In der DDR war es das Westfernsehen, durch das man – wenn auch eingeschränkt – zu Informationen kam. Im Iran sind es die Handies, die integrierten Kameras und Internetdienste und -blogs. Siehe NZZ. (Hoffe diese Mittel funktionieren auch in China – trotz der angeblichen Kollaboration von Google und co.) Trotzdem muss man Angst haben, wie damals in Leipzig und dem ganzen Ostblock vor 20 Jahren. Was mich sehr freut ist die Vielfalt der friedlichen Proteste, das erinnert schon an Leipzig (und übertrifft es vielleicht, die Iraner sitzen auf den Schultern der Leipziger). Read the rest of this entry »

Demenz öffentlich

27. Februar 2009

Inge Jens, Herausgeberin und geniale Kommentatorin der Briefe und Aufzeichnungen der Geschwister Scholl, ist mit einem berühmten Mann verheiratet, Walter Jens. Der ist inzwischen 86 Jahre alt und altersdement. Sein Freund, der Theologe Hans Küng, hat in einem Zeitungsartikel für Sterbehilfe plädiert, weil Jens sagt er würde leiden und wolle sterben. Las das vor ein paar Tagen, heikle Frage, bin aber dagegen so etwas bei Demenz zu erwägen. Finde es ist etwas anderes, wenn jemand sterben will oder wenn jemand sich selbst oder jemand anders tötet. (Jens ging freilich im gesunden Zustand weiter als nur passiv nicht sterben zu wollen.) Ich suchte auch ein positives Argument. Heute dazu die FAZ von seiner Familie, die den Gatten und Vater liebt (auch wenn sie damit Probleme haben, dass er über alles mögliche aber lange nicht über sein NSDAP-Parteibuch sprach – war er doch am Kriegsende erst 22 Jahre):

Die Familie hat sich entschieden, ihm die Sterbehilfe zu verweigern, weil sie nicht weiß, welche Kriterien in der Welt, in der er jetzt eingeschlossen ist, Gültigkeit besitzen. „Im Grunde ist es egal, ob ein Mensch über einen gelungenen Text glücklich ist oder über ein Wurstweckle. Mir das einzugestehen war hart für mich“, sagt Inge Jens. Read the rest of this entry »

Angst im Gaza-Krieg, und doch (der französischer Philosoph Bernard-Henri Lévy, erzählt von persönlichen Begegnungen/ siehe FAZ, empfehle den ganzen Artikel):

Ehud Olmert in Jerusalem. Er beschreibt nicht ohne Komik das Ballett der Vermittler, die es immer zu eilig haben. Er kommt auf die Doppelrolle von Mubarak zu sprechen, den die internationale Gemeinschaft zwingen müsste, den Waffenschmuggel zu beenden. Dann schlägt er einen anderen Ton an. Gedämpfter, als spreche er vertraulich, erzählt er vom letzten Besuch von Mahmud Abbas vor drei Wochen. „Ich habe ihm ein Angebot gemacht: 94,5 Prozent des Westjordanlands. Read the rest of this entry »

Es anders machen

17. Januar 2009

Rafael Correa war 2005 für 100 Tage Finanzminister Ecuadors. (Typisch für das Land, dass Minister und Regierung dort schnell ausgewechselt werden.) Er hält einige Monate später eine Rede vor dem Lutherschen Weltbund und erzählt von haarsträubenden Erfahrungen, die er mit den Institutionen des Nordens gemacht hat.  Seit zwei Jahren ist Correa nun demokratischer Präsident von Ecuador, er hat bereits ein erfolgreiches Referendum für eine neue Verfassung durchgeführt. Einen prägnanten Auszug aus seiner damaligen Rede (dokumentiert auf Erlassjahr-Weblog) habe ich jüngst bei einem Vortrag genutzt:

Soziale Projekte sollten wir auch mit nationalen Einnahmen bestreiten. Das ist nicht nur eine Frage der Effizienz, sondern auch der nationalen Würde.
Das bedeutete zum Beispiel, dass ich gegenüber der Weltbank die Annahme von zweifelhaften Krediten in Höhe von 120 Mio. US-$ verweigert habe. PRODEPINE 2 war ein solches Projekt: für die indigene Bevölkerung gedacht, aber ganz und gar assistenzialistisch. Die indigenen Organisationen selbst haben mich gebeten, das Geld abzulehnen. Die Weltbanker fanden natürlich, dass das Projekt ein voller Erfolg war, aber die Indigenen Organisationen legten keinen Wert darauf, von außen kontrolliert zu werden. Read the rest of this entry »

Die dunkle Seite

27. September 2008

Die US-Journalistin Jane Mayer schreibt über den Verlust ur-amerikanischer Werte durch die Art, wie nach dem 11. September gefoltert wurde. (Rezension im DLF „Andruck“) Es klingt so ein bisschen danach, dass jemand ein Todesser Lord Valdemorts wird. Read the rest of this entry »

Invasion!

