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	<title>Fangt uns doch &#187; Das Innere</title>
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	<description>Wie kam es soweit, dass Hans und Sophie Scholl gegen die nationalsozialistische Diktatur aktiv wurden? Weblog gegründet als: Tüfteleien und Motivation zum Theaterstück der KJT 2006/07: „Fangt uns doch“</description>
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		<title>Fangt uns doch &#187; Das Innere</title>
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		<title>Verführung des Künstlers</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 13:24:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Nochmal aus Nadolnys Münchner Poetikvorlesungen (&#8222;Das Erzählen und die gute Absichten&#8220;), die ich damals in meinem zweiten Semester an der Uni mit viel Spaß und Verwunderung hörte, der Text kommt fast direkt nach dem im letzten Eintrag zitierten:
In Werner Egks Oper Irische Legende überziehen die Dämonen ein Land mit Hunger, um gegen Nahrungsmittel billig Seelen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=558&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.natursteine-blog.de/wp-content/uploads/2007/09/saulenbasalt.jpg" alt="" width="334" height="224" />Nochmal aus Nadolnys Münchner Poetikvorlesungen (&#8222;Das Erzählen und die gute Absichten&#8220;), die ich damals in meinem zweiten Semester an der Uni mit viel Spaß und Verwunderung hörte, der Text kommt fast direkt nach dem im letzten Eintrag zitierten:</p>
<p style="padding-left:30px;">In Werner Egks Oper<a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=54252019&amp;suchbegriff=Egk,%20Werner:%20Irische%20Legende&amp;top=Lexikon"> Irische Legende</a> überziehen die Dämonen ein Land mit Hunger, um gegen Nahrungsmittel billig Seelen einzukaufen. Cathleen, die Fürstin, leistet Widerstand, weil sie kraft aus der Liebe zieh, aus der Liebe zu ihrem Freund, dem Dichter. Die Dämonen wissen: Sobald er das Land verläßt, wird sie zusammenbrechen, und damit aller Widerstand im Lande. Sie öffnen im Schlaf sein Ohr und oktroyieren ihm Bilder und Folgerungen, um ihn zu lenken.<br />
„Was siehst du, Dichter, im Traum?“<br />
„Ein Bündel Stroh.“<br />
„Verfaultes Stroh!“<br />
„Verfaultes Stroh.“<br />
„Was siehst du noch?“<br />
„Einen, der auf dem Stroh liegt.“<span id="more-558"></span><br />
„Einen Aussätzigen!“<br />
„Einen Aussätzigen.“<br />
„Was hält seine Hand, kraftlos?“<br />
„Ein Stück Brot.“<br />
„Schimmlige Rinde!“<br />
„Schimmlige Rinde.“<br />
„Was hörst du?“<br />
„Seltsamen Gesang hör ich, seltsamen Gesang.“<br />
„Gewinsel hörst du, wie von einem Hund vor der Tür!“<br />
„Gewinsel, ja.“<br />
„Wer ist&#8217;s, der mißönt?“<br />
<img src="http://www.natursteine-blog.de/wp-content/uploads/2007/09/saulenbasalt.jpg" alt="" width="334" height="224" />„Der das Brot hält.“<br />
„Was will er?“<br />
„Dank sagen für das Brot.“<br />
„Hörst du ihn noch?“<br />
„Nein, jetzt nicht mehr.“<br />
„Erkennst du ihn?“<br />
„Nein.“<br />
„Du bist&#8217;s doch selber! Du selbst! &#8230; Und in wenig Tagen wirst du sein so wie dies Traumbild, wenn du nicht fliehst aus diesem Pestland!“<br />
Der Dichter sträubt sich noch und sie fragen ihn: „Wozu bist du geschaffen, Dichter?“<br />
„Zu singen.“<br />
„Wann tönte dein letzter Gesang?“<br />
„Vor dem Hunger.“<br />
„Warum singst du nicht mehr?“<br />
„Ich kann nicht, mitten im Untergang.“<br />
Die Dämonen haben die Quelle gefunden, aus der der Dichter schöpft. Der Traum ist seine Inspiration, seine Gewissheit seit je, ihr glaubt er. Um ihn zu manipulieren, brauchen sie nicht einmal mystisch-rätselhafte Sätze. Ein Stakkato von Fragen und – immanent folgerichtigen – Feststellungen genügt. Er wacht auf und ist plötzlich von der Pflicht beseelt, das Land zu verlassen um seiner Berufung nicht untreu zu werden. Egks großartiges, auch sprachlich großes Libretto enthält die zeitlos gültige, grausam genaue Schilderung der Verführbarkeit des Dichters – dort, wo er am stärksten ist.<br />
Gerade die noch unbegriffene, noch nicht mißtrauisch abgeklopfte Inspiration ist Voraussetzung literarischer Erfindung – jedenfalls der überzeugenden. Aber da liegt auch ein Problem. Einerseits: wer nicht verwirrt ist, der hat keine Ahnung. Er wird nichts Neues wittern und erschaffen. Andererseits: wer verwirrt ist, kann nicht handeln und ist nur allzuleicht manipulierbar. Wer können nur hoffen, dass die beiden Übel sich die Waage halten. (34-36)</p>
<p>Egk (1901-1983) war, so wie ich seinen Wiki-Eintrag verstehe, eine Art Hofkomponist der Nazis &#8211; er weiß wohl, was Verführbarkeit ist, später hat er die Sache auch in einer Autobiographie bearbeitet.  (Vielleicht auch so, dass er die Seele verkaufte um irgendetwas zu retten &#8211; so wie es von der Hauptperson der Oper erzählt wird.)</p>
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		<title>Logik der Träume</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/09/08/logik-der-traume/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/09/08/logik-der-traume/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 08 Sep 2009 19:41:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Sophie Scholl]]></category>
		<category><![CDATA[Teufel]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer denkt logisch im Traum? Und doch ist diese Logik Inspirationsquelle, für Israels Sohn Josef im fernen Ägypten, für den blinden Homer. Ein paar bemerkenswerte Traumbeobachtungen stehen bei Sten Nadolny „Das Erzählen und die guten Absichten“ (Münchner Poetik-Vorlesungen von 1990). Eine davon, wie er sie anhand eines Beispieltraumes erzählt:
„Ich träumte kürzlich etwas Merkwürdiges. Rast machend [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=549&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.ondamaris.de/wp-content/uploads/2007/10/barlachengel02.jpg" alt="" width="287" height="381" />Wer denkt logisch im Traum? Und doch ist diese Logik Inspirationsquelle, für Israels Sohn Josef im fernen Ägypten, für den blinden Homer. Ein paar bemerkenswerte Traumbeobachtungen stehen bei Sten Nadolny „Das Erzählen und die guten Absichten“ (Münchner Poetik-Vorlesungen von 1990). Eine davon, wie er sie anhand eines Beispieltraumes erzählt:</p>
<p style="padding-left:30px;">„Ich träumte kürzlich etwas Merkwürdiges. Rast machend auf einer Bergwanderung saß ich am Wege und nahm einen Imbiß zu mir. Da kam Hitler, einen schweren Wagen schiebend, vorbei, hielt bei mir an und sagt: &#8216;Mich hungert, gib mir zu essen.&#8217; <span id="more-549"></span><img class="alignleft" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/74/BETTLER1.jpg/175px-BETTLER1.jpg" alt="" width="175" height="597" />Ich teilte meine Wegzehrung mit ihm. Nachdem er sich gesättigt , stand er auf und sprach: &#8216; Da ich nun mit dir gegessen habe, mußt du mir helfen, den Wagen hinaufzuschieben.&#8217; Ich konnte nicht anders, ich stemmte mich gegen den Wagen, und so stiegen wir langsam bergan, schoben die schwere Last vor uns her. Nach langer Arbeit erreichten wir den Gipfel. Oben aber öffnete sich unversehens ein steiler Abgrund. Es gelang nicht, den plötzlich wie aus sich selber herausrollenden Wagen zu halten, wir stürzten mit der Last in die grundlose, eisige Tiefe.“<br />
So träumte Ernst Barlach im Jahr 1938. Natürlich brauchen wir etwas Vertrauen, um den Sturz in den Abgrund nicht seinem wachen Bewußtsein zuzuschreiben – gerade weil er so gar nicht abwegig ist. Was mir aber sofort als unverkennbar traumhaft einleuchtet, ist der absurde und darum unausweichliche Befehl. Er erinnert an gewisse geheimnisvoll zwingende Argumentationen im Märchen: „Da ich nun mit dir gegessen habe, musst du mir helfen, den Wagen heraufzuschieben.“ Und der Träumende kann nicht anders, er gehorcht. (33-34)</p>
<p><a href="http://wege-zu-barlach.de/">Barlach</a> (+1870) starb noch im Jahr 1938. Sophie Scholl hat ja kurz vor ihren Tod auch <a href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/05/10/traumerische-bedeutung-von-taufe/">von einem Sturz in den Abgrund geträumt</a>, wobei es natürlich hier bitter böse ist, dass der Künstler erst Hitler gespeist und dann noch seinen Wagen mit hochgeschoben hat.  Nach dem Wiki-Artikel zu Barlach hat er dem System 1934 ein Huldigungsschreiben unterzeichnet, aber als entarteter Künstler recht zu leiden. Andererseits, Barlachs freundliche (evangeliumsgetreue) Gesten haben immerhin zur Folge, dass Hitler schon 1938 zu Tod kommt &#8211; wenn es nur so gewesen wäre. Vielleicht bedeutet der Traum, dass er auf dem Weg der Versöhnung ist, selbst mit dem, der ihn aus der Gesellschaft herauswarf, <a href="http://wege-zu-barlach.de/index.php?id=24">erdrosselte</a>, seine Werke zerstören ließ.</p>
<p>Barlach war übrigens auch Dramatiker (siehe obiger Link)</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/549/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/549/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/549/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/549/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/549/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/549/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/549/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/549/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/549/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/549/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=549&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Europas Farben</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2009/07/07/europas-farben/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 15:01:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere Bühnen]]></category>
