Kriegslogik
27. August 2009
Es naht der 70. Jahrestag des Begins des zweiten Weltkrieges. Las bei Andrea Böhm einen Artikel über „Die unaussprechliche Tat: Vergewaltigung von Männern“, zum Bosnien-Krieg und zum Ostkongo:
Vergewaltigung ist das einzige Verbrechen, bei dem die Scham der Tat am Opfer, nicht am Täter hängen bleibt. Gerade deshalb funktioniert sexuelle Gewalt so gut als Waffe im Krieg. Frauen werden nach einer Vergewaltigung oftmals von ihren Männern verstoßen, womit nicht nur das Leben des Opfers, sondern das einer ganzen Familie, eines ganzen Dorfes zerstört werden kann. Mit dem sozialen Tod des Frau verschwindet immer auch eine Mutter, eine Bäuerin – und damit auch die Versorgerin einer ganzen Gruppe.
Auch Ziwa weiss, dass ihn seine Familie und Nachbarn nun ächten. In ihren Augen ist er zum “Buschweib” geworden. Bei der Vergewaltigung von Frauen besteht die soziale Erniedrigung darin, sie – und damit die Ehre der Gemeinschaft – zu “beschmutzen” und zu “schänden”. Bei vergewaltigten Männern besteht sie darin, dass sie zu Frauen “degradiert” werden.
Die ganz andere Logik des Krieges. Habe Otl Aichers Erinnerungen von seiner Umerziehung beim Barras im Kopf. Und kann mir vorstellen, wie anders bei Kriegsbeginn die Assoziationen waren: derer, die sich noch vom ersten Weltkrieg verraten fühlten, und die vielleicht die Kriegszeit verklärten – andererseits derer, die wußten, dass beim Krieg immer die einfachen Leute die Dummen sind, und wie hochmütig das deutsche Auftreten auf der Weltbühne vorher war, ganz zu schweigen von der Menschenverachtung des Systems.
Und wie dann die Rollen schnell wechseln konnten, wenn ein Abiturient, den das ganze vielleicht zunächst abstößt, schnell befördert wird – und wenn jemand, der voll im Nazi-Strom mitschwimmt, plötzlich gewisse Bereiche ausblenden muss. Aber man war wie im Rausch, schreiben heute viele (Erinnerungen an den Kriegsbeginn hier)