Dass die Situation im Norden Brasiliens jenseits des Guten ist, hab ich schon persönlich gehört und hier im Blog vermerkt. Prophetischen Widerstand leistet in diesen Tagen der Franziskaner, Bischof von Bahia und (laut Adveniat) „international anerkannte Fachmann in allen ökologischen und sozialen Fragen“ Luís Flavio Cappio. Ich entdeckte die Sache im Internet am Montag, heute ist es groß in der Presse, es geht in eine sehr bittere Phase. Die TAZ (empfehle den ganzen Artikel)

Vorgestern nämlich billigte das Oberste Bundesgericht in Brasília mit sechs zu drei Stimmen die Flussumleitung des Rio São Francisco, eines von mehreren umstrittenen Großprojekten der Regierung. Kurz darauf, am 23. Tag seines Hungerstreiks, verlor Bischof Luiz Flávio Cappio in Sobradinho, im trockenen Landesinneren des Bundesstaates Bahia, das Bewusstsein. Etwa zeitgleich ordnete Lula an, die Schlichtungsgespräche mit den katholischen Bischöfen und einem Vertrauten des Franziskaners über die umstrittene Flussumleitung abzubrechen.

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Prophezeiung für Russland

23. November 2007

Alexander Schmorell liebte die russischen Menschen und hat seine Freunde dort eingeführt, als sie zusammen an der russischen Front Kriegsdienst taten. Heute fragt man gern, was das für ein Volk sein müsse, das den, der ihm die demokratischen Rechte wegnimmt, mit 70 % Zustimmung wieder wählen würde. Und man denkt, dass Putin schon irgendwie seine eigene Macht sichern wird. Dagegen macht der Moskauer Politologe Stanislaw Belkowskij im Interview mit stern.de eine ganz andere Voraussage. Im Gegensatz zu mancher anderen politischen Prophezeiung kann ich mir das Interview nächstes Jahr nochmal anschauen und sagen, ob es gestimmt hat. Bin ja gespannt. Read the rest of this entry »

Wie wichtig ist Klimawandel?

13. November 2007

Anregung zum Weiterdenken und sich nicht mit dem Mainstream zufriedenzugeben…

Selber hätte ich an der Sache nicht weitergebohrt. Als Barbara Unmüßig bei der erlassjahr.de Mitträgerversammlung provokativ nahelegte, ob wir – ein Bündnis für die Entschuldung ärmerer Staaten – uns in ein Klimabündnis verwandeln sollten, antwortete ich, dass das Thema Klima wieder aus der Mode kommen werde und dass es andere dringliche Aufgaben ja auch gäbe, Kriege, Krankheiten… Read the rest of this entry »

Geschäfte machen

12. Juni 2007

Ohne die Großindustrie hätte es Hitler nicht geschafft. Sein Pakt mit diesen Leuten wurde bald nach der „Machtergreifung“ besiegelt. Ich verweise auf einen zeitgenössischen Fall, der in eine ähnliche Richtung weisen könnte. Die deutsche Großindustrie will ihre Handelsbeziehungen mit Russland ausbauen. Dazu lade ich ein, einen scharfen Artikel von Robert Amsterdam in der SZ zu lesen. Darin heißt es zusammenfassend: Die von führenden Leuten der deutschen Metallwirtschaft vertretene Strategie

[...] ist ein Betrug an jenen Reformern, die es in Russland noch immer gibt und die sich für ihr Land eine Entwicklung wünschen, die den Prinzipien einer Marktwirtschaft entspricht und rechtsstaatliche Grundsätze befolgt.

Vgl. auch Amsterdams Website und einen früheren Hinweis auf seine Seite in diesem Blog.

Inge Scholl, Fritz Hartnagel und Otl Aicher engagierten sich nach dem Krieg sehr in der Friedensbewegung: gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands, gegen die Stationierung von Atomwaffensprengköpfen, dass heute immer noch Ostermärsche stattfinden ist ein Überbleibsel dieser Bewegung.

Großes Aufbegehren des Volkes in internationalen Dingen gab es zuletzt beim Begin des Irakkrieges, und nun wieder, wenn die Großen Acht (G8, die aber tatsächlich nicht mehr die größten 8 Volkswirtschaften der Welt sind) sich im Ostseebad Heiligendamm nahe Rostock treffen. Worum geht es den Globalisierungskritikern, die dort auftreten? Als allgemeine Antwort auf diese Frage verweise ich auf zwei Blogs, einen mehr inhaltlichen und einen mehr praktischen mit Grönemayer auf der Frontpage.

Mich interessiert der Skandal der Armut. Read the rest of this entry »

Einblendung Armenfriedhof nahe einem Zuckerrohrfeld: „Am Tag, als ich zum Bischof geweiht wurde, habe ich hier einen Namenlosen beerdigt. An diesem heiligen Ort möchte ich begraben sein.“
Der alte Herr, der hier spricht, ist Ausländer in Brasilien. Die heutigen heimischen Bischöfe in Alagoas stehen nicht für die Zuckerrohrarbeiter hin. (Nur nach dem Konzil war das eine gewisse Zeit lang anders.) Carlos Lima, Gast in Thannhausen (siehe dieser Blogeintrag) aus Brasiliens Nordosten, zeigte uns einen Film über moderne Sklaverei auf Alagoas Zuckerplantagen. Der Ackerboden im ganzen Bundesstaat gehört 8 Familien. Read the rest of this entry »

Zur Eröffnung der Miseror Fastenaktion der Diözese Augsburg in der Pfarrgemeinde Thannhausen lade ich herzlich ein. Mit dieser Einladung bin ich nicht allein, es scheint, dass sogar die Wise Guys eine Videobotschaft präsentieren wollen. Hauptevent ist der Gottesdienst am nächsten Sonntag 10:15 Uhr und das anschließende bunte Programm mit Fastenessen. Interessant sind vor allem die Gäste aus China, Peru und Brasilien. Fastenmotto: Entdecke, was zählt!