		<category><![CDATA[Das Innere]]></category>

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		<description><![CDATA[Umstritten ist die Theaterfassung von Kieślowski und Krzysztof Piesiewiczl &#8222;Drei Farben: Blau, Weiss, Rot&#8220; (Der Link führt zu allen Zeitungsrezessionen gesammelt bei &#8222;Nachkritik&#8220;, dort bitte ggf. die Geschichten nachlesen, damit man diesen Eintrag verstehen kann)  in den Münchner Kammerspielen. Ich mag es sehr, wenn jemand so dezent wie Kiéslowsky/Simons frohe Botschaft verkünden will. Sie [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=532&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" title="Die Studentin Valentine bringt dem Richter seinen Hund, den sie angefahren hat" src="http://www.muenchner-kammerspiele.de/images/stueck/stbild_3700_gr.jpg" alt="" width="293" height="219" />Umstritten ist die Theaterfassung von <a href="http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_alphacontent&amp;section=12&amp;cat=99&amp;task=view&amp;id=2621&amp;Itemid=75">Kieślowski und Krzysztof Piesiewiczl &#8222;<span><strong>Drei Farben: Blau, Weiss, Rot&#8220; </strong></span></a><a href="http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_alphacontent&amp;section=12&amp;cat=99&amp;task=view&amp;id=2621&amp;Itemid=75">(Der Link führt zu allen Zeitungsrezessionen gesammelt bei &#8222;Nachkritik&#8220;, dort bitte ggf. die Geschichten nachlesen, damit man diesen Eintrag verstehen kann)</a><a href="http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_alphacontent&amp;section=12&amp;cat=99&amp;task=view&amp;id=2621&amp;Itemid=75"><span><strong> </strong></span> </a>in den Münchner Kammerspielen. Ich mag es sehr, wenn jemand so dezent wie Kiéslowsky/Simons frohe Botschaft verkünden will. Sie spielen das Chaos der Welt und singen das hohe Lied Europas &#8222;Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit&#8220;, das Lied dessen, was einem Menschen zusteht (höher und intensiver als die Menschenrechte) eigentlich das hohe Lied der Liebe. &#8222;Und wenn ich mit Engelszungen redete, und &#8230;., hätte aber die Liebe nicht, ich wäre ein tönernen Erz&#8230;&#8220; Typischerweise wird die Botschaft dieser Szenen destruktiv oder gesellschaftskritisch gesehen, immerhin auch manchmal bewundernd wie etwa in der <a href="http://www.faz.net/s/Rub4D7EDEFA6BB3438E85981C05ED63D788/Doc~EE5A8EC99C16D47D781793E6367EE2BF6~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell">FAZ</a>:</p>
<p style="padding-left:30px;">„Sie wollte mehr, als ich ihr geben konnte.“ Mit diesen Worten fasst der Richter gegen Ende der „Drei Farben“ die Gründe für das Scheitern seiner eigenen, tragischen Liebesgeschichte zusammen – und bringt damit auch die Grundmotivation aller übrigen Hauptfiguren auf den Punkt: Sie stehen alle vor der Wahl, ihr Leben zu vernichten oder zu vollenden. Tränenerstickt presst der niederländische Schauspieler Jeroen Willems diese verbitterten Worte heraus, während er „Drei Farben: Rot“ verkniffen auf einem Klavierhocker verbringt, in einem einzigen großartig konzentrierten Dialog mit Sandra Hüllers misstrauischer Valentine. <span id="more-532"></span></p>
<p>Sie haben sehr viel, die Hauptpersonen: Julie hat Geld, Karol Geld und Macht, der Richter hat Geld und Macht und Weisheit. Aber die Liebe, die ist ihnen abhanden gekommen. Durch einen tragischen Unfall, durch Berufsehrgeiz und Scheidung, durch das Leiden daran, dass es persönlich und allgemein keine Gerechtigkeit auf der Erde gibt. Julie bleibt der Mund offen, Karol die Hosenfalle, der Richter bleibt auf seinem Klavierstuhl kleben. Sie alle sind auch destruktiv geworden: Julie will die Komposition ihres Mannes zerstören und ihre Erinnerung auslöschen, Karol schreckt vor Betrügereien, Totschlag und der Inszenierung der eigenen Beerdigung nicht zurück, der Richter ist ein ekliger Spanner geworden. Und doch finden sie die Liebe wieder oder es tut sich ihnen wenigstens die Chance dazu auf. Julie komponiert, Karol wartet auf seine Ex-Frau, der Richter fängt wieder von sich zu sprechen an.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 324px"><img src="http://www.welt.de/multimedia/archive/00782/7DreiFarben_DW_Kult_782407g.jpg" alt="" width="314" height="209" /><p class="wp-caption-text">Gleich zu Beginn fällt ein Auto vom Himmel und bleibt im Bühnenbild stecken. Durch einen Unfall hat Julie (Sylvana Krappatsch) ihren Mann verloren</p></div>
<p>Sie sind wie Menschen, die im letzten Moment von einem sinkenden Schiff gerettet werden. Und nicht nur diese drei, auch des Richters Hundepflegerin Valentine, auch die gefangene Ex-Frau Karols, auch der komponierde Olivier &#8211; weiß nicht mehr, wer die sieben Personen die dem Schiffunglück auf dem Ärmelkanal entrinnen, zumindest eine fehlt mir. (Bin ich sie selber, der Zuschauer?) Bin nicht so sicher, aber dort, auf und um den Ärmelkanal haben wohl viele Schlachten um Europa stattgefunden, nach Großbrittanien und Irland ging der Weg vieler Osteuropäer, die nach den friedlichen Revolutionen 1989 im Westen Arbeit suchten, und die Flagge des vereinigten Königreichs besteht aus denselben Farben wie die titelgebende französische, nur besser durchmischt.</p>
<p><img class="alignright" title="Karol (Thomas Schmauser) möchte sich verkriechen" src="http://www.welt.de/multimedia/archive/00782/5DreiFarben_DW_Kult_782405g.jpg" alt="" width="344" height="250" />Die drei Dinge, die in einer chaotischen Welt bleiben, vor es einmal besser wird, so Paulus: Julies Glaube (an den Sohn ihres Gatten mit einer Anderen), obwohl er ihre Liebe jahrelang, ohne dass sie es wusste, betrogen hat. Karols Hoffnung, dass es nach dem (Schein-)Tod (den er für sich inszenieren lässt) besser wird. Des Richters eingesperrte Liebe, damit er endlich (wenigstens) für sich Gerechtigkeit findet.</p>
<p>Die verrückten Farben, Julie blau wie das Meer zum darin ertrinken und wie der Horizont, um abzuheben, Karols weiße Weste, die so gar auf seine Tätigkeiten passt, und doch das Weiß dessen mit einem Gewand, so weiß, wie es kein Walker machen kann, das irritierende Rot aller Frauen im Schlußakt, sich einbrennend und wieder verlöschend. Mochte diesen Theaterabend.</p>
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		<title>Michael Ende und die Moderne</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Jun 2009 19:47:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>

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		<description><![CDATA[Jüngst (wahrscheinlich) erstmals nach der Kindheit nochmal &#8222;Die unendliche Geschichte&#8220; gelesen. Michael Ende sagte einmal darüber (bitte nicht überbewerten, er wollte eigentlich keine Deutung geben)
&#8222;Das ist nämlich die Geschichte eines Jungen, der seine Innenwelt, also seine mythische Welt, verliert in dieser einen Nacht der Krise, einer Lebenskrise, sie löst sich in Nichts auf, und er [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=510&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.oobe.ch/wzpic/730419.jpg" alt="" width="287" height="311" />Jüngst (wahrscheinlich) erstmals nach der Kindheit nochmal &#8222;Die unendliche Geschichte&#8220; gelesen. <a href="http://www.michaelende.de/">Michael Ende</a> sagte einmal darüber (bitte nicht überbewerten, er wollte eigentlich keine Deutung geben)</p>
<p style="padding-left:30px;">&#8222;Das ist nämlich die Geschichte eines Jungen, der seine Innenwelt, also seine mythische Welt, verliert in dieser einen Nacht der Krise, einer Lebenskrise, sie löst sich in Nichts auf, und er muss hineinspringen in dieses Nichts, das müssen wir Europäer nämlich auch tun. Es ist uns gelungen, alle Werte aufzulösen, und nun müssen wir hineinspringen, und nur, indem wir den Mut haben, dort hineinzuspringen in dieses Nichts, können wir die eigensten, innersten schöpferischen Kräfte wiedererwecken und ein neues Phantásien, d.h. eine neue Wertewelt aufbauen&#8220;.</p>
<p>Zitiere <a href="http://www.oobe.ch/ende02.htm">Michael Ende aus einem Briefwechsel</a> mit <a href="http://www.oobe.ch/">Werner Zurfluh</a>:</p>
<p style="padding-left:30px;">Ich weiß nicht, ob es übertrieben klingt, wenn ich sage: Ich interessiere mich eigentlich nicht sonderlich für mich selbst &#8211; nur so um meiner selbst willen. <img title="Mehr …" src="../wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" /><img title="Mehr …" src="../wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" /><span id="more-510"></span>Was mich interessiert ist die Frage, was ich mit meinen Möglichkeiten dazu tun kann, daß wir aus dieser verdammten Kulturmisere wieder herauskommen, in die sich die gesamte &#8222;zivilisierte&#8220; Menschheit hineinmanövriert hat. Der naturwissenschaftliche, technologische, industrielle Fortschritt ist da und wird weitergehen &#8211; aber wenn kein Gegengewicht auf der &#8222;anderen&#8220; Seite diese Entwicklungen ausbalanziert, dann werden wir immer tiefer in eine buchstäblich mörderische Banalität hineinschlittern, in eine &#8222;brave new world&#8220; der totalen Wesenlosigkeit und der totalen Bequemlichkeit &#8211; oder es kommt eben zu all den oft genug besprochenen Katastrophen. Beides wäre gleichermaßen schlimm.<br />
