Wer war Kurt Huber?
23. Juli 2007
War am Freitag, 13. Juli, dem Tag der Hinrichtung von Alexander Schmorell und Prof. Kurt Huber, im Justizpalast München in dem Saal, in dem Freisler drei Weiße Rose Mitglieder zum Tode verurteilte (und manche andere zu längeren Haftstrafen). Hörte einen bemerkenswerten Vortrag von Rosemarie Schumann. Frau Schumann hat sich die letzten 5 Jahre vorrangig mit dem spätesten Mitglied der Weißen Rose beschäftigt, jüngst erschien ihre Biographie von Kurt Huber: Leidenschaft und Leidensweg. Kurt Huber im Widerspruch zum Nationalsozialismus.
Die erste Frage bei Kurt Huber: Hat er wenigstens zeitweise mit den Nazis zusammengearbeitet? führt zu einer weiteren, die mich noch mehr intessiert: Wie konnte man die Aufklärung ablehnen und dabei ein vorbildlicher Widerständler gegen Hitler werden? Und weiter: Wie beurteilten die Scholls das große Projekt Europäische Aufklärung? Wie stehe ich dazu?
Nachbearbeitung meiner Vortragsmitschriften: Zunächst drei bemerkenswerte Vorzüge des Huberschen Denkens, an die meinereins nicht so recht herankommt und hinter denen, wie ich es verstand, auch die Autorin gern zurücksteht.
- Der Mann „dachte in abendländischen Dimensionen“.
- Huber liebte die induktive Methode. Er „lauschte erst dem Ton und dann erst der Melodie“
- In seiner wissenschaftlichen Methode lag politischer Sprengstoff. Die Diktatur wirkte nicht so, wie er dachte, von unten nach oben. Sondern sie wirkte von oben nach unten.
Das Interesse für Volkslieder war Huber und den Nationalsozialisten gemeinsam. Beide bemühten sich, Volkslieder aufzuwerten. Huber dachte, Volkslieder kommen vom Volk als dem allgemeinen Kulturträger. Sie repräsentieren ein Volk, einen Sänger, eine Landschaft. Soweit konnten die Nazis wohl mitgehen. Ihre Methode war freilich die des Massensingens. Huber dachte, dass das den Charakter der Volkslieder verletzt. Der eigentliche Zweck des Gesanges sei „innere Einkehr“. – Huber wurde wegen seines Einsatzes für das Volkslied von den Nazis (schon vor dem Krieg) nach Berlin als Professor berufen, und erlebte dort ein Fiasko, ein Jahr später saß er schon wieder in München. (Carl Orff widmete seinem Freund nach dem Krieg die Volks-Oper „Die Bernauerin„.)
Ich habe hier im Blog öfter betont, dass ich die Weiße Rose Leute in der Linie der europäischen Aufklärung (Kant, Pascal) sehe. Das trifft für Prof. Huber nicht zu. Er stand der Aufklärung sehr kritisch gegenüber, weil sie so viele Verluste mit sich brachte. Fühlte sich der mittelalterliche Mensch – so Huber – in der göttlichen Ordnung aufgehoben: Gott wird in der Aufklärung zum reinen Begriffswesen, der Mensch hat seinen Halt verloren. Das sei ein nicht wieder gut zu machender Verlust. Das Gleichgewicht der lebendigen Kräfte im Volk sei gestört, die Weimarer Republik erschien Huber als grauer Novemberstaat, ohne Moral, ein failed state. Dass man das Recht auf Staat und Gesetz gründet, schien ihm vollkommen verfehlt.
Deshalb idealisierte Huber anfangs die neue Zeit, die mit den Nazis anbrechen sollte. Er erhoffte den aus seiner Sicht notwendigen Rückschlag gegen die Aufklärung. Die Nazis versprachen, die republikanischen Fehler zu heilen. Was Huber persönlich von ihnen als Schäbigkeit erfuhr, las er zunächst nicht politisch. Huber war nicht in dem Sinne gegen das Hitler-Regime, wie später die Verschwörer des 20. Juli. Aber er war auch kein Mitläufer der Nazis, er hat sich nie auf die nationalsozialistische Ideologie eingelassen, sondern wollte etwas anderes: die Rückkehr einer alten Zeit ( – vielleicht einer recht romantisierten Zeit, die in Wirklichkeit gar nie existiert hatte?). Seine Helden waren Herder, Augustin, Leibniz, eine philosophia perennis.
