Apokalyptischer Gegenentwurf
5. Juni 2008
Der Archetyp von Sophie Scholls Traum in der letzten Nacht (siehe letzter Eintrag). Es ist eine Zeit großer Not :
Da erschien ein großes Zeichen am Himmel: Ich sah eine Frau, die mit der Sonne bekleidet war; sie hatte den Mond unter ihren Füßen, und auf ihrem Kopf trug sie eine Krone aus zwölf Sternen. Und sie war schwanger und schrie in ihren Wehen, denn die Schmerzen unmittelbar vor der Geburt hatten sie erfaßt. (Offenbarung des Johannes, Kap. 6)
Sophie ist nicht wörtlich schwanger, aber sie hat etwas mit sich, das weiterleben soll. Etwas eigenes und etwas nicht Eigenes. Read the rest of this entry »
Wer war Kurt Huber?
23. Juli 2007
War am Freitag, 13. Juli, dem Tag der Hinrichtung von Alexander Schmorell und Prof. Kurt Huber, im Justizpalast München in dem Saal, in dem Freisler drei Weiße Rose Mitglieder zum Tode verurteilte (und manche andere zu längeren Haftstrafen). Hörte einen bemerkenswerten Vortrag von Rosemarie Schumann. Frau Schumann hat sich die letzten 5 Jahre vorrangig mit dem spätesten Mitglied der Weißen Rose beschäftigt, Read the rest of this entry »
Über die die Grenzen gedacht
11. Juli 2007
Alle Christen stellen sich unter den „Dominus Jesus“ (den Herrn Jesus). Wenn das eine gewisse Gemeinsamkeit bedeutet, so besteht in manchen kirchlichen Papieren eine gewisse Uneinigkeit, wie das zu geschehen habe. Eine mir sehr wichtige Dimension der Einheit der Christen war der gemeinsame Widerstand gegen Adolf Hitler. Otto Betz schreibt dazu in einer Doppelrezension von Gerhard Ringshausen, „Widerstand und christlicher Glaube angesichts des Nationalszialismus“ und Günter Brakelmann, „Helmuth James von Moltke“: Read the rest of this entry »
Apokalyptisches Weltbild
27. Juni 2007
Dokumentiere hier kurz einen Briefwechsel, den ich mit einem Aufsatzautor und Multiplikator zur Weißen Rose hatte. Es geht um den Stil der Weiße Rose Flugblätter, insbesondere der ersten vier Flugblätter, die für akademische Leser geschrieben waren. Im vierten Flugblatt heißt es beispielsweise:

Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt, ist Lüge. Wenn er Frieden sagt, meint er den Krieg, und wenn er in frevelhaftester Weise den Namen des Allmächtigen nennt, meint er die Macht des Bösen, den gefallenen Engel, den Satan. Sein Mund ist der stinkende Rachen der Hölle Read the rest of this entry »
Theaterfest – Zukunft – Anliegen
11. April 2007
Jetzt ist auch das Theaterfest (13. April) vorbei, pünktlich zum 100. Eintrag in diesem Blog, kurz vor dem 10.000. Klick (genaue Anzahl 9.822), nach über 2000 abgefangenen Spam-Posts, 26 Kommentaren. So als Erinnerung nochmal ein Münchner Foto.

Freute mich sehr über euer zahlreiches Erscheinen und das Ambiente, insbesondere mehrere Filmchen und Präsentationen zum Spiel. Wünsche mir, dass es mit KJT-Theater bald weitergeht, selber aber muss ich erstmal eine andere Priorität setzen.
Bloge vielleicht ab und zu weiter, weil mir das Thema recht am Herzen liegt. Vermute immer noch, wir leben, weil sie bereit waren für das Ihre zu sterben. Wir würden vielleicht auch leben, wenn es die Widerständler nicht gegeben hätte, aber anders, mit weniger Hoffnung, mit weniger Weisheit. Iwan Illitsch in Leo Tolstojs: „Der Tod des Iwan Iljitsch“ wusste es erst viel später, und wie hätte es sein Leben bereichert zu wissen…(was ich schon zu oft gesagt habe, der geneigte Leser hat wahrscheinlich schon davon gehört.)
Zitat Donna Leon, Weltwoche (Link wie oben auf Leo Tolstoi): „Es ist unmöglich, diese Novelle zu lesen, ohne darob zu erschauern, wie genau sie unsere Zeit widerspiegelt.“
Sklaverei und Abschussliste
7. März 2007
Einblendung Armenfriedhof nahe einem Zuckerrohrfeld: „Am Tag, als ich zum Bischof geweiht wurde, habe ich hier einen Namenlosen beerdigt. An diesem heiligen Ort möchte ich begraben sein.“
Der alte Herr, der hier spricht, ist Ausländer in Brasilien. Die heutigen heimischen Bischöfe in Alagoas stehen nicht für die Zuckerrohrarbeiter hin. (Nur nach dem Konzil war das eine gewisse Zeit lang anders.) Carlos Lima, Gast in Thannhausen (siehe dieser Blogeintrag) aus Brasiliens Nordosten, zeigte uns einen Film über moderne Sklaverei auf Alagoas Zuckerplantagen. Der Ackerboden im ganzen Bundesstaat gehört 8 Familien. Read the rest of this entry »
Wichtige Geschichten
22. Januar 2007
Die wichtigsten Geschichten, so G. B. im Gottesdienst mit uns, sind für einen Christen die Erzählungen von Jesus von Nazareth. Zum Beispiel wie er die Kranken heilte:
Der Mann mit der ausgedorrten Hand. Jesus könnte ihn irgendwo im Geheimen von seiner Behinderung heilen. Aber so wäre die Unterdrückung, das Außenseitersein, das Tuscheln, weitergegangen. Nein dieser Mann muss in die Mitte. Und dann muss er diese kranke Hand allen zeigen. Und erst dann wird er heil.
