Alle Christen stellen sich unter den „Dominus Jesus“ (den Herrn Jesus). Wenn das eine gewisse Gemeinsamkeit bedeutet, so besteht in manchen kirchlichen Papieren eine gewisse Uneinigkeit, wie das zu geschehen habe. Eine mir sehr wichtige Dimension der Einheit der Christen war der gemeinsame Widerstand gegen Adolf Hitler. Otto Betz schreibt dazu in einer Doppelrezension von Gerhard Ringshausen, „Widerstand und christlicher Glaube angesichts des Nationalszialismus“ und Günter Brakelmann, „Helmuth James von Moltke“:

[...] wenn es auch heute sinnvoll und notwendig ist, sich mit den Gestalten des Widerstandes gegen Hitler zu befassen, dann liegt es auch daran, dass wir es hier mit wirklich bedeutenden Persönlichkeiten zu tun haben, deren Briefe und Aufzeichnungen vielleicht zu den wichtigsten Glaubenszeugnissen der Neuzeit zählen, nur vergleichbar mit den Märtyrerakten der frühen Christenheit. Viel zu selten machen wir uns klar, dass diese Widerstandskreise ja auch zu Zellen der neuerwachten Una Sancta, der Bewegung hin zur Einheit der Christen, wurden.

Wenn man sich mit den Gestalten befasst, die Gerhard Ringshausen in seinem Buch vorstellt, fällt einem zunächst auf, dass sie weit über die Grenzen ihres Berufes, ihrer Konfession und ihrer nationalen Herkunft hinausgedacht haben. Die meisten waren religiös Suchende, die nicht einfach die gesicherten Bastionen verteidigt haben, sondern sich lernbereit und innerlich beweglich auf neue Perspektiven einließen. Erste dadurch konnte eine ökumenische Gesinnung wachsen. Dazu kommt, dass es musische Menschen waren, bei denen die Begegnung mit Dichtung, Musik und bildender Kunst eine große Rolle spielte. Die Sensibilität für Rechtlichkeit und Missachtung der Rechtsordnung führte dazu, dass vielen die Augen für das Unrechtssystem der Nazis geöffnet wurden.

Und noch etwa fällt auf: Freundschaft hatte bei diesen Gruppen einen hohen Stellenwert. [...] (aus: Christ in der Gegenwart Nr.28/2007, 232)

Alles nichts neues, trifft auch auf die Weiße Rose Leute, aber sehr gut gesagt. Schön, dass Betz auf den Zusammenhang mit den urchristlichen Martyrerlegenden hinweist, die sind freilich nicht ganz so zugänglich. Aber ich schätze sie auch.

Bemerkenswert aus der recht positiven SZ-Rezension (Hans Mommsen) von Ringshausens Moltke Biographie:

Der Verfasser beschreibt eindrucksvoll, dass die 2. Kreisauer Tagung 1942 zu einer weitgehenden Einigung über die angestrebte wirtschaftliche Neuordnung im europäischen Maßstab gelangte, die zwischen den Prinzipien „der Freiheit des Einzelnen” und dem einer „gerechten Sozialordnung” vermitteln sollte. Er sieht im Programm des „personalen Sozialismus” die spätere „soziale Marktwirtschaft” grundsätzlich vorweggenommen.


One Response to “Über die die Grenzen gedacht”


  1. [...] Visionen diskutieren. Einige aus dem Kreisauer Kreis leben noch, unter anderem die Witwe von Graf Moltke, Freya von Moltke (siehe Foto). Zum 100. Geburtstag von Alfred Delp SJ (am Samstag) einiges von [...]


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