Von der Luft; JuKa-Info
12. Februar 2007
Wer die Juka Info (noch) nicht hat, hier Michi W.s Artikel über das Münchner Wochenende, mit viel Spaß an der Sprache geschrieben. In der Luft liegen ist vielleicht noch toller als fliegen (Menschen können das nicht, Vögel nur recht mäßig, aber Gerüche, die schaffen es, dass sie in der Luft liegen. Vielleicht aber auch…)
Es liegt was in der Luft
Ein Gerücht schwebt durch die Luft, nichts weiter. Dafür, dass es nur ein Gerücht ist, hält es sich dann aber recht wacker und will sich nicht in Luft auflösen. Anfang Januar die Bestätigung, es lässt sich nicht vertreiben, es ist wahr, dass wir unser Theaterstück in München aufführen werden. Wer hätte das gedacht. Die Organisation beginnt und eine Woche später finden sich fast alle Mitwirkenden zur Hauptprobe mit Requisitentest im Thannhausener Pfarrheim ein. Textbücher werden wieder gewälzt –wie schnell man doch manche Sachen vergisst: einen Satz, eine Geste, ein Requisit, den richtigen Bühnenaufgang, … Nach vier Stunden finden wir uns mitten im Theaterstück wieder. Die Aufregung ist da, zwar noch nicht bei jedem spürbar, aber sie liegt in der Luft.
Während der ganzen Woche werden Theaterutensilien ins Pfarrheim geschleppt, Licht und Soundtechnik, vergessene Requisiten, …. Freitags wird der LKW beladen und Dank des Sturms fahren ein paar mehr mit zum Aufbau. Die McDonalds-Verkäuferin konnte wahrscheinlich gar nicht glauben, wie oft am Tag ein deja-vu passieren kann.
Stress liegt in der Luft bis nachts um 4 Uhr. Manch einer wacht unerwartet auf dem roten Lederwippstuhl auf und schläft auf dem Boden weiter, da ihm alles weh tut. Währenddessen spielen andere immer noch mit dem Licht für die Bühne. Morgens, gut zweieinhalb Stunden später (6.30 Uhr), macht sich das Aufbauteam zum Baden bereit. Es geht ins schöne Jugendstil-Hallenbad in München. Die restliche Mannschaft nimmt den 7.45 Uhr Zug in die Landeshauptstadt. Es empfängt uns ein etwas übernächtigtes Aufbauteam, das trotz ihrer Schlitzaugen den Weg zur Karmelitenkirche (du gehst vom Stachus aus Richtung Marienplatz, auf der linken Seite erscheint die Frauenkirche, hier links in die Straße einbiegen und am Ende der kurzen Straße seht ihr die Karmelitenkirche am Eck, fast gegenüber vom Bayrischen Hof) findet. Hier folgt eine kurze Ansprache, danach gehts auf zum Proben. Wie immer folgt für jeden Einzelnen vorher der Requisitentest, d.h. jeder schaut für sich, ob seine Requisiten auf dem richtigen Tisch (Akt I, II, oder III – Tisch) liegen. Wir beginnen. Eine normale Generalprobe ist es nicht, da immer wieder für die Lichttechnik unterbrochen werden muss (1. neue zusätzliche Lichter und neuer Standpunkt, 2. teilweise neue Lichtcrew). Es folgt ein langer Probentag. Mit dabei ist eine Schauspielerin die uns, wenn wir wollen, Tipps und Anregungen gib.
Vergebens warteten wir auf unseren ersehnten Stadtbummel. Um 16 Uhr ziehen wir mit unseren Rucksäcken los zur Schlafunterkunft in der kath. Fachhochschule für Sozialberufe. Wir sind erschöpft. Nach dem Essen fahren wir mit der Straßenbahn zurück. Natürlich sind wir zu spät dran, deshalb singen wir uns an der Haltestelle und in der Straßenbahn ein und verkaufen sogar eine Karte. In der Kirche werden wir empfangen. Eine weiße, fremde und seltsam anmutende Gestalt schüttelt uns die Hand. Viele Thannhausener Eltern sind gekommen und managen den Verkauf/Einlass und den Pausenverkauf. Die Aufregung ist jetzt spürbar. Münchner, Freunde, Verwandte und Bekannte, alle sind sie da. Die Aufführung wird ein voller Erfolg! Marci (Otl Aicher) verschlägt es sogar die Stimme… . Sogar Pater Christian Liebenstein war erschienen und ein Mitglied der -Weißen Rose-. Sichtlich bewegt von unserem Theaterstück tritt anschließend Herr Müller auf die Bühne. Mit seinen 84 Jahren kein leichtes Unterfangen nochmals über das Geschehene zu berichten. Er selbst war mit vielen Mitgliedern der -Weißen Rose- im zweiten Prozess angeklagt. Er hatte -Glück-, nur 5 Jahre Haft, zwei von ihnen wurden dagegen zum Tode verurteilt, andere kamen mit ihrem Leben davon. Vielleicht lag es daran, dass er blond und blauäugig war und somit nach der damaligen Anschauung einem Arier entsprach. Es war bewegend wie und was er alles zu erzählen hatte. Es ist nicht möglich, dies in wenigen Sätzen hier wieder zu geben.
Müdigkeit liegt in der Luft. Nachdem wir alles für den ersten Akt hergerichtet haben, fahren wir zurück zu unserer Schlafunterkunft. Die meisten gehen gleich schlafen, andere dagegen genießen noch ihren Zitronentee in einem Weizenglas.
Geräusche liegen in der Luft. Unglaublich von wie vielen Tönen man mitten in der Nacht geweckt werden kann (hohes Schnarchen über Reden bis hin zum Schmatzen im Schlaf). Die Nacht ist kurz und nach dem Frühstück geht es gepackt wieder zurück zur Karmelitenkirche. Dort erwartet uns bereits Godehard Brüntrup S.J. (ein Jesuitenpater) (Aehnlichkeiten mit Einstein waren nicht zu leugnen (Aussehen und IQ)). Wir feiern zusammen Gottesdienst. Aber nicht wie üblich in den Bänken, sondern auf unserer Theaterbühne. Es ist echt toll, genau dort zu feiern wo wir auch die meiste Zeit verbringen, nämlich auf der Bühne. Wie unkompliziert, einfach und ohne Schnick-Schnack eine Messe sein kann, ist erstaunlich. Das Ergebnis ist ein tiefgehender Gottesdienst mit bleibender Botschaft für den Alltag – Solange die Geschichte lebt, lebt auch der Glaube.
Schweinebraten-Duft liegt in der Luft. Welch ein Genuss! Zu dieser urbayrischen Speise in einem traditionsreichen und weltberühmten Gasthaus (Augustiner) lädt uns die Regie ein. Nach diesem üppigen und deftigen Mittagessen liegt so manchem ein erholsamer Mittagsschlaf näher als das bevorstehende Theaterspiel. Aber spätestens nach der Streitszene der Teufel sind die Akkus wieder aufgeladen. Selbst Gerhard, Tom und Kai lassen es sich nicht nehmen bei dem Gastauftritt in München dabei zu sein. Nachdem der Vorhang -definitiv- das letzte Mal gefallen ist, liegt Abbaustimmung in der Luft. Um 20 Uhr ist es dann endlich geschafft! Hundemüde und mit Stolz erfüllt machen wir uns auf den Heimweg, frei nach dem Motto: FANGT UNS DOCH
Anhang fangtunsdoch: Dass Menschen doch in der Luft liegen können zeigt eines der Fotos des Jahres 2006, ein Straßentänzer, zu bestaunen beispielsweise in der FAZ.
