordert und eilt erstmals mit eigenem Geld in den Spielsalon. Er konstruiert sich eine Geschichte, dass Polina in jener Nacht krank gewesen sein müsse. <span id="more-293"></span></p>
<p>Immer noch ist dieses Buch für mich die faszinierende Beschreibung dessen, was Sucht ist: Dostojewski kennt Spielen aus eigener Erfahrung. Das härteste daran ist vielleicht aber nicht so sehr das Suchthafte, sondern dass das Spielen Verrat an Aleksejs extremen Lebensentscheidung für Polina ist. Aber wer kann das bei dieser launischen jungen Frau schon wissen? Oder auch: Wollte Aleksej nicht schon immer an den Roulettetisch?</p>
<p><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/mrot2.jpg" align="right" height="218" width="240" />Im „Chronist der Winde“ (kenne leider nur die leicht gekürzte Hörspielfassung) lassen zwei Leute freiwillig alles hinter sich – im Hintergrund die Geschichte des afrikanischen Jungen Nelio, dessen Familie durch einen Überfall einer Kindersoldatenarmee auseinander gerissen wurde und der vielleicht ab dem Alter von 6 Jahren zwangsweise auf sich allein gestellt ist. Der erste ist Yabu Bata, Handwerker und Familienvater, machte sich eines Tages auf die Wanderschaft, seinen Weg zu finden. Jetzt wandert er seit 19 Jahren. Der zweite ist der Ich-Erzähler des Romans. Josè Antonio Maria Vaz hat, nachdem er die Lebensgeschichte des 11-jährigen Straßenjungen Nelio gehört hat, seine Stelle aufgegeben und ist sich sicher, dass er seinen Beruf als Bäcker nie mehr ausüben wird. Er hat die Frau, in die er verliebt war, vernachlässigt und verloren. Jetzt ist er nur noch Erzähler und er wird nicht aufhören, die Geschichte von Nelio zu erzählen.</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/veszprem2.jpg" align="right" height="195" width="240" />Wozu sind diese drei Leute gerufen? Yabu Bata um sich zu Fuß auf den Weg zu machen, auf die Straßen Afrika-Israels, Josè um zu sprechen, von seiner Hoffnung aber auch von seiner Überzeugung, dass nach Nelio die Welt untergehe. Aleksej von seiner Liebe, für die er alles tun will. Für alle drei haben die beiden Geschwisterpaare Simon und Andreas, Jakobus und Johannes Pate gestanden, als J.v.N. sie aus ihren Fischerboten auf die Wanderschaft rief.</p>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal">Wer hat diese drei Männer gerufen? Yabu Bata, der den Weg sucht, rief ein Traum – und er blieb ihm treu. Aleksej, wenn er tatsächlich gerufen wurde, rief eine Person: Polina, oder das Bild, das er sich von Polina machte. Er scheiterte und fiel tief. Weh dem, der die Hand an den Pflug gelegt hat und zurückschaut. Den Chronisten der Winde Josè rief die Geschichte von Nelio, insbesondere sein Sterben. Er war dabei und kann nicht aufhören zu sagen: dieser Mann war ein Gerechter. Ich zitiere aus dem Roman, Josè pflegt den schwer verwundeten Nelio auf dem Dach der Bäckerei:</p>
<blockquote>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/quadrat.jpg" align="right" height="199" width="212" />Lange vor mir wusste er, dass er bald nicht mehr da sein würde.</p>
<p class="MsoNormal">Sein Geist wehte an mir vorbei wie ein kühler Hauch aus der höllischen Hitze, das war alles.</p>
<p class="MsoNormal">Inmitten der Trauer wurde mir bewusst, dass ich es war, der diese Geschichte erzählen musste. […]</p>
<p class="MsoNormal">Und die Geschichte musste erzählt werden.</p>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal">[…] Denn es war ja so: Nelio war nicht nur ein armes, schmutziges Straßenkind gewesen, er war vor allem ein bemerkenswerter Mensch, ungreifbar, vieldeutig, wie ein seltener Vogel, von dem alle reden, obwohl ihn nie jemand wirklich gesehen hat.</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/mrot1.jpg" align="right" height="219" width="240" />Obwohl er erst 10 Jahre alt war, als er starb, verfügte er über eine Erfahrung und Lebensweisheit, als hätte er 100 Jahre gelebt. […]</p>
<p class="MsoNormal">Nelio umgab sich mit einem unsichtbaren magnetischen Feld, das niemand durchdringen konnte. Von allen, sogar von den brutalen Polizisten und den unentwegt nervösen indischen Händlern, wurde er mit Ehrerbietung behandelt.</p>
<p class="MsoNormal">Viele suchten seinen Rat oder hielten sich nur vorsorglich in seiner Nähe auf, in der Hoffnung etwas von seinen geheimnisvollen Kräften würde sich auf sie übertragen. [...]</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/1.jpg" align="right" height="190" width="242" />Und jetzt war Nelio tot. Tief im Fieber versunken, hatte er mühsam seinen letzten Atemzug ausgeschwitzt.</p>
