Die Blätter sind gefallen

16. Januar 2007

Wenn in der Ludwigs Maximilians Universität, München, vom Hauptgang vor dem AudiMax Flugblätter von der Decke segeln, schaut das erstens recht hübsch aus. Zweitens rufen die Blätter sozusagen „Fangt uns doch“ (den Titel eines gewissen Theaterstückes). Drittens stellt man sich in die Geschichte der Geschwister Scholl, die seinerseits auch Flugblätter vom zweiten Stock in die Haupthalle fallen ließen. Die Folgen sind freilich heute viel harmloser. Es wird nur vor der Geschwister Scholl Gedächtnisvorlesung mit Gesine Schwan am gestrigen Abend nicht gern gesehen, dass man Flyer verteilt, wenn so viel Presse und Fernsehen in der Nähe ist.

Nachher hat die Sache freilich niemand gestört. Ganz im Gegenteil. Fast alle Leute aus dem recht gut besetzten Auditorium Maximum haben zur Decke geschaut und eines der Flyer, die für unser Stück werben, genommen. Wir hoffen, dass manche auch den Weg in die Karmelitenkirche am Wochenende finden und dass wir, auch wenn wir sicher hinter dem Anspruch von echten Widerstandskämpfern zurückbleiben – schließlich spielen wir nur Theater – Interesse für sie wecken, Interesse bestärken und nicht lügen (verfälschen tut ein Theater wahrscheinlich auch zwangsläufig).

Dr. Gesine Schwan betonte im Rückgriff auf Montesquieu die Liebe zur Gleichheit, ein starkes Gefühl. Sie sei die charakteristische Emotion der demokratischen Menschen (so wie die Furcht zur Despotie und das Ehrgefühl zur Monarchie gehört). Wie hätten wir auf eine andere Weise alle Besucher der Vorlesung in gleicher Weise ansprechen können?

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