Einblendung Armenfriedhof nahe einem Zuckerrohrfeld: „Am Tag, als ich zum Bischof geweiht wurde, habe ich hier einen Namenlosen beerdigt. An diesem heiligen Ort möchte ich begraben sein.“
Der alte Herr, der hier spricht, ist Ausländer in Brasilien. Die heutigen heimischen Bischöfe in Alagoas stehen nicht für die Zuckerrohrarbeiter hin. (Nur nach dem Konzil war das eine gewisse Zeit lang anders.) Carlos Lima, Gast in Thannhausen (siehe dieser Blogeintrag) aus Brasiliens Nordosten, zeigte uns einen Film über moderne Sklaverei auf Alagoas Zuckerplantagen. Der Ackerboden im ganzen Bundesstaat gehört 8 Familien. Read the rest of this entry »

Zur Eröffnung der Miseror Fastenaktion der Diözese Augsburg in der Pfarrgemeinde Thannhausen lade ich herzlich ein. Mit dieser Einladung bin ich nicht allein, es scheint, dass sogar die Wise Guys eine Videobotschaft präsentieren wollen. Hauptevent ist der Gottesdienst am nächsten Sonntag 10:15 Uhr und das anschließende bunte Programm mit Fastenessen. Interessant sind vor allem die Gäste aus China, Peru und Brasilien. Fastenmotto: Entdecke, was zählt!

Robert Scholl erzählte seinen Kindern, dass die Leute, die in Dachau gesessen waren, versprechen mussten, nicht zu erzählen, was dort passiert. Ich weiß nicht, wieviele Künstler so etwas mitmachen mussten und lebend davon kamen. Am Sonntag zu Gast in Thannhausen ist jedenfalls ein Künstler, der aus einem chinesischen Umerziehungslager wieder herausgekommen ist. (14 Uhr Vorstellung im Pfarrsaal, 14:30 Workshop mit dem Künstler) Obwohl selbst nicht Christ, durfte Li Jinyuan das heurige Hungertuch von Misereor malen. Read the rest of this entry »

Gierig oder schutzlos

20. Februar 2007

Nochmal zur Gier, wie schon im vorletzten Eintrag zum Vampire Musical. Die Gier nach Wissen, Fähigkeiten, Freunden, vielleicht gab es das auch am Anfang unseres Stücks, gerade bei den Sympthieträgern. Vielleicht nicht ganz so extrem, aber so etwas gibt es, gar nicht so dumm mich selbst einmal unter dieser Brille zu sehen. Der klarste Gegenentwurf im Stück zur allumfassenden Gier sollte der Titel sein, und die letzte Szene. Der Gegenentwurf hat etwas mit Religion und Bekehrung zu tun Read the rest of this entry »

Noch ein Widerstandszitat, an dem mir recht liegt. Tisa von der Schulenburg (1903-2001) lebte lange Jahre vor dem zweiten Krieg in England. 1938 durfte sie nach einer Reise nach Deutschland nicht mehr zurück. Sie schreibt vom Winter 1939, sie verwaltete damals ein Landgut im heutigen Mecklenburg Vorpommern.

Ich konnte also den Franzosen [die beim Gut Treptow Kriegsgefangene waren] helfen [und brachte ihnen nachts Brot und Wurst und warme Sachen].

Ich ergriff also im eigenen Land die Partei unserer Feinde. Ich sah in den Feinden unsere Befreier. Für viele andere im Widerstand ist dies eine quälend schwere Entscheidung gewesen, zu der sie sich nur mühsam durchgerungen haben[...] Read the rest of this entry »

Was ist der Mensch?

4. Januar 2007

Zum Anfang des neuen Jahres hier etwas über die Geschichte vom Anfang, oder eben von Adam und Eva (oder von Ödipus, siehe erstes Bild):

Warum verwandeln sich die Menschen unter dem grünen Tuch in Adam und Eva, das ist doch eine ganz andere Geschichte? – Ja meint ihr denn, die Bibel erzählt von Adam und Eva, weil die vor 5.000 oder 50.000 Jahren gelebt haben? Das tut sie nicht, sondern die biblische Erzählung ist ein Mythos wie die Geschichte von Ödipus, der Gilgameschepos und die Geschichten von der Entstehung der Welt in fast allen Kulturen. Ein Mythos ist keine historische Erzählung, sondern eine erfundene Geschichte, die Antwort auf eine Frage gibt, die sich in der Zeit ihrer Leser stellt und die heute beantwortet werden muss. Die Geschichte von Adam und Eva ist eine erzählerische Antwort auf mindestens zwei Fragen: (i) Was ist die Grundsituation des Menschen? Und (2) Was ist das Böse?

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Ich probier mal einen Advents- oder Weihnachtseintrag.

Die Propheten im alten Israel waren Leute, die man nicht so recht fassen konnte. Sie konnten derb den Mächtigen und der ganzen Gesellschaft die Wahrheit ins Gesicht sagen. Aber wenn in dem Chaos der gesellschaftlichen Umstände selbst sie nicht mehr aus und ein wussten, dann verzweifelten sie nicht, dann ließen sie sich nicht auf das Unglück (das sie selbst vorhergesagt hatten) festnageln, sondern erzählten urplötzlich eine andere Geschichte.

