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	<title>Fangt uns doch &#187; Inge Jens</title>
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	<description>Wie kam es soweit, dass Hans und Sophie Scholl gegen die nationalsozialistische Diktatur aktiv wurden? Weblog gegründet als: Tüfteleien und Motivation zum Theaterstück der KJT 2006/07: „Fangt uns doch“</description>
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		<title>Fangt uns doch &#187; Inge Jens</title>
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		<title>Demenz öffentlich</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Feb 2009 17:38:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelle Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Inge Jens]]></category>

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		<description><![CDATA[Inge Jens, Herausgeberin und geniale Kommentatorin der Briefe und Aufzeichnungen der Geschwister Scholl, ist mit einem berühmten Mann verheiratet, Walter Jens. Der ist inzwischen 86 Jahre alt und altersdement. Sein Freund, der Theologe Hans Küng, hat in einem Zeitungsartikel für Sterbehilfe plädiert, weil Jens sagt er würde leiden und wolle sterben. Las das vor ein [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=447&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.faz.net/m/%7BFCCD6C04-5C54-4CE5-B426-8B055B266778%7DPicture.jpg" alt="" width="299" height="199" />Inge Jens, Herausgeberin und geniale Kommentatorin der Briefe und Aufzeichnungen der Geschwister Scholl, ist mit einem berühmten Mann verheiratet, Walter Jens. Der ist inzwischen 86 Jahre alt und altersdement. Sein Freund, der Theologe Hans Küng, hat in einem Zeitungsartikel für Sterbehilfe plädiert, weil Jens sagt er würde leiden und wolle sterben. Las das vor ein paar Tagen, heikle Frage, bin aber dagegen so etwas bei Demenz zu erwägen. Finde es ist etwas anderes, wenn jemand sterben will oder wenn jemand sich selbst oder jemand anders tötet. (Jens ging freilich im gesunden Zustand weiter als nur passiv nicht sterben zu wollen.) Ich suchte auch ein positives Argument. Heute dazu die <a href="http://www.faz.net/s/Rub642140C3F55544DE8A27F0BD6A3C808C/Doc~E6832657D61EA4B87AA6BE46059FE1547~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a> von seiner Familie, die den Gatten und Vater liebt (auch wenn sie damit Probleme haben, dass er über alles mögliche aber lange nicht <a href="http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E6CE2894D9FE84E309C8A59493E94B08D~ATpl~Ecommon~Scontent.html">über sein NSDAP-Parteibuch </a> sprach &#8211; war er doch am Kriegsende erst 22 Jahre):</p>
<p style="padding-left:30px;">Die Familie hat sich entschieden, ihm die Sterbehilfe zu verweigern, weil sie nicht weiß, welche Kriterien in der Welt, in der er jetzt eingeschlossen ist, Gültigkeit besitzen. „Im Grunde ist es egal, ob ein Mensch über einen gelungenen Text glücklich ist oder über ein Wurstweckle. Mir das einzugestehen war hart für mich“, sagt Inge Jens. <span id="more-447"></span><img class="alignright" src="http://www.faz.net/m/%7B242B4D5D-E3E9-46CB-A9F7-25A222595673%7DPicture.JPG" alt="" width="245" height="312" />Der Kaffee wird in Tassen gereicht, die so groß sind, dass auch ihr Mann sie halten kann &#8211; das Tübinger Haus ist ganz auf ihn zugeschnitten. „Ich habe mich von einem Gutteil meines intellektuellen Hochmuts verabschieden müssen. Das ist es wohl, was den Umgang mit dieser Krankheit für die Umwelt so schwer macht: der radikale Bruch mit der Vergangenheit.“</p>
<p>&#8222;Warum haben sie keinen Hunger nach dem Geistigen?&#8220; fragte Sophie Scholl im Tagebuch, angesichts ihrer stumpfen Altersgenossen. Das Elitäre an diesem Satz hat mich begeistert. Aber man kann es auch falsch verstehen. Der Stolz kommt ganz Gott zu, wenn unsereins ihn hat ist es eine Lüge, so heißt es irgendwo in Bubers &#8222;Erzählungen der Chassidim&#8220;. Vielleicht kann man auch so sagen: selbst diese Demenz muss nichts ungeistiges sein, sie ist nur anders. Der FAZ-Artikel erwähnt eine Perspektive, die sich in Walter Jens eigenen Schriften findet:</p>
