Erster Artikel in der Presse
12. Oktober 2006
Im Hoi’garta für den Monat November können wir einen Artikel und ein bis zwei Fotos veröffentlichen. Es könnte der folgende Artikel werden (verbesserte Version 20.10.):
Fangt uns doch – Theaterprojekt der KJT
Wie es kam, dass Hans und Sophie Scholl gegen die nationalsozialistische Diktatur aktiv wurden
Im Frühjahr 2005 begeisterte ein Kinofilm, der die letzten Tage der Ulmer Widerständlerin Sophie Scholl zeigte. Der Film berichtet, wie sie im Februar 1943 mit ihrem Bruder Hans beim Flugblätterverteilen in der Münchner Universität ertappt und nach wenigen Tagen Gefängnis zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Gut zwanzig Jahre zuvor hatte der Film „Die weiße Rose“ die Vorgeschichte erzählt. Wie Münchner Studenten, darunter jene Geschwister Scholl, sich zusammenschlossen und anfingen, die Bevölkerung durch Briefe und nächtliche Malaktion zum Widerstand gegen die braune Diktatur aufzurufen.
Warum aber haben nicht mehr Menschen etwas gegen die nationalsozialistische Diktatur unternommen? Was prägte gerade die beiden Schwaben in der Münchner Widerstandsgruppe, Hans und Sophie Scholl? Warum konnten sie wider den Ungeist der Zeit aktiv werden?
Auch diese Geschichte kann man erzählen. Diesen „Vorfilm“ für die beiden Kinofilme hat sich die Katholische Jugend Thannhausen (KJT) als Theaterprojekt vorgenommen. Texte und Lieder sind selbst geschrieben, so dass es am 18. November im Pfarrheim Thannhausen (19 Uhr) zu einer Uraufführung kommen wird. Ein eindrucksvoller Projektchor, ein fleißiges Bühnenbauteam und 30 Schauspieler freuen sich zu erzählen, welche Umstände, Freunde, Ideen und Gefühle die Ulmer Jugendlichen im Dritten Reich geformt haben.
Diese Einflüsse sind nicht immer die besten. Als noch alle fünf Kinder auf der Schule waren, wurde der Vater Robert Scholl als Bürgermeister einer schwäbischen Kleinstadt abgewählt, musste vollständig beruflich umsatteln und konnte nur mit großer Anstrengung seine Familie über die Runden bringen. Hans und Sophie Scholl waren in Ulm begeisterte Hitlerjungen und Jungmädels. In Schule und Freizeit lernten sie also die nationalsozialistische Weltanschauung. Nach der Schulzeit konnte niemand so einfach tun, was er wollte, Jungen mussten zum Militär und in den Krieg, Mädchen zum Reichsarbeitsdienst und zum Feriendienst in die Munitionsfabrik. Immerhin konnte das den Schollgeschwistern nicht die Freude am Leben verderben.
Wie kam es nun, dass Hans und Sophie Scholl gegen die nationalsozialistische Diktatur aktiv wurden? Das Theaterspiel bietet als Antwort keine These aus einem Lehrbuch, sondern dramatisches Geschehen und Bilder: Es ist, wie wenn jemand oder etwas auf einer Rennbahn lossprintet und den anderen zuruft: Fangt mich doch! Daher der Titel des Stücks „Fangt uns doch“, daher die gezimmerte Bühne in Form in der Form Viertel-Kreises einer Radrennbahn.
Eine Rennbahn ist freilich meist in einer Arena, einem gewölbten Innenraum. Ebenfalls in einem Innenraum, im menschlichen Inneren, in einer gewissen Unabhängigkeit von Genen, Erziehung und Milieu, fallen die Entscheidungen der Menschen. Ein solcher Innenraum wird auf der Bühne im Pfarrheim gebaut. Aus diesem Innenraum spricht das Schlusslied: „Sieh in dich“. Sieh einfach nach, inwieweit du es mitmachst, dass Freiheit und menschliche Würde unterdrückt werden, und sieh ebenso, inwieweit du nicht mitmachst. Hast du nicht selbst (in dir) die Antwort längst gefunden, warum Hans und Sophie Scholl gegen das gottes- und menschenverachtende Nazi-System aktiv wurden? Ein Theaterabend bei der KJT mag helfen, sich dieser (seiner eigenen) Antwort zu vergewissern: Fang sie doch. Fangt uns doch, uns Widerständler! Fang diese Menschen, die damals an ein anderes Deutschland glaubten! Fang sie, denen wir unser Deutschland verdanken. Fang sie, die den Geist unserer Verfassung geprägt haben.
Viele aus der „Fangt uns doch“ Gruppe waren schon beim Theaterprojekt Krabat im Jahr 2003 dabei. So sind die Schauspieler und Regisseure heute zwischen 15 und 36 Jahren. Sie spielen am Samstag, 18. und 25. November je um 19 Uhr, am Sonntag, 19. November um 14 Uhr und am Sonntag, 26. November um 16:30 Uhr. Karten zu 7 € (ermäßigt 4 €) gibt es bei …