Noch bei seinem Verfahren vor dem Volksgerichthof sagte er, er erhebe Widerspruch, nicht Widerstand. Dennoch muss seine Hoffnung auf das neue System erschöpft gewesen sein, er muss desillusioniert gewesen sein, als er das sechste Flugblatt formulierte und darin klare Worte fand. Er beendete den Friedensschluss mit dem System und fand Worte der Anklage. Interessanterweise auch eine gewisse Identifikation mit Kant:
Als deutscher Staatsbürger, als deutscher Hochschullehrer und als politischer Mensch erachte ich es als Recht nicht nur, sondern als sittliche Pflicht, an der Gestaltung der deutschen Geschichte mitzuarbeiten, offenkundige Schwächen aufzudecken und zu bekämpfen (…). Was ich bezweckte, war die Weckung der studentischen Kreise nicht durch eine Organisation, sondern durch das schlichte Wort, nicht zu irgendeinem Akt der Gewalt, sondern zur sittlichen Einsicht in bestehende schwere Schäden des politischen Lebens. Rückkehr zu klaren sittlichen Grundsätzen, zum Rechtsstaat, zu gegenseitigem Vertrauen von Mensch zu Mensch, das ist nicht illegal, sondern umgekehrt die Wiederherstellung der Legalität. Ich habe mich im Sinne von Kants kategorischem Imperativ gefragt, was geschähe, wenn diese subjektive Maxime meines Handelns ein allgemeines Gesetz würde.
Vollkommenes Deutsch, wie ihm sein Nazi-gutachter, der Plotinforscher Richard Haber, attestierte.
Ich fragte die Autorin danach, ob sie Haecker und Muth ebenfalls anti-aufklärerisch beurteile. Da werde es schwierig, so Schumann. Jedenfalls hätte Huber mit Muth korrespondiert, es sei aber nie soweit gekommen, dass Huber im Hochland publiziert hätte. – Das was man die Weiße Rose nennt ist vielstimmiger, als man so denkt.
7. August 2007 at 6:41
[...] habe schon darauf verwiesen, dass Otto Betz eine starke Parallele von den Aufzeichnungen der Widerständler gegen Hitler zu den aufges…. So wie das Christentum u.a. wegen dieser frühen Martyrer Weltreligion wurde, so wurde u.a. wegen [...]
17. Oktober 2007 at 3:11
Wie beurteilten die Scholls das große Projekt Europäische Aufklärung?
Wer die Briefe und Aufzeichnungen von Hans und Sophie Scholl liest, dem wird schnell klar, dass nicht „das große Projekt Europäische Aufklärung“ ihr Denken bestimmt, sondern die philosophische Schule des christlich geprägten Personalismus. „Der Kern der personalistischen Idee ist die Überzeugung, dass der Mensch sich wesentlich durch die Fähigkeit zu freier Entscheidung und Verantwortlichkeit für sein Handeln auszeichnet und dass diese strukturelle Freiheit einen unveräußerlichen, höchsten Wert und Selbstzweck darstellt. Dadurch, dass der Mensch von seiner Freiheit Gebrauch macht, bestimmt er sich selbst als Person…“ (Wikipedia)
17. Oktober 2007 at 3:20
„Ich habe hier im Blog öfter betont, dass ich die Weiße Rose Leute in der Linie der europäischen Aufklärung (Kant, Pascal) sehe.“
Antwort von Hans Scholl an den Blogger: „Welche Übel doch Kant angerichtet hat mit seinem kategorischen Imperativ! Kant, Härte, Preußentum – der Tod jeden geistigen Lebens.“ (25. Januar 1942)
18. Oktober 2007 at 9:04
Herzlichen Dank für Ihre interessante und wohl begründete Kritik, Herr Knab.