<p style="padding-left:30px;"><img class="alignright" src="http://www.faz.net/m/%7BC7528634-21F2-48E2-91BC-984EE9E0114A%7DPicture.jpg" alt="" width="243" height="317" />Walter Jens ist fast 86 Jahre alt. Am Vorabend der Lesung kommt er mit seiner Pflegerin Margit nach Hause. Er ist irritiert über den Besucher, bleibt zunächst im Wohnzimmer stehen, mit beiden Armen auf die Sessellehne gestützt, als wolle er sich sammeln. Dann setzt er sich neben Inge Jens, streichelt seiner Frau, die telefoniert, den Rücken. Er stellt Fragen und schüttelt den Kopf, als ob ihm die Antworten nicht einleuchten würden. Er schaut befremdet in die Runde. Und niemand vermag zu sagen, ob Walter Jens unserer Welt ebenso fremd gegenübersteht wie wir der seinen. „Erst wenn der Mensch schweigt“, so hatte er einmal geschrieben, „beginnen die Dinge zu reden und ein Drittes wird sichtbar &#8211; jenes ,Zwischen&#8217;, das Ich und Du, das Individuum und die Welt miteinander verbindet und sich am deutlichsten in der Wortlosigkeit der Liebe oder im sakramentalen Vollzug der Ehe enthüllt.“</p>
<p>Genauere Information im Buch des Sohnes <a href="http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E6CE2894D9FE84E309C8A59493E94B08D~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Tilman Jens</a>, einem Bericht der Inge Jens,  die ein <a href="http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E618F41BBCB5C455D999512BDAECD49EB~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ-Rezension</a> zusammenfasst.</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/447/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/447/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/447/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/447/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/447/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/447/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/447/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/447/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/447/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/447/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=447&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Gegenwelt in Armut und Brüderlichkeit</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Nov 2006 19:35:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bergpredigt]]></category>
		<category><![CDATA[Carl Muth]]></category>
		<category><![CDATA[Inge Jens]]></category>
		<category><![CDATA[Theodor Haecker]]></category>

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		<description><![CDATA[Inge Jens berichtet vom Herbst 1941, als Hans Scholl seinen künftigen Mentoren Muth und Haecker begegnete.
Zwei katholische Publizisten in deren Werk die Vorstellung von einer Gemeinschaft der Armen, der Erniedrigten und Beleidigten sichtbar wird, deren Glaubensgemeinschaft die Gegenwelt zum Reich des Bösen, der Zwangsherrschaft der Nationalsozialisten bildet.
Gleich weit entfernt von religiöser Schwärmerei und dogmatischer Enge [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=58&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img src="http://www.feelsophie.de/weltundgegenwelt/src/chagall_rote_daecher_small.jpg" align="right" height="255" width="297" />Inge Jens berichtet vom Herbst 1941, als Hans Scholl seinen künftigen Mentoren Muth und Haecker begegnete.</p>
<blockquote><p>Zwei katholische Publizisten in deren Werk die Vorstellung von einer Gemeinschaft der Armen, der Erniedrigten und Beleidigten sichtbar wird, deren Glaubensgemeinschaft die Gegenwelt zum Reich des Bösen, der Zwangsherrschaft der Nationalsozialisten bildet.<br />
