Nikolaikirche Leipzig Montag 17 Uhr
25. März 2009
Gestern diese Geschichte und ihre Vorgeschichte aus erster Hand von Christian Führer erzählt bekommen. Bin recht dankbar und glücklich. (Am Bild die offene Tür der Nikolaikirche.)
Der Philosoph
22. April 2008
Josef Furtmeier (1887-1969) war guter Freund des Hans Scholl, der Sophie Scholl, des Christl Probst, von Proffessor Huber, vermittelt wohl über Carl Muth oder die klassischen Konzerte. Glaube nicht, dass er im aktiven Widerstand dabei war – sicher hat er geistig gut dagegengehalten, nicht umsonst hatte er im Freundeskreis den Spitznamen „der Philosoph“ (die besten Rezensionen: DLF und Jakob Knab)
Ein erster Zugang, werde wohl noch mehr dazu schreiben: Furtmeier ist vom Typ her ein Grantler. Die Menschen sind geistlos, ein Viertel der Deutschen, so schreibt er 1946, seien unbekehrbare Nazis. Am besten, ich lebe zusammen mit vielen Hunden und Katzen auf dem Land. Da ist so vieles ähnlich den Scholls, und doch sind die Auswirkungen anders. Warum ist er so selten begeistert? Von ganz einfachen Dingen begeistert, etwa von seinen Hunden und Katzen? Read the rest of this entry »
Jüdisches Erbe
14. Februar 2008
Auf viele Weiße-Rose-Veranstaltungen in letzter Zeit konnte ich nicht gehen, so auch auf Charlotte Knoblochs Gedächtnisvorlesung in der Ludwigs-Maximilians-Universität. Ich zitiere aus der Internetversion ihrer Rede:
Emil Fackenheim, einer der bedeutendsten jüdischen Denker des 20. Jahrhunderts, schrieb einst – ich zitiere: „Verstehen die Nichtjuden? Einige tun es, und darin liegt Hoffnung nicht nur für Israel, sondern auch für die Völker.“ Zitat Ende.
Grillhähnchen in Langenneufnach
26. November 2007
Nicht nur der Künstler war, wie er selbst bemerkte, im Scheinwerferlicht so etwas wie ein Grillhähnchen, das den Zuhörern serviert wurde, auch der nicht ganz so kleine Gast in der Langenneufnacher Kirche fühlte sich zwischen den Bänken und auf Bankheizung so ein wenig wie im Backofen. (Eine typische Situation für Widerstandskämpfer, siehe die drei Jünglinge im Backofen in Buch Daniel) Es ist mutig, nur mit einer klassischen Gitarre plus eigener Stimme ein Popkonzert zu geben.
Mag seine Lieder und seine Frömmigkeit des Gregor Linsen, wenn ich sie gut kenne: „Vor dir stehn wir um dir zu singen“ erzählte noch einmal die tolle Zeit beim Katholikentag in Saarbrücken. Was mir unter den unbekannten Liedern von bei denen ich mich grundsätzlich schwer tue, herausstach, war ein Lied im Andenken eines Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus. „Unser Ja sein ein Ja, unser Nein ein Nein“. Wusste bisher nichts über Nikolaus Groß, christlicher Arbeitnehmervertreter, Pressemann, Familienvater. Read the rest of this entry »
Ein Anderer werden
14. September 2007
Man wird dadurch man selber, indem man ein anderer wird.
The only way a person can become himself is by becoming someone else.
Ein Satz für Theaterspieler, deshalb nochmal, jetzt als Buchzitat:
One cannot become oneself unless one becomes somebody else.
