Versickerte Sprache

17. September 2010

Gestern im Kino in “Bal – Honig”. Was ist Leben außerhalb des Sprechens? Was ist es, vor man es der Sprache unterwirft? (Nebenbei: Was ist ein Film, der auf einen musikalischen Soundtrack verzichtet?) Wie habe ich selbst als Sechsjähriger empfunden?

Es hat wenig mit einer kindlich-naiven Sicht zu tun, die gibt es vielleicht auch, aber sie ist höchstens Oberfläche. Die Themen sind auch andere, als sie in der Literatur stehen. Natürlich hing ich auch am geträumten Abenteuer, an Eltern und Freunden, am gleichmäßigen Schaukeln, am gelungenen Spielen. Von der anderen Präsenz der Perspektive des sechsjährigen Yussuf Den Rest des Beitrags lesen »

Liebt, die euch hassen, tut Gutes denen, die euch verfolgen. Mit wunderbarem Humor nimmt der dänische Spielfilm „Adams Äpfel“, der letzten Herbst im Kino lief, diese Anregung des J.v.N. auf (Filmkritiken hier und hier). Selten ging ich so reich beschenkt und aufatmend aus einem Kino oder Theater – nach einer Komödie! Pastor Iwan lebt mit Leuten zusammen, die nach einem Gefängnisaufenthalt noch einmal eine Art Bewährung machen müssen. Darunter ein Skinhead, Adam, von dem er sich zusammenschlagen lässt. Nachher existiert dieses Ereignis für ihn einfach nicht mehr (für den Zuschauer bleibt es immer sichtbar, lange trägt Iwan eine Nasenschiene und nachher ist seine Nase so richtig schief). Den Rest des Beitrags lesen »

Vieles gesehen, die letzte Woche. Alles was man kritisiert auch als Kritik am eigenen verstehen (Kritik kann ja auch ein Lob sein, griechisch krinein heißt einfach urteilen.-): Den Rest des Beitrags lesen »

War es so?

9. Februar 2007

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In der Zeitung “Die Woche” war ein Bericht über unsere Münchner Aufführung. Darin steht richtigerweise, dass wir frei mit dem historischen Material umgegangen sind. Nun denn: Wer geht originalgetreu mit den historischen Quellen um? Den Rest des Beitrags lesen »

Hitler Lacher

13. Januar 2007

Ich habe keine besondere Lust, in den neuen Hitler Film “Mein Führer” zu gehen, ich war ja nicht einmal in “Der Untergang”. Wenn Hitler, wie in “Mein Führer” dargestellt, eine lächerliche Gestalt war, steigert das ein wenig die Peinlichkeit, mit der man ihm nachgelaufen ist – aber selbst wenn er nicht lächerlich war, an der Sprache hätte man ihn entlarven können, von Theodor Haecker, der das als Hitlers Zeitgenosse tat, schrieb ich bereits.

Im Stück ist Hitler meist so etwas wie eine dunkle Wolke im Hintergrund, nur einmal ist er so richtig Thema: Im Lied nach der Pause, dem Lied von der Axt im Walde oder „Hackt er wieder“, keine Veräppelung, keine Verherrlichung, eher bedrückend gestimmt. So eindrücklich wie dieser Song war, so intensiv wie es von sehr vielen empfunden wurde; manche nannten es ihr Lieblingslied.- Es stimmt nicht alles an unserer Umsetzung durch den Chor: Die Geste entspricht nicht dem Hacken eines Beiles. Und es ist irgendwie trotz allem verharmlosend und verspielt, von Hitler als einem Waldarbeiter zu reden.

Und wieder würde ich sagen: Die Peinlichkeit, dass man ihm nachlief, kann man zurückspiegeln auf Deutschland. So leicht ließ es sich verführen. So leicht lässt es sich vielleicht heute noch verführen. Wenn auch die Hitler-Masche wohl nichts mehr bewirken kann, so gäbe (gibt?) es da wohl andere Verführungstrategien . Nicht nur Deutschland, nicht nur die Welt überhaupt, wohl auch ich würde mich vielleicht hoffnungslos verführen lassen, hätte da nur jemand die rechte Masche. bittejaimvaterunsergegensoetwas.

Tom Tykwer: “Drecklevel”

26. September 2006

Warum diesen Blog? – Damit wir beim Spielen möglichst viel „wissen warum“.

Ich zitiere Tom Tykwer, Regisseur von u.a. “Lola rennt” und jüngst „Das Parfum“, aus einem Interview in der FAZ. (Man soll sich an den Großen des Fachs orientieren. Beziehungsweise tun, was sie sagen, nicht unbedingt sich daran orientieren, was sie selber tun – so jedenfalls j.v.n. – ich selber habe den Film nicht gesehen.)

„Ich habe mir tatsächlich nie vorgestellt, daß ich einen Kostümfilm machen würde. An Kostümfilmen ärgert mich immer, daß die Leute so aussehen, als seien sie vor zwei Minuten vom Kostümbildner angezogen worden, und mich ärgert der Zustand, in dem die Welt ist. Es sieht immer aus wie Heute, ein bißchen auf Gestern getrimmt, weil Oberflächen nicht genügend bearbeitet werden und bei Filmen, die im achtzehnten Jahrhundert spielen, zum Beispiel das Drecklevel einfach nicht stimmt.“

Stimmt, Kostümtheater wollen auch wir nicht machen, aber ganz ohne soldatische Stiefel und Mützen wird es auch nicht gehen. Und auch der Tom Tykwer hat ja mit “Das Parfum” einen historischen Film gemacht.

„Wir haben versucht, einen historischen Film zu machen, der nicht die Theatralik eines herkömmlichen Kostümfilms bemüht, nicht diese artifizielle Ästhetik herstellt, die automatisch einreißt, wenn Komparsen in Kostüme gesteckt werden, in denen sie sich nicht wohl fühlen, und von links nach rechts laufen, ohne zu wissen, warum. Wir haben mit den Darstellern, auch den Statisten, über alles geredet, was sie tun, und haben darauf bestanden, daß alle auch können, was sie tun. Die Fischmetzger müssen Fische ausnehmen können, sie müssen Gesichter haben, die in die Zeit passen, sie müssen vor allem in ihren Kostümen schon Zeit verbracht haben. Wir wollten den Trick Süskinds wiederholen, der eine erfundene Geschichte so erzählt, als sei sie wirklich geschehen, und der uns mitnimmt in diese Epoche. Süskind vermittelt uns ein glaubwürdiges Gefühl der Zeit, wie sie wahrscheinlich gewesen ist, vor allem eben das Leben auf der Straße und nicht in den Adelshäusern, die wir sonst fast immer sehen im Kino.“

Auch wir wollen niemand nur in irgendein Kostüm stecken und irgendwas spielen lassen, sondern jeder soll wissen, warum dies und das.

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