Gleich weit entfernt von religiöser Schwärmerei und dogmatischer Enge suchten Muth und Haecker das jesuanische Ideal eines durch Armut und Brüderlichkeit bestimmten Lebens im Dienst am Nächsten, wie es<span>  </span>- auch er Dostojewskij verpflichtet! – der Renouveau Catholique von Bloy bis Bernanos in der Literatur entworfen hatte, für die politische Realität, das Leben unter dem Nationalsozialismus, wirksam zu machen und christliche Kultur – Muths altes, in seiner Zeitschrift „Hochland“ vertretenes Programm – zur Welt hin zu öffnen. <span id="more-58"></span>Im Zeichen der christlichen Soziallehre sollten die Lebensanweisungen von Bibel, Theologie, Philosophie und Literatur der Herausbildung einer menschlichen Gemeinschaft dienen, die auf der gerechten Teilhabe aller an den Gütern dieser Welt beruhte – einer idealen Sozietät, die mit der bestehenden Herrschaft des Antichrists konfrontiert wurde.</p>
<p>Carl Muth wurde für Hans Scholl und über ihn hinaus für den Kreis der „Weißen Rose“ nicht zuletzt deshalb so wichtig, weil er es verstand, die religiös-literarische Unterweisung auf die – eschatologisch gedeutete – Gegenwart: die sicher erwartete Niederlage der Deutschen und die sich aus dieser „rettenden Katastrophe“ ergebenden Konsequenzen, zu beziehen. Ohne die Begegnung mit den Mentoren aus dem Münchner „Hochland“-Kreis – das scheint mir sicher – hätten die Flugblätter des Sommers 1942 nicht entworfen werden können.<em> Über die ‚Weiße Rose’</em> in Die neue Rundschau  95.I. 1984, 193-21.</p></blockquote>
<p>Mit dem apokalyptischen Blick auf die Zeit, der tatsächlich die Flugblätter bestimmt, kann ich für heute wenig anfangen.  Sprich, die Teufel im Theaterstück werden dieser Dimension nicht gerecht. Ich fühle mich nicht imstande das, was schiefläuft, heute so einfach an einer Person und dieser oder jener Institution festmachen. Dennoch fasziniert mich die Idee einer Gegengesellschaft in Armut und Brüderlichkeit.</p>
<p>Hintergrund zu all diesem findet sich in den Anmerkungen von Inge Jens zu den Briefen und Aufzeichnungen von Hans und Sophie Scholl, 318-320 und 353-354. Auf Seite 328 ein Zitat aus einem Brief an Otl Aicher vom 18.2.1942, der Muth ein Exemplar des Windlicht, einer kleinen Zeitschrift des Freundeskreises geschickt hatte:</p>
<blockquote>
<p class="MsoNormal">In der verflossenen Woche übergab ich ihm [d.h. Hans Scholl] das Exemplar des &#8216;Windlicht&#8217;, das Sie mir zu schicken die Liebenswürdigkeit hatten. Mehreres darin war mir bereits bekannt. Ich bin erstaunt, wie Sie, mein lieber junger Freund, das alles leisten können in einer Umgebung, die doch alles andere als geistig ist. Mit der Armutsfrage haben Sie in ein Wespennest gestochen, und so dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Sie nächstens von ergänzenden und widersprechenden Repliken umschwirrt werden. Diese Auseinandersetzungen sind gut, besonders, wenn sie dahin führen, dass alle Beteiligten daraus den Gewinn ziehen, die Frage mehr und mehr und sogar ausschließlich im Lichte des Evangeliums zu sehen.</p>
</blockquote>
<p>Warum ist Armut ein Wespennest? &#8211; Weil sie für gewöhnlich den Charakter verdirbt. Anders, wenn man sie freiwillig annimmt. Aber dann ist es keine Armut. (So jedenfalls die deutsche Ärztin und Ordensfrau Ruth Pfau über ihre Armut in Pakistan. So arm wie die Leute dort kann sie gar nicht werden, schon wegen ihrer Bildung und ihrer Herkunft.)</p>
<p>Armut im Sinn des Evangeliums?</p>
<p><img src="http://www.kenners-landlust.de/bilder/feldlilie3.jpg" align="right" height="86" width="127" />Ich rate, was Muth damit meinen könnte. Arm sein heißt sich von Gott beschenken lassen? Sich wie die Lilie auf dem Feld fühlen, oder nur sie voller Freude betrachten (Ich sah heuer welche auf den Öko-Feldern und weil man sie mir zeigte.) Nicht darauf kucken, was man nicht hat und was man noch haben könnte, sondern stauen über alles was ist. Nicht über die (angeblich) schlimmen Zeiten klagen, sich selber nicht schlecht reden, keine Angst vor der eigenen Zukunft haben, sondern glücklich sein über die guten Zeiten (zu denen ich fast immer irgendwie Zugang habe), glücklich sein über das, was man kann und ist. (Viele Leute, Pfleger und Bewohner in Ursberg können das, wenn man sie so ankuckt, ohne jede Schwierigkeit.) Entdecken, dass das, was man kann und ist, nicht extra viel ist, und doch dabei glücklich sein, weil Gott ja das Gute schenkt und nicht ich es machen muss.</p>
