Moltke gegen Selbstbefreiung
24. November 2008
Sophie Scholl wollte den Hitler erschießen, Hans Scholl hätte da seine Skrupel gehabt. Kann etwas gutes entstehen, wenn man jemand anderem Gewalt antut?
Auch im Kreisauer Kreis wurden solche Fragen reflektiert, hier ein interessanter pragmatischer Gesichtspunkt gegen die Revolte, gerade von dem sehr weitsichtigen und mutigen Graf von Molkte.
Während Dietrich Bonhoeffer in seinem Rückblick ‘Nach zehn Jahren’ des Dritten Reiches Weihnachten 1942, wenige Monate vor seiner Verhaftung, die Belehrung der Dummen oder vielmehr der durch den überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung Dummgemachten für unmöglich hielt, wenn ihr nicht ein Akt der Befreiung vorausging, den er von einem Staatsstreich erhoffte, sah Moltke darin die Gefahr einer neuen Dolchstoßlegende. Deshalb hielt er eine klare militärische Niederlage Deutschlands für nötig. Vor allem für diesen Fall arbeiteten die Kreisauer im Sommer 1943 weiter an konkreten Plänen für ein neues Deutschland in einem neuen Europa und suchten nach geeigneten Personen, „Landesverwesern“, die, wenn es so weit war, in der Übergangszeit regionale Verantwortung übernehmen konnten. (Einleitungstext in Helmuth James von Moltke „Briefe an Freya. 1939-1945, S. 46-7, andere Sicht auf Moltkes Einstellung hier)