Übers Schreiben …
11. April 2008
… weiß ich nicht viel. Bin viel dazu ermutigt worden, dankeschön, und ein wenig hab ich davon erzählt bekommen. Danke meinen inzwischen 40.000 Blog-Klickern, ihr lest den 150. Eintrag. Ich hab da eine Geschichte bei einem Vortrag von Michael Krämer auf dem Katholikentag in Ulm aufgeschnappt, zitiere wie der Redner damals den Shoa-Überlebenden H.G. Adler als Autor, der beruft sich auf eine viel ältere Tradition. Die Geschichte handelt vom Anfang der Literatur, davon, warum überhaupt geschrieben und Kunst gemacht wird, davon, was der Mensch ist – kurz gesagt, von Adam und Eva:

Als nun Adam auf dem Felde baute, von dem er genommen war, wurde er traurig, und Eva, voll Mitleid, forschte nach seinem Kummer. Adam sagte: „Siehst du die Cherubim nicht mit ihren hauenden blanken Schwertern, daß sie den Weg uns verwehren zum Baume des Lebens? Siehe, ich lebe und begehre das Leben, aber der Herr hat gesagt, ich bin Erde und soll wieder zur Erde.“ Eva wußte Rat: „Geh und mach ein Zeichen dem Herrn, daß er unsern Wunsch erkenne und erhöre.“ Da brach Adam vom Fels einen Stein und beschlug ihn und meißelte Zeichen seines Wunsches hinein, im Schweiße seines Angesichtes wurde ihm hierfür von oben die Gabe der Schrift verliehen, die er in seiner Not selbst erfunden zu haben glaubte. Adam zeigte Eva den Stein, sie lobte ihn, und Adam schleuderte den Stein gegen die Richtung, wo die Cherubim standen. Vom Glanz ihrer Augen und Schwertspitzen wurde Adam geblendet, daß er nicht sah, wo der Stein zu Boden fiel. Auch war ein solches Sausen in der Luft, daß er nicht hörte, wann der Stein sein Ziel erreichte.
Wieder war Adam traurig, und wieder sprach Eva ihm zu: „Siehe, du weißt nicht, was mit dem Stein geschehen ist. Fürchte dich nicht, behaue einen neuen Stein, gib ihm das Zeichen unseres Wunsches und schleudere wieder.“ Adam tat, wie Eva ihm geheißen. Er tat es noch oft und tat es immer, wenn ihn die Trauer auf seinem Feld verzehrte. So hat Adam, der Legende nach, den Brief erfunden, und der erste Brief war ein versuchter Wurf nach dem verlorenen Paradies.
2. Mai 2008 at 3:18
Der Text stammt aus:
H.G.Adler, Die unsichtbare Wand (ein Roman) 1989
MK
8. Dezember 2008 at 5:08
[...] in Michael Ende “Die unendliche Geschichte”; das Zusammengehören von Sprache und Welt, das verlorene Paradies, Günther Eichs Arbeit, auch in der Philosophie ein Riesenprojekt (u.a. Heideggers [...]