Lula, Cappio und der Rio São Francisco
21. Dezember 2007
Dass die Situation im Norden Brasiliens jenseits des Guten ist, hab ich schon persönlich gehört und hier im Blog vermerkt. Prophetischen Widerstand leistet in diesen Tagen der Franziskaner, Bischof von Bahia und (laut Adveniat) „international anerkannte Fachmann in allen ökologischen und sozialen Fragen“ Luís Flavio Cappio. Ich entdeckte die Sache im Internet am Montag, heute ist es groß in der Presse, es geht in eine sehr bittere Phase. Die TAZ (empfehle den ganzen Artikel)
Vorgestern nämlich billigte das Oberste Bundesgericht in Brasília mit sechs zu drei Stimmen die Flussumleitung des Rio São Francisco, eines von mehreren umstrittenen Großprojekten der Regierung. Kurz darauf, am 23. Tag seines Hungerstreiks, verlor Bischof Luiz Flávio Cappio in Sobradinho, im trockenen Landesinneren des Bundesstaates Bahia, das Bewusstsein. Etwa zeitgleich ordnete Lula an, die Schlichtungsgespräche mit den katholischen Bischöfen und einem Vertrauten des Franziskaners über die umstrittene Flussumleitung abzubrechen.
Die FAZ, außenpolitisch gut informiert (Lula ist Brasiliens Präsident):
Mit der Verlegung des Flusses soll in einem Trockengebiet im Nordosten Brasiliens die Wasserversorgung sichergestellt werden. Nach Meinung des Geistlichen würde sie aber schwere Umweltschäden verursachen. Außerdem begünstige sie Großgrundbesitzer auf Kosten von Kleinbauern. Der Protest des Bischofs hat Umweltschützer und sogar den Vatikan auf den Plan gerufen und die Regierung des Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva in Bedrängnis gebracht.
„Ein Mann von tiefer Spiritualität“
Lula hatte aufgrund einer anderen Gerichtsentscheidung zunächst die Aussetzung der Arbeiten, die drei Milliarden Dollar kosten sollen, bis zum 7. Januar angekündigt. Immer mehr soziale und religiöse Organisationen und Gemeinschaften, darunter die Caritas, der Eingeborenen-Missionsrat und die Landlosenbewegung, unterstützten den Bischof in seinem Protest. In zehn brasilianischen Städten wurde zu Protestaktionen und Messen als Beginn einer gemeinsamen adventlichen Fastenaktion organisiert. Die brasilianischen Bischöfe hatten Katholiken und andere „Personen guten Willens“ aufgerufen, sich an dem Hungerstreik zu beteiligen. Hunderte brasilianischer Katholiken und Umweltschützer folgten dem Aufruf aus Solidarität zu Cappio. Der Bischof, der dem Franziskaner-Orden angehört, verwies darauf, dass Lula im Wahlkampf noch gegen das Projekt gewesen sei.
Der Hammer ist: Bischof und Präsident kommen aus demselben Ort. Mindestens vor er aus der Gewerkschaftsbewegung heraus Präsident wurde, war Lula ein großer Freund der Franziskaner und hatte franziskanische Berater.
Die Verhandlungspartner: Lula wendet sich an den Vatikan, der solle seinem Bischof doch Vernunft beibringen. Der Vatikan unterstützt inhaltlich Cappio, aber ist gegen seinen Hungerstreit. Jetzt ist der Mann erstmal bewusstlos, nehme an, man gibt ihm eine Nährfusion. Was wird folgen?
Der Adveniat Geschäftsführer Klaschka :
Der Hungerstreik sein ein „glaubwürdiges und tief zu respektierendes Zeugnis“, so Klaschka. Cappio meine es sehr ernst. „Er ist ein tief gläubiger und in sich ruhender Mensch, der bis zum Aufopfern seines eigenen Lebens gehen wird. Es geht um Leben und Tod.“
Indígena-Aktivist Roberto Liebgott hat nur noch wenig Hoffnung: „Es wird eine bittere Weihnacht.“ Sein Kollege Paulo Maldos meinte gar: „Wenn Dom Cappio stirbt, bedeutet das den politischen Tod Lulas.“(TAZ wie oben)
(Domradio Köln heute unter dem Titel: „Hugerstreik bis zum Ende?) Um den starrsinnigen Bischof zum Einlenken zu bewegen, wandte sich Lula an Papst Benedikt XVI. Doch eine Intervention wird nicht mehr nötig sein. Cappios Geschwister verkünden bereits, der Hungerstreik sei beendet. „Es wird eine bittere Weihnacht“, sagt Roberto Liebgott.
Herzliche Einladung zu Gebet und Solidarität, (es geht um 13 Millionen Anreiner an diesem Fluss und jenen Menschen) z.B. hier oder auch bei Rettet den Regenwald.
7. Januar 2008 at 5:40
Der Hungerstreik wurde kurz vor Weihnachten beendet, der Kampf von Bischof Cappio geht weiter. Um die Argumente der Gegenseite zu verstehen, verweise ich auf die NZZ unter
http://www.kathpress.co.at/content/site/infodata/database/14808.html?SWS=c46978b55687fd3c44f312b80d9e7fdb