Nun, Kultur ist ja nicht die Gemeinsamkeit von Meinungen und Ansichten &#8211; in einer Kultur können sehr divergierende Meinungen zum Ausdruck kommen &#8211; Kultur ist die Gemeinsamkeit einer Lebensgebärde, innerhalb derer die verschiedensten Ansichten Gestalt gewinnen. Deshalb beruht jede mir bekannte Kultur auch nicht auf einer Welt e r k l ä r u n g, sondern hat im Zentrum einen Mythos. Ein Mythos ist ja eine E r z ä h l u n g, in der die ganze Widersprüchlichkeit des Lebens und der Welt nicht aufgelöst, sondern in Bildern dargestellt wird. Eine Zivilisation wie die unsere, die letztlich an eine restlose Erklärbarkeit der Welt und der Lebenstatsachen glaubt, kann per se natürlich keinen wirklichen Mythos in ihrem Zentrum haben. Diese Mythenlosigkeit schließt aber wiederum eine gemeinsame Lebensgebärde aus. Daher das Gefühl einer geradezu kosmischen Einsamkeit, das jeder einzelne heute erlebt. Jeder versucht sich jedem zu erklären, und je mehr man erklärt, desto weniger versteht man einander.<br />
Verstehen Sie mich, bitte, nicht falsch. Ich beklage das nicht. Ich bin vielmehr der Meinung, daß dieses Durchleben des Fokuspunktes, dieses Reduziertsein auf das eigene Bewußtsein, dieser Weltverlust sich mit Notwendigkeit vollziehen mußte. Eben dadurch wurde der Mensch sozusagen selbständig, mündig. Aber man kann natürlich in diesem Fokus- oder Nullpunkt nicht verweilen, sich nicht häuslich darin einrichten. Das würde zu einem vollkommenen Zerfall aller sozialen Strukturen, aller Gemeinsamkeit, ja der Sprache selbst führen [...]<br />
<img class="alignright" src="http://www.oobe.ch/wzpic/egypt.jpg" alt="" width="291" height="287" />Nun hilft es uns aber wenig, auf solche alten Kulturen zurückzublicken, weil wir inzwischen vor Fragen stehen, vor denen die Menschheit noch nie bisher gestanden hat. Alle alten Kulturen beziehen ihren Mythos, ihre Gemeinsamkeit aus etwas &#8211; wie soll ich sagen &#8211; Genetischem, Instiktivem, aus einer körperlichen Volks-, Stammes- oder sogar Familienzugehörigkeit. Sie sind vor-individuell. Das Einzelbewußtsein spielt kaum eine Rolle. Daher auch das eigentümlich Überlebensgroße, Allgemeine, Unindividuelle aller mythischen Figuren. Eine Kultur freier, selbständiger Individualitäten hat es bisher noch nie gegeben. Zunächst erscheint soetwas ja geradezu als eine Unmöglichkeit, ein Paradoxon: Wie kann es die gemeinsame Lebensgebärde vieler Einzelner geben? Auf der anderen Seite gibt es kein Zurück mehr. Wie verheerend sich der Versuch auswirken muß, den heutigen Menschen wieder in Volks- oder Rassezusammenhänge zu integrieren, hat sich ja am Nazismus gezeigt. Was vor 2000 Jahren gut war, wirkt heute dämonisch. So ist es ja überhaupt mit Gut und Böse. Aber das ist nicht die einzige Tendenz, den Menschen zu entindividualisieren. Viele andere Systeme wollen es auf andere Weise erreichen, weil sie alle mit der Frege nicht fertig werden, wie es eine Gesellschaft oder Kultur freier Individualitäten geben soll.<br />
[zwei Tage später setzt er den Brief fort]<br />
Beim Durchlesen dessen, was ich da vorgestern geschrieben habe, erschrecke ich etwas über den akademischen, rechthaberischen Tonfall. Es ist mein alter Fehler, etwas in wenigen Sätzen erklären zu wollen, wozu man sich viel Zeit (und Papier) nehmen müßte. Außerdem weiß ich gar nicht, ob diese ganzen Überlegungen für Sie überhaupt von Interesse sind. Wenn ja, fassen Sie bitte nachl Da ich eigentlich auf eine ganz persönliche Frage kommen möchte, will ich den vorigen Faden jetzt so kurz wie möglich abschneiden: Ich bin durchaus der Meinung,daß die Lösung des Paradoxes möglich ist, d.h. daß es eine gemeinsame Lebensgebärde, sprich Kultur, vieler Individualitäten geben kann, daß es unsere Aufgabe ist, sie zu er-finden oder sie wenigstens vorzubereiten. (Vielleicht oder wahrscheinlich werden vorher noch einige Katastrophen zu durchleben sein, die vor allem die ökonomischen Grundlagen unserer <img class="alignright" src="http://www.oobe.ch/wzpic/wz0018.jpg" alt="" width="221" height="288" />Gesellscheft auf ganz andere Füße stellen &#8211; auch das ein eigenes Thema !) Was Sie in Ihrem Buch an Erfahrungen beschreiben, erscheint mir als der Anfang, das Erwachen einer ganz neuen Seelenfähigkeit. Ihr Vorschlag, das Klarträumen als Unterrichtsfach in künftige Schulen einzuführen, entzückt mich. Mein Gott, was für ein begeisterter Schüler wäre ich da gewesen ! In meinen Schulen hat man uns das Träumen gründlich abzugewöhnen versucht.</p>
<p>Dass Ende das Tagträumen und Außer-Körper-Erfahrungen erlernen will, klingt so ein bischen wie Goethes Faust den Kontakt mit der Geisterwelt sucht. (Später zitiert Ende tatsächlich Fausts Monolog und was er alles schon probiert hat.) Er kommt bald wieder auf sein eigentliches Anliegen:</p>
<p style="padding-left:30px;">Ich befinde mich da in einer sonderbaren Situation. Ich sitze seit Jahren, oder besser gesagt seit Jahrzehnten (ich bin fast sechzig) sozusagen festgebannt auf der Schwelle zwischen beiden Wirklichkeiten. Eine Rückkehr in den naiven Glauben an die Alltagsrealität ist mir nicht möglich. Es macht mich oft geradezu ratlos vor Erstaunen, wie fraglos viele Menschen diese Alltagsrealität &#8222;für bare Münze&#8220; nehmen. Trotzdem ist mir der Schritt zu einem wirklichen Wachwerden auf der anderen Seite der Schwelle bisher nie gelungen. Ich sollte vielleicht der Klarheit halber hinzufügen, daß ich durchaus Übungen gemacht habe &#8211; am längsten wohl die von Steiner angegebenen, aber auch andere. Drogen habe ich allerdings nie benutzt. Alle diese Übungen haben bei mir überhaupt nichts in Bewegung gebracht, im Gegenteil, mein Traumleben intensivierte sich nicht, sondern begann durch besagte Konzentrations- und Meditationsübungen geradezu abzuwelken. Ich kenne Leute, die Steiners Meditationssprüche seit vierzig Jahren täglich üben. Auf meine gespannte Frage &#8222;Und?&#8220;, antwortete man mir, daß die Sprüche nun allmählich anfingen zu leuchten. Darauf antwortete ich, daß vermutlich auch das Telefonbuch anfängt zu leuchten, wenn man es vierzig Jahre lang meditiert.<br />
Was sich durch alles das bei mir eingestellt hat, ist eine tiefe Entmutigung. Sie verstehen, daß das kein Mangel an Mut ist. Ich bin zwar gewiß kein &#8222;makelloser Krieger&#8220; im Sinne des alten Don Juan, aber ich bin kein Feigling. Ich sage das nicht leichtfertig. Im Grunde weiß man ja nie, ob man Mut hat oder nicht, ehe man nicht in Situationen gekommen ist, in denen sich das herausstellt.</p>
<p>Dann diskutiert Ende mögliche Wege, unplausibel scheint ihm, dass es bei ihm daran liege</p>
<ul>
<li> dass man &#8222;erst einmal ein makelloser, tugendhafter, asketischer Mensch werden&#8220; solle oder</li>
<li>dass für ihn &#8222;das größte Hindernis in gewissen vorgefaßten Meinungen über die Existenz oder Nichtexistenz, oder ganz generell über die Beschaffenheit der nichtalltäglichen Wirklichkeit liegt&#8220;</li>
</ul>
<p>Die Anfrage zum Briefende: &#8222;Glauben Sie, ich muß mich damit abfinden, daß ich vor meinem Tode keinen b e w u ß t e n Zugang zur &#8222;anderen&#8220;Wirklichkeit bekomme?&#8220;. Antwort Werner Zurfluh:</p>
<p style="padding-left:30px;">Streben meint nämlich stets Zielbezogenheit und Gerichtetheit. Und es gibt genug Schulungswege, die sich irgendwelchen Zielvorstellungen verschrieben haben. Dabei geht von allem Anfang an die Poesie verloren und Macht und Willkür übernehmen das Szepter. Erkenntnis als solche ist stets unerwartet, offen, verblüffend und erschreckend, manchmal auch leise und verhalten. Wer dagegen nach Erkenntnis strebt, glaubt allemal schon zum voraus zu wissen, was ihn da erwartet und verliert unterwegs seine Offenheit und Redlichkeit. Dabei bleibt die spontane (&#8216;alchemistische&#8217;) Kunst im Wuste der formalen Anweisungen stecken. Dass Sie sich dagegen wehren, kann mich nur freuen.[...]<br />
Nur erstaunlich, dass in beinahe allen Grosskulturen die Spontaneität und schöpferische Gestaltungskraft erfahrungsbegründeter Sprache in kanonisierte Schriftlichkeit absackte und schliesslich in formalistischer Schulung erstarrte. Priester traten anstelle von Propheten, Schriftgelehrte ersetzten Seher. Ganz anders die indianische und schamanistische Kultur mit ihrer echten Akzeptierung der &#8216;Traumwelt&#8217; als nichtalltägliche Wirklichkeit. Da spielt das Einzelbewusstsein eine wesentliche Rolle &#8211; oder müsste ich vielmehr sagen, da hat das Erzählerische eine gesellschaftsformende Kraft, weil alle Erzählungen aus der persönlichen Erfahrung heraus entstehen und in die soziale Struktur miteinbezogen werden. Wird dagegen der Mythos des einzelnen Menschen zu einem rein subjektiv erzeugten Fantasieprodukt erklärt, geht der Anspruch freier, selbständiger Individualitäten auf Intersubjektivität und gesellschaftlicher Relevanz vollends verloren.</p>
<p>Ein späterer Brief geht härter mit Michael Ende um:</p>
