Zur Eröffnung der Miseror Fastenaktion der Diözese Augsburg in der Pfarrgemeinde Thannhausen lade ich herzlich ein. Mit dieser Einladung bin ich nicht allein, es scheint, dass sogar die Wise Guys eine Videobotschaft präsentieren wollen. Hauptevent ist der Gottesdienst am nächsten Sonntag 10:15 Uhr und das anschließende bunte Programm mit Fastenessen. Interessant sind vor allem die Gäste aus China, Peru und Brasilien. Fastenmotto: Entdecke, was zählt!

Robert Scholl erzählte seinen Kindern, dass die Leute, die in Dachau gesessen waren, versprechen mussten, nicht zu erzählen, was dort passiert. Ich weiß nicht, wieviele Künstler so etwas mitmachen mussten und lebend davon kamen. Am Sonntag zu Gast in Thannhausen ist jedenfalls ein Künstler, der aus einem chinesischen Umerziehungslager wieder herausgekommen ist. (14 Uhr Vorstellung im Pfarrsaal, 14:30 Workshop mit dem Künstler) Obwohl selbst nicht Christ, durfte Li Jinyuan das heurige Hungertuch von Misereor malen.

Halbstündige Andachten mit Sicht zum Hungertuch veranstaltet die KJT an den meisten Samstagen der Fastenzeit. Auf der Misereor-CD befinden sich einige richtig ansprechende Bilder des Künstlers, der heute als Kunstprofessor in China lebt, im Internet fand ich nicht viel, aber z.B. unteres, es hat etwas von einem unüberschaubar großen Land, von dem man träumen kann

Auch ein zweiter Gast, Carlos Lima, hat eine besondere Art “Umerziehung” hinter sich. Manche seiner Freunde aus der Landlosenbewegung Brasiliens haben nicht überlebt. Ich zitiere einen Artikel aus dem Jahr 2003, kurz nachdem dort im brasilianischen Nordosten ein Kapuzinerpater ermordet worden war.

Nach Aussage der CPT habe es bereits Treffen von “Pistoleiros” gegeben, um die Liquidierung der beiden Pastoralmitarbeiter Carlos Lima und Jose Severino sowie dreier Landlosenführer von Alagoas vorzubereiten. Die CPT fürchtet, dass Großgrundbesitzer vor allem im Nordosten Brasiliens zunehmend zur Gewalt übergehen. Dort würden zahllose Milizen gebildet, um gegen die immer besser organisierte Landlosenbewegung vorzugehen. Die Kirche lasse sich durch die jüngsten Bedrohungen aber nicht einschüchtern, heißt es in der Erklärung.

Denke, mit den obigen beiden Gästen kommt schon so etwas wie der Geist des Widerstands nach Thannhausen, dem wir beim Theaterspielen nachspüren wollten.

Und dann kommt ja noch jemand aus Lateinamerika: Bischof Strotmann Hoppe aus Peru. Als einziger von den dreien wird er wohl fließend deutsch sprechen: wie Schwarzenegger, im deutschen Sprachraum geboren, aber woanders Bischof. Dass er intensiv mit Misereor zusammenarbeitet, spricht für diesen Mann. Ein politisches Statement zum Kennenlernen findet sich hier. Zitat:

Ich kann mir auch auf Weltebene nur vorstellen, dass es irgendwann einmal so etwas wie eine Koalition zwischen Lateinamerika und Europa gibt – das sind ja doch die einzigen Bereiche auf Weltebene, wo so etwas wie die christliche Soziallehre Ansprechpartner findet.

One Response to “Bildung für Eine Welt und Umerziehungslager”

  1. fangtunsdoch Says:

    Es gab einen recht informativen Vorbericht zu Carlos Limas Thannhausentrip unter
    http://www.boennigheimerzeitung.de/bz/html/news/artikel_brennpunkt.php4?artikel=2720593
    Die Journalistin Gabriela Greess war dann auch in Thannhausen.


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