7. Juni 2008

Der Umgang mit den Fremden ist großes Thema bei den Kammerspielen in dieser Spielzeit, „Invasion“ (Kritiken hier) von Jonas Hassen Khemiri dauert nur 40 Minuten, entdeckte einige interessante Aspekte an diesem Thema. Zum Lachen: Alle haben etwas oder wollen etwas mit Abulkasem – den aber gibt es gar nicht wirklich, Read the rest of this entry »

Olympiaentzug

25. März 2008

Gegen einen Olympiaboykott werden vor allem zwei Argumente vorgebracht: die Sportler, die sich jahrelang darauf vorbereitet haben, und dass der Boykott der Moskau Spiele 1980 den kalten Krieg eher noch angefacht habe.

Beide Argumente sind nicht sehr stark: niemand will im Ernst auf Kosten einer Rechtfertigung von Menschenrechtsverletzungen, Folter oder Mord einen sportlichen Wettkampf gewinnen. Zum zweiten: selbst wenn die Geschichte mit Moskau stimmen sollte (da bin ich nicht so sicher), so wäre es mir als Deutscher heute um Längen lieber, wären ein paar Nationen den Berliner Spielen 1936 (siehe Wiki-Eintrag) wegen Menschenrechtsverletzungen in Deutschland ferngeblieben: Auch uns wird eine Propagandashow in Peking bevorstehen. Die SZ von heute (Thomas Hahn) schreibt.

Olympia stärkt die Menschenrechte in China genauso wie jeder andere Geschäftsgang eines Unternehmens ins Reich der Mitte: überhaupt nicht.

Einen recht guten Vorschlag fände ich es, mit einen Olympiaentzug wegen Nichteinhaltung der Vertragsbedingungen zu drohen bzw. einen Alternativspiele vorzubereiten. Oder wenigstens dass die internationalen Organisatoren die Sportler wegen der chinesischen Menschenrechtsverletzungen von der Pflicht zur politischen Neutralität entpflichten. (Alle Argumente vgl. gestern abend Sport am Feiertag im DLF.)

Bodenpersonal in Kenia

11. März 2008

„Macht ist eine gefährlichere Droge als Heroin oder Alkohol.“

Mit Zorn und Zärtlichkeit an der Seite der Armen. – 50 Jahre Misereor

Zorn – Warum gab es so kurz nach Weihnachten diesen Gewaltausbruch in Kenia? Einfühlen, eine Art Zärtlichkeit, gibt ein Artikel von Wolfgang Schonecke in der Herder Korrespondenz, den ich sehr empfehlen kann. Read the rest of this entry »

Entwicklung, Erziehung

18. Februar 2008

Zum 50. Geburtstag von Misereor gibt P. Wolfgang Schonecke (Netzwerk Afrika Deutschland), den ich aus der Entschuldungsarbeit kenne, ein bemerkenswertes Interview (siehe hier) Ein Auszug

Eine weiteres Problem ist, dass in der EZ trotz allen Geredes über Qualitätsmanagement selten ehrliche Evaluierungen vorgenommen und Fehler zugeben werden, um daraus zu lernen. Viele Projekte werden von Experten wie von Partnern vor Ort in ihren Berichten schöngeredet. Schließlich werden die meisten Projekte von sogenannten Experten geschrieben und begutachtet, die zwar ein umfassendes theoretisches Wissen, aber von den Ländern und Menschen die da „entwickelt“ werden sollen, kaum Ahnung haben. Im Übrigen bin ich der Auffassung, dass die Idee, Menschen oder Völker entwickeln zu können, eine Irrlehre ist. Niemand kann andere Personen entwickeln. Read the rest of this entry »

Feuer auf der Erde

7. Januar 2008

Was bringt das neue Jahr? In Sorge um Kenia, Pakistan, Zimbabwe. Empfehle den folgenden Link: Pakistan in der Zeit. Ein deutscher Dichter berichtet über pakistanische Literaten.

Zum Beispiel zum Tod der Oppositionsführerin Butto und den Unruhen danach wird dort zitiert:

A bullet hits home in Pindi.
A criminal is dead.

Hours later, Karachi burns;
not with the grief of the masses,
but with the rage of the impoverished:
daily frustrations, otherwise unheard
in the concrete corridors of power.
(Fortsetzung und Übersetzung hier)

Butto war eine Verbrecherin, so Autorin Umbreen Butt (auf dem Foto). Read the rest of this entry »