Die Menschen als Schweine

16. Dezember 2008

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Otl Aichers Erfahrung bei der Wehrmacht. Mit einem kleinen Kommentar ärgert er einen Vorgesetzten – er muss nicht lange warten, bis er alleine strafexerzieren muss, eine Quälerei und sicherlich war er danach dreckig „wie die Sau“. Noch schlimmer für den jungen Intellektuellen: Sprache und Welt der Kammeraden beim Kommis, „schweinisch“ sagt man. Read the rest of this entry »

Matthias Zimmermann hat mir dankenswerterweise seinen Artikel über unser Theaterstück, wie er im Mindel- und Zusamboten veröffentlicht wurde, zugeschickt. Mit seiner Erlaubnis darf ich ihn hier veröffentlichen.Geh in Dich (Anfang des Liedes)

Leben in Wahrheit

Katholische Jugend Thannhausen begeistert mit anspruchsvollem Theaterstück

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gesamtFür wen, für welche Zuschauer spielen wir Theater?

Ich denke mir mal, wir spielen für 4 Gruppen

(1) Erstens für die, die den Film „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ gesehen haben. Die sich begeistert haben für das, was Sophie Scholl tat und sagte, und die staunend zuschauten, wie Sophie sicher war, dass der Tod das kleinere Übel ist. Für andere Fans der Weißen Rose, die den Film nicht kennen oder nicht so viel darin entdeckt haben, natürlich auch.

(2) Für Fans der KJT: Read the rest of this entry »

Szene für Szene

14. November 2006

Es folgt eine Inhaltsangabe, die sich eng an die Szenen hält und verhältnismäßig knapp ist

Erster Akt:

Chor bei der ProbeWir befinden uns im Jahr 1937, zwei Jahre bevor Hitler Polen angreift.

In den Gruppenstunden Bund Deutscher Mädels Ulm wird Theater gespielt. Nicht irgendein Theaterstück, sondern das Theaterstück über den Musterdeutschen, den Forscher und Lebemenschen Doktor Faust. Goethe lässt in seinem Theaterstück Gott und Teufel auftreten. Sie verhandeln über den Deutschen. Um Sophie Scholl, die Souffleuse in der Theaterprobe zu ärgern, tun die beiden Schauspielerinnen, als verhandelten sie über Sophie, die Deutsche Frau.

In der folgenden Szene treten tatsächliche Teufel auf, die böse Pläne mit den Menschen und insbesondere Sophie und ihren Bruder Hans haben. Die Teufel sind sehr glücklich, dass die Juden ausgerottet werden sollen, ärgern sich aber, dass eine Gruppe, die einmal „Die weiße Rose“ heißen soll, hier nicht mitmachen will. Deshalb schicken sie ihnen die Polizei ins Haus.

budeIm Haus Scholl ist ein großes Kommen und Gehen unter den Freunden der fünf Kinder, als die Gestapo in die Idylle einbricht. Weil die Kinder Hans, Werner und Inge mit einer verbotenen Jugendbewegung zu tun hatten, werden sie gefangen genommen. Aus Versehen muss sogar Sophie mit ins Gefängnis.

Zweiter Akt

Der Krieg hat begonnen. Hans Scholl, der wegen Hitlers Willkür schon zwei Monate im Gefängnis saß, ist gezwungen, als Soldat in den Krieg zu ziehen. Er versteht nicht, dass andere vom Krieg und den deutschen Siegen begeistert sind.

Der Münchner Publizist Carl Muth hat Kontakt zu Kindern und Eltern Scholl aufgenommen. Er ist Herausgeber einer Zeitschrift, die aus christlichem Geist verdeckt Widerstand gegen die nationalsozialistische Weltanschauung leistet. Er weist die Eltern Scholl darauf hin, dass in dieser Zeit ein anderer Kampf zu führen ist als der Kampf mit der Waffe. Statt einer Waffe greift Muth zu einem Hirtenstab und versucht wie Mose, betend und den Stab hochhaltend für sein Volk und vor allem die jungen Leute, die er kennt, vor Gott hinzustehen.

Brief Hans an SophieAuf der anderen Seite des Kampffeldes ist es das Werk der Teufel, dass die Schollgeschwister mit allem Schlimmen, was der Krieg zu bieten hat, konfrontiert werden. Hans schildert Sophie in einem Brief, wie knapp er dem Tode entronnen ist.

Sophie bekommt einen bösen Traum, indem ihr die Menschen als furchtbare Hautkrankheit der Erde erscheinen, die nichts Besseres zu tun haben, als sich umzubringen.

Den Freund der Familie, Otl Aicher, bringt die Angst vor dem Krieg so weit, dass er sich selber verstümmelt.

mephisto_masregelt_teufel-k.jpgDie Teufel feiern ihren Sieg, bis Mephisto erscheint und aufdeckt, dass sie eigentlich noch nichts Richtiges erreicht haben. Auf lange Sicht planen sie einen Besuch bei jemandem, vor dem sie selber Angst haben, um etwas gegen Sophies uns Hans Widerspenstigkeit zu erreichen. Zunächst gilt Angriff gilt aber den engsten Freundschaftsverhältnissen, die Sophie und Hans haben.