<p style="padding-left:30px;"><img class="alignright" src="http://www.oobe.ch/wzpic/mandala3.jpg" alt="" width="246" height="239" />Was mir absolut nicht klar ist, ist die Motivation, mit der Sie luzid in die Nacht hineingehen wollen. Mehr noch, ich &#8222;befürchte&#8220; sogar, dass Sie ungemein dafür motiviert sind. Ich werde dabei einfach den Verdacht nicht los, dass Ihr Motiv letzten Endes doch alltagsbezogen bleibt und keineswegs uneigennützig ist. Auch habe ich den Verdacht, dass Sie als Fernziel ein literarisches Kunstprodukt vor Augen haben.[...] Wenn Sie jetzt beim Lesen dieser Zeilen immer zorniger, ja wütend geworden sind, dann war mein Verdacht zutiefst zutreffend, wenn nicht, dann war er zumindest teilweise ungerecht, worüber ich nur froh und glücklich sein kann. Bitte beachten Sie auch, dass ich eher die Tendenz habe, zu viel als zu wenig zu sagen, d.h. ich bin oftmals provokativ, möchte aber keineswegs verletzend sein. Hoffentlich gelingt mir das!<br />
Wie dem aber auch sein mag, es gibt meines Erachtens ein paar prinzipielle Dinge gerade im Zusammenhang mit jeder Art von &#8216;esoterischem&#8217; Bemühen. Wenn einem die Alltagsrealität fragwürdig geworden ist, beginnt oftmals das Suchen nach anderen Wirklichkeiten. Exakt an diesem Punkt setzen die esoterischen Schulen ein &#8211; mit all ihren Übungen. Mich beruhigt es ungemein, dass Sie nicht den geringsten Erfolg mit all den Übungen gehabt haben, die Sie jemals durchgeführt haben. Und dass Sie &#8211; gewissermassen aus schierer Verzweiflung &#8211; keine Drogen genommen haben, rechne ich Ihnen hoch an. Das eine wie das andere sind wesentliche Punkte im Hinblick auf ein Hineingehen in andere Seinsbereiche. Weshalb? Weil es nicht angehen kann, mit Hilfe irgendwelcher Techniken in eine Raum-Zeit hineinzugehen, die bislang vom westeuropäischen Menschen beinahe ausschliesslich als zu erobernde und zu zivilisierende terra incognita betrachtet worden ist.<br />
[...] Sie glauben also nicht, dass Ihre Schwierigkeiten hierin liegen, denn die Existenz der nichtalltäglichen Wirklichkeit war Ihnen eigentlich von Kindheit an völlig fraglos. Keine Frage, dass dem bis heute so gewesen sein mag! Ich habe sogar nicht einmal den leisesten Zweifel daran, dass Sie nicht durch ein naturwissenschaftliches Weltbild daran gehindert werden, die Schwelle zu überschreiten. Nur leider: Es gibt auch magische Weltvorstellungen. Und zum Donnerwetter nochmals, die liegen Ihnen nicht nur näher, die liegen wie schwerste Malsteine auf Ihnen und drücken Sie in Ihren physischen Leib hinein, dass mir Weh und Ach wird.</p>
<p>Ende nimmt diesen Brief freundlich auf, gerade seine Antwort bezeugt, dass ihn die äußeren Umstände (er wurde betrogen und sitzt auf immensen Schulden) in die nicht-Phantasie zurückweisen. Wegen dieser äußeren Umstände wird der Briefwechsel lockerer, einmal sehen sich die beiden Schreiber noch vor Endes Tod. Bei Z., der zu Begin des Briefwechsels wegen MS in Ruhestand versetzt worden war, ist seit 2007 MS so fortgeschritten, dass er nicht mehr schreiben kann. Genaueres über ihn auf <a href="http://www.oobe.ch/">Werner Zurfluh (Bilder auf dieser Seite sind von ihm)</a>.</p>
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		<title>Demenz öffentlich</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Feb 2009 17:38:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelle Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Inge Jens]]></category>

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		<description><![CDATA[Inge Jens, Herausgeberin und geniale Kommentatorin der Briefe und Aufzeichnungen der Geschwister Scholl, ist mit einem berühmten Mann verheiratet, Walter Jens. Der ist inzwischen 86 Jahre alt und altersdement. Sein Freund, der Theologe Hans Küng, hat in einem Zeitungsartikel für Sterbehilfe plädiert, weil Jens sagt er würde leiden und wolle sterben. Las das vor ein [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=447&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" src="http://www.faz.net/m/%7BFCCD6C04-5C54-4CE5-B426-8B055B266778%7DPicture.jpg" alt="" width="299" height="199" />Inge Jens, Herausgeberin und geniale Kommentatorin der Briefe und Aufzeichnungen der Geschwister Scholl, ist mit einem berühmten Mann verheiratet, Walter Jens. Der ist inzwischen 86 Jahre alt und altersdement. Sein Freund, der Theologe Hans Küng, hat in einem Zeitungsartikel für Sterbehilfe plädiert, weil Jens sagt er würde leiden und wolle sterben. Las das vor ein paar Tagen, heikle Frage, bin aber dagegen so etwas bei Demenz zu erwägen. Finde es ist etwas anderes, wenn jemand sterben will oder wenn jemand sich selbst oder jemand anders tötet. (Jens ging freilich im gesunden Zustand weiter als nur passiv nicht sterben zu wollen.) Ich suchte auch ein positives Argument. Heute dazu die <a href="http://www.faz.net/s/Rub642140C3F55544DE8A27F0BD6A3C808C/Doc~E6832657D61EA4B87AA6BE46059FE1547~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a> von seiner Familie, die den Gatten und Vater liebt (auch wenn sie damit Probleme haben, dass er über alles mögliche aber lange nicht <a href="http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E6CE2894D9FE84E309C8A59493E94B08D~ATpl~Ecommon~Scontent.html">über sein NSDAP-Parteibuch </a> sprach &#8211; war er doch am Kriegsende erst 22 Jahre):</p>
<p style="padding-left:30px;">Die Familie hat sich entschieden, ihm die Sterbehilfe zu verweigern, weil sie nicht weiß, welche Kriterien in der Welt, in der er jetzt eingeschlossen ist, Gültigkeit besitzen. „Im Grunde ist es egal, ob ein Mensch über einen gelungenen Text glücklich ist oder über ein Wurstweckle. Mir das einzugestehen war hart für mich“, sagt Inge Jens. <span id="more-447"></span><img class="alignright" src="http://www.faz.net/m/%7B242B4D5D-E3E9-46CB-A9F7-25A222595673%7DPicture.JPG" alt="" width="245" height="312" />Der Kaffee wird in Tassen gereicht, die so groß sind, dass auch ihr Mann sie halten kann &#8211; das Tübinger Haus ist ganz auf ihn zugeschnitten. „Ich habe mich von einem Gutteil meines intellektuellen Hochmuts verabschieden müssen. Das ist es wohl, was den Umgang mit dieser Krankheit für die Umwelt so schwer macht: der radikale Bruch mit der Vergangenheit.“</p>
<p>&#8222;Warum haben sie keinen Hunger nach dem Geistigen?&#8220; fragte Sophie Scholl im Tagebuch, angesichts ihrer stumpfen Altersgenossen. Das Elitäre an diesem Satz hat mich begeistert. Aber man kann es auch falsch verstehen. Der Stolz kommt ganz Gott zu, wenn unsereins ihn hat ist es eine Lüge, so heißt es irgendwo in Bubers &#8222;Erzählungen der Chassidim&#8220;. Vielleicht kann man auch so sagen: selbst diese Demenz muss nichts ungeistiges sein, sie ist nur anders. Der FAZ-Artikel erwähnt eine Perspektive, die sich in Walter Jens eigenen Schriften findet:</p>
<p style="padding-left:30px;"><img class="alignright" src="http://www.faz.net/m/%7BC7528634-21F2-48E2-91BC-984EE9E0114A%7DPicture.jpg" alt="" width="243" height="317" />Walter Jens ist fast 86 Jahre alt. Am Vorabend der Lesung kommt er mit seiner Pflegerin Margit nach Hause. Er ist irritiert über den Besucher, bleibt zunächst im Wohnzimmer stehen, mit beiden Armen auf die Sessellehne gestützt, als wolle er sich sammeln. Dann setzt er sich neben Inge Jens, streichelt seiner Frau, die telefoniert, den Rücken. Er stellt Fragen und schüttelt den Kopf, als ob ihm die Antworten nicht einleuchten würden. Er schaut befremdet in die Runde. Und niemand vermag zu sagen, ob Walter Jens unserer Welt ebenso fremd gegenübersteht wie wir der seinen. „Erst wenn der Mensch schweigt“, so hatte er einmal geschrieben, „beginnen die Dinge zu reden und ein Drittes wird sichtbar &#8211; jenes ,Zwischen&#8217;, das Ich und Du, das Individuum und die Welt miteinander verbindet und sich am deutlichsten in der Wortlosigkeit der Liebe oder im sakramentalen Vollzug der Ehe enthüllt.“</p>
<p>Genauere Information im Buch des Sohnes <a href="http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E6CE2894D9FE84E309C8A59493E94B08D~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Tilman Jens</a>, einem Bericht der Inge Jens,  die ein <a href="http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E618F41BBCB5C455D999512BDAECD49EB~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ-Rezension</a> zusammenfasst.</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/447/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/447/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/447/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/447/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/447/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/447/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/447/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/447/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/447/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/447/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=447&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Die Vergangenheit heute</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/08/14/jetzt-leben/</link>
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		<pubDate>Thu, 14 Aug 2008 09:15:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://fangtunsdoch.wordpress.com/?p=322</guid>
		<description><![CDATA[Einen meiner Lieblingstexte fand ich nirgends im Internet. Deshalb hier Lothar Zenettis Variante von Fausts &#8222;Habe nun, ach&#8220; &#8211; mit einer ganz anderen Pointe.