Ich möchte, so gut es geht, dagegenhalten: Freiheitsphilosophie steht in der Nachfolge des Deutschen Idealismus (Kant, Fichte, Schelling, Hegel) und damit wenigstens indirekt in der Tradition der Aufklärung. Christliche Personalphilosophie steht m.E. auch in dieser Tradition, – ebenso, wie sie auch in der Tradition der Scholastik (und vielleicht auch der Kirchenväter und anderer) steht. Personalphilosophie könnte doch eine Weiterführung der Subjektivitätsphilosophie verstanden werden(wenigstens verstehe ich Buber so – wenn auch der sicher nicht zum christlichen Personalismus zählt.)
Pyzwara Einleitung von „Gestalt als Gefüge“, seinem Augustinus-Compendium, das mindestens Sophie Scholl gelesen hat, könnte tatsächlich anti-aufklärerisch sein. Ich habe es leider nur überflogen und die diesbezüglichen Aussagen wieder vergessen.
Was ich mit Tradition der Aufklärung meine?
(1) Den „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“, auf den sich die Flugblattschreiber gerade berufen, wenn sie zum Widerstandleisten aufrufen.
(2) Den kategorischen Imperativ. Meiner Meinung nach folgt daraus ‚dass man die Maxime seines Handelns zum Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung machen könnte’ nicht, dass man sie in ein hartes geistloses (und preußisches) Gesetz fassen muss. Also trifft Hans Scholls Kritik weniger Kant und die Aufklärung als die preußische Mentalität.
(3) Dass menschliche Freiheit im Zentrum steht. Glaube, so kann man Augustinus auch verstehen, doch es war wenigstens für die Scholastik nicht ganz so wichtig, da kuckte man mehr auf Tugenden.
18. Oktober 2007 at 4:33
Im ersten Flugblatt wird der richtungsweisende Anspruch der Weissen Rose formuliert: „Daher muß jeder einzelne seiner Verantwortung als Mitglied der christlichen und abendländischen Kultur bewußt in dieser letzten Stunde sich wehren, soviel er kann, arbeiten wider die Geißel der Menschheit, wider den Faschismus und jedes ihm ähnliche System des absoluten Staates. Leistet passiven Widerstand – Widerstand -, wo immer Ihr auch seid, verhindert das Weiterlaufen dieser atheistischen Kriegsmaschine, ehe es zu spät ist…“
Nirgendwo finde ich in den Flugblättern der Weissen Rose das Kant-Zitat vom „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“.
Zu „Kant, Härte, Preußentum – der Tod jeden geistigen Lebens“ siehe: Hans Scholl / Sophie Scholl, Briefe und Aufzeichnungen (hrsg. von Inge Jens), Frankfurt am Main 1984. Auszug aus den Anmerkungen der Herausgeberin auf Seite 265f.: „Nach dem Herbst 1941 finden sich in Hans Scholls Briefen wiederholt Äußerungen, die denen des vorstehenden Briefes verwandt sind. (…) Auch Theodor Haecker hat in seinen >Tag- und Nachtbüchern< , den Aufzeichnungen der Jahre 1939 bis 1945, aus denen er gelegentlich im Freundeskreis vorlas, ähnliche Gedanken notiert: >>Der deutsche Idealismus ist eine preußische Sache in Kant und Fichte. (…) Die Verbindung von Pflicht und Phrase ist die eigentliche Entmenschung des Menschen. Sie ist aber ein preußisch-deutsche Eigentümlichkeit und Erfindung.<<
18. Oktober 2007 at 6:31
Nocheinmal danke für die präzise Antwort. Ich verbessere meine Thesen.
(1b) Richtig, wörtlich steht keine Parole der Aufklärung in den Flugblättern. Der Aufruf nachzudenken statt in der Masse mitzuschwimmen, ist zwar im Aufklärungsleitsatz mitgedacht, wird aber auch von vielen anderen Seiten nahegelegt: insbesondere von Sokrates, wohl auch von Thomas von Aquin, wenn er (selbst) das (irrende) Gewissen als höchste moralische Instanz bei der Überlegung des Einzelnen darstellt. (These 1 von oben ziehe ich also zurück.)
