Europas Farben

7. Juli 2009

Umstritten ist die Theaterfassung von Kieślowski und Krzysztof Piesiewiczl „Drei Farben: Blau, Weiss, Rot“ (Der Link führt zu allen Zeitungsrezessionen gesammelt bei „Nachkritik“, dort bitte ggf. die Geschichten nachlesen, damit man diesen Eintrag verstehen kann) in den Münchner Kammerspielen. Ich mag es sehr, wenn jemand so dezent wie Kiéslowsky/Simons frohe Botschaft verkünden will. Sie spielen das Chaos der Welt und singen das hohe Lied Europas „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, das Lied dessen, was einem Menschen zusteht (höher und intensiver als die Menschenrechte) eigentlich das hohe Lied der Liebe. „Und wenn ich mit Engelszungen redete, und …., hätte aber die Liebe nicht, ich wäre ein tönernen Erz…“ Typischerweise wird die Botschaft dieser Szenen destruktiv oder gesellschaftskritisch gesehen, immerhin auch manchmal bewundernd wie etwa in der FAZ:

„Sie wollte mehr, als ich ihr geben konnte.“ Mit diesen Worten fasst der Richter gegen Ende der „Drei Farben“ die Gründe für das Scheitern seiner eigenen, tragischen Liebesgeschichte zusammen – und bringt damit auch die Grundmotivation aller übrigen Hauptfiguren auf den Punkt: Sie stehen alle vor der Wahl, ihr Leben zu vernichten oder zu vollenden. Tränenerstickt presst der niederländische Schauspieler Jeroen Willems diese verbitterten Worte heraus, während er „Drei Farben: Rot“ verkniffen auf einem Klavierhocker verbringt, in einem einzigen großartig konzentrierten Dialog mit Sandra Hüllers misstrauischer Valentine. Read the rest of this entry »

Halfpipe Bühne

10. Juni 2009

Ich dachte an die Ringe des Saturn, als ich die Bühne in der Inszenierung von Franz Kafka „Der Prozess“ in den Münchner Kammerspielen sah. Innen drehte sich der unbewohnbare Planet. Vieles spricht dafür, dass es sich um ein Auge handelt bei dieser Bühne. Auf jeden Fall gab es doch da tatsächlich Ähnlichkeiten zur „Fangt uns doch“ Bühne. Was passiert da technisch? Zitiere den Standart (Wien. Ronald Pohl):

Regisseur/Ausstatter Andreas Kriegenburg hat auf die Münchner Bühne ein Gipsauge gestellt. In dessen ovaler Mitte, sozusagen im Durchstichsloch eines Träumers, rotiert ein Hubpodest, das immer wieder gemächlich in die Vertikale kippt, um schließlich als Kletterwand den Schrecken einer hölzernen Eiger-Nordwand zu verbreiten. Read the rest of this entry »

Aktuelles

19. März 2009

Die Weiße Rose – Ein Kriegsmärchen

von Lars Zastrow und Janosch Roloff

… eine wahre Geschichte, die in die Gefahr geraten ist, zur Legende zu werden und dabei ihre tatsächlichen Akteure aus Fleisch und Blut hinter ideologisch reduzierten Ikonen verschwinden zu lassen.

- komme leider die nächsten Tage nicht nach Köln, letzte Aufführung am 2. April.

Colori in Babenhausen

10. November 2008

Vorletzten Sonntag in Babenhausen im Theater bei der Schmiere: Musical „Colori“.  Sehr faszinierend, schauspielerisch, sprachlich, faszinierend der ein und der andere Song, voller überraschender Ideen – ich bin Fan. Dennoch, was ich so Ideen habe zu einem Musical über Farben, ist irgendwie ganz anders. Insbesondere denke ich an Kandinsky, etwa seine Komposition IX:


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Invasion!

