Entwicklung, Erziehung

18. Februar 2008

Zum 50. Geburtstag von Misereor gibt P. Wolfgang Schonecke (Netzwerk Afrika Deutschland), den ich aus der Entschuldungsarbeit kenne, ein bemerkenswertes Interview (siehe hier) Ein Auszug

Eine weiteres Problem ist, dass in der EZ trotz allen Geredes über Qualitätsmanagement selten ehrliche Evaluierungen vorgenommen und Fehler zugeben werden, um daraus zu lernen. Viele Projekte werden von Experten wie von Partnern vor Ort in ihren Berichten schöngeredet. Schließlich werden die meisten Projekte von sogenannten Experten geschrieben und begutachtet, die zwar ein umfassendes theoretisches Wissen, aber von den Ländern und Menschen die da „entwickelt“ werden sollen, kaum Ahnung haben. Im Übrigen bin ich der Auffassung, dass die Idee, Menschen oder Völker entwickeln zu können, eine Irrlehre ist. Niemand kann andere Personen entwickeln. Im besten Fall kann man Bedingungen schaffen, die eine Eigenentwicklung begünstigen oder behindern. Ich meine, dass wir oft mehr behindern als fördern, weil wir anderen unsere Ideen und neuesten akademischen Theorien aufdrücken, statt sie zu ermutigen, eigene zu entwickeln. Dazu haben wir nicht die Geduld.

Liebe kann man nicht kaufen und nicht verkaufen … Vier Anwendungen des obigen Textes:

  • denke, hoffe, unser Projektbericht und das, was ich auf diesen Seiten schreibe, redet unser Theaterspiel 2006/07 nicht schön.
  • „Bestenfalls Bedingungen schaffen“, dass sich andere entwickeln können. In diesem Sinne waren die Widerständler gegen Hitler tätig.
  • Erziehen ist Bedingungen schaffen, dass man selber nicht den anderen im Wege steht.
  • Wunderseltsam, was Geduld bewirken kann – keine falsche Geduld, wenn man etwas sagt: das mit der Armut wird sich schon von selber lösen. Sondern jemand etwas zuzutrauen und selber das Seine tun, in Geduld. Eltern haben manchmal solche Geduld, selbst wenn sie sagen, jetzt hätten sie keine Geduld mehr.

2 Responses to “Entwicklung, Erziehung”


  1. [...] sagte in einem früheren Eintrag: man könne kein Land und keinen Menschen „entwickeln“. Warum [...]


  2. [...] diesen Gewaltausbruch in Kenia? Einfühlen, eine Art Zärtlichkeit, gibt ein Artikel von Wolfgang Schonecke in der Herder Korrespondenz, den ich sehr empfehlen kann. Nicht, dass der Zorn weggelassen würde [...]


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