Konstantin Weckers Lied

10. Dezember 2006

Las gerade den Liedtext von Konstantin Wecker zur Weißen Rose. Der Refrain lautet wie folgt.

Ihr wärt hier so wichtig, Sophie und Hans,
Alexander und all die andern,
eure Schlichtheit und euer Mut,
euer Gottvertrauen – ach, tät das gut!
Denn die Menschlichkeit, man kann´s verstehn,
ist hierzuland eher ungern gesehn
und beschloß deshalb auszuwandern.

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Stimmt die Schlussszene?

30. November 2006

Fritz Rook, flüchtiger Bekannter und Brieffreund von Lilo Ramdohr, schrieb im August 1941 an Lilo den folgenden Text, den wir wörtlich im Stück zitieren:

„[...] Gestern am späten Abend schaute ich eine weiße Rose. Man sagt, weiße Blumen seien für die Toten – aber Tod, Liebe und Jugend sind eins. (Die Toten, soweit sie wirklich in uns leben, leben ja nur verklärt als Bilder leuchtender Jugend!) Deshalb auch ist gerade die weiße Rose in ihrem Duft und ihrer zarten Reinheit Sinnbild ewiger Jugend. Mir fiel dies alles in einem Augenblick ein. Ich verschenke so gerne weiße Blumen […]. Ein weißes Rosenblatt mit einem Kuss flattert zu Dir. F.“ (Klammertexte sind im Originalbrief des Fritz Rook auch in Klammer) [Fürst-Ramdohr, Lilo: Freundschaften in der Weißen Rose, München 1995, 12-13].

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Erlebnisse einer weißen Rose

27. November 2006

„Ich verschenke so gerne weiße Rosen.“ Fritz Rook, Soldat, d.h. in Lebensgefahr, ohne eine Liebste zuhaus, schrieb dies. Ein bischen tut das unser Stück auch, für die, denen es gefallen hat: Rosen verschenken, ohne dass deshalb schon alles klar wäre …

Zu welchen verschiedenen Zwecken und Anlässen kam eine weiße Rose in unserem Stück vor? Wer findet mehr als meine 11?

Die weiße Rose spielt also eine Rolle … Read the rest of this entry »

Aus der Seite der Weiße Rose Stiftung habe ich ein Zitat entdeckt, das etwas zur historischen Bedeutung der Münchner Studenten und anderer Widerständler zu sagen hat. Es ist von Winston Churchill, einem Vor-Vor-Folger von Tony Blair und aus dem Jahre 1946:

In Deutschland lebte eine Opposition, die zum Edelsten und Größten gehört, was in der politischen Geschichte aller Völker hervorgebracht wurde. Diese Menschen kämpften ohne Hilfe von innen und außen – einzig getrieben von der Unruhe des Gewissens. Solange sie lebten, waren sie für uns unsichtbar, weil sie sich tarnen mußten. Aber an den Toten ist der Widerstand sichtbar geworden. Diese Toten vermögen nicht alles zu rechtfertigen, was in Deutschland geschah. Aber ihre Taten und Opfer sind das unzerstörbare Fundament des neuen Aufbaus.

Ich denke, dass unsere Verfassung tatsächlich das aufgenommen hat, was im Kreisauer Kreis und auch im Kreis der Weißen Rose für die Zeit nach dem Krieg vorgedacht wurde. Aber es geht nicht nur um das Denken, auch um das Zeugnis, dass da etwas sichtbar wird und vielleicht sogar um faktische Auswirkungen.

Ein etwas schillernder Schriftsteller des frühen Christentums, Tertullian aus Karthago (ca. 150-230), schrieb zur Ermutigung in der Zeit der Christenverfolgung: „Das Blut der Martyrer ist der Same der Christenheit (der Christen/ der christlichen Existenz).“ (Übersetzungen des lateinischen: „Sanguis martyrum – semen christianorum.“) Tatsächlich konnten die frühen blutigen Christenverfolgungen der Ausbreitung dieser Religion keinen Abbruch tun, vielleicht bewirkten sie sogar das Gegenteil und waren „Samen“ der zukünftigen Entwicklung, „das unzerstörbare Fundament eines neuen Aufbaus“ hätte Churchill gesagt.

Mir ist das eine Verstehenshilfe dafür, was es heißen soll, dass „Jesus uns durch sein Leiden und Kreuz erlöst hat“, bzw., wie man in manchen Freikirchen so sehr betont, dass er „für mich gestorben ist“. (So richtig kapiere ich das wohl nicht: vielleicht heißt es, weil er noch liebte (und die anderen zu verstehen und zu entschuldigen suchte), als es ihm an den Kragen ging, kann ich in einer Gemeinschaft leben, in der klar ist, dass die Liebe stärker ist als der Tod.)

Wider zu den Widerständlern im dritten Reich: Wenn ich nicht gerade Weblog schreibe, bin ich recht begeistert von der These: Ich lebe heute in einer Demokratie und in Freiheit, weil einmal Leute dafür „als Zeugen“ (griechisch Martyrer) hingestanden sind. Ob es da wirklich geistige Zusammenhänge gibt, das ist eine Frage für Entdecker, Forscher, Schatzsucher. Historiker halten sich da gern zurück. Ich vermute aber, dass bei der allgemeinen gesellschaftlichen Hochschätzung der Widerständler heutzutage auch so eine Entdeckung mitschwingt.

Ein Web-Zeitungartikel der Deutschen Tagespost bringt viele wichtige Zitate der Scholl Geschwister. Das ist dir, Domi, vielleicht eine Hilfe, wenn du für irgendwelche Werbeveröffentlichungen noch etwas brauchst.

1940 schreibt Sophie ihrem an der Front stehenden Freund Fritz Hartnagel: „Wie könnte man da von einem Schicksal erwarten, dass es einer gerechten Sache den Sieg gebe, da sich kaum einer findet, der sich ungeteilt einer gerechten Sache opfert.(…) Ob es wohl auch heute noch Menschen gibt, die nicht müde werden, ihr ganzes Denken und Wollen auf eines ungeteilt zu richten?“

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Der beste Text von jemand, der nicht im Umfeld der weißen Rose dabei war und doch über sie schrieb, ist meines Erachtens der Aufsatz von Inge Jens: Über die ‚Weiße Rose’. in Die neue Rundschau 95.I. 1984, Seiten 193-213. Der Aufsatz entstand im Zusammenhang mit der Herausgabe der Briefe und Tagebuchaufzeichnungen von Hans und Sophie Scholl, den diese Germanistin zu verantworten hatte. Er endet mit folgendem Fazit

Wie immer man […] den Aufstand der „Weißen Rose“ beurteilen mag […] eines scheint gewiss: Der Neubeginn in einem demokratischen Deutschland nach 1945 wäre orientierungsloser gewesen, hätte es nicht diese Gruppe gegeben, Read the rest of this entry »