7. Juni 2008

Der Umgang mit den Fremden ist großes Thema bei den Kammerspielen in dieser Spielzeit, „Invasion“ (Kritiken hier) von Jonas Hassen Khemiri dauert nur 40 Minuten, entdeckte einige interessante Aspekte an diesem Thema. Zum Lachen: Alle haben etwas oder wollen etwas mit Abulkasem – den aber gibt es gar nicht wirklich, Read the rest of this entry »

Weiße Rose Theaterstücke

11. Januar 2008

Da gibt es schon längere Zeit ziemlich viel. Zunächst diejenigen, die ich gesehen habe

  • am Kirchentag Berlin 2003: Story und Intensivität wie der Kinofilm 2005: „SOPHIE SCHOLL: Ich würde es genau so wieder machen“ von Elmar Marx und Marie-Luise Glahe für URBAN ART. Tolle Amateurgruppe.
  • Mirjana Angelina: „Sophie Scholl – Widerstand des Gewissens… um des Lebens Willen“ gespielt vom Gospel Art Studio 2005 in der Ludwigsstraße München (6 Personen) mit Referenzen von überlebenden Weiße Rose Angehörigen hier.

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Entscheidung spielen

4. Dezember 2007

Der Grundkurs Dramatisches Gestalten am Gymnasium Ursberg spielt dreimal im Jahr, alles mögliche und unmögliche an Theaterstücken, mit Hingabe ans Theater Spielen, ansonsten mit einfachen Mitteln, meist nahe am Text des Autors. Meine Lieblingsnummer heuer (vor Lorca und Moliere) war „Der Bruder unseres Gottes“ von Karol Woitila (als er noch nicht Papst Johannes Paul II hieß) am letzten Wochenende. So sehr dieser Papst als jemand auffiel, der klare Botschaften zu vermitteln hatte, so sehr ist sein „Jugendstück“ unklar, vage und auf der Kippe. Read the rest of this entry »

Gemeindepower Musical

30. November 2007

Zu Nikolaus Groß gibt es ein Musical, das eine Kirchengemeinde auf die Füße gestellt hat, ursprünglich für 4 Aufführungen mit 160 Plätzen (das kennen wir ja irgendwie), alles selbergemacht; aber jetzt wirds anders: 200 Mitspieler, und jetzt wird es schon seit 1998 immer wieder aufgeführt, im Januar 2008 zum 50. Mal.

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Stauffenbergs Schwur

15. November 2007

Stauffenbergs Schwur
Eine theatralische Annäherung.
Nach dem dokumentarischen Stück von Andreas Vogt Mitarbeit: Ida Ott.
für 4 Schauspieler, darunter einer mit Cello

Ein neues Theaterstück zu Stauffenberg, das so ähnlich wie unseres die innere Entwicklung des Widerstandskämpfers zum Thema hat, wurde gestern uraufgeführt. Hier das Theater Lindenhof Melchingen und hier eine Rezension im Münchner Merkur.

Dem Löwen vorgeworfen

7. August 2007

Warum war das Urchristentum so faszinierend? So faszinierend, dass es irgendwann einmal sogar wirtschaftlich klug war, sich unter die Christen zu reihen? So faszinierend, dass es schließlich ein Kaiser in Rom als Staatsreligion ausruft? So faszinierend, dass es Hunderte oder Tausende in den Märtyrertod trieb, nur weil sie kein Weihrauchopfer für den Kaiser bringen wollten? Warum konnte das Urchristentum der Apostel die Krankenheilungen herbeiführen, von denen die Apostelgeschichte berichtet (die aber schon bei der Aufzählung der Charismen durch Paulus fehlen)?

Ich denke deshalb, weil es Charakterschule war. Woran erkennt man einen vollkommenen Charakter? Am Humor. Folglich: Man sollte über das Urchristentum eine Komödie schreiben. So geschehen in George Berhard Shaw „Androklus und der Löwe“, derzeit im Residenztheater München. (Inhaltsangabe hier, warum es ein Märchen ist hier.) Read the rest of this entry »