Notlage und Rettung
23. April 2007
Anlässlich des heutigen Namenstages zweier Regiemitglieder eine von meinen liebsten dramatischen Erzählungen und eine Geschichte, die mir manches bedeutet. Wir sind im legendären Land Lybia, in die Stadt Silena, ich zitiere die mittelalterliche Schrift Legenda Aurea (um 1279):
Nahe bei der Stadt war ein See, so groß als ein Meer, darin wohnte ein giftiger Drache, der hatte schon oft das ganze Volk in die Flucht getrieben, wann es gewappnet wider ihn zog. Dann kam er bis unter die Mauern der Stadt und verpestete alles mit seinem Gifthauch. Also gaben ihm die Bürger täglich zwei Schafe, dass sie seinen Grimm stilleten; anders so kam er unter die Mauern der Stadt und verpestete die Luft mit seinem Gifthauch, dass viele daran starben. Als aber der Schafe wenig wurden und man ihrer nimmer genug mochte finden, kam man überein, dass man dem Wurm täglich opfern sollte einen Menschen und ein Schaf. Also warf man das Los, welchen Mann oder welches Weib man dem Drachen geben sollte; und niemand mochte dem entrinnen. Als nun schon fast alle Söhne und Töchter der Stadt geopfert waren, geschah es, dass das Los auf des Königs einige Tochter fiel, dass man sie dem Drachen sollte geben.
Weiterlesen bitte hier. Ich verstehe nichts von Don Quichote, angeblich eines der größten Stücke der Weltliteratur (auch wenn ich sie inzwischen immerhin schon gern habe). Aber die Geschichte vom Ritter Georgius verstehe ich auch ein wenig. So wie der Stadt Silena geht es einen, der immer irgendwie mitmacht. Das müssen wir halt akzeptieren, dass man jetzt nicht mehr in jüdische Geschäfte geht, dass sie geplündert und geschändet werden … bis dann, wir müssen es akzeptieren, dass die Juden einfach verschwinden. – Weltlage heute: Alle sechs Minuten gefordertes Opfer, weil es mit der simplen Versorgung der Kleinsten nicht klappt: ein Kind.
Das Verrückte an der Geschichte vom Heiligen Georg, wenigstens bei mir: Ich glaube der Lösung der Geschichte aufs Wort. Nicht dass die Geschichte mit dem Drachen irgendwann einmal so passiert sein müsste, sage ja, sie passiert (ohne wörtlich verstandene feuerspeiende Wesen) die ganze Zeit (bei der Lage der Welt, bei einer Depression). Ich zitiere die Lösung:
Aber Georg sprang auf sein Roß, machte das Kreuz vor sich und ritt gegen den Drachen, der wider ihn kam; er schwang die Lanze mit großer Macht, befahl sich Gott, und traf den Drachen also schwer, daß er zu Boden stürzte. Dann sprach er zu der Jungfrau „Nimm deinen Gürtel und wirf ihn dem Wurm um den Hals, und fürchte nichts“. Sie tat es, und der Drache folgte ihr nach wie ein zahm Hündlein. Als sie ihn nun in die Stadt führte, erschrak das Volk und floh auf die Berge und in die Höhlen und sprach „Weh uns, nun sind wir alle verloren“. Da winkte ihnen Sanct Georg und rief „Fürchtet euch nicht, denn Gott der Herr hat mich zu euch gesandt, dass ich euch erlöse von diesem Drachen.[..]„
Dass es wirklich so passiert, dass sie wie die Prinzessin den Drachen wie ein zahmes Hündlein an der Leine führen können, den beiden Namenstagskindern und den anderen freundlichen Lesern.
Bin übrigens beileibe nicht der einzige, der dem Ritter Georgius etwas zutraut. Die Verwandlung der Farben im Blauen Reiter (der natürlich der Heilige Georg ist) zeigt die verwandelnde Macht des Geistigen (das sich in der Geschichte im Charakter des Georgius zeigt).