<p>Ich vermute, dass ich höchstens ein Zwiebelchen der Antwort erfasst habe. Aber immerhin. (Aus Zwiebelchen wachsen Blumen, zum Zwiebelchen vgl. aber vor allem jene <a href="http://www.nirakara.de/zwiebel.htm">Sage aus Dostojewski &#8222;Die Brüder Karamasow&#8220;</a>.)</p>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fangtunsdoch.wordpress.com/58/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fangtunsdoch.wordpress.com/58/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/58/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/58/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/58/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/58/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/58/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/58/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/58/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/58/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/58/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/58/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=58&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Orientierungshilfe für Deutschland</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2006/10/20/orientierungshilfe-fur-deutschland/</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Oct 2006 19:23:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bedeutung Weiße Rose]]></category>
		<category><![CDATA[Inge Jens]]></category>
		<category><![CDATA[Teufel]]></category>

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		<description><![CDATA[Der beste Text von jemand, der nicht im Umfeld der weißen Rose dabei war und doch über sie schrieb, ist meines Erachtens der Aufsatz von Inge Jens: Über die ‚Weiße Rose’. in Die neue Rundschau  95.I. 1984, Seiten 193-213. Der Aufsatz entstand im Zusammenhang mit der Herausgabe der Briefe und Tagebuchaufzeichnungen von Hans und [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=44&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Der beste Text von jemand, der nicht im Umfeld der weißen Rose dabei war und doch über sie schrieb, ist meines Erachtens der Aufsatz von <a href="http://www.literaturhaus.at/autoren/F/fried/gesellschaft/mitglieder/ingejens/">Inge Jens</a>: <span><em>Über die ‚Weiße Rose’</em>. in Die neue Rundschau<span>  </span>95.I. 1984, Seiten 193-213. Der Aufsatz entstand im </span><span>Zusammenhang mit der Herausgabe der Briefe und Tagebuchaufzeichnungen von Hans und Sophie Scholl, den diese Germanistin zu verantworten hatte. Er endet mit folgendem Fazit<br />
</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;">Wie immer man […] den Aufstand der „Weißen Rose“ beurteilen mag […] eines scheint gewiss: Der Neubeginn in einem demokratischen Deutschland nach 1945 wäre orientierungsloser gewesen, hätte es nicht diese Gruppe gegeben, <span id="more-44"></span>die vor aller Welt zeigte – und deshalb vom „Nationalkomitee Freies Deutschland“ in der Sowjetunion in gleicher Weise wie von Churchill vor dem englischen Unterhaus oder Thomas Mann in Amerika respektvoll apostrophiert wurde -, dass es auch unter der im Nationalsozialismus herangewachsenen bürgerlichen Jugend ein Potential des Widerstands gab – einen Kraftkern, dessen Wirkung über die Zeiten hinweg trotz der Tragödie des Endes dieser „Weißen Rose“ nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Folgenlos, so viel darf behauptet werden, ist der Münchner Aufstand gewiß nicht geblieben.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;">„Ihr sollt nicht umsonst gestorben sein“, sagte Thomas Mann am 27. Juni 1943 in einer Radio-Ansprache, „Ihr, die Ihr als noch Nacht über Deutschland und Europa lag, wusstet und verkündetet: Es dämmert ein neuer Glaube an Freiheit und Ehre.“</p>