Nur weil ihnen die Geschichten von Jesus wichtig sind, bezahlen manche Leute mit dem Leben. Ich weiß zu wenig über Hrant Dink, den türkischen armenischen Christen, der am Freitag ermordet wurde. Aber er kämpfte gegen den wachsenden Rassismus und Nationalismus dort in der Türkei, vgl. die Deutschlandfunksendung Europa heute vom heutigen Montag. Und aus seinem Umkreis hört man mutige Worte
Aydin Engin will sich nicht einschüchtern lassen und will weiter für „Agos“ schreiben, der Zeitung seines ermordeten Freundes Hrant Dink:
„Es gibt ein türkisches Sprichwort, das heißt: Wer sich vor den Vögeln fürchtet, kann kein Korn säen.“
Irgendwann wird der Armenier mit der verwundeten Hand in die Mitte der Türkei und die Mitte Europas treten dürfen und man wird ihm glauben, wenn er sagt, wie es seinem Volk einst erging.
Ein Theaterstück in die Öffentlichkeit geben, schauzuspielern heißt ein wenig, seine verwundete Hand zeigen. (Hat das Ganze überhaupt einen wirklichen Zusammenhang, wenn man es unvoreingenommen ansieht? Ist da nicht manches hölzern gesprochen, die vielen Wiederholungen in den Liedern nicht recht nervig?) Read the rest of this entry »
Traumsatz, Erfolg
17. Januar 2007
Es könnte ja sein, dass wir Erfolg haben auch bei den Münchner Aufführungen. Deshalb fand ich wieder einen Satz, den ich einst auswendiglernte und wieder vergaß.
„Das einzige, was wirklich zählt, ist gläubiges Handeln“ schreibt Teilhard. „Es lohnt sich nicht, sich mit persönlichem Erfolg oder persönlicher Befriedigung aufzuhalten.“
zitiert aus Annie Dillard, Außer der Zeit (For the time Being), 1999. Sie zitiert den Jesuiten Pierre Teilhard de Chardin, Paläontologe, von dem es heißt, dass manche Päpste des letzten Jahrhunderts einerseits verboten, seine theologischen Schriften mit kirchlicher Erlaubnis zu drucken, andererseits sie gleichzeitig auf dem Nachtkästchen stehen hatten. (Auf dem ersten Blick meinte ich diese Ambivalenz auf dem Foto nebenan zu sehen, aber es sind nur zwei Fotos aufeinander. Aber vielleicht doch: Johannes Paul macht sich Gedanken über diesen seltsamen Mann.) Mich interessiert die englische Übersetzung und das wohl französische Original dieses (wohl über solche innerkirchlichen Debatten erhobenen) Zitats.
Es folgt noch kurz meine sehr unvollkommene Deutung des Satzes, wem sie gefällt und wem sie nicht gefällt, der bleibe in jedem Fall besser bei jenem Traumsatz. Sodenn: Mein Job ist es unter anderem, an euch alle, meine Spieler und das Eure zu glauben, an mich selber, ebenso wie daran, dass das Tun der Scholls Sinn machte als auch daran, dass alles gut is … den letzten Buchstaben schreib ich nicht hin, weil uns Menschen das, sollte es so sein, heute noch verborgen ist.
Ich sage selten Vaterland
16. Dezember 2006
„Meister, ich weiß was: Deutschland.“
„Tölpel, was hast du gesagt? – Deutschland?“
In diesen Sätzen (wer unser Stück kennt, weiß den Zusammenhang dort) in diesen kurzen Sätzen steckt der zurückgenommene Patriotismus der Deutschen. Auch ich bin so aufgewachsen. Es ist nett, Fußballfan der Nationalmannschaft zu sein. (Ich war es als Kind und Jugendlicher viel mehr als jetzt, wo es heißt, es sei mit der Weltmeisterschaft ein großes Nationalgefühl entstanden.) Aber wir Deutschen übertreiben das nicht. Wir rüsten nicht so sehr, dass wir mit Frankreich oder England, Ländern von derselben Größe, konkurrieren könnten. (Das Gerangel um den ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat war mir peinlich, ich bin für einen Sitz der EU.) Eher als mit militärischer Macht zu prahlen lassen wir uns ein bisschen durch die USA beschützen. Bei anderen Nationen wollen wir durch unsere Leistungen überzeugen, nicht weil wir Deutsche sind und Deutsche was Besonderes sind. Wir hatten immer Bundeskanzler mit einem großen Herzen für Europa.
Es gab Zeiten, in denen Patriotismus in Deutschland selbstverständlicher und eindeutiger war. Read the rest of this entry »
Für Helden/ mit allen
11. Dezember 2006
Franziska Augsteins Rezession zweier neuer Bücher zu den Geschwistern Scholl kann ich empfehlen (SZ 27-11-2006). Sie denkt, dass Sönke Zankel den interessantesten Punkt verpasst hat. Die Rezension erwähnt ein bemerkenswertes Zitat der letzten lebenden Scholl Schwester Elisabeth, das mir schon auf der Begleit-DVD zu „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ auffiel.
Elisabeth Scholl ist es wichtig, „dass Sophie und Hans keine Helden waren. Denn wenn sie als Helden betrachtet werden, dann ist das eine Entschuldigung auch für die anderen. Jeder kann dann sagen, zum Helden bin ich nicht geboren.” Read the rest of this entry »