Mit den Jahren


Ich bin schon lange nicht mehr,
ich gestehe, tief unten
in meinem Keller gewesen,
wo die alten Weine der Weisheit
liegen und das Wissen der
Jahrhunderte verstaubt, 
das ich erwarb, o Thomas,
Tertullian und Berengar von [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=322&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Einen meiner Lieblingstexte fand ich nirgends im Internet. Deshalb hier Lothar Zenettis Variante von Fausts &#8222;Habe nun, ach&#8220; &#8211; mit einer ganz anderen Pointe.</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;"><img class="alignright" src="http://www.bmwa.gv.at/NR/rdonlyres/738DA194-7009-4C0B-8C97-E16A6065BFE5/745/Keller1.jpg" alt="" width="326" height="326" /><strong>Mit den Jahren</strong></p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">Ich bin schon lange nicht mehr,</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">ich gestehe, tief unten</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">in meinem Keller gewesen,</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">wo die alten Weine der Weisheit</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">liegen und das Wissen der</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">Jahrhunderte verstaubt, <span id="more-322"></span></p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">das ich erwarb, o Thomas,</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">Tertullian und Berengar von Tours.</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">
<p style="margin-bottom:0;"><img class="alignleft" src="http://www.olafhey.de/wp-images/blog/2006/07/schwalben800.jpg" alt="" width="326" height="221" /></p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">Auch war ich, fällt mir ein,</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">schon lange Zeit nicht mehr</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">da oben unterm Dach, wie früher,</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">wo ich den Schwalben nachsah</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">und selber das Fliegen versuchte.</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;"><img class="alignright" src="http://www.dpor.rwth-aachen.de/de/lehrstuhl/bilder/postbote.jpg" alt="" width="202" height="281" />Mit den Jahren gewöhnt</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">man sich an den alltäglichen</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">Bedarf, das, was gefragt ist</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">und was und das ist wenig,</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">noch ankommt bei den Leuten.</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">So übe ich, die fremden Nöte</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">täglich mit Geduld zu hören,</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">dafür die eignen zu verschweigen,</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">die kostbare Zeit, wie gefordert,</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">mit ungezählten Beschäftigungen</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">pausenlos zu vertun,</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">die Rechnungen zu bezahlen</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">und mit den Drucksachen,</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">die der Postbote bringt,</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">auf dem Laufenden zu sein</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">in der Theologie des Tage.</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">
<p style="margin-bottom:0;"><img class="alignleft" src="http://www.augustaraurica.ch/infos/rezepte/panis_1k.jpg" alt="" width="329" height="213" />Mit den Jahren</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">mag es dann gelingen,</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">mit Wasser zu kochen,</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">das unbegreifliche Brot</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">in sehr sehr kleinen Brötchen zu backen</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">und langsam die Liebe</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">zu erlernen in allem.</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">
<p>Zenetti ist katholischer Priester, daher die mittelalterlichen Namen und der Anspruch, in seinem Leben Theologie, wissenschaftliche Rede von Gott zu tun. Aber die Erfahrung ist verallgemeinerbar. Auch das ist im Text angelegt: der Feinkostbäcker wird von seinen Kunden gezwungen, kleine Brötchen zu backen. Der Hochleistungssportler, der das Fliegen versucht, ist älter geworden, jedenfalls versucht er es nicht mehr. Der Akademiker, der im Beruf steht, lässt oft genug seine einst hochgeschätzte Wissenschaft verstauben.</p>
<p>Das besondere an diesem Gedicht: es präsentiert keine Notlösung. Das Paradies, so scheint mir, ist dem Schreiber &#8211; entgegen dem ersten Anschein &#8211; nicht verloren gegangen. Es ist nur die oberflächliche Sicht der Dinge, dass man seinen Alltag mit alltäglichen Freundlichkeiten, e-mails lesen und ähnlichem &#8222;vertut&#8220;. Es ist nur eine Art, die Liebe zu lernen &#8222;in allem&#8220;.</p>
<p>(das reich gottes ist mitten unter uns. denkt um und glaubt an die frohe botschaft). Der Verbrecher in Camus &#8222;Die Pest&#8220;, kann nicht leben, nachdem die Notzeit, in der er wirklich ein Helfer war, vorbei ist.  Wie wäre es den Weiße-Rose Leuten heute ergangen, hätten sie auf der Erde überlebt?  Wie es heute entdecken, dass ich (und du und jemand anders) nie nur kleine Brötchen backen soll?</p>
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		<item>
		<title>Patrik Roth: Unbewusstes und rationale Arbeit</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/06/16/patrik-roth-unbewusstes-und-rationale-arbeit/</link>
		<comments>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/06/16/patrik-roth-unbewusstes-und-rationale-arbeit/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 16 Jun 2008 14:38:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8222;Den Mann, nenn mir, Muse, den es viel umhergetrieben hat. &#8222;- so göttlich inspiriert beginnt Homers Odyssee &#8230; und dann kommt alles in wohlgeordneten Versen, hinter denen, so sollte man meinen, gar nicht so wenig Handarbeit steckt.
Es hat mich immer fasziniert zu hören, dass es irgendwie gar nicht die Dichter sind, die ihre Werke schreiben. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=306&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img class="alignright" style="float:right;" src="http://home.arcor.de/fr22.f/galerie/am/chagall/Selbstportrait%20mit%20Muse%20(Traum),%201917-18.jpg" alt="" width="317" height="367" />&#8222;Den Mann, nenn mir, Muse, den es viel umhergetrieben hat. &#8222;- so göttlich inspiriert beginnt Homers Odyssee &#8230; und dann kommt alles in wohlgeordneten Versen, hinter denen, so sollte man meinen, gar nicht so wenig Handarbeit steckt.<br />
Es hat mich immer fasziniert zu hören, dass es irgendwie gar nicht die Dichter sind, die ihre Werke schreiben. Dazu <a href="www.patroth.info/vita/orf_katja_gasser_buchmesse_04.doc" target="_blank">Patrik Roth im Interview (2004)</a>:</p>
<p style="padding-left:30px;">[...] das erste Stadium, das allerwichtigste überhaupt <span id="more-306"></span><!--more--><!--more-->– ich hab’s in den Frankfurter Poetik-Vorlesungen beschrieben –  ist dieses Sich-Einlassen auf das Unbewusste: Was geht denn in mir vor? Was spricht denn in dir? Was sind denn die großen Stimmen in deinen Träumen? Und was bedeutet es für dich &#8211; jetzt? So, das sammle ich wie ein Wissenschafter, ganz akribisch, mit allem, was ich habe. Und dann, wenn ich es gesammelt habe, gehe ich daran und sehe mir das an und überlege mir, was sagt das jetzt, was bedeutet das, warum dieser Traum gerade jetzt, warum dieses Bild gerade jetzt aus Milliarden von Bildern, die möglich wären, dieses Bild jetzt und – das muss ich mir noch dazu sagen – mir, nicht einem anderen, sondern mir dieser Traum? Dann hab ich das Ich, das unbedingt will, zunächst einmal zurückgesetzt. <img class="alignright" style="float:right;" src="http://home.arcor.de/fr22.f/galerie/am/chagall/Szenenentwurf%20fuer%20das%20Finale%20des%20Balletts%20'Aleko',%201942.jpg" alt="" width="317" height="208" />Vielleicht will das Unbewusste im Moment gar kein Buch, vielleicht ist das Unbewusste im Moment vielleicht ausgepowert und muss erst einmal brachliegen und muss sich erst wieder einmal sammeln. Vielleicht sind die Bilder, die mir gezeigt werden aus dem Unbewussten, erst mal ein Sich-Sammeln, ein Kreisen, ein Umordnen, diese Bilder gibt es absolut. Wenn ich das sehe, dann muss ich, wenn ich klug bin, zurücktreten und sagen: Ich brauch noch einen Monat, das muss sich alles mal setzen. Zum Beispiel diese Extraversion jetzt, die durch diese Marktsituation, durch die Buchmesse gefordert wird, das wird heimgezahlt, wenn du mal schaust, was in deinen Träumen geschieht. Das ist der Seele völlig fremd, die interessiert sich einen Dreck dafür, das ist das kleine Ich, das da jetzt für den Verlag oder gar für das Buch was machen will, das ist der Seele völlig egal. Aber auf die muss ich mich wiederum einlassen, denn von der bin ich abhängig. <img class="alignright" style="float:right;" src="http://home.arcor.de/fr22.f/galerie/am/chagall/Selbstportrait%20mit%20einer%20Uhr,%20vor%20der%20Kreuzigung,%201947.jpg" alt="" width="317" height="399" />Abhängig insofern – ich gebe Ihnen ein Beispiel, auch wieder in den Poetik-Vorlesungen wird das beschrieben: als ich an ‚Corpus Christi’ zum Beispiel schrieb, war für mich die Schlüssel-Szene ein Traum: ich sehe im Traum das Bild einer Grabplatte im Grab – ich stehe in einem Grab – aber das Ich, das sieht, ist kein Mann, sondern ist eine Frau. Also das alles war mir im Traum bewusst. Mir war auch klar, dass es das Grab Christi war, alles das wusste ich, wie man das im Traum weiß, auch wenn man nur ein Detail sieht. Aber die Tatsache, dass eine Frau dieses Bild sah, das wollte ich zunächst verleugnen und sagte, nein, der Erzähler ist doch der Thomas, ich werde weiterarbeiten mit Thomas und verstehen Sie: es ging einfach nicht mehr, das Schreiben ging nicht mehr, ich habe es zwei/drei Wochen lang versucht. Und als ich mich dann wieder darauf einließ – auf die Frage, wer wäre es dann, wenn es eine Frau wäre – auf einmal ging alles wieder. Die Energie wird dir entzogen, du wirst letztlich nicht dagegen handeln können. Du wirst zwar manipulieren können und konstruieren können weiß der Teufel was – es wird immer konstruiert und manipuliert wirken auch auf die Leser, es wird wirken wie eine Maschine, die kann zwar vergnüglich sein, aber ist letztlich etwas Maschinelles. Das, was wirklich Tiefenwirkung hat, das kommt nicht von dir. Du bist das mouth-piece, du bist nichts anderes als das Werkzeug des Ausdrucks letztlich. Das heißt, das Unbewusste muss dann natürlich – und das ist die zweite hochwichtige Phase –  von einem hochrationalen Ich  geformt werden. <img class="alignright" style="float:right;" src="http://home.arcor.de/fr22.f/galerie/am/chagall/Ostern,%201968.jpg" alt="" width="320" height="321" />Du urteilst absolut über das, was da geschieht und du bist vielleicht völlig anderer Meinung und diese Meinung setzt sich gegen das, was aus dem Unbewussten kam und beginnt jetzt einen Dialog, ein hin und her. Aus diesen Phasen des Unbewussten –  das heißt, wo du genau auf Träume hörst und sie analysiertst, ihren Sinn suchst – und dem, was du dann daraus machst. Das heißt, du verwirklichst diese Träume ja, indem du ihnen in der Wirklichkeit antwortest. In diesem Sinne realisierst du sie, nicht nur kopfmäßig, sondern du arbeitest dann ja entsprechend. Dann hast du auf einmal einen Partner beim Schreiben und dann kann man davon auch nicht mehr sagen, dass man diese Bilder erfindet, denn es ist ganz umgekehrt, diese Bilder haben dich gefunden. Und du hast, wenn du Glück hast, irgendwann einmal kapiert, warum diese Bilder zu dir kommen und zu niemand anders und hast dich hoffentlich verantwortungsvoll und entsprechend verhalten, nämlich in deiner Arbeit als Schriftsteller, mit allem, was du an Talent hast, diese Erfahrung dann auch anderen zugänglich zu machen. Nicht in dem Sinne, dass sie jetzt so träumen oder so nachleben müssten, sondern dass sie quasi mit dir und durch dich eine ‚Passage’, einen Zugang gefunden haben zu ihrem eigenen Unbewussten und also den Mut finden, ihr Buch, ihr Kopfbuch zu beginnen. Das ist es.</p>
<p>P.S.: Man muss nicht Fan von Chagall sein um zu sehen, dass Inspiration ein Thema bei ihm ist, deshalb hier seine (sicherlich auch technisch anspruchsvollen) Bilder.</p>
