Ein Anderer werden
14. September 2007
Man wird dadurch man selber, indem man ein anderer wird.
The only way a person can become himself is by becoming someone else.
Ein Satz für Theaterspieler, deshalb nochmal, jetzt als Buchzitat:
One cannot become oneself unless one becomes somebody else.
Energie
11. September 2007
Ein schon teilweise zitierter Liedtext diesmal ganz. Ein Text von jemand der weiß, dass er sterben wird – und endlich, endlich hört er das Wort, mit dem die öffentliche Predigt Jesu beginnt: „Denkt um, denkt 180 Grad anders.“ – und antwortet darauf. Read the rest of this entry »
Pascals Maschine
30. August 2007
Für Zeiten, in denen man Klarheit bracht, empfehle ich, (wenn man nicht in eine Kathedrale gehen kann) sich Blaice Pascals (1623-62) Aufzeichnungen zu verlinken (oder die Pensées im Orignial nachzulesen). Mit klare Worte meine ich eindeutige Worte, so wie in den Märchen, aber doch Theorie. Zum Beispiel:
Die Menschen beschäftigen sich damit, einem Ball und einem Hasen nachzujagen. Das ist selbst das Vergnügen der Könige. (Pensées, 40)
Der Ball und der Hase, dem Pascal drei Jahre nachjagte, war eine Rechenmaschine, ein früher Vorläufer der heutigen Computer (siehe Bild). Eine große Erfindung. Descartes dachte damals, alles außer dem menschlichen Geist sei Maschine, sogar der menschliche Körper und die Tiere. Der erste Rechenmaschinenbauer Pascal reflektierte über unser Verhältnis zur Maschine Read the rest of this entry »
Seinen Willen tun
21. August 2007
Waren die Weiße Rose Leute und ihre Mentoren Anhänger der Aufklärung, der Autonomie und der Mündigkeit des Menschen? In Peter Bieris Nachtzug nach Lissabon (siehe auch letzter Eintrag) gibt es Stellen, an der Christentum und Autonomie als unüberbrückbare Gegensätze erscheinen. Zum Beispiel, als Eça von seinem Freund Amadeu de Prado im Widerstand gegen die Salazar-Diktatur erzählt:
Auch bei Abschieden und Entschuldigungen gebe es eine Frage der Würde, fügte [João Eça] hinzu. Amadeu habe manchmal darüber gesprochen. Besonders habe ihn der Unterschied beschäftigt zwischen einem Verzeihen, das dem anderen die Würde lasse, und einem, das sie ihm nehme. Es darf kein Verzeihen sein, das Unterwerfung verlangt, habe er gesagt. Also nicht so wie in der Bibel, wo du dich als Knecht von Gott und Jesus verstehen musst. Als Knecht! So steht es da! (419) Read the rest of this entry »
Wieviel Tod halte ich aus? (und Barockmalerei)
30. Juli 2007
… Ein klein Wenig, das ging beim offenen Singen in Türkheim. Unterer Text sei der letzte von Liedtext von Rolf Krenzer (1936-2007) vor seinem Tod. Das erzählte Robert F., der uns das Lied vorstellte. Mag auch die Melodie von Robert Haas.
Wie mit neuen Augen, beginn’ ich neu zu sehen.
Und mit neuen Augen will ich nun weitergehen.
Den Weg bisher, so lang und schwer, seh ich auf einmal anders.
Ich sehe neu und anders – und wie vorher.
Ich sehe neu und anders – und wie vorher.
