Sophie und Suse
17. Oktober 2006
Verrücktes Foto, erinnert mich an die spiegelhafte Gegenüberstellung der beiden Freundinnen bei uns im Stück. Die beiden Mädels Sophie Scholl und Susanne Hirzel (beide Jahrgang 1921, wie alt auf dem Bild? Was denkt ihr? 17 Jahre?) am Rande ihrer Gruppe, beide in Profilen, wie niemand in der Gruppe sonst – und wenigstens von ihrer Position her gespiegelt.
Susanne Hirzel war die einzige Mit-Widerständlerin von Sophies ehemaligen BDM-Bekanntschaften. (Aus der BDM-Zeit ist es auch nur eine, die in nächster Nähe der weißen Rose aktiv war: Gisela Schertling) Eigentlich wollte Susanne Hirzel 1943 nichts Aktives gegen das Regime tun, sondern nur ihre Stuttgarter Wohnung (wo sie Musik studierte) zur Verfügung stellen. Ihre politische Haltung war eindeutig, aber das Risiko schien ihr zu groß und die Erfolgsaussichten zu gering. (Jungen, die sowieso an die Front geschickt wurden, hatten deshalb aus ihrer Hinsicht bessere Gründe ihr Leben im Widerstand zu riskieren. Denn das erhöhte Sterberisiko gab es ja auch an der Front aus gegenteiligem Zweck.) Tatsächlich hat sie aber zusammen mit ihrem Bruder in Stuttgart das fünfte Flugblatt in Briefkästen verteilt. Sie wurde 1943 gefangen genommen, doch wurde sie nicht zum Tode, sondern nur zu Gefängnishaft verurteilt. Sie kam nach einem halben Jahr frei.
Das Außenstehen der Widerständler – wie es auf dem Foto sichtbar ist – wiederholt sich nach dem Krieg. Im ZDF erzählt Susanne Hirzel:
„Nach dem Krieg waren wir ja gar nicht angesehen, das konnte man gar nicht erzählen. Da war die weiße Rose nicht geschätzt. Viele Leute, die haben gesagt, Ihr seid doch der Front in den Rücken gefallen, wie kann man denn das, man muss doch zusammen halten, man darf nicht aus der Reihe tanzen, man muss mit machen. Was da kommt, muss man doch mitmachen.“
Ich habe in der eigenen Verwandtschaft Ähnliches erzählt bekommen. Man hat auch lange Jahre überhaupt nicht von der jüngsten Vergangenheit gesprochen, in der Schule hat man die Nazi-Zeit nicht durchgenommen.
Wenn diese Zeit heute manchmal in der Mitte der Aufmerksamkeit ist, vielleicht ist das schon wieder eine Ausflucht vor irgendetwas, vielleicht heutigen dringenden Problemen: Völkermord in Darfur und die UNO kuckt zu, Bulldozern über den Vorstadtsiedlungen in Simbabwe, tote Journalisten in Russland … und wohl noch ganz anderes.