Ein Beispiel auf dem Bild: Die furchtbare und identitätsbedrohende Verschleppung der israelitschen Oberschicht nach Babylon wird auf goldenem Hintergrund dargestellt. (Ähnlich: Carl Muth erzählte im bis auf die Zähne verfeindete n Europa die Geschichte von Europa Einigung. Johannes Paul II erzählt seit seiner Amtsübergabe die Geschichte vom Fall des „eisernen Vorhangs“, die bis 1989 durch Europa ging… Dom Helder Camera erzählt die Geschichte, dass man die Armen Brasiliens nicht links liegen lässt. André, Fernsehmacher und Priester, erzählt die Geschichte, dass die Senegalesen richtig Lust und Tatendrang bekommen ihr eigenes Land ohne Korruption und Cliquenwirtschaft aufzubauen. Unser Theaterstück erzählt die Geschichte, dass zu uns nach Deutschland einige Kinder Gottes kommen und wir dann geistvolle Menschen werden.) Read the rest of this entry »

Für Helden/ mit allen

11. Dezember 2006

Franziska Augsteins Rezession zweier neuer Bücher zu den Geschwistern Scholl kann ich empfehlen (SZ 27-11-2006). Sie denkt, dass Sönke Zankel den interessantesten Punkt verpasst hat. Die Rezension erwähnt ein bemerkenswertes Zitat der letzten lebenden Scholl Schwester Elisabeth, das mir schon auf der Begleit-DVD zu „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ auffiel.

Elisabeth Scholl ist es wichtig, „dass Sophie und Hans keine Helden waren. Denn wenn sie als Helden betrachtet werden, dann ist das eine Entschuldigung auch für die anderen. Jeder kann dann sagen, zum Helden bin ich nicht geboren.” Read the rest of this entry »

Inge Jens berichtet vom Herbst 1941, als Hans Scholl seinen künftigen Mentoren Muth und Haecker begegnete.

Zwei katholische Publizisten in deren Werk die Vorstellung von einer Gemeinschaft der Armen, der Erniedrigten und Beleidigten sichtbar wird, deren Glaubensgemeinschaft die Gegenwelt zum Reich des Bösen, der Zwangsherrschaft der Nationalsozialisten bildet.
Gleich weit entfernt von religiöser Schwärmerei und dogmatischer Enge suchten Muth und Haecker das jesuanische Ideal eines durch Armut und Brüderlichkeit bestimmten Lebens im Dienst am Nächsten, wie es - auch er Dostojewskij verpflichtet! – der Renouveau Catholique von Bloy bis Bernanos in der Literatur entworfen hatte, für die politische Realität, das Leben unter dem Nationalsozialismus, wirksam zu machen und christliche Kultur – Muths altes, in seiner Zeitschrift „Hochland“ vertretenes Programm – zur Welt hin zu öffnen. Read the rest of this entry »

Manchereins tut sich schwer, die Mittelszene im dritten Akt zu verstehen. Ich selbst habe manchmal Befürchtungen, dass die Szene „Das Innere des Menschen“ esoterisch wirkt. Esoterisch heißt geheimwissenschaftlich. Gegen Esoterik und Nichtverstehen gibt es ein (gemeinsames) Gegenmittel: Aufklärung. Wieder einmal ein Versuch, aufzuklären, was unsere Szene beabsichtigt:

Im Inneren GehirneIch will also in der Szene „dunkle Kammer“ bzw. „Das Innere des Menschen“ erzählen, dass Hans und Sophie Scholl in den Stürmen des Lebens Gegenwind haben. Schließlich wird es geisterhaft und gruslig. Bis sie erahnen, dass das, was ihnen geisterhaft vorkommt, ihr Freund ist, Jesus, der auf dem Wasser geht und ihnen zuruft: „Habt keine Angst! Kommt mir doch entgegen!“ Da gehen sie raus, setzen alles auf eine Karte. Das klappt ein wenig, aber dann sinken sie doch ins Wasser ein. Ihr „Hilf mir“ – Ruf nimmt einen verzweifelten Tonfall an. Aber in demselben Moment nimmt sie Jesus bei der Hand, zieht sie heraus, und fragt, warum sie nicht weitergelaufen sind, wie es doch normal gewesen wäre.
Und die beiden Kinder Hans und Sophie können nicht mehr anders als jubeln. Sie kugeln sich auf dem Boden, und gleichzeitig fallen die beiden erwachsenen reifen Menschen nieder auf den die Erde, stehen würdig auf und rufen ohne Worte zu gebrauchen: „Groß bist du Gott, und höchsten Lobes würdig.“

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Griechischsplitter

23. Oktober 2006

Weil letztes Wochenende mein Griechischlehrer P. Sigisbert Schweßinger OSB gestorben ist, hier einige Gedankensplitter, die ich in der Schulzeit lernte und von denen auch das Theaterstück profitiert.

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