Fehleinschätzungen: Ziegler vs. Zankel
16. Oktober 2006
Armin Ziegler und Söhnke Zankel fetzen sich über ihre Einschätzungen der Protagonisten des Widerstandskreises. Ich zitiere ein Beispiel, die Debatte über die Biographie der Sophie Scholl.
Zunächst Armin Ziegler:
Ich halte [Zankels biographische Erzählungen] für farblos und ohne Leben. Aus ihnen kommen dem Leser keine starken Persönlichkeiten entgegen, was sie ja alle auf ihre eigene Art waren. Wo ist z.B. die künstlerisch hochbegabte, eigenwillige und nachdenkliche Sophie, die viel liest, wenig spricht, ihre Gedanken eher schriftlich ausdrückt, die zwischen ihren Zuneigungen zu Männern schwankt und sich mit ihrem Gott selbstquälerisch auseinandersetzt? Da zuckt man zusammen, wenn da lapidar steht: „Konstitutiv für ihren Widerstand war der Glaube jedoch nicht.“
Zankels Antwort auf diesen Punkt:
Sie werfen mir vor, die Biographien würden farblos bleiben, so z.B. die von Sophie Scholl. Ich hätte schreiben sollen, wie sie „zwischen ihren Zuneigungen zu Männern schwankt“. Dazu kann ich nur sagen, dass für mich nur die Fragen bedeutend sind, die nach einer Handlungsrelevanz fragen. Beziehungsfragen, die sich fern davon befinden, habe ich bewusst ausgeklammert, auch wenn man hier einiges hätte skandalisieren können.
Zankel ist nicht in allen seinen Antworten so gemäßigt, z.B. schreibt er
Auch wenn Sie es nicht wörtlich schreiben, so tun Sie doch so als wären Sie ein Historiker und führen die Leser Ihrer Homepage dadurch in die Irre. Da ist als Verfasser nur „Dr. Armin Ziegler“ genannt.
Ich denke mir, ich bin bei beiden Autoren im falschen Film. Ich bin nicht sicher, ob Sophie wenig spricht. Ob ihr Gebet selbstquälerisch ist, ob es so hervorzuheben ist, sich mal in einen anderen Mann zu verkucken, ob nicht ihr Glaube (im Sinne einer Neudefinition ihrer Person in der Zeit im RAD-Internat, als sie Augustinus las) nicht konstitutiv für ihren Widerstand war.
Bin glücklich, dass ich kein Historiker bin und deshalb in dieser Auseinadersetzung nichts zu sagen habe, sondern dass ich nur jemanden recht gut kenne, der ein Theaterstück über das alles geschrieben hat.