Wie Jesus aussah

21. März 2007

“Mir ist Christus neu geboren”, schreibt Hans Scholl begeistert zu Weihnachten 41/42 (an Carl Muth, von dem er ein Bild des Grabtuches erhalten hatte, und ähnlich an Rose Nägele). Damit zu tun hat seine Begeisterung für das sogenannte Grabtuch von Turin. Es war eine ziemliche Sensation, als man 1898 dieses altehrwürdige Tuch, dessen Existenz man bis ins Mittelalter zurückverfolgen kann, auf dem man kaum etwas sah, zum ersten Mal fotographierte. Das Negativ zeigte einen gefolterten und gewaltsam zu Tode gebrachten Menschen, anatomisch so exakt, wie es kein Maler der Mittelalters gekonnt hätte. Die Art der Hinrichtung verweist auf die Römerzeit, sie entspricht nicht den Richtlinien der darstellenden Kunst und der Literatur über den gekreuzigten Jesus.

Plastische Rekonstruktion aus Turiner GrabtuchDie Forschungslage zu diesem Tuch ist ziemlich krass. Stoffproben vom Rand des Gewebes lassen naturwissenschaftlich ziemlich sicher auf eine Herkunft um 1300 nach Christus schließen (drei unabhängige C14 Analysen im Jahr 1988). Andererseits finden sich Schriftzeichen auf dem Tuch, die von der Art des Schreibens ins zweite oder dritte Jahrhundert nach Christus gehören, und vieles anderes verweist auf die Zeitenwende. Künstlerisch und technisch passt das Ganze einfach nicht ins Mittelalter (oder sonst irgendeine Zeit auch nicht in die heutige). Verweis auf Internetseiten hier und hier(Wiki). Über eine andere Reliquie mit vielleicht demselben Gesicht und textliche Hinweise auf ein Jesustuch spekuliert Klaus Berger hier.

Jetzt zitiere ich einen Beitrag von Hans Scholl im Windlicht:

Ist es notwendig, dass über dieses Bild geschrieben wird, musste dieses Gesicht aus dem Schatten des Unerforschten ins grelle Tageslicht fallen, um den Menschen neue Zweifel zu bringen? Die wir ohnehin Christus als unseren Herrn bekannt haben, bedurften wir dieses fragwürdigen Beweises? Warum also spreche ich zu dir? Weil ich es gesehen habe. Weil die Nacht und das Suchen, die Sehnsucht nach Licht und nach der Erkenntnis dessen, was Bestand hat, vorausgingen. Weil meine Skepsis mit einem Schlage versank und erst langsam wieder heraufkroch in mein Gehirn.

Die Beweinung Christi Doch dies ist noch nicht alles. Gibt es doch andere Beweise als die der Wissenschaft, Beweise des Herzens. Ich habe Abbildungen der römischen Christusdarstellungen gesehen. Woher wusste ich, ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, dass Christus nicht so ausgesehen hat? Betrachte ich dagegen einen Christus Dürers oder Giottos oder des Griechen Theotocopuli, weiß ich da nicht ebenso unmittelbar, dass diese dem wahren Christus viel näher sind?

Passt das Giotto Bild hier wirklich mit dem Bild auf dem Tuch zusammen? Ein andermal hier, was ich sonst noch dazu überlege

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