Seinen Willen tun
21. August 2007
Waren die Weiße Rose Leute und ihre Mentoren Anhänger der Aufklärung, der Autonomie und der Mündigkeit des Menschen? In Peter Bieris Nachtzug nach Lissabon (siehe auch letzter Eintrag) gibt es Stellen, an der Christentum und Autonomie als unüberbrückbare Gegensätze erscheinen. Zum Beispiel, als Eça von seinem Freund Amadeu de Prado im Widerstand gegen die Salazar-Diktatur erzählt:
Auch bei Abschieden und Entschuldigungen gebe es eine Frage der Würde, fügte [João Eça] hinzu. Amadeu habe manchmal darüber gesprochen. Besonders habe ihn der Unterschied beschäftigt zwischen einem Verzeihen, das dem anderen die Würde lasse, und einem, das sie ihm nehme. Es darf kein Verzeihen sein, das Unterwerfung verlangt, habe er gesagt. Also nicht so wie in der Bibel, wo du dich als Knecht von Gott und Jesus verstehen musst. Als Knecht! So steht es da! (419) Read the rest of this entry »
Dem Löwen vorgeworfen
7. August 2007

Warum war das Urchristentum so faszinierend? So faszinierend, dass es irgendwann einmal sogar wirtschaftlich klug war, sich unter die Christen zu reihen? So faszinierend, dass es schließlich ein Kaiser in Rom als Staatsreligion ausruft? So faszinierend, dass es Hunderte oder Tausende in den Märtyrertod trieb, nur weil sie kein Weihrauchopfer für den Kaiser bringen wollten? Warum konnte das Urchristentum der Apostel die Krankenheilungen herbeiführen, von denen die Apostelgeschichte berichtet (die aber schon bei der Aufzählung der Charismen durch Paulus fehlen)?
Ich denke deshalb, weil es Charakterschule war. Woran erkennt man einen vollkommenen Charakter? Am Humor. Folglich: Man sollte über das Urchristentum eine Komödie schreiben. So geschehen in George Berhard Shaw „Androklus und der Löwe“, derzeit im Residenztheater München. (Inhaltsangabe hier, warum es ein Märchen ist hier.) Read the rest of this entry »
Ich, der Lehrer, bin schuld
25. Juni 2007
Margret empfahl mir einen Text, da hat sich mal wieder ein Vogel ins Aquarium verlaufen und kann tatsächlich im Wasser fliegen. Keith Johnstone stellt in Impro. Improvisation und Theater (1979) eine neue Art des Theaterspielens und Probens vor.
Die normale Ausbildung zum Schauspieler ist stark auf Konkurrenz eingestellt, und von den Schülern wird erwartet, dass sie versuchen, sich gegenseitig zu übertreffen. Wenn ich einer Gruppe erkläre, dass sie für die anderen Mitglieder arbeiten werden, dass jeder einzelne interessiert sein muss am Weiterkommen der übrigen, sind alle überrascht. Doch liegt es auf der Hand, dass jemand lieber in einer Gruppe arbeitet, die ihre Mitglieder voll unterstützt.
Wenn ich eine Gruppe neuer Schüler vor mir habe, setze ich mich (wahrscheinlich) als erstes auf den Fußboden. Read the rest of this entry »
Widerstandscharakter III: Gegen das Eigene
8. Mai 2007
Ich zitiere aus einem Brief des berühmten Widerständlers der Bekennenden Kirche, Dietrich Bonhoeffer.
Der Mensch hat [in einer etwa seit dem 13. Jahrhundert einsetzenden Bewegung] gelernt, in allen wichtigen Fragen mit sich selbst fertig zu werden ohne Zuhilfenahme der „Arbeitshypothese Gott“: Im wissenschaftlichen, künstlerischen, auch ethischen Fragen ist das eine Selbstverständlichkeit geworden, and der man kaum mehr zu rütteln wagt; seit etwa 100 Jahren gilt das aber in zunehmendem Maße auch für religiöse Fragen; es zeigt sich, dass alles auch ohne „Gott“ geht, und zwar ebenso gut wie vorher. Read the rest of this entry »
Umgang mit den Feinden: Kino, Potter, Frodo
2. Mai 2007
Liebt, die euch hassen, tut Gutes denen, die euch verfolgen. Mit wunderbarem Humor nimmt der dänische Spielfilm „Adams Äpfel“, der letzten Herbst im Kino lief, diese Anregung des J.v.N. auf (Filmkritiken hier und hier). Selten ging ich so reich beschenkt und aufatmend aus einem Kino oder Theater – nach einer Komödie! Pastor Iwan lebt mit Leuten zusammen, die nach einem Gefängnisaufenthalt noch einmal eine Art Bewährung machen müssen. Darunter ein Skinhead, Adam, von dem er sich zusammenschlagen lässt. Nachher existiert dieses Ereignis für ihn einfach nicht mehr (für den Zuschauer bleibt es immer sichtbar, lange trägt Iwan eine Nasenschiene und nachher ist seine Nase so richtig schief). Read the rest of this entry »