(2b) Der Kategorische Imperativ kann man als Neuformulierung der Goldenen Regel oder als Formulierung einer preußischen Pflichtethik lesen. Dass Hans Scholl das letztere getan hat, ist offensichtlich. Mir ist die Formulierung, man solle den anderen ‘nie nur zum Mittel, sondern immer auch als Zweck an sich’ behandeln, auch lieber als die legalistische, die ich oben zitiert habe. Aber liegt dem nicht ein Lebensgefühl zugrunde: Ich kann alles anzweifeln, ich bin frei und selbstbestimmt in dem was ich tue, zunächst einmal gar nicht eingeschränkt – eingeschränkt wird meine Freiheit erst dadurch, dass ich sehe, mein Nachbar ist von ähnlicher Art wie ich. Ich gebe zu, der kategorische Imperativ ist nur etwas Sekundäres gegenüber dieser Freiheitserfahrung. Sie aber ist ein typisch neuzeitliches Empfinden.
(3b) Dem aufgeklärten Menschen ist seine Freiheit wichtiger, als dass er in einer Ordnung steht. (Christlich gesagt: er kennt die Vorläufigkeit und Fehlerhaftigkeit jeder irdischen Ordnung.)
Vielleicht ist das noch kein aufgeklärtes Weltbild, deshalb noch eine These:
(4) In seiner Freiheit steht der aufgeklärte Mensch einem Chaos oder angsteinflößenden Koloss von Welt gegenüber und muss sich demgegenüber entscheiden, nicht nur einmal, die ganze Zeit.
19. Oktober 2007 at 1:17
(3) Dass menschliche Freiheit im Zentrum steht. Glaube, so kann man Augustinus auch verstehen, doch es war wenigstens für die Scholastik nicht ganz so wichtig, da kuckte man mehr auf Tugenden.
Ich antworte dem obigen Blogger mit Erich Przywara, der den theologischen Ansatz des Augustinus mit der „unmittelbaren Schau (intuitio) der Wahrheit“ verknüpft und der den Ansatz des Thomas von Aquin als „mittelbare Herauslösung (abstractio) der Wahrheit“ sieht. Mit Verlaub, ich würde die Scholastik nicht auf eine Tugendlehre reduzieren. (Auch Augustinus entfaltet eine Tugendlehre.)
Der folgende Auszug aus dem vierten Flugblatt trifft den religiösen Glutkern der Weissen Rose: „ – überall und zu allen Zeiten der höchsten Not sind Menschen aufgestanden, Propheten, Heilige, die ihre Freiheit gewahrt hatten, die auf den Einzigen Gott hinwiesen und mit seiner Hilfe das Volk zur Umkehr mahnten. Wohl ist der Mensch frei, aber er ist wehrlos wider das Böse ohne den wahren Gott, er ist wie ein Schiff ohne Ruder, dem Sturme preisgegeben, wie ein Säugling ohne Mutter, wie eine Wolke, die sich auflöst. Gibt es, so frage ich Dich, der Du ein Christ bist, gibt es in diesem Ringen um die Erhaltung Deiner höchsten Güter ein Zögern, ein Spiel mit Intrigen, ein Hinausschieben der Entscheidung in der Hoffnung, daß ein anderer die Waffen erhebt, um Dich zu verteidigen? Hat Dir nicht Gott selbst die Kraft und den Mut gegeben zu kämpfen? Wir müssen das Böse dort angreifen, wo es am mächtigsten ist, und es ist am mächtigsten in der Macht Hitlers.“
Ein guter Text, so denke ich, löst beim kundigen Leser Assoziationen aus. Deshalb zitiere ich zu guter Letzt nochmals Przywara: „Newman schaut Mensch und Welt und Geschichte in den schon fast prophetischen Perspektiven, die sich ihm in den letzten Kampf zwischen Antichrist und Christus im Antlitz des Ausganges der Neuzeit auftun.“ (Gestalt als Gefüge, S. 72)
Nota bene: Natürlich wurde in der Philosophenschule des Personalismus auch Kant rezipiert. In seinem Buch „Schönheit“ (1936) setzt sich Haecker kritisch bis polemisch mit Kant auseinander. Hacker ist freilich kein Philosoph, sondern ein Schriftsteller mit der sinnlichen Lust am Ausdruck, wenn er mit „Pranke des sprachlichen Zugriffs“ den weltanschaulichen Gegner packt.
