„Das Herz hat seine Gründe“, so der Titel eines meiner Lieblingsbuches (Buch des Jahres 2004), das Zitat stammt von Blaise Pascal.

TotenmaskeWir arbeiten für unser Stück an einer Büste von Blaise Pascal, mein Gesicht kommt seiner Totenmaske tatsächlich vom Alter her am ähnlichsten. Vom Aussehen, das möge jeder selbst beurteilen. Pascal, sein Leben lang von schwacher Gesundheit, „starb am 19. August 1662, er wurde 39 Jahre und 2 Monate alt. Als sein Körper geöffnet wurde, sah man, daß Magen und Leber zusammengeschrumpft, das Gedärm war verfault und im Gehirn fand sich Blutgerinnsel. Trotzdem zeigt seine Totenmaske ein Lächeln, das beweist, daß Blaise Pascal von einem Frieden wußte, dem seine Krankheit und sein Tod nichts anhaben konnte.“ (Zitat aus einer Radiosendung.)

Was haben Carl Muth und der Weiße-Rose-Kreis an diesem Denker des 17. Jahrhunderts geschätzt? (Pascals naturwissenschaftliche und mathematische Entdeckungen sind längst Standart und inzwischen sehr verfeinert, Newton war wohl ein noch genialerer mathematisch-physikalischer Entdecker.)

Ich vermute, dass wenigstens ein faszinierender Punkt an Pascal ist es, dass er das Problem von Glauben und Naturwissenschaft ernst genommen hat. Man sagt in kirchlichen Kreisen gerne so: Da gibt es eine naturwissenschaftliche Entdeckung, sie könnte wahr sein, aber unser religiöses Wissen ist doch viel grundlegender und existentiell gewisser, im Zweifelsfall hat die religiöse Tradition recht.

Pascal dachte mehr, wie ein heutiger wissenschaftlich gebildeter (oder wissenschafts-„gläubiger“) Mensch denkt. Da gibt ein naturwissenschaftliches Phänomen. Welche Auswirkungen hat das auf meine Weltanschauung? Was ist an meiner Religion falsch, weil es nicht mit der Wissenschaft zusammenpasst?

Da war also im 17. Jahrhundert die wissenschaftliche Erkenntnis, dass die Sonne sich nicht um die Erde dreht. Man könnte sagen, das ist eine Frage der Perspektive, wenn man die Erde als Mittelpunkt denkt, werden die Rechnungen komplizierter, aber prinzipiell passt beides. Biologisch versteht man den Menschen am besten als das ausdifferenzierteste Lebewesen, dem entsprechen die theologischen Grundtexte: Als letztes Lebewesen wird er in der 7-Tage Geschichte auf die Erde gesetzt, Gott hat es beliebt, in Jesus menschliche Gestalt anzunehmen, und er hat den Plan, alle Menschen mit Hilfe der Jünger Jesu zu einer gewaltlosen Gesellschaft zusammenzuführen (und erst sollte es je mit den Menschen so weit sein, könnte vielleicht auch die übrige Natur nachziehen).

Ganz anders als diese schöne beruhigende Reaktion ist die Reaktion des Blaise Pascal:

Ich schaue die grauenvollen Räume des Universums, die mich einschließen und ich finde mich an eine Ecke dieses weiten Weltenraumes gefesselt, ohne daß ich wüßte, weshalb ich nun hier und nicht etwa dort bin, noch weshalb ich die wenige Zeit, die mir zum Leben gegeben ist, jetzt erhielt und an keinem anderen Zeitpunkt der Ewigkeit, die vor mir war oder die nach mir sein wird. Ringsum sehe ich nichts als Unendlichkeiten, die mich wie ein Atom, wie einen Schatten umschließen, der nur einen Augenblick dauert, ohne Wiederkehr. Alles, was ich weiß, ist, daß ich bald sterben werde. Aber, was der Tod selbst ist, das weiß ich am wenigsten. (Aus der Radiosendung wie oben.)

Der Mann sagt nicht nur, dass die Wissenschaft recht hat, sondern auch, dass das Weltbild ins Schwanken bringt. Auf diese Weise sprechen noch heute viele Wissenschaftler, die zu Atheisten geworden sind.

Bei all seiner Klarsicht kämpfte Pascal um seinen Glauben. Daher die Rede, dass nicht nur das logische Denken Gründe vorbringt, sondern auch „das Herz“ (vgl Schaubild). Vor allem der Gedanke, dass der Mensch so verloren im Weltall stehen kann, und dennoch eine gewisse Zentralstellung im Universum hat: er als einziger erkennt sein Elend und seine Verlorenheit (vgl Pensée Nr.114) –ich kenne Pascal leider zu wenig, als dass ich wüsste, wie er genau argumentiert.

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