<p>P.P.S.: Verbalinspiration (oder instruktionstheoretisches Verständnis von Offenbarung) ist eine Theorie, die es manchen Gläubigen und Theologen schwer macht, &#8222;Fehler&#8220; in der Bibel zu akzeptieren. Heutzutage sagt man meistens, dass die Offenbarung nicht der biblische Text ist, sondern das, was mit Israel und mit Jesus passierte (Gottes &#8222;Selbstoffenbarung&#8220;). Weil wir keine Texte in der Sprache Jesu (Aramäisch) haben, bleibt uns schon rein logisch kaum was anderes übrig. Anders beim Islam, der die Sprache seines Propheten sorgfältig tradiert hat.<br />
Könnte der Islam lernen, dass die sozialen und politischen Ratschläge, so förderlich und fortschrittlich sie in den ersten Jahrhunderten des Islam auch gewesen sein mögen, nicht wörtlich auf die heutige Zeit zu übertragen sind, weil die Rationalisierung des Unbewussten wie des übersprachlich Göttlichen zeitgebunden ist?</p>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fangtunsdoch.wordpress.com/306/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fangtunsdoch.wordpress.com/306/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/306/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/306/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/306/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/306/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/306/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/306/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/306/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/306/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/306/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/306/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=306&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Gut und böse bei Furtmeier</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/05/02/gut-und-bose-bei-furtmeier/</link>
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		<pubDate>Fri, 02 May 2008 15:44:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Teufel]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscharakter]]></category>

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		<description><![CDATA[ Der von den Nazis suspendierte Justizbeamte Joseph Furtmeier, dem seine Freunde umgebracht wurden und der selber drei Wochen in Gefangenschaft war, schreibt einige Zeit nach seiner Freilassung am 20. August 1943 einen beachtenswerten Text. Ein recht eigenständiges und doch tiefgründiges Bild von Gott und Welt. Man bedenke freilich, dass dieser Text aus einem privaten [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=300&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img src="http://www.pa.msu.edu/courses/2006summer/ISP213H/art/ModernImages/abstractionists/ROTHKO01.JPG" alt="" width="319" height="393" align="right" /> Der von den Nazis suspendierte Justizbeamte Joseph Furtmeier, dem seine Freunde umgebracht wurden und der selber drei Wochen in Gefangenschaft war, schreibt einige Zeit nach seiner Freilassung am 20. August 1943 einen beachtenswerten Text. Ein recht eigenständiges und doch tiefgründiges Bild von Gott und Welt. Man bedenke freilich, dass dieser Text aus einem privaten Brief in die Schweiz nie für die Öffentlichkeit bestimmt war.</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">Für Gerda, die sich für Philosophie interessiert, füge ich einige Leitsätze bei, die die Tragik zum Ausdruck bringen, in der der Christ die Welt erlebt</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">1) Es gibt keine Selbstgestaltung der Gesellschaft aus ihren eigenen Kräften heraus. Es gib keinen Fortschritt, alle Kultur ist Tradition.</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">2) In der Welt ist das Böse stärker als das Gute.<span id="more-300"></span></p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;">3) Um das Gute wirklich zu machen, musste Gott das Böse schaffen. Vorher war das Gute nur Idee.</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;padding-left:30px;">4) Erst innerhalb des Bösen werden wir des Guten bewusst.</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;padding-left:30px;">5) Erst innerhalb der Wirklichkeit des Bösen erwachen wir zu personalem Leben.</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;padding-left:30px;">6) Ohne Gott tötete der Anblick der Welt.</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;padding-left:30px;">7) Das christliche Bewusstsein ist das unglückliche Bewusstsein.</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;padding-left:30px;">8 ) Die Menschen sterben an ihren Göttern! Wir aber leben durch den allmächtigen Gott!</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">Obwohl ich fasziniert bin, mein vollkommener Widerspruch.</p>
<p><img src="http://www.pa.msu.edu/courses/2006summer/ISP213H/art/ModernImages/abstractionists/ROTHKO02.JPG" alt="" width="319" height="393" align="right" /></p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">0) Die Welt ist keine Tragödie, sondern eine Komödie</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;padding-left:30px;"><span style="font-family:Arial,sans-serif;"><span style="font-size:x-small;">1) Es gibt keine Selbstgestaltung der Gesellschaft aus ihren eigenen Kräften heraus. Es gib keinen Fortschritt, alle Kultur ist Tradition.</span></span></p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">1) Natürlich gibt es eine Selbstgestaltung der Gesellschaft: zivilgesellschaftliches Engagement, kirchliches Engagement, wissenschaftliche Entdeckungen, &#8230;</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">Natürlich gibt es technische Fortschritte, die das Leben leichter machen und neue Kultur, neue Kunstwerke unserer Zeit.</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;padding-left:30px;"><span style="font-family:Arial,sans-serif;"><span style="font-size:x-small;">2) In der Welt ist das Böse stärker als das Gute.</span></span></p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">2) Was in der Welt stärker ist, ist eine Frage des Blicks. Kuck doch anders hin, denk doch um. Schau auf Schöpfung, Erlösung und die besonderen Gaben jedes einzelnen Menschen, der Kulturen, der Wissenschaft, des Staates usw., wie viel seine Majestät, Gott, da gibt, und wie viel er geben möchte, und dass er ganz heiß darauf ist, noch mehr zu geben (vgl. Ignatius von Loyola, Medition zur Erlangung der Liebe)</p>
<p style="margin-bottom:0;padding-left:30px;"><span style="font-family:Arial,sans-serif;"><span style="font-size:x-small;">3) Um das Gute </span></span><span style="font-family:Arial,sans-serif;"><span style="font-size:x-small;"><span style="text-decoration:underline;">wirklich</span></span></span><span style="font-family:Arial,sans-serif;"><span style="font-size:x-small;"><span style="text-decoration:none;"> zu machen, musste Gott das Böse schaffen. Vorher war das Gute nur Idee.</span></span></span></p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">3) Weil wir evtl. in manchen Fällen das Gute ohne das Böse nicht denken können, muss es doch nicht so sein. Der Künstler entscheidet doch nicht zwischen gut und schlecht, sondern zwischen guten Möglichkeiten!</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">
<p><img src="http://www.pa.msu.edu/courses/2006summer/ISP213H/art/ModernImages/abstractionists/ROTHKO03.JPG" alt="" width="319" height="393" align="right" /></p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;padding-left:30px;"><span style="font-family:Arial,sans-serif;"><span style="font-size:x-small;">4) Erst innerhalb des Bösen werden wir des Guten bewusst.</span></span></p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">4) Nein, man muss keine schlechten Bilder gesehen haben, um einen guten Geschmack zu entwickeln. Man entwickelt ihn vielleicht am Unterschied zwischen besseren und schlechteren Bildern &#8211; aber es muss dafür kein Böses geben!</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;padding-left:30px;"><span style="font-family:Arial,sans-serif;"><span style="font-size:x-small;">5) Erst innerhalb der Wirklichkeit des Bösen erwachen wir zu personalem Leben.</span></span></p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">5) Was meint Furtmeier mit Person? Ist Person jemand mit Ecken und Kanten? Dazu braucht es auch nichts Böses. Würde man das behaupten, beschränkte man die Phantasie Gottes doch recht grob. Oder bedeutet Person: ein moralischer Mensch? Dann hat Furtmeier unrecht, weil mit Kant ein moralischer Mensch dadurch ausgezeichnet ist, dass er sich als unter dem Moralgesetz (kategorischen Imperativ, der Goldenen Regel) stehend empfindet, dazu braucht es nicht die Wirklichkeit des Bösen.</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;padding-left:30px;"><span style="font-family:Arial,sans-serif;"><span style="font-size:x-small;">6) Ohne Gott tötete der Anblick der Welt.</span></span></p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">6) Wenn alles von Gott abhängt, dann natürlich auch das Überleben. Vermute aber nicht, dass man ohne ihn deshalb sterben würde, weil man den Rest der Welt sieht. Müßige Spekulation, woran man in jenem Fall tatsächlich stürbe &#8230; Im Ersten Testament heißt es jedenfalls genau andersherum: wer Gott sieht, muss sterben.</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">
<p><img src="http://www.pa.msu.edu/courses/2006summer/ISP213H/art/ModernImages/abstractionists/ROTHKO04.JPG" alt="" width="319" height="393" align="right" /></p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;padding-left:30px;"><span style="font-family:Arial,sans-serif;"><span style="font-size:x-small;">7) Das christliche Bewusstsein ist das unglückliche Bewusstsein.</span></span></p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">7) Oh, Mann, jetzt die These von Kierkegaard und dem irren Mönch aus Ecos &#8222;Namen der Rose&#8220;. Er ist falsch. Das christliche Bewusstsein sagt: das Reich Gottes ist da, es hat schon angefangen. Selig ihr Armen (jetzt schon), weil etwas passieren wird.</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;padding-left:30px;">
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;padding-left:30px;"><span style="font-family:Arial,sans-serif;"><span style="font-size:x-small;">8 ) Die Menschen sterben an ihren Göttern! Wir aber leben durch den allmächtigen Gott!</span></span></p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">8 ) Da denkst du, du stirbst an Hunger oder einer Krankheit, nein, du stirbst an Göttern oder Götzen, vielleicht gar Dämonen. Götter wuchern in dir wie ein Krebs, der zum Tod führt: meint Furtmeier seine Tabaksucht und sein Nörgeln? An der These ist was dran, vermute aber, man stirbt auch ohne &#8222;Götter&#8220;. Protestantische Theologie: die Christen leben allein durch die Gnade Gottes. Von mir aus, aber ein bischen missverständlich.</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">Ankerpunkt beider Thesenreihen: die Allmacht Gottes</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">Ich habe hier Position bezogen, dennoch denke ich: ein Christ kann sehr ernsthaft und mit sicherer Überzeugung auch Furtmeiers Thesen vertrauen. Eine große Vielfalt an Überzeugungen hat die Christen schon immer ausgezeichnet, z.B. dadurch, dass vier recht unterschiedliche Sichtweisen auf das Leben Jesu anerkannt sind. (Mag sein, dass der Gott eines Frére Roger, der essentiell unschuldig ist, nicht allmächtig ist. Dann wäre selbst eine Position die Gottes Allmacht leugnet, in allgemein anerkannter christlicher Tradition verwurzelt.)</p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;"><span style="font-family:Arial,sans-serif;"><span style="font-size:x-small;">Von zwei Seiten kann man auch die Gemälde von Mark Rothko betrachten. Der Künstler selbst sagt zu seinen Bildern:</span></span></p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;padding-left:30px;"><span style="font-family:Arial,sans-serif;"><span style="font-size:x-small;">»Die Wiege meiner Gemälde ist Gewalt &amp; Deshalb bin ich immer wieder überrascht zu hören, dass meine Bilder friedlich wirken: Sie sind ein einziges Zerreißen, aus der Gewalt heraus geboren.«</span></span></p>
<p style="margin-bottom:0;text-decoration:none;">
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		<title>Alles hinter sich lassen</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/02/28/alles-hinter-sich-lassen/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Feb 2008 16:40:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Das Innere]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Prosa]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war immer schon verrückt und faszinierend, dass da jemand kommt, zwei Worte sagt („opisso mu“ „hinter mich!“) und dass gewisse Leute dann alles liegen und stehen lassen. Diskutiere hier zwei literarische Werke, in denen so etwas passiert: Henning Mankells „Chronist der Winde“ und F.M. Dostojewski „Der Spieler“.
