Der Philosoph

22. April 2008

Josef Furtmeier (1887-1969) war guter Freund des Hans Scholl, der Sophie Scholl, des Christl Probst, von Proffessor Huber, vermittelt wohl über Carl Muth oder die klassischen Konzerte. Glaube nicht, dass er im aktiven Widerstand dabei war – sicher hat er geistig gut dagegengehalten, nicht umsonst hatte er im Freundeskreis den Spitznamen “der Philosoph” (die besten Rezensionen: DLF und Jakob Knab)

Ein erster Zugang, werde wohl noch mehr dazu schreiben: Furtmeier ist vom Typ her ein Grantler. Die Menschen sind geistlos, ein Viertel der Deutschen, so schreibt er 1946, seien unbekehrbare Nazis. Am besten, ich lebe zusammen mit vielen Hunden und Katzen auf dem Land. Da ist so vieles ähnlich den Scholls, und doch sind die Auswirkungen anders. Warum ist er so selten begeistert? Von ganz einfachen Dingen begeistert, etwa von seinen Hunden und Katzen? Erstmal aber, wie er den Ermordeten ähnlich ist:

  • Niemand von den gewöhnlichen Leuten interessiert sich fürs Geistige. Eigentlich lohnt es NUR davon, Briefe zu schreiben und NUR die Beschäftigung damit (vgl. Sophie: Warum haben sie keinen Hunger nach dem Geistigen?)
  • Insbesondere Interesse für die verschiedensten Wissenschaften,
  • Besuch von Konzerten und Theatern,
  • Raucher
  • Ringen damit, wie das Ganze von Gott her gedacht ist,
  • gleichzeitig: prinzipielle Sicherheit, dass Gott es gut meint,
  • neue Rede von Jesus: „das gotterfüllteste Leben, das je gelebt wurde“; vgl. Sophie: der, der als einziger den geraden Weg zu Gott ging
  • Schriftstellerisch theologischer Rückhalt in Autoren wie Haecker, Pryzwara.
  • Das Problem des deutschen Bürgertums: Dass sie sich seit dem ersten Weltkrieg aus der Politik zurückgezogen haben – Muth hat dagegen gekämpft, Robert Scholl hat dagegen gekämpft, sein Sohn Hans wäre aus Verantwortungsgefühl nach dem Krieg vielleicht Politiker geworden.

Aber gerade hier der Unterschied: Robert Scholl wollte als Bürgermeister von Ulm verzeihen, Fritz Hartnagel und auch Furtmeier kommen da nicht heran. Wie soll man jemand verzeihen, der keinen Anflug von Reue zeigt: in der Mensa wetteifern die Studenten, wer im Fronteinsatz das tollste Erlebnis hatte. Sehr viele sind vor allem deshalb gern großzügig, weil weil sie eigenes Versagen verbergen wollen.

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