20. Oktober 2007 at 7:47
(3b) Dem aufgeklärten Menschen ist seine Freiheit wichtiger, als dass er in einer Ordnung steht. (Christlich gesagt: er kennt die Vorläufigkeit und Fehlerhaftigkeit jeder irdischen Ordnung.)
Antwort: Zu den Lieblingsbüchern im Freundeskreis zählte Haeckers „Schönheit“ (Leipzig 1936, ²1940). Nach der Lektüre ist offenkundig, dass der Autor kein „aufgeklärter Mensch“ ist.
Auszug: „Die drei Prinzipien des Reiches des gefallenen Engels: die Lüge, die Bosheit, die Hässlichkeit, sind und wirken durch geraubtes und beraubtes Sein: die Lüge durch ein Wahres, die Bosheit durch ein Gutes, Hässlichkeit durch ein Schönes. Es kann einer nur lügen, weil vorher das Wahre ist; es kann einer nur böse sein, weil vorher das Gute ist; es kann einer nur hässlich sein, weil vorher das Schöne ist. Es ist nicht umgekehrt. Die Wahrheit zeigt das Falsche, das Gute richtet das Böse, das Schöne fühlt das Hässliche. Die Bedingung der Schönheit des gefallenen Engels ist immer auch die Lüge.“ (Theodor Haecker, Schönheit. Ein Versuch, Leipzig ²1940, S. 89)
Vergleichen Sie bitte diesen Textauszug mit dem vierten Flugblatt der Weissen Rose. Hier einige Belege: „die Macht des Bösen, den gefallenen Engel, den Satan“; „Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt, ist Lüge“; „Sein Mund ist der stinkende Rachen der Hölle“. Fazit: Es geht dem Verfasser Hans Scholl nicht um “das große Projekt Europäische Aufklärung”, sondern um Bosheit, Lüge, Hässlichkeit.
Fritz Hartnagel schrieb am 17. Februar 1943, nachdem er dem Kessel von Stalingrad entkommen war, an seine Verlobte Sophie Scholl: „Leider habe ich mit meinem Gepäck auch einige wertvolle Bücher verloren. Vor allem die Bekenntnisse des Augustinus, dann Haeckers >Schönheit<. (…) Vermutlich werden sich neben anderen wertvollen Sachen auch Bücher, vor allem von Dir, darunter befinden, und diese stellen ja heute einen unersetzlichen Wert dar.“ (Damit wir uns nicht verlieren, Ffm. 2005, Seite 456)
22. Oktober 2007 at 1:32
Kenne habe ich Haeckers „Schönheit“ nicht gelesen, muss mich also da im Urteil zurückhalten. Hans Scholls Ruf „Freiheit“ kurz bevor er ermordet wurde, könnte in Richtung meiner Interpretation deuten.
Um einmal unsere Gemeinsamkeiten zu klären: Wären Sie einverstanden, dass die Weiße Rose Leute (bis auf evtl. Kurt Huber) in der Tradition Pascals stehen? Dass sie für die Freiheit des religiösen Bekenntnisses einstehen und die empirischen Wissenschaften (einschl. Evolutionstheorie ohne Sozialdarwinismus) wertschätzen?