Die am wenigsten schlechten Götzen suchen
17. Mai 2007
Noch einmal ein Eintrag zu Simone Weil, neben Sophie Scholl und Kurt Huber die einzige Philosophin im Widerstand gegen Hitler, die ich kenne. Simone Weil spricht davon, dass das Leben des Menschen ein Leben in der Höhle ist. Ein Leben im Dunkeln, Begrenzten. Als späte Schülerin Platons meint sie mit der Höhle die recht beschränkte Erkenntnis des Menschen: Man erlebt das Leben wie einen Film, fasziniert von dem, was da vorne läuft, hat man längst vergessen, dass es nicht die Wirklichkeit ist, dass man ja eigentlich einen Bewegungsspielraum hätte, dass man auf der Leinwand nur Abbilder von Abbildern sieht. Read the rest of this entry »
Notlage und Rettung
23. April 2007
Anlässlich des heutigen Namenstages zweier Regiemitglieder eine von meinen liebsten dramatischen Erzählungen und eine Geschichte, die mir manches bedeutet. Wir sind im legendären Land Lybia, in die Stadt Silena, ich zitiere die mittelalterliche Schrift Legenda Aurea (um 1279):
Nahe bei der Stadt war ein See, so groß als ein Meer, darin wohnte ein giftiger Drache, der hatte schon oft das ganze Volk in die Flucht getrieben, wann es gewappnet wider ihn zog. Dann kam er bis unter die Mauern der Stadt und verpestete alles mit seinem Gifthauch. Also gaben ihm die Bürger täglich zwei Schafe, dass sie seinen Grimm stilleten; Read the rest of this entry »
Käthe Kollwitz: wie der Tod aussieht
17. April 2007
Nach dem bemerkenswerten Vortrag von Theo Schmidtkonz zu Käthe Kollwitz (1867 – 1945) (Karfreitag) sammle ich hier ein paar Bilder, wie sie den Tod malte.
Zunächst rechts oben sie selbst im Foto und darunter als Büste, damit man sie unten wiedererkennt. Man muss wissen, dass sie Berlinerin, Sozialistin und mit einem Armenarzt verheiratet war. Ihre Bilder sind durchwegs (sozial-)politisch gemeint, zum Teil malte sie auch Aufrufe zu Demonstrationen. Eine gute Einführungsseite mit Bilderklärungen finden sich über Wikipedia und hier, eine Bilderzusammenstellung etwa auch hier.
Zu unserem Thema: Wir hatten ja im Stück die klassische Variante kostümiert, ein schwarzer Henker ohne Beil. Käthe Kollwitz kennt auch eine solche Darstellung (nächstes Bild, vielleicht interpretiere ich falsch.) Read the rest of this entry »
Bildung für Eine Welt und Umerziehungslager
26. Februar 2007
Zur Eröffnung der Miseror Fastenaktion der Diözese Augsburg in der Pfarrgemeinde Thannhausen lade ich herzlich ein. Mit dieser Einladung bin ich nicht allein, es scheint, dass sogar die Wise Guys eine Videobotschaft präsentieren wollen. Hauptevent ist der Gottesdienst am nächsten Sonntag 10:15 Uhr und das anschließende bunte Programm mit Fastenessen. Interessant sind vor allem die Gäste aus China, Peru und Brasilien. Fastenmotto: Entdecke, was zählt!
Robert Scholl erzählte seinen Kindern, dass die Leute, die in Dachau gesessen waren, versprechen mussten, nicht zu erzählen, was dort passiert. Ich weiß nicht, wieviele Künstler so etwas mitmachen mussten und lebend davon kamen. Am Sonntag zu Gast in Thannhausen ist jedenfalls ein Künstler, der aus einem chinesischen Umerziehungslager wieder herausgekommen ist. (14 Uhr Vorstellung im Pfarrsaal, 14:30 Workshop mit dem Künstler) Obwohl selbst nicht Christ, durfte Li Jinyuan das heurige Hungertuch von Misereor malen. Read the rest of this entry »
Graphikkonzept und Aladins Wunderlampe
29. Januar 2007
Wir hatten ein verhältnismäßig einheitliches graphisches Konzept. Die dünn aufgetragenen Flüchtenden auf dem Plakat, der Körper aller Gestalten im Programm ist weiß gelassen. Ob das mehr etwas Chinesisches ist oder den Kohlezeichnungen (man verbessere mich, wenn das falsch ist) einer Käthe Kollwitz oder einer Tisa von der Schulenburg nachempfunden ist, kann ich nicht sagen. Sicher ist es auch original Dominik G. Im Programm malt Domi wie die letzteren Malerinnen eher die vom Schicksal gezeichneten Menschen. Anders die Vorderseite. Dort laufen wahlweise Hans und Sophie Scholl – oder Lilo Ramdohr und Alexander Schmorell – dem Betrachter davon. Sie laufen nicht mehr wie Kinder, sie scheinen das Leben zu kennen, die Frau schaut sogar bewusst und skeptisch nach hinten. Aber sie laufen leicht. Unsere gemeinsame Intension ist ja, dass sie den Titel widerspiegeln. Fangt uns doch! (Zu leicht, und zu überraschend sei dieser Schluss gewesen, so sagten uns manche Zuschauer.) Read the rest of this entry »