Vor hundert Jahren wurde in Jettingen, nicht weit von Thannhausen, ein wichtiger Widerständler gegen Hitler geboren: Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Stefan S. hat mich freundlich darauf hingewiesen. In sehr vielen Zeitungen wird dieses Tages gedacht, ein Überblick hier. Vielleicht mal näheres zu einem Otto Betz Vortrag zu ihm, veröffentlich in Orientierung (Gliederung hier)

Dass auch Stauffenberg aus einer mir fremden Welt herauswuchs, belegt sein jugendlicher Fanatismus für den Dichter Stefan George, der auch persönlich sein Lehrer war (ich weiss von ihm nicht viel außer dass er alles kleinschrieb und in dieser hinsicht auch vorbild für otl aicher war). Ein Fachmann zu George, Thomas Karlauf, schreibt in der FAZ:

Was legitimiert uns, einem solchen Mann seine bis in den Winter 1941/42 weitgehend ungebrochene Begeisterung für Adolf Hitler vorzuhalten und ihm das Recht auf Widerruf zu verweigern? Als Stefan George am 4. Dezember 1933 in Locarno starb – Claus von Stauffenberg organisierte die Totenwache -, schien für die Mehrheit der am Grab versammelten Freunde, sofern sie nicht Juden waren, die Realisierung dichterischer Visionen in greifbare Nähe gerückt. Weil das Regime seine ursprünglichen Ideale schmählich verraten habe – wird Berthold später im Gestapoverhör aussagen -, seien er und sein Bruder zum Handeln gezwungen gewesen. Dahinter stand die Grundüberzeugung aller Eliten, dass im Ernstfall die wenigen für die vielen sich opfern müssen, damit das Ganze gerettet werde.

George selbst hatte sich schon früh als einen Täter gesehen und stets das Tatmäßige seiner Dichtung betont. Verschwörung, Umsturz, Staatsstreich gehörten zu den zentralen Vorstellungen seines Weltbildes, die „Tat“ war eine der wichtigsten Metaphern seines Dichtens. In diesem Ethos hatte George seine jungen Freunde erzogen und ihnen, die dramatischen Bilder der Sizilianischen Vesper 1282 beschwörend, als Losung mit auf den Weg gegeben: „Ihr sollt den dolch im lorbeerstrausse tragen.“ Das georgesche Ethos der Tat ging für Claus von Stauffenberg Hand in Hand mit einer durch die Familie vermittelten hohen Auffassung vom Soldatentum; immerhin hatte einer der Vorfahren, August Neidhardt von Gneisenau, maßgeblich an der preußischen Erhebung gegen Napoleon mitgewirkt.

In einem FAZ-Beitrag zu einer Ausstellung zu Stauffenberg in Sigmaringen heißt es

Geboren wurde der Graf am 15. November 1907 in Jettingen im bayerischen Schwaben. Aufgewachsen ist er in Stuttgart und im dreißig Kilometer nordwestlich von Sigmaringen gelegenen Lautlingen, das immer noch Familiensitz ist. [...]

Zum hundertsten Geburtstag wird der jetzige Amtsinhaber, Franz Josef Jung, den Hitler-Attentäter in einer zentralen Festveranstaltung in der St.-Matthäi-Kirche in Berlin würdigen und einen Kranz an der Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Innenhof des Bendlerblocks niederlegen. Am Vorabend wird in Jettingen ein Großer Zapfenstreich begangen, wo sich auch der neue bayerische Ministerpräsident Günter Beckstein die Ehre geben wird.

Anschließend wird auf eine andere Weise darauf hingewiesen, wie fremd uns heute Stauffenberg ist.

„Daran gibt es nichts zu deuteln: Stauffenberg war weder Demokrat noch Republikaner“, weiß Ausstellungskurator Krause.

Muth und Co. – und wohl auch die Scholls waren wohl wenigstens Demokraten gewesen… Was ich dann schon irgendwie verstehe, wie er Christen und Idealist war.

 

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