22. Oktober 2007 at 5:13
Im Dezember 2007 erscheint die umfangreiche Studie von Sönke Zankel „Mit Flugblättern gegen Hitler. Der Widerstandskreis um Hans Scholl und Alexander Schmorell“ (Böhlau Verlag). Sie bietet eine umfassende Analyse aller Flugblätter und geht systematisch der Frage nach, inwieweit der Kreis durch verschiedene Mentoren beeinflusst wurde. So wird z.B. eine sehr eingehende Verknüpfung des vierten Flugblatts mit Gedanken des Mentors Theodor Haecker vorgenommen. Der Autor liefert auch fundierte Beobachtungen zur Bedeutung des Lektürekanons von Hans Scholl. Auch auf diesem ideengeschichtlichen Hintergrund muss Hans Scholls letzter Aufschrei „Es lebe die Freiheit!“ gewürdigt werden.
Zu Pascal: Während der Monate in Blumberg (Oktober 1941 bis April 1942) führte Sophie Scholl ein Tagebuch, in dessen Zentrum religiöse Betrachtungen in der Nachfolge Augustins und Pascals stehen.
Zu Haecker: „Kierkegaard war der Meister seines Ringes, Newman sein Führer zur Wahrheit.“ (Werner Becker, Der Überschritt von Kierkegaard zu Newman in der Lebensgeschichte Theodor Haeckers, in: Newman-Studien I (1948)). Kierkegaards heftige Kritik an Hegels Geschichtsphilosophie darf als bekannt vorausgesetzt werden. Eine frühe Würdigung Newmans – Haecker spricht von der „heiligen Seele des großen Kardinals“ – liefert Haecker im Nachwort zu Newmans „Philosophie des Glaubens“ (München 1921). Auszug: „Sollte ich hier nun diese Methode zur Erklärung der Stellung Newmans zur Logik und zur Wissenschaft und zu beider Wert heranziehen, so würde ich sagen, diese Stellung habe ihren Grund in dem machtvollen überwältigenden Eindruck, den das Geheimnis des Wesens der einzelnen Seele auf Newman gemacht hat. Das individuum ineffabile, die schließliche Unsagbarkeit und Unverstehbarkeit alles Persönlichen, außer für Gott, >>jeder Mensch muß für sich selbst leben für ewig; niemand außer ihm kann ihn eigentlich berühren, kann seine Seele berühren, seine Unsterblichkeit. Er hat eine unergründliche Tiefe in sich, einen unendlichen Abgrund des Seins, wie es in seiner Predigt über die >>Individualität der Seele<< heißt.“ (Seite 441)
29. Oktober 2007 at 1:32
[...] dem Eintrag: Wer war Kurt Huber? hatte ich eine längere Diskussion mit Jakob Knab, wie die Weiße Rose Mitglieder und insbesondere [...]
8. November 2008 at 2:03
„Vollkommenes Deutsch, wie ihm sein Nazi-gutachter, der Plotinforscher Richard Haber, attestierte.“
Gemeint ist hier der Nazi-Gutachter Richard Harder!
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung arbeitete Harder eng mit Alfred Rosenberg zusammen, der ihn brieflich dafür lobte, den Gnomon an die nationalsozialistische Ideologie angepasst zu haben. 1937 wurde er über das NS-Kraftfahrerkorps in die NSDAP aufgenommen. 1941 wurde Harder auf Betreiben Rosenbergs gegen den Widerstand der dortigen Fakultät nach München berufen, um neben einer ordentliche Professur an der Universität die Leitung des „Instituts für Indogermanische Geistesgeschchte“ zu übernehmen, einer Außenstelle der von Rosenberg geplanten Parteiuniversität („Hohe Schule“). Im Februar 1943 erstellte Harder zwei Gutachten über die Flugblätter der „Weißen Rose“.(www.wikipedia.de)
30. Dezember 2009 at 12:33
Vielen Dank für den Beitrag. Mir ist aufgefallen das dieses Thema nicht besonders häufig im Netz diskutiert wird. Werde in Zukunft öfter diesen Blog besuchen.
Herzliche Grüße
die Heilerschule
PS: Würde mich auch über einen Besuch und Eitnrag in unserem Gästebuch ebenfalls sehr freuen unter Geistges Heilen .