Robert Scholl erzählte seinen Kindern, dass die Leute, die in Dachau gesessen waren, versprechen mussten, nicht zu erzählen, was dort passiert. Ich weiß nicht, wieviele Künstler so etwas mitmachen mussten und lebend davon kamen. Am Sonntag zu Gast in Thannhausen ist jedenfalls ein Künstler, der aus einem chinesischen Umerziehungslager wieder herausgekommen ist. (14 Uhr Vorstellung im Pfarrsaal, 14:30 Workshop mit dem Künstler) Obwohl selbst nicht Christ, durfte Li Jinyuan das heurige Hungertuch von Misereor malen. Read the rest of this entry »

Ohne Recht und Demokratie

2. Februar 2007

Hörte in den letzten Tagen die ersten vier von sechs CDs vom Hörbuch „Schindlers Liste“, den Roman bzw. Sachbuch gab es schon vor dem Film. Man muss sich schon einiges vormachen, um das hören zu können, es ist leider nicht ganz weit weg. Dass wir diese Ebene im Stück fast weggelassen haben, verweist darauf, dass wir den Abgründen des Nationalsozialismus nicht nahe gekommen sind. (Immerhin war das auch nicht unser Anspruch.)

Lese über das heutige Russland im Blog eines Rechtsanwaltes Amsterdam:

Seit Juli 2003 vertritt Amsterdam Chodorkowski, einst einer der russischen Megareichen. Jetzt sitzt der Milliardär unter anderem wegen Steuerhinterziehung und Betrugs im sibirischen Straflager Krasnokamensk. Noch mindestens sechs Jahre liegen vor ihm. Erst am Mittwoch erreichte Amsterdam einen Minisieg vor Gericht: Dass Wärter den Sträfling wegen zweier Zitronen, die in seiner Zelle gefunden wurden, in Isolationshaft gesteckt hatten, erklärten die Richter für ungerechtfertigt. Über Chodorkowskis Lage macht sich sein Anwalt keine Illusionen. „In dieses Lager bringt man Leute nur aus einem Grund: zum Sterben.“

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Wichtige Geschichten

22. Januar 2007

Die wichtigsten Geschichten, so G. B. im Gottesdienst mit uns, sind für einen Christen die Erzählungen von Jesus von Nazareth. Zum Beispiel wie er die Kranken heilte:

Der Mann mit der ausgedorrten Hand. Jesus könnte ihn irgendwo im Geheimen von seiner Behinderung heilen. Aber so wäre die Unterdrückung, das Außenseitersein, das Tuscheln, weitergegangen. Nein dieser Mann muss in die Mitte. Und dann muss er diese kranke Hand allen zeigen. Und erst dann wird er heil.

Nur weil ihnen die Geschichten von Jesus wichtig sind, bezahlen manche Leute mit dem Leben. Ich weiß zu wenig über Hrant Dink, den türkischen armenischen Christen, der am Freitag ermordet wurde. Aber er kämpfte gegen den wachsenden Rassismus und Nationalismus dort in der Türkei, vgl. die Deutschlandfunksendung Europa heute vom heutigen Montag. Und aus seinem Umkreis hört man mutige Worte

Aydin Engin will sich nicht einschüchtern lassen und will weiter für „Agos“ schreiben, der Zeitung seines ermordeten Freundes Hrant Dink:

„Es gibt ein türkisches Sprichwort, das heißt: Wer sich vor den Vögeln fürchtet, kann kein Korn säen.“

Irgendwann wird der Armenier mit der verwundeten Hand in die Mitte der Türkei und die Mitte Europas treten dürfen und man wird ihm glauben, wenn er sagt, wie es seinem Volk einst erging.

Ein Theaterstück in die Öffentlichkeit geben, schauzuspielern heißt ein wenig, seine verwundete Hand zeigen. (Hat das Ganze überhaupt einen wirklichen Zusammenhang, wenn man es unvoreingenommen ansieht? Ist da nicht manches hölzern gesprochen, die vielen Wiederholungen in den Liedern nicht recht nervig?) Read the rest of this entry »

Jener furchtbare Amoklauf von Emsdetten gestern passierte an einer Geschwister-Scholl-Schule. Im Schlusslied unseres Theaterstückes wird hereingerapt, dass auch Sophie Scholl auf Hitler geschossen hätte, wenn sie ein Gewehr in der Hand gehabt hätte (nachzulesen etwa bei Susanne Hirzel: Vom Ja zum Nein. Tübingen 2000). So gesehen hat sogar die Fähigkeit zum Morden auch einen Aspekt, der nicht ganz zu verwerfen ist: sich von einer Tyrannei befreien. Der Unterschied ist gewaltig, andererseits wehrte sich vielleicht auch Bastian B. gegen etwas, was er als Tyrannei empfand. Read the rest of this entry »