<p class="MsoNormal">Ich wusste, was viele dachten, ich hatte es selbst gedacht: Dass Nelio eigentlich kein Mensch war, sondern ein Gott. Einer der alten vergessenen Götter, die trotzig, oder vielleicht tollkühn auf die Erde zurückgekehrt waren und sich in Nelios mageren Körper geschlichen hatten. Oder wenn schon kein Gott, so war er wenigstens ein Heiliger. Ein Straßenkindheiliger.</p>
<p class="MsoNormal">Und jetzt war er tot. Fort.</p>
<p class="MsoNormal">Ich sah hinaus auf die dunkle Stadt […] und dachte: Hier hat Nelio eine kurze Zeit gelebt, mitten unter uns. Und ich bin der einzige, der seine ganze Geschichte kennt. Mir hat er sich anvertraut, nachdem man auf ihn geschossen hatte […]…</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/gelbrund190.jpg" align="right" height="190" width="165" />„Es ist nicht, weil ich Angst habe, man könnte mich vergessen.“ hatte er gesagt. „Es ist, damit ihr nicht vergesst, wer ihr selber seid.“ Nelio hat uns daran erinnert, wer wir eigentlich sind. Menschen, von denen ein jeder heimliche Kräfte besaß, die er nicht kannte.</p>
<p class="MsoNormal">Nelio war ein bemerkenswerter Mensch. Seine Anwesenheit bewirkte, dass wir uns bemerkenswert fühlten.</p>
<p class="MsoNormal">Das war sein Geheimnis.</p>
<p><span style="font-size:12pt;font-family:'Times New Roman';"></span><span style="font-size:12pt;font-family:'Times New Roman';"></span></p></blockquote>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/rosarund190.jpg" align="right" height="190" width="169" />Ich sagte <a href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/02/18/entwicklung-erziehung/">in einem früheren Eintrag</a>: man könne kein Land und keinen Menschen „entwickeln“. Warum nicht?</p>
<p class="MsoNormal">Der Mensch ist viel zu wunderbar… gläubig gesagt: Gottes Pläne sind in sein Herz geschrieben, da kommen die Pläne der Anderen (der Entwicklungshelfer, Erzieher, die eigenen fixen Ideen) nicht mit.</p>
<p class="MsoNormal">(Die Bilder des inzwischen 100-jährigen Rupprecht Geiger, die alle Motive hinter sich lassen, sind eingebunden von <a href="http://www.storms-galerie.de/">Walter Storms Galerie</a>.)</p>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fangtunsdoch.wordpress.com/293/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fangtunsdoch.wordpress.com/293/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/293/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/293/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/293/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/293/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/293/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/293/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/293/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/293/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/293/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/293/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=293&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/02/28/alles-hinter-sich-lassen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/d3fdab92e23499caadf1726d4c061f53?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">fangtunsdoch</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/klein.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/mrot2.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/veszprem2.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/quadrat.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/mrot1.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/1.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/gelbrund190.jpg" medium="image" />

		<media:content url="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/rosarund190.jpg" medium="image" />
	</item>
		<item>
		<title>Das nächste Projekt</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2007/10/02/das-nachste-projekt/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2007/10/02/das-nachste-projekt/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 02 Oct 2007 09:49:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Nebenbei]]></category>
		<category><![CDATA[Selber Spielen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://fangtunsdoch.wordpress.com/2007/10/02/das-nachste-projekt/</guid>