Dostojewskis Ich-Erzähler Aleksej Iwanowitsch ist bereit, alles für [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=293&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/klein.jpg" align="right" height="311" width="210" />Es war immer schon verrückt und faszinierend, dass da jemand kommt, zwei Worte sagt („<a href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/2006/10/23/griechischsplitter/#more-49">opisso mu</a>“ „hinter mich!“) und dass gewisse Leute dann alles liegen und stehen lassen. Diskutiere hier zwei literarische Werke, in denen so etwas passiert: Henning Mankells „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Chronist_der_Winde">Chronist der Winde</a>“ und F.M. Dostojewski „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Spieler_(Roman)">Der Spieler</a>“.</p>
<p>Dostojewskis Ich-Erzähler Aleksej <span style="font-size:12pt;font-family:'Times New Roman';"></span>Iwanowitsch ist bereit, alles für die stolze Polina zu tun, obwohl er sich keine Chance ausrechnet, dass sie seine Liebe erwidern wird. Er ist nur Hauslehrer, sie eine Adlige mit vielen Allüren. Polina nimmt Aleksejs Treuegelübde mehrmals für eigene Zwecke in Anspruch, lässt ihn aber nicht wissen, was sie von ihm denkt und für ihn fühlt. Sie ruiniert Aleksejs Selbstbewusstsein so weit, dass er durch ihre Späßchen seine Anstellung verliert. Indem sie ihn eines Abends allein im Hotelzimmer besucht, setzt sie sich selbst über Anstandsregeln hinweg und „kompromittiert sich“ – alles deutet darauf hin, dass sie ihm ihre Liebe gestehen will. Aleksej aber ist von dieser Situation überfordert und eilt erstmals mit eigenem Geld in den Spielsalon. Er konstruiert sich eine Geschichte, dass Polina in jener Nacht krank gewesen sein müsse. <span id="more-293"></span></p>
<p>Immer noch ist dieses Buch für mich die faszinierende Beschreibung dessen, was Sucht ist: Dostojewski kennt Spielen aus eigener Erfahrung. Das härteste daran ist vielleicht aber nicht so sehr das Suchthafte, sondern dass das Spielen Verrat an Aleksejs extremen Lebensentscheidung für Polina ist. Aber wer kann das bei dieser launischen jungen Frau schon wissen? Oder auch: Wollte Aleksej nicht schon immer an den Roulettetisch?</p>
<p><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/mrot2.jpg" align="right" height="218" width="240" />Im „Chronist der Winde“ (kenne leider nur die leicht gekürzte Hörspielfassung) lassen zwei Leute freiwillig alles hinter sich – im Hintergrund die Geschichte des afrikanischen Jungen Nelio, dessen Familie durch einen Überfall einer Kindersoldatenarmee auseinander gerissen wurde und der vielleicht ab dem Alter von 6 Jahren zwangsweise auf sich allein gestellt ist. Der erste ist Yabu Bata, Handwerker und Familienvater, machte sich eines Tages auf die Wanderschaft, seinen Weg zu finden. Jetzt wandert er seit 19 Jahren. Der zweite ist der Ich-Erzähler des Romans. Josè Antonio Maria Vaz hat, nachdem er die Lebensgeschichte des 11-jährigen Straßenjungen Nelio gehört hat, seine Stelle aufgegeben und ist sich sicher, dass er seinen Beruf als Bäcker nie mehr ausüben wird. Er hat die Frau, in die er verliebt war, vernachlässigt und verloren. Jetzt ist er nur noch Erzähler und er wird nicht aufhören, die Geschichte von Nelio zu erzählen.</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/veszprem2.jpg" align="right" height="195" width="240" />Wozu sind diese drei Leute gerufen? Yabu Bata um sich zu Fuß auf den Weg zu machen, auf die Straßen Afrika-Israels, Josè um zu sprechen, von seiner Hoffnung aber auch von seiner Überzeugung, dass nach Nelio die Welt untergehe. Aleksej von seiner Liebe, für die er alles tun will. Für alle drei haben die beiden Geschwisterpaare Simon und Andreas, Jakobus und Johannes Pate gestanden, als J.v.N. sie aus ihren Fischerboten auf die Wanderschaft rief.</p>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal">Wer hat diese drei Männer gerufen? Yabu Bata, der den Weg sucht, rief ein Traum – und er blieb ihm treu. Aleksej, wenn er tatsächlich gerufen wurde, rief eine Person: Polina, oder das Bild, das er sich von Polina machte. Er scheiterte und fiel tief. Weh dem, der die Hand an den Pflug gelegt hat und zurückschaut. Den Chronisten der Winde Josè rief die Geschichte von Nelio, insbesondere sein Sterben. Er war dabei und kann nicht aufhören zu sagen: dieser Mann war ein Gerechter. Ich zitiere aus dem Roman, Josè pflegt den schwer verwundeten Nelio auf dem Dach der Bäckerei:</p>
<blockquote>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/quadrat.jpg" align="right" height="199" width="212" />Lange vor mir wusste er, dass er bald nicht mehr da sein würde.</p>
<p class="MsoNormal">Sein Geist wehte an mir vorbei wie ein kühler Hauch aus der höllischen Hitze, das war alles.</p>
<p class="MsoNormal">Inmitten der Trauer wurde mir bewusst, dass ich es war, der diese Geschichte erzählen musste. […]</p>
<p class="MsoNormal">Und die Geschichte musste erzählt werden.</p>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal">[…] Denn es war ja so: Nelio war nicht nur ein armes, schmutziges Straßenkind gewesen, er war vor allem ein bemerkenswerter Mensch, ungreifbar, vieldeutig, wie ein seltener Vogel, von dem alle reden, obwohl ihn nie jemand wirklich gesehen hat.</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/mrot1.jpg" align="right" height="219" width="240" />Obwohl er erst 10 Jahre alt war, als er starb, verfügte er über eine Erfahrung und Lebensweisheit, als hätte er 100 Jahre gelebt. […]</p>
<p class="MsoNormal">Nelio umgab sich mit einem unsichtbaren magnetischen Feld, das niemand durchdringen konnte. Von allen, sogar von den brutalen Polizisten und den unentwegt nervösen indischen Händlern, wurde er mit Ehrerbietung behandelt.</p>
<p class="MsoNormal">Viele suchten seinen Rat oder hielten sich nur vorsorglich in seiner Nähe auf, in der Hoffnung etwas von seinen geheimnisvollen Kräften würde sich auf sie übertragen. [...]</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/1.jpg" align="right" height="190" width="242" />Und jetzt war Nelio tot. Tief im Fieber versunken, hatte er mühsam seinen letzten Atemzug ausgeschwitzt.</p>
<p class="MsoNormal">Ich wusste, was viele dachten, ich hatte es selbst gedacht: Dass Nelio eigentlich kein Mensch war, sondern ein Gott. Einer der alten vergessenen Götter, die trotzig, oder vielleicht tollkühn auf die Erde zurückgekehrt waren und sich in Nelios mageren Körper geschlichen hatten. Oder wenn schon kein Gott, so war er wenigstens ein Heiliger. Ein Straßenkindheiliger.</p>
<p class="MsoNormal">Und jetzt war er tot. Fort.</p>
<p class="MsoNormal">Ich sah hinaus auf die dunkle Stadt […] und dachte: Hier hat Nelio eine kurze Zeit gelebt, mitten unter uns. Und ich bin der einzige, der seine ganze Geschichte kennt. Mir hat er sich anvertraut, nachdem man auf ihn geschossen hatte […]…</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/gelbrund190.jpg" align="right" height="190" width="165" />„Es ist nicht, weil ich Angst habe, man könnte mich vergessen.“ hatte er gesagt. „Es ist, damit ihr nicht vergesst, wer ihr selber seid.“ Nelio hat uns daran erinnert, wer wir eigentlich sind. Menschen, von denen ein jeder heimliche Kräfte besaß, die er nicht kannte.</p>
<p class="MsoNormal">Nelio war ein bemerkenswerter Mensch. Seine Anwesenheit bewirkte, dass wir uns bemerkenswert fühlten.</p>
<p class="MsoNormal">Das war sein Geheimnis.</p>
<p><span style="font-size:12pt;font-family:'Times New Roman';"></span><span style="font-size:12pt;font-family:'Times New Roman';"></span></p></blockquote>
<p class="MsoNormal">&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.storms-galerie.de/ediart/geiger/GeigerBilder/rosarund190.jpg" align="right" height="190" width="169" />Ich sagte <a href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/2008/02/18/entwicklung-erziehung/">in einem früheren Eintrag</a>: man könne kein Land und keinen Menschen „entwickeln“. Warum nicht?</p>
<p class="MsoNormal">Der Mensch ist viel zu wunderbar… gläubig gesagt: Gottes Pläne sind in sein Herz geschrieben, da kommen die Pläne der Anderen (der Entwicklungshelfer, Erzieher, die eigenen fixen Ideen) nicht mit.</p>
<p class="MsoNormal">(Die Bilder des inzwischen 100-jährigen Rupprecht Geiger, die alle Motive hinter sich lassen, sind eingebunden von <a href="http://www.storms-galerie.de/">Walter Storms Galerie</a>.)</p>
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		<title>Entwicklung, Erziehung</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Feb 2008 18:13:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelle Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Das Innere]]></category>

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		<description><![CDATA[Zum 50. Geburtstag von Misereor gibt P. Wolfgang Schonecke (Netzwerk Afrika Deutschland), den ich aus der Entschuldungsarbeit kenne, ein bemerkenswertes Interview (siehe hier) Ein Auszug
Eine weiteres Problem ist, dass in der EZ trotz allen Geredes über Qualitätsmanagement selten ehrliche Evaluierungen vorgenommen und  Fehler zugeben werden, um daraus zu lernen. Viele Projekte werden von Experten [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=290&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img src="http://www.zeit-und-entwicklung.de/bilder/wolfgang_schonecke_97_h.jpg" align="right" height="97" width="160" />Zum 50. Geburtstag von Misereor gibt P. Wolfgang Schonecke (Netzwerk Afrika Deutschland), den ich aus der Entschuldungsarbeit kenne, ein bemerkenswertes Interview (siehe <a href="http://www.netzwerkafrika.de/dcms/sites/nad/index.html">hier</a>) Ein Auszug</p>
