Graphikkonzept und Aladins Wunderlampe
29. Januar 2007
Wir hatten ein verhältnismäßig einheitliches graphisches Konzept. Die dünn aufgetragenen Flüchtenden auf dem Plakat, der Körper aller Gestalten im Programm ist weiß gelassen. Ob das mehr etwas Chinesisches ist oder den Kohlezeichnungen (man verbessere mich, wenn das falsch ist) einer Käthe Kollwitz oder einer Tisa von der Schulenburg nachempfunden ist, kann ich nicht sagen. Sicher ist es auch original Dominik G. Im Programm malt Domi wie die letzteren Malerinnen eher die vom Schicksal gezeichneten Menschen. Anders die Vorderseite. Dort laufen wahlweise Hans und Sophie Scholl – oder Lilo Ramdohr und Alexander Schmorell – dem Betrachter davon. Sie laufen nicht mehr wie Kinder, sie scheinen das Leben zu kennen, die Frau schaut sogar bewusst und skeptisch nach hinten. Aber sie laufen leicht. Unsere gemeinsame Intension ist ja, dass sie den Titel widerspiegeln. Fangt uns doch! (Zu leicht, und zu überraschend sei dieser Schluss gewesen, so sagten uns manche Zuschauer.)
Was an unserem graphischen Konzept noch nicht kommentiert ist, sind die Schnörkel und Fahrer auf Plakat und Eintrittskarte. Schon Jahre zuvor hat der Künstler die Wände seines Ateliers mit ähnlichen Farbspuren bemalt. Vielleicht verraten die Farben, gelb, rot, orange etwas. (Bei uns im Stück sind das die Freudenfarben, die am Ende von der Bühnenmitte purzeln.) Mich jedenfalls erinnert das alles an Aladin und die Wunderlampe (und ein entsprechendes Bilderbuch). Man reibt an der Lampe, dann wird es schnörkelig, seifenblasenartig, dann spritzen und schnörkeln die Farben, bis der Geist der Wunderlampe groß und furchterregend erscheint und sagt: Befehle mein Gebieter, dein Diener wird es tun! (Nicht zu vergessen, den Geist der Lampe selber malt Domi nicht, sondern nur wie sie erscheint.)
Was hat es mit der Lampe auf sich? Sie befindet sich in einer Schatzkammer, die nur Allah-ed-Din betreten kann. Jeder einzelne Edelstein in dieser Schatzkammer ist größer, wertvoller und leuchtender als alle Edelsteine der Könige dieser Welt. Freilich, die alte (verstaubte) Lampe ist der größte Schatz in dieser unterirdischen Kammer. (Ala-ed-Din freilich denkt, das sind alles nur falsche Glasperlen.) Ich hörte mir die Geschichte vorige Woche mal wieder an. Die bewegendste Szene ist die, als der Zauberer, der vermeintliche Onkel des Ala-ed-Din, dem Jungen vor der Schatzkammer davon erzählt, dass nur er diesen Schatz heben kann. Im Rest der Geschichte wird der Zauberer als durchtrieben und böse dargestellt, aber hier hilft er Aladin. Er gibt ihm sogar einen Zauberring von seinem Finger, der Aladin dann in großer Not eine wertvolle Hilfe ist.
Der Verweis ist auf die inneren Schätze des Menschen. Eines jeden Menschen, auch eines Nichtsnutzes, denn ein solcher soll Ala-ed-Din gewesen sein, bevor der maurische Zauberer die Familie im fernen China besuchte. Er hätte sich mit 15 Jahren nur mit seinesgleichen auf der Straße herumgetrieben und seine verwitwete Mutter allein für den Lebensunterhalt arbeiten lassen. Dass da ein Schatz im Inneren des Menschen ist, ist höchst verwunderlich. Trotzdem, vielleicht ist das der Normalfall. Domi deutet das durch das Leerlassen der Figurenkörper an. Und durch das Bild vom vorsichtigen Griff nach der Rose (auf der Mittelseite des Programmheftes).
Und natürlich ändert sich Ala-ed-Dins Leben vollkommen, als er diesen Schatz entdeckt hat. Er ehrt jetzt seine Mutter und lernt, was Liebe ist.