Dritter Akt

Die Teufel besuchen den Tod. Etwas widerwillig geht er auf ihren Wunsch ein, sich den beiden in seinem ganzen Schrecken zu präsentieren, damit sie ganz gewiss beim System mitmachen.

Hans und seine Schwester Inge besuchen Professor Muth, der ihnen gut zuspricht. Er spricht aus, was niemand zu sagen wagt: Deutschland muss den Krieg verlieren. Wer den christlichen Weg gehe, brauche keine Angst zu haben.

suse-sophie-spiegel-k.jpgSophie tankt eine ähnliche Zuversicht, als sie die Schriften des Augustinus liest. Nun zwingen sie die Teufel in die Kammer des Todes. Dort zeigen sich alle Menschen, die den beiden bisher hilfreich waren, nicht mehr als Freunde sondern nur als Teile einer großen Kriegsmaschine. Hans und Sophie sind auf sich selber gestellt. Der Tod heißt sie Abschied zu nehmen von allem, was ihnen lieb und teuer ist. Manche Erinnerungen und Ahnungen bringen sie durcheinander, bis zuletzt ihr Hilferuf erhört wird und der Tod von der Bühne verschwindet.

schuetzengraben-2-k.jpgAn der russischen Front betrinken sich einige deutsche Offiziere. Sie wissen von deutschen Untaten an der russischen Bevölkerung und den Konzentrationslagern. Alle identifizieren sich mit dem System, nur Fritz, der Freund der Sophie Scholl, sieht hier ein großes Unrecht am Werk. Als er nicht mehr weiter weiß, hilft ihm Sophie, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Leider kann er seinen Kameraden nicht helfen.

Die Angst vor Tod, Lüge und Diffamierung haben nicht nur Sophie und Hans Scholl verloren, sondern auch ihr Freund Alexander Schmorell. Er beschießt, Flugblätter der Weißen Rose zu schreiben. Als ihn jemand, dem er Gutes getan hat, bei der Gestapo anschwärzen will, kann er das verhindern. Bei seiner Flucht ruft er den verdutzten Verfolgern und Teufeln selbstsicher zu „Fangt uns doch!“.

Manchereins tut sich schwer, die Mittelszene im dritten Akt zu verstehen. Ich selbst habe manchmal Befürchtungen, dass die Szene „Das Innere des Menschen“ esoterisch wirkt. Esoterisch heißt geheimwissenschaftlich. Gegen Esoterik und Nichtverstehen gibt es ein (gemeinsames) Gegenmittel: Aufklärung. Wieder einmal ein Versuch, aufzuklären, was unsere Szene beabsichtigt:

Im Inneren GehirneIch will also in der Szene „dunkle Kammer“ bzw. „Das Innere des Menschen“ erzählen, dass Hans und Sophie Scholl in den Stürmen des Lebens Gegenwind haben. Schließlich wird es geisterhaft und gruslig. Bis sie erahnen, dass das, was ihnen geisterhaft vorkommt, ihr Freund ist, Jesus, der auf dem Wasser geht und ihnen zuruft: „Habt keine Angst! Kommt mir doch entgegen!“ Da gehen sie raus, setzen alles auf eine Karte. Das klappt ein wenig, aber dann sinken sie doch ins Wasser ein. Ihr „Hilf mir“ – Ruf nimmt einen verzweifelten Tonfall an. Aber in demselben Moment nimmt sie Jesus bei der Hand, zieht sie heraus, und fragt, warum sie nicht weitergelaufen sind, wie es doch normal gewesen wäre.
Und die beiden Kinder Hans und Sophie können nicht mehr anders als jubeln. Sie kugeln sich auf dem Boden, und gleichzeitig fallen die beiden erwachsenen reifen Menschen nieder auf den die Erde, stehen würdig auf und rufen ohne Worte zu gebrauchen: „Groß bist du Gott, und höchsten Lobes würdig.“

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Wie diesen Blog lesen?

3. November 2006

Zum 1000. Leser etwas zum Überblick auf diesem Blog:

Ich habe jetzt eine Seite mit einer ausführlichen Inhaltsangabe des Stückes in diesen Blog integriert. Die ist als Vorschlag für das Programmheft gemeint. Sie ist also insbesondere für Leute, die das Stück noch nicht kennen. Wenn es sehr verwirrend oder sehr langweilig ist, bitte schreibt mir dazu einen Kommentar.

Unter der Kategorie „Inhalt“ findet sich ein einführender Presseartikel (erschienen im Hoi’garta) und eine weitere Inhaltsangabe aus der Perspektive der Teufel. Es war mir ein Spaß, dass in der neuen Inhaltsangabe das Wort „Teufel“ gar nicht vorkommt. Auf seine Art einführend ist auch mein Artikel zum Stücktitel. Eine weitere Pressemitteilung erzählt die Widerstandsaktivitäten der Weißen Rose. Nur weil damals Flugblätter verschickt und Hauswände angeschmiert wurden, interessiert uns die Vorgeschichte von Hans und Sophie Scholl überhaupt.