<p>Welche Orientientierung gab die Weiße Rose? Während der Krieg wütete war es, so liest es Inge Jens aus den Flugblättern heraus, eine apokalyptische. Eine Erfahrung, wie sie manche Christen um das Jahr 100 machten: Was jetzt in der Geschichte Schlimmes passiert, ist nicht allein durch menschliches Handeln und Planen zu erklären.</p>
<blockquote><p><span>„Wer […] heute noch an der realen Existenz der dämonischen Mächte zweifelt, hat den metaphysischen Hintergrund dieses Krieges bei weitem nicht begriffen. Hinter dem Konkreten, hinter dem sinnlich Wahrnehmbaren, hinter allen sachlichen, logischen Überlegungen steht das Irrationale, d. i. der Kampf wider den Dämon, wider den Boten des Antichrists.“ (aus dem 4. Flugblatt)</span></p></blockquote>
<p>Ist das auch eine Orientierung auch für die heutige Zeit? Je nach politisch-religiöser Färbung sahen ja in den letzten Jahren manche Leute in Sadam Hussein, andere im US-Präsidenten einen Satan. Israel sieht ihn in der Hisbollah und die Hisbollah in Israel. In all diesen Fällen wäre ich vorsichtig mit apokalyptischen Zuschreibungen. Man sollte apokalyptische Bilder nicht malen, um Angst zu machen.</p>
<p>Die unter Christen verbreiteste apokalyptische Schrift, die geheime Offenbarung des Johannes, endet nicht im Schrecken, sondern in der Vision einer neuen Stadt, die vom Himmel kommt. Auch die Flugblätter und die Schriften der Attentäter vom 16. Juli 1944 enthalten einen positiven Gegenentwurf zum Hitlerreich.  Jens zitiert diese positive Vision zusammen mit den Flugblattschreibern aus den Schriften des (frühvollendeten Romantikers) Novalis</p>
<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;">„Nur die Religion kann Europa wieder aufwecken und das Völkerrecht sichern und die Christenheit mit neuer Herrlichkeit sichtbar auf Erden in ihr friedenstiftendes Amt installieren.“</p>
<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;">Ein Jahr später, am 9. August 1943, erhebt die Präambel der vom Kreisauer Kreis entworfenen „Grundsätze für die Neugestaltung“ Deutschlands die Verbindlichkeit eben dieser ethisch-religiösen Maxime zur sittlichen Voraussetzung des neuen Staates: „ Die Regierung des Deutschen Reiches sieht im Christentum die Grundlage für die sittliche und religöse Erneuerung unseres Volkes, für die Überwindung von Hass und Lüge, für den Neuaufbau der europäischen Völkergemeinschaft…“</p>
<p><span></span>Das klingt mir manchmal wie das recht müßig scheinende Bemühen, mit dem manche (mehr oder weniger) christlichen Politiker um den Gottesbezug in der europäischen Verfassung bemühen. Ist doch egal, was geschrieben ist, man soll das Sittliche tun und viel von Gott erwarten. Manchmal denke ich aber auch, ein solcher Verfassungsbezug würde die Widerständler zu Orientierungspunkten machten, deren Anliegen war, die Geschenke Gottes weiterzugeben.</p>
<p>Ich denke, solch hehre Ziele zu vertreten klappt nur, wenn man sie in irgendeiner Weise schon erlebt hat, vor allem wenn man sie in einer bestimmten Weise lebt. Der Freundeskreis hat in der damaligen Zeit ein Versprechen gegeben, dasss alles anders sein kann. Das gab es freilich nicht nur in der Weißen Rose. Inge Jens zitiert den <span>Politikwissenschaftler Harry Pross über die Opposition gegen Hitler im Heer</span>:</p>
<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;">„Aus [der Freundschaft] wächst die rettende Tat. Das Glück, nicht mehr allein zu sein […] durchbricht die Kruste der Tyrannis. Die Humanität selber erhebt sich aus der Gefangenschaft.“</p>
<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;">Freundschaft als Gegenbegriff zu Befehl und Gehorsam; Gespräch als Instrument der Unbotmäßigkeit inmitten einer Welt, die nur das ‚Ja’ oder ‚Nein’ kannte, den Imperativ ‚Du sollst’ und das strikte Verbot ‚Du darfst nicht’.</p>
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