		<description><![CDATA[Zum einjährigen Bestehen und 20.000 Klick auf die Seite (meine sind nicht mitgezählt), ein kleiner Ausblick und Rückblick. Wir hatten die meisten Klicks in den Aufführungsmonaten November und Januar, doch jetzt seltsamerweise im September, ein Jahr nach Probenbeginn die allermeisten. Dazu tragen seltsame Dinge bei. Domis gezeichnete Hand aus dem Programm ist unter Google Bilder [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=267&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;">Zum einjährigen Bestehen und 20.000 Klick auf die Seite (meine sind nicht mitgezählt), ein kleiner Ausblick und Rückblick. Wir hatten die meisten Klicks in den Aufführungsmonaten November und Januar, doch jetzt seltsamerweise im September, ein Jahr nach Probenbeginn die allermeisten. Dazu tragen seltsame Dinge bei. Domis gezeichnete Hand aus dem Programm ist unter Google Bilder unter &#8222;Hand&#8220; verhältnismäßig hoch gerankt, und manche Schüler geben &#8222;Kriegsgedichte&#8220; ein und finden dazu einen einschlägigen Artikel.</span></p>
<p class="MsoNormal"><a href="http://fangtunsdoch.files.wordpress.com/2007/01/maschine-3.jpg" title="maschine-3.jpg"><img src="http://fangtunsdoch.files.wordpress.com/2007/01/maschine-3.jpg?w=766&#038;h=457" alt="maschine-3.jpg" height="457" width="766" /></a></p>
<p><span id="more-267"></span></p>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;">Mein Vorsatz ist, vor Abschluss meiner Dissertation das Theaterschreiben und Proben zu lassen. Zuerst mal, gemeinsam ist eine solche Sache immer besser. Aber jetzt mal was mich angeht. Sollte ich mal wieder anfangen wollen, fehlt mir, wie schon damals, die Story. Wenn Fangt uns doch thematisieren wollte, wie das mit dem Entscheiden geht, so hätte ein neues Stück vielleicht das Thema &#8222;weite Landschaft&#8220;. Achills Blick aufs Meer (&#8222;und ich sitze hier als Altlast des Ackers&#8220;), Aitmanows Fischer (in „Der Junge und das Meer“), die von der Weite leben und die große Geschichte gehört haben, dass da einmal einer über das Wasser gegangen sein soll. Vor allem: Belutschistan und die anderen phantastischen Landschaften Pakistans, misstrauische Leute, mit denen die Ärztin Ruth Pfau dann am Ende doch irgendwie kann. (Anderer Lesestoff: Vergils Äneis, Tolstoi, Dostojewski, Saint-Exupéry: Terre des Hommes ) Die Idee ist noch recht vage. Genauso unmöglich wie das letzte Projekt, etwas was wirklich nicht ins Theater, sondern in den Film gehört &#8211; so wie der Stoff von &#8222;Fangt uns doch&#8220; vielleicht in einer psychologischen Abhandlung viel schärfer hätte gefasst werden können. Wer irgendwelche Ideen hat, ist herzlich eingeladen zu kommentieren.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;">Für die KJT: Wichtig ist, dass jetzt wieder andere Autoren gespielt werden. Ich wünsche ja dem Marci mit seinen Ideen viel Entschlusskraft und Power. Ebenso allen anderen, die sich Gedanken machen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;color:black;"> </span></p>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fangtunsdoch.wordpress.com/267/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fangtunsdoch.wordpress.com/267/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/267/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/267/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/267/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/267/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/267/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/267/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/267/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/267/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/267/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/267/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=267&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2007/10/02/das-nachste-projekt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/d3fdab92e23499caadf1726d4c061f53?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">fangtunsdoch</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://fangtunsdoch.files.wordpress.com/2007/01/maschine-3.jpg" medium="image">
			<media:title type="html">maschine-3.jpg</media:title>
		</media:content>
	</item>
	</channel>
</rss>