Ältere Fotos und Probenkommentare auf der Probenfotos Seite, die neuesten Fotos in einem Weblog Beitrag. Wer für unser Stück Werbung machen will, kann sich das Plakat herunterladen.

Zum Lesen empfehle ich entweder, man sucht sich die Artikel, die einen interessieren direkt aus den aktuellen Artikeln (bzw. den previous articles – durch Klick ganz unten auf die Startseite). Oder man sucht sich die Kategorien, die einen grob interessieren und sucht da nach dem Passenden. (Dies ist der 31. Artikel in diesem Blog.) – Letzte Möglichkeit, gegen die ich auch nichts habe: Man flirtet sich beim erstbesten Link weiter auf irgendwelche anderen Seiten.

Im Hoi’garta für den Monat November können wir einen Artikel und ein bis zwei Fotos veröffentlichen. Es könnte der folgende Artikel werden (verbesserte Version 20.10.):

 

Fangt uns doch – Theaterprojekt der KJT

Wie es kam, dass Hans und Sophie Scholl gegen die nationalsozialistische Diktatur aktiv wurden

Im Frühjahr 2005 begeisterte ein Kinofilm, der die letzten Tage der Ulmer Widerständlerin Sophie Scholl zeigte. Der Film berichtet, wie sie im Februar 1943 mit ihrem Bruder Hans beim Flugblätterverteilen in der Münchner Universität ertappt und nach wenigen Tagen Gefängnis zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Gut zwanzig Jahre zuvor hatte der Film „Die weiße Rose“ die Vorgeschichte erzählt. Wie Münchner Studenten, darunter jene Geschwister Scholl, sich zusammenschlossen und anfingen, die Bevölkerung durch Briefe und nächtliche Malaktion zum Widerstand gegen die braune Diktatur aufzurufen.

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Charly (die jetzt leider nicht mehr mitspielen kann) schrieb mir im Frühjahr, als sie das Stück zum erstenmal gelesen hatte eine e-mail und fragte, was das mit den vielen Teufels solle. Meine Antwort wurde eine Art Zusammenfassung des Stücks (wenn auch nur aus einer Perspektive):

Die Teufel haben eine Entdeckung gemacht. Sie meinen, dass sie einen Plan Gottes herausbekommen haben und dann vielleicht etwas Gutes verhindern können.

Eigentlich redet Gott nicht mit ihnen, aber es gibt besondere Situationen, in denen sie vielleicht seine Pläne erfahren: Wenn jemand ein Theaterstück schreibt oder es aufführt, in denen ein Schauspieler-Teufel mit einem Schauspieler-Gott redet.

Die Teufel meinen nun, dass die Rose, die der Schauspieler von DER HERR in der Hand hat, darauf hindeutet, dass auf der Welt, die eigentlich ihr teuflisches Reich ist, irgendetwas aufblühen soll wie diese Rose. Sie wollen herauskriegen, was das ist und es dann verhindern.

Ihre Vermutung scheint richtig zu sein, weil sie einen Engel finden, von dem sie weiterführende Informationen rauspressen können.

Dann haben sie einen dreistufigen Plan um das „Aufblühen“ der weißen Rose zu verhindern (und das heißt zu verhindern, dass aus Hans und Sophie Scholl herausragende Menschen werden)

- sie einschüchtern dadurch, dass sie die Gestapo kurzzeitig gefangen nimmt

- sie einschüchtern durch den Krieg und böse Träume dazu

- sie einschüchtern dadurch, dass sie sie in ihr eigenes Inneres führen und mit dem Tod konfrontieren

Die ersten beiden Strategien klappen nicht, die letzte hat eine paradoxe Wirkung: Hans und Sophie erleben sowohl richtige Verzweiflung als auch, dass es neben oder hinter dem Tod ein großes Fest gibt. Bei diesem Fest sind die Teufel nur Zuschauer und hängen wie Bettler herum.

Schlussszenen:

Die sonst recht schüchterne Sophie kann nach dem Fest ohne Angst auftreten und sieht die Welt wie sie wirklich ist: z.B. Soldaten, die sich wie Schweine verhalten.

Andererseits bekommen die Teufel in der Gestalt von Stadtstreichern heraus, was die weiße Rose wirklich sein wird, nämlich ein Flugblattschreiben gegen Hitler. Jetzt wissen sie, dass es ein leichtes ist, die Gruppe dem Henker auszuliefern. Dennoch werden sie vom fröhlichsten Weiße Rose Mitglied Alexander Schmorell angeschmiert.

Irgendwie darf man die Teufel nicht so ernst nehmen, sie blödeln ja nur rum. Aber hinter dem Blödeln verbirgt sich eine Strategie: sie wollen alles durcheinander bringen.

Die eigentliche Dynamik des Stückes bekommen sie nicht mit: dass da jemand soweit kommt, für die Menschen, die unter Hitler leiden müssen, sein Leben einzusetzen. So enden viele Bauer-Teufel Geschichten. Eigentlich ist der Teufel immer der Dumme.

Die Teufel sind aber auch ein Kontrast. Sie stehen für das Gewöhnliche, die Masse, von der sich die Scholls gerade absetzen wollen.