<blockquote><p><span style="font-size:10pt;font-family:Arial;">Eine weiteres Problem ist, dass in der EZ trotz allen Geredes über Qualitätsmanagement selten ehrliche Evaluierungen vorgenommen und<span>  </span>Fehler zugeben werden, um daraus zu lernen. Viele Projekte werden von Experten wie von Partnern vor Ort in ihren Berichten schöngeredet. Schließlich werden die meisten Projekte von sogenannten Experten geschrieben und begutachtet, die zwar ein umfassendes theoretisches Wissen, aber von den Ländern und Menschen die da „entwickelt“ werden sollen, kaum Ahnung haben. Im Übrigen bin ich der Auffassung, dass die Idee, Menschen oder Völker entwickeln zu können, eine Irrlehre ist. Niemand kann andere Personen entwickeln. <span id="more-290"></span>Im besten Fall kann man Bedingungen schaffen, die eine Eigenentwicklung begünstigen oder behindern. Ich meine, dass wir oft mehr behindern als fördern, weil wir anderen unsere Ideen und neuesten akademischen Theorien aufdrücken, statt sie zu ermutigen, eigene zu entwickeln. Dazu haben wir nicht die Geduld.</span></p></blockquote>
<p><img src="http://www.misereor.de/typo3temp/pics/119bb6c739.jpg" align="right" height="116" width="158" />Liebe kann man nicht kaufen und nicht verkaufen &#8230; Vier Anwendungen des obigen Textes:</p>
<ul>
<li>denke, hoffe, unser <a href="http://fangtunsdoch.wordpress.com/projektbericht/">Projektbericht</a> und das, was ich auf diesen Seiten schreibe, redet unser Theaterspiel 2006/07 nicht schön.</li>
<li>&#8222;Bestenfalls Bedingungen schaffen&#8220;, dass sich andere entwickeln können. In diesem Sinne waren die Widerständler gegen Hitler tätig.</li>
<li>Erziehen ist Bedingungen schaffen, dass man selber nicht den anderen im Wege steht.</li>
<li>Wunderseltsam, was Geduld bewirken kann &#8211; keine falsche Geduld, wenn man etwas sagt: das mit der Armut wird sich schon von selber lösen. Sondern jemand etwas zuzutrauen und selber das Seine tun, in Geduld. Eltern haben manchmal solche Geduld, selbst wenn sie sagen, jetzt hätten sie keine Geduld mehr.</li>
</ul>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fangtunsdoch.wordpress.com/290/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fangtunsdoch.wordpress.com/290/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fangtunsdoch.wordpress.com/290/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fangtunsdoch.wordpress.com/290/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fangtunsdoch.wordpress.com/290/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fangtunsdoch.wordpress.com/290/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fangtunsdoch.wordpress.com/290/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fangtunsdoch.wordpress.com/290/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fangtunsdoch.wordpress.com/290/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fangtunsdoch.wordpress.com/290/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fangtunsdoch.wordpress.com/290/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fangtunsdoch.wordpress.com/290/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=290&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Entscheidung spielen</title>
		<link>http://fangtunsdoch.wordpress.com/2007/12/04/entscheidung-spielen/</link>
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		<pubDate>Tue, 04 Dec 2007 15:58:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fangtunsdoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere Bühnen]]></category>
		<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Das Innere]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Grundkurs Dramatisches Gestalten am Gymnasium Ursberg spielt dreimal im Jahr, alles mögliche und unmögliche an Theaterstücken, mit Hingabe ans Theater Spielen, ansonsten mit einfachen Mitteln, meist nahe am Text des Autors. Meine Lieblingsnummer heuer (vor Lorca und Moliere) war &#8222;Der Bruder unseres Gottes&#8220; von Karol Woitila (als er noch nicht Papst Johannes Paul II [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fangtunsdoch.wordpress.com&blog=437543&post=281&subd=fangtunsdoch&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><img src="http://artyzm.com/obrazy/chmielowski_powstancy.jpg" align="right" height="158" width="371" />Der Grundkurs Dramatisches Gestalten am Gymnasium Ursberg spielt dreimal im Jahr, alles mögliche und unmögliche an Theaterstücken, mit Hingabe ans Theater Spielen, ansonsten mit einfachen Mitteln, meist nahe am Text des Autors. Meine Lieblingsnummer heuer (vor Lorca und Moliere) war &#8222;Der Bruder unseres Gottes&#8220; von Karol Woitila (als er noch nicht Papst Johannes Paul II hieß) am letzten Wochenende. So sehr dieser Papst als jemand auffiel, der klare Botschaften zu vermitteln hatte, so sehr ist sein &#8222;Jugendstück&#8220; unklar, vage und auf der Kippe. <span id="more-281"></span></p>
<p><img src="http://artyzm.com/obrazy/chmielowski-zjawa.jpg" align="right" height="221" width="372" />So wie sich Johannes Paul II volksnah gab, so intellektuell dieses Stück. So wie der Papst immer die richtige Geste fand, so fehlt diesem Stück (wenigstens am Anfang) die emotionale Schubkraft, die ein Theaterstück gegenüber einem Vortrag auszeichnet. Andererseits sind die geistlichen Strömungen verarbeitet, die der junge Woitila aufnahm: würde sagen Existentialismus (in christlicher Variante: Personalismus) und, wenn ich das vorsichtig behaupten darf: Psychoanalyse, m.E. auch neuzeitliche Erkenntnistheorie (Gott ist immer Gott für uns, über Gott an sich spreche man besser nicht).</p>
<p><img src="http://artyzm.com/obrazy/chmielowski_sanna.jpg" align="right" height="138" width="376" />Wenn schon eine Aussage mit diesem Stück verbunden ist, dann die, dass man in der Spannung zwischen extremen Polen sich einrichten müsse und alles Eindeutige falsch ist. So wie es ansonsten Fachpädagogen und Psychoanalytiker sagen (C.G. Jung, Hubert Wisskirchen, Eckhard Frick). Was nicht heißt, dass man sich nicht entscheiden muss und darf: wie in unserem Stück gibt es eine Szene außerhalb Raum und Zeit im Inneren des Menschen, in der dennoch äußere Personen auftreten: ein Aufwärmquartier von Obdachlosen, wo die Hauptperson des Stücks, Adam Chmielowski, mitbekommt, dass sein Weg weg von der Kunst und in die Nähe der Obdachlosen führt. &#8222;Der Bruder unseres Gottes&#8220; ist nicht Woitilas einziges Theaterstück zu diesem späteren Priester und Ordensgründer, der Mann war ihm persönlich sehr wichtig. Die Szene in der Ursberger Inszenierung hatte was sehr echtes, es sollte doch einmal das Experiment gelingen, das, was noch intensiver als das Handeln ist, das Entscheiden, auch dramatisch als richtig intensiv darzustellen.</p>
<p><img src="http://artyzm.com/obrazy/chmielowski-matka.jpg" align="right" height="500" width="369" />Ansonsten zur Inszenierung: kitschiges Bühnenbild im ersten Akt, hätte es geschätzt, wenn statt religiösem Kitsch entweder moderne abstrakte (und somit &#8222;geistige&#8220;) Malerei gehangen hätte oder Bilder von Chmielowski selbst, an denen man so ein wenig den slavischen Touch sieht (und es gibt auch genügend religiöse Bilder von ihm im Internet, siehe die Quelle für die hier eingebundenen Bilder <a href="http://artyzm.com/artysta.php?id=179&amp;page=1">hier</a>). Georgs Idee noch: die zwei wunderbar nicht-identifizierbaren Synchronstimmen hätten manchmal interessantere Muster laufen können als den Kreis: Mäander, schnelle Nähe-Ferne-Wechsel usw. Zu den letzten 2 Minuten: Das Schlussbild mit dem Kreuz war plötzlich viel intensiver als der Text (so dass ich gar nicht mehr richtig auf den Text aufgepasst habe) &#8211; und so hatte es die Wirkung der Indoktrination, was irgendwie das Stück auf den Kopf stellen würde. Ansonsten großes Lob: ein richtig intensives fangt-uns-doch-und-ihr-kriegt-uns-nie.</p>
<p>Illustrierend für mein Lob noch eine <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1998/0331/feuilleton/0039/index.html?subnav=Informationen">Rezension</a> eines polnischen Spielfilms zu diesem Roman (1998), nachdem eine Gratiskopie der italienischen Zeitschrift &#8222;Oggi&#8220; beigelegen hatte:</p>
<blockquote><p><img src="http://artyzm.com/obrazy/chmielowski-po.jpg" align="right" height="337" width="267" />Dem Drehbuchautor Wojtyla trauen die Vertriebsstrategen offenbar weniger Zugkraft zu als dem Filmhelden Johannes Paul II. Fast unterwürfig dankte der Produzent des Streifens dem Chefredakteur von &#8222;Oggi&#8220; für dessen &#8222;Risikobereitschaft&#8220;. Die 93 Minuten der Kurzfassung erklären warum. Zanussi lag ein Theaterstück vor, kein Drehbuch. &#8222;Der Bruder unseres Gottes&#8220; ist ein dürres Ideendrama, das der zwanzigjährige Wojtyla 1940 zu schreiben begann und nach seiner Priesterweihe fertigstellte. Es schildert die Wandlung des Malers Adam Chmielowski (1845 bis 1916) vom erfolgreichen Künstler zum Helfer der Armen und Gründer eines Ordens, der heute in Polen 67 Obdachlosenasyle führt. Chmielowskis Vorbild war dem Schauspieler und Autor Wojtyla wichtig für seine eigene Entscheidung, die Kunst aufzugeben und Priester zu werden. Als Papst sprach er den Landsmann heilig. Vieles, was er später in seinen Sozialenzykliken ausbreitet, ist im Kern schon im Drama zu finden.</p>
<p>In übergroßem Respekt vor der päpstlichen Autorität hat Zanussi sich dem hölzernen Plot und den steifen Dialogen ausgeliefert. Wir sehen eine Begegnung des Malers mit Lenin: Soll man die Not der Armen lindern oder besser ihre Wut schüren? Wir sehen Chmielowski in den Armenlagern Polens und, mit gequältem Blick, monologisierend im Atelier. Ende Mai wird der Film in voller Länge festlich in Rom präsentiert wohl ohne Folgen für das Kinopublikum.  (Thomas Götz, Berliner Zeitung)</p></blockquote>
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