Logik der Träume
8. September 2009
Wer denkt logisch im Traum? Und doch ist diese Logik Inspirationsquelle, für Israels Sohn Josef im fernen Ägypten, für den blinden Homer. Ein paar bemerkenswerte Traumbeobachtungen stehen bei Sten Nadolny „Das Erzählen und die guten Absichten“ (Münchner Poetik-Vorlesungen von 1990). Eine davon, wie er sie anhand eines Beispieltraumes erzählt:
„Ich träumte kürzlich etwas Merkwürdiges. Rast machend auf einer Bergwanderung saß ich am Wege und nahm einen Imbiß zu mir. Da kam Hitler, einen schweren Wagen schiebend, vorbei, hielt bei mir an und sagt: ‘Mich hungert, gib mir zu essen.’ Read the rest of this entry »
Künstler sein
18. April 2009
Kleiner Ostereintrag, ein Lieblingszitat. Lange war dieses Zitat von Vinzent van Gogh Read the rest of this entry »
SchönMalen
17. März 2009
Sonntags bei Gerhard Richter, Abstrakte Malerei, im Haus der Kunst. Der Mann will tatsächlich Schönes schaffen, das sieht man an jedem Bild, man ist nicht in die Nacht des Todes und der Depression getaucht wie bei so viel anderer Kunst der letzten Jahrzehnte. Und Richter will ethische Impulse setzen. Zudem klagt er, wie weit der Weg vom Sehen zum Begreifen ist. Das ist alles der alte Platon, an dem ich auch so hänge (einschließlich dem Bekenntnis, dass er sich als Künstler dem Schein widmet – mit der Besonderheit, dass Richter das Begreifen, also die Schau der Ideen, sehr schätzt.) Wir haben bei „Fangt uns doch“ versucht, das Schöne darzustellen, Read the rest of this entry »
Vor dem Aufwachen
10. November 2008
… Rot sehen – das gibt’s es bei Annie Dillard
Ich hatte mal einen Kater, eine alte Kämpfernatur, der oft mitten in der Nacht durch das offene Fenster neben meinem Bett sprang und auf meiner Brust landete. Ich wurde halb wach. Er steckte mir seinen Schädel unter die Nase und schnurrte und stank nach Urin und Blut. [...] Und manchmal wachte ich morgens im Hellen auf und sah, dass mein Körper über und über mit blutigen Pfotenspuren bedeckt war; ich sah aus, wie mit Rosen bemalt. Read the rest of this entry »
Colori in Babenhausen
10. November 2008
Vorletzten Sonntag in Babenhausen im Theater bei der Schmiere: Musical „Colori“. Sehr faszinierend, schauspielerisch, sprachlich, faszinierend der ein und der andere Song, voller überraschender Ideen – ich bin Fan. Dennoch, was ich so Ideen habe zu einem Musical über Farben, ist irgendwie ganz anders. Insbesondere denke ich an Kandinsky, etwa seine Komposition IX:
Patrik Roth: Unbewusstes und rationale Arbeit
16. Juni 2008
„Den Mann, nenn mir, Muse, den es viel umhergetrieben hat. „- so göttlich inspiriert beginnt Homers Odyssee … und dann kommt alles in wohlgeordneten Versen, hinter denen, so sollte man meinen, gar nicht so wenig Handarbeit steckt.
Es hat mich immer fasziniert zu hören, dass es irgendwie gar nicht die Dichter sind, die ihre Werke schreiben. Dazu Patrik Roth im Interview (2004):
[...] das erste Stadium, das allerwichtigste überhaupt Read the rest of this entry »
Gut und böse bei Furtmeier
2. Mai 2008
Der von den Nazis suspendierte Justizbeamte Joseph Furtmeier, dem seine Freunde umgebracht wurden und der selber drei Wochen in Gefangenschaft war, schreibt einige Zeit nach seiner Freilassung am 20. August 1943 einen beachtenswerten Text. Ein recht eigenständiges und doch tiefgründiges Bild von Gott und Welt. Man bedenke freilich, dass dieser Text aus einem privaten Brief in die Schweiz nie für die Öffentlichkeit bestimmt war.
Für Gerda, die sich für Philosophie interessiert, füge ich einige Leitsätze bei, die die Tragik zum Ausdruck bringen, in der der Christ die Welt erlebt
1) Es gibt keine Selbstgestaltung der Gesellschaft aus ihren eigenen Kräften heraus. Es gib keinen Fortschritt, alle Kultur ist Tradition.
2) In der Welt ist das Böse stärker als das Gute. Read the rest of this entry »
Alles hinter sich lassen
28. Februar 2008
Es war immer schon verrückt und faszinierend, dass da jemand kommt, zwei Worte sagt („opisso mu“ „hinter mich!“) und dass gewisse Leute dann alles liegen und stehen lassen. Diskutiere hier zwei literarische Werke, in denen so etwas passiert: Henning Mankells „Chronist der Winde“ und F.M. Dostojewski „Der Spieler“.
Dostojewskis Ich-Erzähler Aleksej Iwanowitsch ist bereit, alles für die stolze Polina zu tun, obwohl er sich keine Chance ausrechnet, dass sie seine Liebe erwidern wird. Er ist nur Hauslehrer, sie eine Adlige mit vielen Allüren. Polina nimmt Aleksejs Treuegelübde mehrmals für eigene Zwecke in Anspruch, lässt ihn aber nicht wissen, was sie von ihm denkt und für ihn fühlt. Sie ruiniert Aleksejs Selbstbewusstsein so weit, dass er durch ihre Späßchen seine Anstellung verliert. Indem sie ihn eines Abends allein im Hotelzimmer besucht, setzt sie sich selbst über Anstandsregeln hinweg und „kompromittiert sich“ – alles deutet darauf hin, dass sie ihm ihre Liebe gestehen will. Aleksej aber ist von dieser Situation überfordert und eilt erstmals mit eigenem Geld in den Spielsalon. Er konstruiert sich eine Geschichte, dass Polina in jener Nacht krank gewesen sein müsse. Read the rest of this entry »
Entscheidung spielen
4. Dezember 2007
Der Grundkurs Dramatisches Gestalten am Gymnasium Ursberg spielt dreimal im Jahr, alles mögliche und unmögliche an Theaterstücken, mit Hingabe ans Theater Spielen, ansonsten mit einfachen Mitteln, meist nahe am Text des Autors. Meine Lieblingsnummer heuer (vor Lorca und Moliere) war „Der Bruder unseres Gottes“ von Karol Woitila (als er noch nicht Papst Johannes Paul II hieß) am letzten Wochenende. So sehr dieser Papst als jemand auffiel, der klare Botschaften zu vermitteln hatte, so sehr ist sein „Jugendstück“ unklar, vage und auf der Kippe. Read the rest of this entry »
Philosophie der Christen
20. November 2007

Gehört zum Christentum eine Philosophie? Nicht so, dass jeder Christ eine philosophische Position beziehen müsste. Aber für den, der zu philosophieren anfängt, muss sein christlicher Glaube irgendwie vernünftig bleiben, dazu hilft in manchen Fragen die Theologie, in anderen Philosophie. (Illustriend zum Eintrag einige Bilder von David Reed, inspieriert von Barockmalerei und Las Vegas Leuchtreklamen – als gelungenes Beispiel einer Integration von Altem in eine neue Zeit.) Read the rest of this entry »
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