Liebt, die euch hassen, tut Gutes denen, die euch verfolgen. Mit wunderbarem Humor nimmt der dänische Spielfilm „Adams Äpfel“, der letzten Herbst im Kino lief, diese Anregung des J.v.N. auf (Filmkritiken hier und hier). Selten ging ich so reich beschenkt und aufatmend aus einem Kino oder Theater – nach einer Komödie! Pastor Iwan lebt mit Leuten zusammen, die nach einem Gefängnisaufenthalt noch einmal eine Art Bewährung machen müssen. Darunter ein Skinhead, Adam, von dem er sich zusammenschlagen lässt. Nachher existiert dieses Ereignis für ihn einfach nicht mehr (für den Zuschauer bleibt es immer sichtbar, lange trägt Iwan eine Nasenschiene und nachher ist seine Nase so richtig schief). Dass Pastor Iwan nur das Positive in der Welt sieht, geht so weit, dass er von seinem vollkommen spastisch gelähmten Kind erzählt, es laufe freudig spielend im Garten herum. Und es treibt noch schlimmere Blüten, gegen Ende au die Katastrophe zu. Man kennt diese Gutmenschen, und ihre lächerlichen und desolaten Seiten, weiß, wie nachteilig sich ein hartes Schicksal auswirken kann.

Doch am Ende gewinnt dieses krude Motto: tut Gutes denen, die euch hassen. Überraschend, ohne Klischee, mit Humor, selbst mit theologischem Humor, statt zur großen Sünde bringt es „Adam“ am Ende mit den Äpfeln, aus denen lange die (Schlangen-)Würmer herauskraxelten, zu einem Apfelkuchen; das alles gut getarnt durch den märchenhaften Stil der Komödie (so dass jemand anders auch meinen könnte, es ist halt das übliche Happy End)… Ankucken

Literarisch klassisch für Feindesliebe ist der Umgang des Frodo Beutling mit dem arglistigen Gollum im Herr der Ringe. Es ist das Mitleid, das den Helden und viele andere oftmals dazu bringt den Bösewicht zu verschonen. Dahinter steckt das prophetische Wort Gandalfs, dass selbst Gollum noch einmal nützlich werden könnte. Als Leser war ich unbändig dankbar, dass es da diese Stellen gab (die natürlich auch die Spannung steigerten).

Hörte jüngst „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“. Dort ist öfter vom Hass die Rede. Nicht nur, dass die Dementoren alle guten Gedanken aus einem herausziehen, auch etwa Harry und Snape scheinen sich so richtig zu hassen, wenigstens wählt die Roling öfter dieses Wort. Vor allem wählt sie es, als Harry dem vermeintlichen Mörder bzw. Verräter seiner Eltern gegenübersteht und diesen Serious Black mit seinem Zauberstab umbringen könnte. Harry hasste, wie er noch nie gehasst hatte. Als er dann dennoch zögert, zuzuschlagen, musste ich an Frodo und Gollum denken. Aber es ist keine Emotion, die ihn rettet, sondern Prof. Lupin kommt von außen. Später dann, als andere den tatsächlichen Verräter seiner Eltern umbringen wollen, der ähnlich knilchhaft dargestellt wird wie Gollum, stellt sich Harry dazwischen: Mein Vater hätte es auch nicht getan. (Dass er dann sagt, wegen ihm, Pettygrew, sollten die anderen beiden keine Mörder werden, ist nur ein zweitrangiger Grund.)

Es soll Professoren des Neuen Testaments geben, die sagen, die Literaten seien die besseren Ausdeuter des Evangeliums als die Exegeten. Natürlich steigern Literataten die Ahnung, was Feindesliebe sein kann. Auch er ist ein geschundener armer Kerl, dieser Gollum. Wenn Harry sagt: so hat es mein Vater gemacht klingt wie das „Ihm haben unsere Väter vertraut – und wurden nicht zuschanden“ in Psam 22, wo der Beter aus höchster Not ab und zu in großartigen Lobpreis für die Rettung kippt. Wenn es mein Vater so gemacht hat, dass er Gott vertraute, und gerettet wurde, so wird es auch mir so ergehen. Irgendsoetwas ist es bei Pastor Iwan wohl auch. (Betone hier, dass das alles lausige Interpretationen sind. Das Eigentliche sind Film und Texte und das eigene Staunen. Vor die Probe, den Hitler nicht zu hassen, wenn man ihn sieht, wird nicht jeder gestellt, auch die Leute der Weißen Rose nicht. Denke aber, Staufenberg wollte ihn nicht im persönlichen Hass umbringen, sondern in der Sorge um viele andere Menschen.)

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