65. Todestag

21. Februar 2008

Zum Andenken an die ersten drei Toten der Weißen Rose, gemordet am 22.2.1943:

Jakob Knab zu Sophie (in einer Rezension zum Jugendbuch von Werner Milstein), sie und alle anderen waren nicht so, wie man sie gern hätte:

Sophie Scholl in weich gezeichneten Umrissen,

[...] Milstein schreibt: „In der Ulmer Pauluskirche, früher Garnisonskirche, wurde sie konfirmiert.” Warum schreibt er nicht: Den unbedingten Drang, nonkonformistisch, kernig und provozierend, aufzutreten, zeigte Sophie Scholl auch bei ihrer Konfirmation am Palmsonntag 1937, als sie als einziges Mädchen ihres Jahrgangs in der braunen BDM-Kluft nach vorne zum Altar der Ulmer Pauluskirche schritt. Auch ihr Bruder Werner erschien in HJ-Uniform zur Konfirmation. Milstein schreibt: „Sophie Scholl war zunächst ein engagiertes Mitglied der Hitlerjugend.” Warum schreibt er nicht: Sophie Scholl galt seinerzeit als rigoros und fanatisch. Zeitzeugen berichten, dass sie sich nicht gescheut habe, die Polizei einzusetzen, um ihre Mädchen zum Dienst in der Hitlerjugend zu zwingen.

Milstein schreibt: So las Sophie zum Beispiel den Kirchenvater Augustinus, eine schwere Lektüre, wie sie feststellen musste.” Warum wird hier nicht O-Ton zitiert, um diese „schwere Lektüre” dem jungen Leser zu veranschaulichen: „Abends, wenn die anderen Witze machen (aus denen ich mich leider nicht ganz herausgehalten habe) lese ich im Augustinus. Ich muß langsam lesen, ich kann mich so schwer konzentrieren. Aber ich lese einmal zu. Auch wenn mir die Lust fehlt.” Ein kurzer Textausschnitt aus „Gestalt als Gefüge” kann dem heutigen Leser die Sperrigkeit dieser Diktion vor Augen führen: „Wie Augustinus in die Knie sinkt, das also ist Gott nicht, wenn du begriffst; wenn Er es aber ist, hast du nicht begriffen’, so betet Newman ‚Wärest Du nicht unbegreiflich, Du wärest nicht Gott, denn wie kann der Unendliche anders für mich sein als unbegreiflich!’

(Foto: Sophie Scholl, Ulm, Kernerstraße ca. 1931, © Stadt Ulm)

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